Auf dieser Seite
Wer eine Woche im All-inclusive-Hotel verbringt, lernt die tunesische Küche nur in einer entschärften Buffetversion kennen. Das ist schade, denn Essen in Tunesien ist einer der besten Gründe, öfter rauszugehen. Die Küche ist eine Mischung aus Berbertradition, arabischem, osmanischem, italienischem und französischem Einfluss, und sie ist würziger als in den meisten Nachbarländern. Was sie ausmacht, was du probieren solltest, was du trinkst und wo du isst, steht hier, mit ein paar Hinweisen zu Hygiene und Preisen.
Was die tunesische Küche ausmacht
Drei Dinge prägen fast jedes Gericht: Olivenöl, Harissa und Getreide. Tunesien gehört zu den großen Olivenölproduzenten der Welt, und das schmeckst du. Salate werden damit übergossen, Brot wird hineingetunkt, Harissa wird damit glattgerührt.
Harissa ist die scharfe Chilipaste, ohne die hier wenig läuft. Die UNESCO hat das Wissen und die Praxis rund um Harissa 2022 als immaterielles Kulturerbe Tunesiens anerkannt. Die Chilis werden in der Sonne getrocknet, entkernt und mit Salz, Knoblauch und Koriander zerrieben. Oft machen Frauen sie in Familie oder Nachbarschaft gemeinsam, und jede Familie schwört auf ihre Mischung. Auch Couscous steht auf der UNESCO-Liste, seit 2020 als gemeinsames Erbe von Tunesien, Algerien, Marokko und Mauretanien.
An der Küste wird viel Fisch gegessen, im Landesinneren Lamm und Huhn. Gewürzt wird mit Kreuzkümmel, Koriander, Kümmel und der Gewürzmischung Tabil. Im Vergleich zur marokkanischen Küche ist alles etwas schärfer und weniger süß, Trockenfrüchte im Fleisch sind seltener.
Gut zu wissen: Wenn du Tajine bestellst, bekommst du in Tunesien keinen Schmortopf wie in Marokko, sondern eine Art gebackene Eierspeise mit Käse, Fleisch oder Gemüse, die in Stücken serviert wird. Was die Tajine in den einzelnen Ländern bedeutet, erklärt das Glossar.
Gerichte, die du probieren solltest
| Gericht | Was es ist | Wo und wann |
|---|---|---|
| Brik | dünnes Teigblatt mit Ei, oft Thunfisch, Kapern und Petersilie, frittiert | Vorspeise im Restaurant, im Ramadan zum Fastenbrechen |
| Lablabi | Kichererbsensuppe über altem Brot, mit Kreuzkümmel, Harissa, Ei | Frühstück in einfachen Garküchen, im Winter |
| Ojja | Eier in Tomaten-Paprika-Soße mit Merguez oder Garnelen | Mittagessen, in der Pfanne serviert |
| Salade méchouia | gegrillte Paprika, Tomaten und Zwiebeln, zerstoßen, mit Olivenöl und Thunfisch | als Vorspeise fast überall |
| Couscous | Grieß mit Gemüse und Fisch oder Lamm, in scharfer Brühe | traditionell am Freitag in Familien, in Restaurants täglich |
| Kafteji | frittiertes Gemüse mit Ei, klein gehackt | Snack oder Sandwichfüllung |
| Chorba frik | Suppe mit grünem, geschrotetem Weizen und Lamm | Winter und Ramadan |
| Mloukhia | dunkle, lange geschmorte Soße aus Blattpulver mit Rindfleisch | Familienessen, selten in Touristenlokalen |
Brik isst du mit den Fingern, und zwar vorsichtig: Das Eigelb im Inneren ist oft noch flüssig. Beiß an einer Ecke an und halte den Teller darunter. An der Küste lohnt sich gegrillter Fisch, der in einfachen Restaurants meist nach Gewicht berechnet wird. Lass dir den Preis pro Kilo sagen, bevor er auf den Grill kommt.
Für den kleinen Hunger gibt es Fricassé, ein frittiertes Brötchen mit Thunfisch, Ei, Oliven und Harissa, und das Sandwich tunisien im Baguette mit ähnlicher Füllung. Beides bekommst du für wenig Geld an fast jeder Ecke.
Süßes und Gebäck
Die bekannteste Süßigkeit kommt aus Kairouan: Makroudh, rautenförmiges Grießgebäck mit Dattelfüllung, frittiert und in Honigsirup getränkt. In der Medina siehst du die Bäckereien, die es in großen Blechen verkaufen. In Sidi Bou Said isst man Bambalouni, einen frittierten Hefering mit Zucker, frisch aus dem Fett und noch warm.
In den Konditoreien der Städte liegen Baklawa, Mandelgebäck in Pastellfarben und Kaak, ringförmige Kekse. Zum Geburtstag des Propheten essen viele Familien Assida, eine Creme aus den Samen der Aleppokiefer, Zgougou genannt, oder aus Haselnüssen. Datteln gehören das ganze Jahr dazu, am besten sind sie frisch nach der Ernte im Herbst. Die Sorte Deglet Nour aus den Oasen um Tozeur und Kebili gilt als eine der feinsten. Mehr dazu bei den Datteln im Orient.
Getränke: Tee, Kaffee, Citronnade und Alkohol
Tee wird in Tunesien stark, süß und oft mit frischer Minze getrunken. Eine Spezialität ist Tee mit Pinienkernen, die im Glas schwimmen und am Ende gegessen werden. Kaffee ist ebenso wichtig: Espresso und Café au lait in den Cafés der Städte, in traditionellen Kaffeehäusern auch türkischer Kaffee. Die Unterschiede zu Minztee in Marokko und Çay in der Türkei erklärt die Seite Tee im Orient.
Im Sommer bekommst du überall Citronnade, eine frisch gemixte Zitronenlimonade, die oft mit Schale püriert wird. In den Oasen des Südens wird Lagmi angeboten, Palmsaft, der frisch süß schmeckt und schnell zu gären beginnt.
Alkohol ist erhältlich, aber geregelt. Hotels, lizenzierte Restaurants und bestimmte Geschäfte verkaufen Bier, Wein und Spirituosen. Das bekannteste Bier ist Celtia, Weine kommen vom Cap Bon und aus dem Norden, Boukha ist ein Feigenbrand. Auf der Straße oder außerhalb zugelassener Lokale zu trinken, ist laut Auswärtigem Amt nicht erlaubt. Im Ramadan schenken manche Lokale gar nicht aus. Die Regeln in den anderen Ländern vergleicht die Seite Alkohol im Orient.
Märkte, Garküchen und Preise
Die besten Orte für tunesisches Essen sind nicht die Restaurants mit Speisekarte auf Deutsch, sondern einfache Garküchen, die oft nur ein oder zwei Gerichte anbieten, und Rôtisserien mit gegrilltem Huhn. In Tunis lohnt sich ein Besuch im Marché Central am Rand der Medina, wo morgens Fisch, Oliven, Gewürze und Harissa verkauft werden. Wer an der Küste von Hammamet wohnt, fährt zum Markt in das nahe Nabeul, das für Harissa und Keramik bekannt ist. Auf allen Märkten gilt: früh hingehen, wenn die Ware frisch ist, und Oliven oder Datteln ruhig vorher probieren. Die Händler bieten das von sich aus an.
Preislich liegt ein Sandwich oder ein Teller Lablabi im Bereich weniger Dinar, ein einfaches Mittagessen im Bereich eines Zehners bis eines Zwanzigers, ein Abendessen mit Fisch im Restaurant deutlich darüber. Was ein ganzer Reisetag kostet, steht bei was Tunesien kostet.
Zur Hygiene: Trink kein Leitungswasser und nimm auch zum Zähneputzen Flaschenwasser. Gekochtes und Gebratenes, das frisch aus der Pfanne kommt, ist in der Regel unproblematisch. Bei rohen Salaten in sehr einfachen Lokalen und bei Eis von der Straße entscheidest du je nach Empfindlichkeit. Wer Gewürze mitnehmen will, findet bei Gewürze aus dem Orient Tipps zu Kauf und Qualität.
Unser Rat: Buch im Badeort nicht automatisch All-inclusive, wenn du gern isst. Halbpension lässt dir Platz für Mittagessen in der Medina und einen Abend mit gegrilltem Fisch am Hafen, und meist ist das Essen draußen besser als am Buffet.
Wie die Küche in den Rest einer Reise passt, zeigt der Überblick Tunesien Urlaub.
Häufige Fragen
Was sind typische tunesische Spezialitäten?
Die bekanntesten sind Brik, ein frittiertes Teigblatt mit Ei und Thunfisch, Couscous mit Fisch oder Lamm, Lablabi, eine Kichererbsensuppe mit Brot, und Ojja, Eier in scharfer Tomaten-Paprika-Soße. Dazu kommt Salade méchouia aus gegrillten Paprika und Tomaten. Bei Süßem führt kein Weg an Makroudh aus Kairouan vorbei, gefüllt mit Datteln und getränkt in Honigsirup.
Welchen Alkohol trinkt man in Tunesien?
Das bekannteste Bier ist Celtia, dazu gibt es Weine aus dem Norden, etwa vom Cap Bon und aus der Gegend um Tunis. Typisch tunesisch ist Boukha, ein klarer Feigenbrand, der oft zum Essen oder danach getrunken wird. Alkohol bekommst du in Hotels, lizenzierten Restaurants und bestimmten Geschäften. Auf der Straße zu trinken, ist verboten.
Ist das Essen in Tunesien sehr scharf?
Schärfer als in Marokko oder Ägypten, aber selten unbeherrschbar. Viele Gerichte sind mit Harissa gewürzt, oft steht die Paste aber zusätzlich in einem Schälchen mit Olivenöl auf dem Tisch, und du dosierst selbst. Wenn du es mild willst, sag „sans harissa“ oder „pas piquant“. In Hotelbuffets ist meist alles entschärft, in Garküchen und Familienrestaurants nicht.
Was kann man in Tunesien an Lebensmitteln kaufen?
Gute Mitbringsel sind Harissa im Glas, Olivenöl, Datteln der Sorte Deglet Nour aus den Oasen um Tozeur und Kebili, getrocknete Gewürzmischungen und Rosen- oder Orangenblütenwasser. Kauf auf Märkten oder in Supermärkten, nicht im Souvenirladen am Ausflugsziel. Für das Handgepäck gilt die Flüssigkeitsgrenze, Öl und Harissa kommen also in den Koffer.



