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Auf orientalischen Speisekarten steht das Wort fast immer weit oben, oft als eigene Rubrik: Mezze. Gemeint ist keine Vorspeise im deutschen Sinn, sondern eine Art zu essen, bei der viele kleine Schalen in die Mitte kommen und alle zugreifen. Hier geht es um die Bedeutung des Wortes, die Schreibweisen von Istanbul bis Amman und darum, wie sich Mezze von Ähnlichem abgrenzen, kurz gefasst als Erklärung für Reisende. Welche Gerichte dazugehören und wie viele Schalen du bestellst, steht ausführlich auf der Seite Mezze im Orient. Mehr Begriffe für unterwegs erklärt das Orient-Glossar.
Was das Wort bedeutet
Mezze bezeichnet kleine Gerichte, die man teilt, meist zu Beginn eines Essens oder zu einem Getränk. Das Wort ist im Türkischen, Arabischen und Griechischen gleichermaßen zu Hause, was zeigt, wie lange diese Küchen nebeneinander gelebt haben. Im Türkischen heißt es Meze, im Griechischen ebenfalls, auf arabischen Karten liest du Mezze, Mezza oder Mazza.
Gesprochen wird es mit weichem s, ungefähr wie Me-se, der Ton liegt vorn. Das doppelte z in der deutschen Schreibung stammt aus der Umschrift und wird nicht als ts gesprochen.
Wichtig für den Wortsinn: Mezze sind keine festgelegten Rezepte. Ein Teller Hummus ist Mezze, wenn er geteilt wird. Dasselbe Gericht als Beilage zum Grillteller ist es nicht.
Wie sich der Begriff je nach Land verschiebt
| Land oder Region | Wie das Wort verwendet wird | Typischer Rahmen |
|---|---|---|
| Jordanien | Mezze als Auftakt oder ganze Mahlzeit | Familienessen, Restaurants in Amman |
| Türkei | Meze als Begleitung zum Getränk | Meyhane, langer Abend mit Rakı |
| VAE, Katar, Oman | Mezze vor allem in libanesischen und syrischen Lokalen | Restaurant, Hotel |
| Ägypten | Prinzip bekannt, Name selten | Tahina, Salate, Fladenbrot vor dem Hauptgang |
| Tunesien | Kemia, kleine Häppchen zum Getränk | Café, Bar, Restaurant |
| Marokko | gekochte Salate vor Tajine oder Couscous | Familienessen, Restaurant |
Jordanische Gastgeber decken abends meist zuerst ein Dutzend Schälchen auf, und nicht selten ersetzen sie das Hauptgericht. Was es dort sonst gibt, steht bei Essen in Jordanien. In Tunesien heißen die kleinen Teller nicht Mezze, sondern Kemia, mit Oliven, Thunfisch und Harissa, wie Essen in Tunesien erklärt.
Beispiele: wo du Mezze isst
In Istanbul ist die Meyhane der klassische Ort für Meze. Go Türkiye, das Portal des Tourismusministeriums, beschreibt die Meyhane-Kultur als Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird, und nennt Viertel wie Kurtuluş, Moda, Karaköy, Balat, Beyoğlu, Yedikule und Çengelköy. Häufig trägt der Kellner ein Tablett mit kalten Schälchen herbei, und du wählst per Fingerzeig. Typisch sind in Olivenöl geschmortes Gemüse, Joghurtcremes, Schafskäse und, nahe am Wasser, marinierter Fisch. Wo du in der Stadt gut isst, sammelt die Seite Essen in Istanbul.
In Amman sitzt du dagegen in Familienrestaurants, und Mezze sind der Hauptteil des Essens: Hummus, Mutabbal, Tabbouleh, Fattoush, gefüllte Weinblätter, Labneh mit Olivenöl.
In Dubai, Abu Dhabi und Doha stammen die meisten Mezze-Karten aus der libanesischen und syrischen Küche, deren Restaurants dort weit verbreitet sind. Emiratische Hausmannskost kommt dagegen auf großen Reisplatten mit Lamm oder Huhn. Fleisch ist in diesen Lokalen halal, also nach islamischen Regeln geschlachtet, Gerichte mit Schwein suchst du vergeblich.
Abgrenzung: Mezze, Vorspeise, Tapas
- Vorspeise: In Europa ein Teller pro Person vor dem Hauptgang. Mezze dagegen werden geteilt und können die ganze Mahlzeit sein.
- Tapas: Die spanischen Häppchen funktionieren ähnlich, sind aber oft kleiner und werden eher im Stehen an der Bar gegessen.
- Mezze-Teller: Die Platte aus deutschen Restaurants ist eine praktische Kurzform, mit dem Abend in der Meyhane hat sie wenig gemein.
- Kemia: das tunesische Gegenstück zu den Häppchen zum Getränk, kleiner und einfacher.
Was Reisende davon haben
Wer den Begriff kennt, bestellt entspannter. Mezze sind die einfachste Art, viele Gerichte auf einmal zu probieren, ideal am ersten Abend in einem neuen Land. Sie sind außerdem oft vegetarisch, was das Essen für viele leichter macht. Zu zweit reichen für den Anfang vier bis sechs Schalen, nachbestellen kannst du immer.
Auch beim Getränk hilft der Begriff. In der Türkei gehört zum Meze-Abend klassisch der Anisschnaps Rakı. In Amman oder Doha stehen dagegen eher Limonade mit Minze, Ayran oder Tee auf dem Tisch, Wein und Bier gibt es dort nur in Restaurants mit Lizenz. Die Regeln für jedes Land fasst der Ratgeber Alkohol im Orient zusammen. Und wer ein Lokal testen will, bestellt zuerst Hummus: Ist er cremig und frisch, kannst du dem Rest der Karte meist trauen.
Gut zu wissen: Brot ist bei Mezze das Besteck. Reiß ein Stück vom Fladen ab und nimm damit auf, und nutze dafür die rechte Hand. Gabeln bekommst du auf Wunsch fast überall.
Häufige Fragen
Heißt es Mezze, Meze oder Mazza?
Alles ist richtig, es kommt auf das Land an. Im Türkischen schreibt man Meze, mit einem z. Auf arabischen Speisekarten liest du Mezze, Mezza oder Mazza, je nachdem, wie das arabische Wort in lateinische Buchstaben übertragen wurde. Auf Deutsch hat sich Mezze durchgesetzt. Gesprochen wird es mit weichem s, ungefähr wie Mese, die Betonung liegt auf der ersten Silbe.
Sind griechische Meze und türkische Meze dasselbe?
Sie sind eng verwandt. In beiden Ländern meint das Wort kleine Gerichte, die man zu einem Getränk teilt, in der Türkei zum Rakı, in Griechenland zum Ouzo. Viele Gerichte ähneln sich, etwa Joghurt mit Gurke, gefüllte Weinblätter oder gegrillter Oktopus. Die Würzung und einzelne Rezepte unterscheiden sich aber, und jede Küche hat ihre eigenen Spezialitäten.
Was unterscheidet einen Mezze-Teller in Deutschland von Mezze im Orient?
Vor allem die Menge und der Ablauf. Ein Mezze-Teller in Deutschland ist meist eine Vorspeisenplatte für eine Person mit drei oder vier Cremes. Im Orient kommen die Schalen einzeln auf den Tisch, werden nachbestellt und geteilt, und oft wird daraus die ganze Mahlzeit. Frisches, warmes Fladenbrot gehört dort fast immer dazu und wird meist ohne Aufpreis nachgereicht.

