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Die Frage nach der richtigen Kleidung im Orient beschäftigt viele vor der ersten Reise mehr als nötig. Die Regeln sind einfacher, als der Ruf vermuten lässt, und sie gelten für Frauen und Männer gleichermaßen. Es geht nicht um Verkleidung, sondern um Respekt vor den Gepflogenheiten im Land und um Kleidung, die mit Hitze, Sonne und Klimaanlagen zurechtkommt. Dieser Ratgeber zeigt dir, was du einpackst und wo was gilt, Land für Land. Wie das Thema in die übrige Planung passt, steht im Fahrplan Reise planen.
Die Grundregel für alle zehn Länder
Schultern und Knie bedeckt, Stoffe locker und nicht durchsichtig: Damit bist du in Städten, Souks, Museen und auf Märkten überall angemessen gekleidet. Das Auswärtige Amt nennt für die Emirate ausdrücklich schulterfreie Oberteile und sehr kurze Röcke oder Hosen als unpassend. Für die Türkei rät es, Kleidung abseits der Badestrände den lokalen Gepflogenheiten anzupassen. Das ist eine gute Faustregel für die ganze Region.
Badekleidung gehört an Strand und Pool. Wer im Bikini oder mit nacktem Oberkörper durch die Hotellobby, die Mall oder die Altstadt läuft, fällt überall unangenehm auf. Oben ohne baden ist in keinem der zehn Länder üblich. An öffentlichen Stränden in der Nähe von Dörfern, etwa im Oman oder in Ägypten außerhalb der Hotelzonen, badest du besser in T-Shirt und Shorts, Frauen gern mit Leggings. Lange Badeanzüge und Burkinis sind in der Region verbreitet, an manchen Hotelpools gelten eigene Regeln zur Badekleidung.
Gut zu wissen: Lange, weite Kleidung aus Baumwolle oder Leinen ist bei 35 Grad angenehmer als Shorts und Top. Sie schützt vor Sonne und hält die Haut kühler. Die Regel hat also auch einen praktischen Grund.
Länder im Vergleich
| Land | Stadt und Altstadt | Moschee | Strand und Baden |
|---|---|---|---|
| VAE | Schultern und Knie bedeckt, in Malls ebenso | lange Kleidung, Frauen mit Kopftuch | Badekleidung an Strand und Pool, in Sharjah zurückhaltender |
| Oman | Schultern und Knie bedeckt | Frauen mit Kopftuch, Arme und Beine bedeckt | in Wadis und an Dorfstränden T-Shirt und Shorts |
| Katar | Schultern und Knie bedeckt | lange Kleidung, Frauen mit Kopftuch | Badekleidung an Strand und Pool |
| Bahrain | etwas lockerer, trotzdem zurückhaltend | Kopftuch, Abaya am Eingang erhältlich | Badekleidung an Strand und Pool |
| Saudi-Arabien | locker sitzend, Schultern und Knie bedeckt | Kopftuch für Frauen | an Resortstränden, sonst bedeckt |
| Jordanien | Schultern und Knie bedeckt, feste Schuhe für Petra | lange Kleidung, Frauen mit Kopftuch | am Toten Meer und in Aqaba in Hotelanlagen |
| Ägypten | Schultern und Knie bedeckt, für Männer und Frauen | Frauen mit Kopftuch | in Hurghada und Sharm el Sheikh am Hotelstrand normal |
| Tunesien | in Hotelzonen locker, Medina und Land bedeckter | lange Kleidung | am Hotelstrand normal |
| Türkei | an der Küste locker, in Altstädten und auf dem Land bedeckter | Frauen mit Kopftuch, Knie und Schultern bedeckt | an Badestränden normal |
| Marokko | Medina und Land bedeckt, Großstädte lockerer | die meisten Moscheen nur für Muslime | am Hotelstrand und in Surfspots normal |
In Saudi-Arabien müssen Touristinnen weder eine Abaya noch ein Kopftuch tragen, locker sitzende Kleidung über Schultern und Knie ist aber Standard. In Bahrain nennt das Auswärtige Amt keine Vorschriften, üblich ist trotzdem Zurückhaltung in Souq und Altstadt. Details zu jedem Land stehen in den Reisetipps, etwa den Reisetipps für die Emirate oder den Reisetipps für Saudi-Arabien.
Moscheen: die strengste Kleiderordnung
Viele große Moscheen sind für Besucher geöffnet, oft zu festen Zeiten außerhalb der Gebete. Die Große Sultan-Qaboos-Moschee in Muscat etwa laut Tourismusministerium samstags bis donnerstags von 8 bis 11 Uhr (Stand November 2026). Die Regeln sind überall ähnlich, am genauesten formuliert sie die Scheich-Zayid-Moschee in Abu Dhabi:
- Frauen: locker sitzende Kleidung bis zu den Knöcheln, Ärmel bis zum Handgelenk, Haare vollständig bedeckt, nichts Durchsichtiges oder Enges.
- Männer: lange Hosen bevorzugt, keine ärmellosen, engen oder durchsichtigen Shirts.
- Für alle: keine Kleidung mit Sprüchen oder Motiven, Schuhe aus, wo es verlangt wird.
Manche Moscheen verleihen Tücher oder Überkleider am Eingang, andere nicht mehr. Ein eigenes Tuch und eine lange Hose im Rucksack ersparen dir Diskussionen. In Marokko dürfen Nichtmuslime die meisten Moscheen nicht betreten, eine bekannte Ausnahme ist die Hassan-II.-Moschee in Casablanca. Wie du dich in einer Moschee verhältst und wann du kommst, erklärt Moscheen besuchen.
Was Frauen und Männer beachten
Für Frauen sind Kleider oder Röcke bis über das Knie, weite Hosen und Blusen mit kurzen oder langen Ärmeln die bequemste Basis. Ein großes Tuch ersetzt Jacke, Kopftuch und Sonnenschutz. Enge Leggings unter einer langen Bluse sind in vielen Ländern üblich. Wer allein reist, merkt, dass zurückhaltende Kleidung in Souks und auf dem Land weniger Blicke bringt. Mehr dazu steht bei Als Frau allein im Orient.
Für Männer gilt dieselbe Grundregel. Knielange Shorts sind in Touristengebieten meist in Ordnung, lange Hosen sind in Altstädten, Moscheen und bei Einladungen besser. Ärmellose Shirts trägst du nur am Strand. Im Ramadan rät das Auswärtige Amt für die Emirate Männern ausdrücklich, auf kurze Freizeitkleidung zu verzichten, Frauen zu dezenter, langärmeliger Kleidung. Was der Fastenmonat sonst ändert, steht bei Reisen im Ramadan.
Traditionelle Kleidung siehst du überall. Am Golf tragen viele Männer die weiße Kandura, Frauen die schwarze Abaya. In Marokko gehört die Dschellaba mit Kapuze zum Straßenbild, für Männer und Frauen. Als Gast musst du das nicht übernehmen.
Klima: von der Klimaanlage bis zur Wüstennacht
Hitze ist nur die halbe Wahrheit. Metro, Malls, Museen und Busse am Golf sind stark klimatisiert, eine dünne Jacke oder ein Pullover gehört in jede Tasche. In der Wüste wird es im Winter nach Sonnenuntergang empfindlich kalt, am Jebel Shams im Oman ist teils Frost möglich, in Petra liegen die Nächte im Januar um den Gefrierpunkt. Istanbul und Kappadokien sind im Winter kalt, im Hohen Atlas in Marokko fällt Schnee.
Für Petra, Wadis und Medinas brauchst du feste, eingelaufene Schuhe, das Pflaster in Altstädten ist oft glatt oder uneben. Sandalen reichen für Stadt und Strand. Im Sommer ersetzen Hut, Sonnenbrille und lange Ärmel einen Teil der Sonnencreme. Mehr zum Schutz vor Sonne und Hitze steht bei Hitze und Gesundheit.
Packliste für eine Orient-Reise
- zwei bis drei lange, leichte Hosen oder Röcke
- Oberteile mit Ärmeln, mindestens eines langärmelig
- ein großes Tuch oder ein leichter Schal
- dünne Jacke oder Pullover für Klimaanlagen und Abende
- im Winter: Fleece, winddichte Jacke und Mütze für Wüste und Berge
- feste Schuhe und Sandalen
- Badekleidung, für Wadis und Dorfstrände ein T-Shirt zum Drüberziehen
- Hut und Sonnenbrille
Typischer Fehler: Für Dubai nur Sommerkleidung einpacken. Im Januar sind es tagsüber angenehme 24 Grad, abends am Wasser und in der Wüste aber deutlich weniger, und in der Metro läuft die Klimaanlage auf Hochtouren.
Wer die Grundregel befolgt und ein Tuch dabeihat, ist in neun von zehn Situationen richtig angezogen. Für die zehnte, den Besuch einer großen Moschee oder eine Einladung in eine Familie, lohnt es sich, kurz vorher nachzulesen oder einfach zu fragen.
Häufige Fragen
Darf man im Orient kurze Hosen tragen?
Am Strand, am Pool und im Resort ja. In Städten, Souks, Museen und Altstädten sind knielange Shorts für Männer meist in Ordnung, sehr kurze Hosen fallen auf, bei Frauen wie bei Männern. Für Moscheen, Behörden und Dörfer nimmst du lange Hosen. In Touristenorten in der Türkei, Tunesien oder Ägypten sieht man es lockerer, in Altstädten und auf dem Land nicht.
Müssen Frauen im Orient ein Kopftuch tragen?
Im Alltag nicht, in keinem der zehn Länder, auch nicht in Saudi-Arabien. Ein Kopftuch brauchst du nur beim Betreten einer Moschee. Viele große Moscheen verleihen am Eingang Tücher oder weite Überkleider, verlassen kannst du dich darauf aber nicht. Ein leichtes Tuch im Tagesrucksack löst das Problem und hilft nebenbei gegen Sonne und klimatisierte Räume.
Sollte man als Tourist arabische Kleidung tragen?
Nötig ist es nicht, und niemand erwartet es. Wer sich eine Kandura, eine Dschellaba oder ein Tuch auf dem Markt kauft und trägt, wird meist freundlich angesprochen, nicht schief angesehen. Unpassend wirkt es nur als Kostüm für Fotos, etwa an religiösen Orten. Bequeme eigene Kleidung, die Schultern und Knie bedeckt, ist immer die einfachere Wahl.
Was zieht man im Winter in der Wüste an?
Mehrere Schichten. Tagsüber reicht oft ein T-Shirt, nach Sonnenuntergang fällt die Temperatur im Wadi Rum, in AlUla, in der Wahiba oder in der Sahara deutlich, teils in die Nähe des Gefrierpunkts. Nimm Fleece oder Pullover, eine winddichte Jacke, Mütze und warme Socken mit. Feste Schuhe sind im Sand angenehmer als Sandalen, die sich abends kalt anfühlen.




