Auf einem Holzbrett liegen Fladenbrot, Hummus, Rote-Bete-Dip, eingelegtes Gemüse, Falafel und gegrilltes Gemüse, darüber stehen Schälchen mit Gewürzen.

Kultur und Genuss

Mezze: die kleinen Gerichte des Orients

Mezze sind kleine Gerichte, die in die Tischmitte kommen und geteilt werden: Hummus, Auberginencreme, Salate, gefüllte Weinblätter, dazu warmes Fladenbrot. Am stärksten verbreitet sind sie in Jordanien, im Libanon und in der Türkei, wo sie Meze heißen. Bestell zu zweit vier bis sechs Schalen und entscheide danach, ob du noch ein Hauptgericht brauchst.

Auf einen Blick

Waskleine kalte und warme Gerichte zum Teilen
HochburgenLevante mit Jordanien und Libanon, Türkei
Mengezu zweit vier bis sechs Schalen als Einstieg
DazuFladenbrot, oft ohne Aufpreis nachgereicht
Vegetarischder größte Teil der Klassiker
Gegessenmit Brot statt Besteck, rechte Hand
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Mezze, die kleinen Gerichte für die Tischmitte, sind die einfachste Art, die Küche des Orients kennenzulernen. Statt eines großen Tellers pro Person kommen viele kleine Schalen in die Tischmitte, jeder nimmt mit einem Stück Brot, was ihn reizt, und nach einer Stunde ist der Tisch leer und das Gespräch noch lange nicht vorbei. Das Prinzip ist von der Türkei bis nach Ägypten verbreitet, aber jedes Land setzt eigene Schwerpunkte. Diese Seite zeigt dir die Klassiker, erklärt die Unterschiede zwischen den Regionen und hilft beim Bestellen, damit du nicht mit zwölf Schalen und zwei Hauptgerichten vor einem Berg Essen sitzt. Wie das Wort im Alltag verwendet wird, steht kurz im Glossar unter Mezze. Weitere Themen rund um Essen, Märkte und Bräuche findest du bei Kultur und Genuss.

Was Mezze sind und wie sie gegessen werden

Mezze sind keine festgelegten Gerichte, sondern eine Art zu essen. Kalte Cremes, Salate und eingelegtes Gemüse kommen zuerst, warme Kleinigkeiten wie Falafel, gefüllte Teigtaschen oder gegrillte Würstchen später. Brot ist dabei Besteck: Du reißt ein Stück vom Fladen, tunkst es in die Schale und nimmst damit auf. Gegessen und gereicht wird mit der rechten Hand. In muslimisch geprägten Lokalen ist das Fleisch halal, Schweinefleisch kommt nicht auf den Tisch.

Mezze sind ein Abendessen für Gesellschaft. Man bestellt nach und nach, isst langsam und bleibt sitzen. In der Türkei und im Libanon gehören Rakı oder Arak dazu, in Jordanien und am Golf meist frische Säfte, Tee oder Wasser, weil Alkohol nur in lizenzierten Lokalen ausgeschenkt wird. Wie das in den einzelnen Ländern geregelt ist, erklärt Alkohol im Orient.

Die Klassiker, die du kennen solltest

Gericht Was es ist Wo du es oft findest
Hummus Creme aus Kichererbsen, Tahina, Zitrone und Knoblauch überall von der Levante bis zum Golf
Mutabbal oder Baba Ghanoush über offener Flamme gegarte Aubergine, je nach Land mit Tahina oder Gemüse Jordanien, Ägypten, Golf
Tabbouleh Petersiliensalat mit wenig Bulgur, Tomate, Minze und Zitrone Levante, libanesische Lokale am Golf
Fattoush Salat mit gerösteten Brotstücken und Sumach Levante
Labneh abgetropfter, dicker Joghurt mit Olivenöl Jordanien, Golf
Gefüllte Weinblätter mit Reis und Kräutern, warm mit Fleisch Levante, Türkei als Yaprak Sarma
Muhammara Paste aus Paprika, Walnüssen und Granatapfelsirup Levante, in der Türkei ähnlich als Acuka
Falafel frittierte Bällchen, in Ägypten aus Ackerbohnen als Ta'ameya überall
Kibbeh Bällchen aus Bulgur und Hackfleisch, frittiert Levante, in der Türkei als İçli Köfte

Die Namen sind nicht überall gleich. Was in Jordanien Mutabbal heißt, kann im Nachbarland Baba Ghanoush sein und umgekehrt, und manche Lokale verwenden beide Namen für leicht verschiedene Rezepte. Frag im Zweifel nach, was drin ist, das ist völlig normal.

Unser Rat: Bestell Hummus und eine Auberginencreme als Messlatte. Wenn beide gut sind, kannst du dem Rest der Karte trauen. Ist der Hummus wässrig und fade, bleib bei Gegrilltem.

Mezze in den Ländern des Orients

Die Regionen unterscheiden sich stärker, als die Speisekarten vermuten lassen.

Levante und Jordanien

Hier sind Mezze am vielfältigsten. Ein Abendessen in Amman beginnt fast immer mit einer Runde kleiner Teller, und oft bleibt es dabei. Hummus, Mutabbal, Tabbouleh, Fattoush und gefüllte Weinblätter sind Standard, zum Frühstück kommen Falafel und Ful dazu. Was es sonst zu essen gibt, vom Nationalgericht Mansaf bis zur Knafeh, steht bei Essen in Jordanien.

Türkei

Meze sind hier eine eigene Kultur, vor allem in der Meyhane, dem Lokal für lange Abende mit Rakı. Viele Meze basieren auf Olivenöl und Gemüse, dazu Joghurt, Käse und an der Küste Fisch. Ein Kellner bringt oft eine Auswahl an den Tisch, und du suchst dir aus, was du willst. Mehr dazu bei Essen in der Türkei und, für die Lokale am Bosporus, bei Essen in Istanbul.

Ägypten

Das Prinzip ist bekannt, heißt aber selten Mezze. Vor dem Essen kommen Tahina, Baba Ghanoush, eingelegtes Gemüse und kleine Salate, dazu das Fladenbrot Aish. Außerhalb guter Hotels und Restaurants verzichtest du besser auf rohe Salate. Welche Gerichte danach folgen und worauf du bei der Hygiene achtest, erklärt Essen in Ägypten.

Golfstaaten

In den VAE und im Oman isst du Mezze vor allem in libanesischen und syrischen Restaurants, die es dort in großer Zahl gibt. Die einheimische Küche kennt das Prinzip kleiner Teller kaum, sie setzt auf große Platten mit Reis und Fleisch. Was emiratisch und omanisch auf den Tisch kommt, steht bei Essen in den VAE und Essen im Oman.

Maghreb

In Marokko beginnt ein Essen oft mit mehreren gekochten Salaten, etwa aus Auberginen oder Paprika mit Tomaten, bevor Tajine oder Couscous kommen. In Tunesien heißen kleine Häppchen zum Getränk Kemia, dazu stehen oft Oliven, Thunfisch und Harissa auf dem Tisch. Beide Küchen sind eigenständig und nur entfernt mit den Mezze der Levante verwandt. Mehr dazu bei Essen in Marokko und Essen in Tunesien.

Richtig bestellen: Menge, Reihenfolge, Preis

Die häufigste Panne ist, zu viel zu bestellen. Mezze sind kleiner als eine Vorspeise in Deutschland, aber größer, als viele denken, und Brot gibt es meist ohne Aufpreis nach.

  • Zu zweit: vier bis sechs Schalen für den Anfang, davon zwei oder drei kalte und eine oder zwei warme.
  • Zu viert: sechs bis acht Schalen, dann eine zweite Runde nach Bedarf.
  • Hauptgericht erst danach entscheiden. Oft reicht ein gegrilltes Gericht für alle zusammen.
  • Kalte Mezze zuerst, warme später, damit Falafel und Teigtaschen nicht kalt werden.

Die Preise unterscheiden sich stark. In einfachen Lokalen in Kairo oder Amman kosten Mezze wenig, in Restaurants in Dubai oder in den Touristenvierteln von Istanbul ein Vielfaches. Achte auf Karten ohne Preise und auf Teller, die ungefragt an den Tisch kommen. In manchen Lokalen werden diese mitberechnet, in anderen gehören sie zum Service, also frag kurz nach, bevor du zugreifst.

Typischer Fehler: Das Tablett mit allen Meze annehmen, weil es so schön aussieht. In der Türkei zeigt dir der Kellner die Auswahl, damit du dir einzelne Schalen aussuchst. Wer „alles“ sagt, zahlt auch für alles.

Vegetarisch, vegan und was du meiden solltest

Für Vegetarier sind Mezze ein Glücksfall. Die meisten Klassiker kommen ohne Fleisch aus, und mit Hummus, Falafel, Salaten und Gemüse in Olivenöl bist du satt. Veganer achten auf Joghurt, Labneh, Käse und Butterschmalz, außerdem stecken in manchen warmen Gerichten Ei oder Brühe. Glutenfrei wird es schwieriger, weil Brot, Bulgur und Teig überall dabei sind.

Bei der Hygiene gilt der gesunde Menschenverstand: Frisch Zubereitetes aus vollen Lokalen ist meist unproblematisch. Cremes und Salate, die stundenlang in der Auslage stehen, eher nicht, vor allem bei Hitze. Wer empfindlich ist, beginnt mit gekochten und gegrillten Mezze und tastet sich an rohe Salate heran.

Mezze zu Hause nachmachen

Wer nach der Reise selbst Mezze auf den Tisch stellen will, braucht wenig. Tahina, Kichererbsen, Auberginen, Zitronen, gute Petersilie, Granatapfelsirup und Sumach decken die meisten Klassiker ab. Sumach und Granatapfelsirup kaufst du am besten vor Ort auf dem Markt, Tahina gibt es inzwischen auch in Deutschland in guter Qualität. Worauf du beim Gewürzkauf in den Souks achtest und was du mitnehmen darfst, erklärt Gewürze aus dem Orient.

Häufige Fragen

Wie spricht man Mezze richtig aus?

Im Deutschen sagt man meist „Mes-se“ mit Betonung auf der ersten Silbe und stimmhaftem s. Auf Arabisch klingt es eher wie „Masa“ oder „Mezza“, auf Türkisch schreibt man Meze und betont die zweite Silbe. Verstanden wirst du mit jeder dieser Varianten. In Restaurants mit englischer Karte steht oft „mezze“ oder „mezza“, in der Türkei „meze“, gemeint ist überall dasselbe Prinzip.

Kann man von Mezze satt werden?

Ja, problemlos. Viele Einheimische essen abends nur Mezze und lassen das Hauptgericht weg, vor allem in Jordanien und in der Türkei. Mit Hummus, Falafel, einer Fleisch- oder Käse-Vorspeise und viel Brot hast du eine vollständige Mahlzeit. Bestell lieber in zwei Runden: erst kalte Schalen, dann warme, wenn du noch Hunger hast. Das ist günstiger, als sofort ein Hauptgericht pro Person dazuzunehmen.

Was sind typische türkische Meze-Spezialitäten?

Zu den Klassikern gehören Haydari aus dickem Joghurt mit Kräutern, die scharfe Paste Ezme aus Tomaten und Paprika, gefüllte Weinblätter mit Olivenöl, Auberginen in vielen Varianten und weißer Käse mit Melone. In Fischlokalen kommen marinierte Fische und Meeresfrüchte dazu. Oft bringt der Kellner ein Tablett mit kalten Meze an den Tisch, und du zeigst einfach auf das, was du möchtest.

Sind Mezze im Orient für Veganer geeignet?

Zu einem guten Teil. Hummus, Mutabbal ohne Joghurt, Tabbouleh, Fattoush, Falafel, gefüllte Weinblätter ohne Fleisch und die meisten marokkanischen Salate sind pflanzlich. Vorsicht bei Joghurt, Labneh, Käse und Butterschmalz in warmen Gerichten, außerdem wird manches mit Ei oder Brühe zubereitet. Frag bei jeder Schale kurz nach, auf Englisch reicht meist „no milk, no egg?“.

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Quellen und offizielle Informationen

Go Türkiye (Kultur- und Tourismusministerium): Şerefe, Meyhane-Kultur in Istanbul.

Veröffentlicht am , zuletzt geprüft am . Preise, Zeiten und Einreiseregeln entsprechen dem Stand November 2026 und können sich ändern. Maßgeblich sind die Angaben der genannten offiziellen Stellen.