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In Istanbul isst niemand nur dreimal am Tag. Morgens ein Simit vom Wagen, mittags ein Teller aus dem Lokanta, nachmittags ein Tee am Wasser, abends Mezze bis Mitternacht. Wer beim Essen in Istanbul nur die Restaurants rund um die Hagia Sophia kennt, verpasst das Beste. Dort zahlst du viel für mittelmäßige Kost, während ein paar Fährminuten weiter die Straßen voller guter Lokale sind. Hier steht, was du probieren solltest, wie Streetfood, Meyhane und Frühstück funktionieren und wo die Preisfallen liegen.
Die Küche der Stadt ist eine Mischung aus allem, was im Osmanischen Reich zusammenkam: Gerichte vom Balkan, aus Anatolien, aus dem Kaukasus, dazu Fisch aus drei Meeren. Einen Überblick über die Küche des ganzen Landes gibt der Ratgeber Essen in der Türkei. Welche Viertel du wofür ansteuerst, siehst du im Istanbul Reiseführer.
Frühstück: Kahvaltı mit Zeit
Das türkische Frühstück ist kein schneller Kaffee, sondern eine Mahlzeit, für die man sich am Wochenende zwei Stunden nimmt. Beim Serpme Kahvaltı kommen Dutzende kleine Teller auf den Tisch: verschiedene Käse, Oliven, Tomaten und Gurken, Honig mit Kaymak, Marmeladen, Eier, Menemen mit Tomaten und Paprika, Sucuk und frisches Brot. Dazu wird ununterbrochen Tee nachgeschenkt.
Eine bekannte Adresse dafür ist laut türkischer Tourismusbehörde die Frühstücksgasse in Beşiktaş, Kahvaltıcılar Sokağı, wo sich ein Frühstückslokal an das nächste reiht. Am Wochenende ist es dort ab 10 Uhr voll, wer früher kommt, sitzt entspannter. Auch in Kadıköy, Moda und am Bosporus in Orten wie Arnavutköy oder Bebek gibt es viele Frühstückslokale. Unter der Woche reicht vielen Istanbulern ein Simit mit Käse und ein Tee im Stehen.
Streetfood: was sich lohnt
Streetfood ist in Istanbul kein Trend, sondern Alltag. Die meisten Gerichte kosten wenig und schmecken an einem vollen Stand am besten.
| Gericht | Was es ist | Wo und wann |
|---|---|---|
| Simit | Sesamring aus Hefeteig | überall, morgens frisch |
| Balık ekmek | Brot mit gegrilltem Fisch, Zwiebeln und Salat | Eminönü an der Galatabrücke |
| Midye dolma | Muscheln, gefüllt mit Würzreis | abends in Beyoğlu und Kadıköy |
| Kokoreç | gewürzte Lammdärme vom Grill, im Brot | spät abends, Imbisse in Beyoğlu |
| Islak hamburger | kleiner, in Soße gedämpfter Burger | Imbisse rund um den Taksim-Platz |
| Kumpir | Ofenkartoffel mit vielen Zutaten | Ortaköy am Bosporus |
| Kestane und Mısır | geröstete Maronen und Maiskolben | Straßenwagen, vor allem im Winter |
Die türkische Tourismusbehörde nennt außerdem Köfte in Sultanahmet, Uykuluk, ein zartes Kalbfleischstück im Fladenbrot, in Sütlüce und Boza in Vefa, ein dickes, säuerlich-süßes Getränk aus fermentierter Hirse mit Zimt und gerösteten Kichererbsen. Boza trinkt man im Winter, im Sommer passt Ayran besser. Wer im Gewürzbasar war, kennt schon die Imbisse in den Gassen um den Gewürzbasar mit Pide, Döner und Kokoreç.
Unser Rat: Kauf Streetfood dort, wo Einheimische Schlange stehen. Bei gefüllten Muscheln im Sommer nur an Ständen mit viel Betrieb, und lieber am Abend als am Mittag.
Kadıköy: der Markt auf der asiatischen Seite
Für einen Nachmittag rund ums Essen ist der Marktbezirk von Kadıköy die beste Adresse. Vom Fähranleger sind es nur wenige Minuten in die Gassen, in denen Fischhändler, Gemüsestände, Läden mit eingelegtem Gemüse, Käse, Oliven und Süßem dicht an dicht liegen. Dazwischen gibt es kleine Lokale für Suppe, Kebap oder Mezze zum Mitnehmen. Hier kaufen die Menschen aus dem Viertel ein, die Preise sind entsprechend. Die Fähre von Eminönü oder Karaköy braucht rund 20 Minuten, die Fahrt selbst ist schon ein halber Ausflug.
Mittags im Lokanta
Für das Mittagessen gibt es kaum etwas Besseres als ein Lokanta, oft auch Esnaf Lokantası genannt, Lokal der Handwerker. In einer Glasvitrine stehen Töpfe mit Tagesgerichten: Bohnen in Tomatensoße, gefüllte Paprika, Linsensuppe, Schmorfleisch mit Gemüse, Reis, Joghurt, Kompott. Du zeigst auf das, was du willst, bekommst kleine oder große Portionen und zahlst am Ende. Eine Speisekarte brauchst du nicht.
Diese Lokale sind günstig, schnell und oft sehr gut, weil hier Hausmannskost für Stammgäste gekocht wird. Die meisten öffnen früh und haben mittags den größten Andrang. Am Nachmittag sind manche Gerichte schon aus. Fleisch ist in der Türkei praktisch immer halal, Schweinefleisch findest du fast nie.
Abends im Meyhane
Ein Meyhane ist eine Taverne, in der man lange sitzt, viele kleine Teller teilt und dazu meist Rakı trinkt, den Anisschnaps, der mit Wasser verdünnt milchig wird. Der Abend beginnt mit kalten Mezze: Auberginenpüree, Bohnen in Olivenöl, Käse mit Melone, gefüllte Weinblätter, Joghurt mit Kräutern. Danach kommen warme Vorspeisen wie Börek oder frittierte Muscheln und zum Schluss oft Fisch. Wie die Tradition der kleinen Teller in den anderen Ländern aussieht, zeigt der Ratgeber Mezze im Orient.
Die bekanntesten Meyhane-Gegenden liegen in Beyoğlu rund um Asmalımescit und Nevizade, in Kumkapı in der Altstadt mit vielen Fischlokalen und in Kadıköy. Am Wochenende reservierst du besser, an manchen Abenden spielen Musiker an den Tischen. Alkohol ist in Istanbul in Restaurants und Geschäften mit Lizenz erhältlich, aber nicht überall. Welche Regeln es in den Ländern der Region gibt, erklärt der Ratgeber zu Alkohol im Orient.
Typische Preisfallen
Die meisten Lokale in Istanbul sind fair. Ein paar Muster begegnen dir aber vor allem in touristischen Gegenden:
- Karten ohne Preise: Wenn keine Preise dastehen, frag vor dem Bestellen. Das gilt besonders für Fisch, der oft nach Gewicht berechnet wird.
- Mezze ungefragt: Im Meyhane bringt der Kellner manchmal ein Tablett mit Mezze, aus dem du auswählst. Alles, was du vom Tablett nimmst, kommt auf die Rechnung.
- Gedeck und Brot: Manche Lokale berechnen eine Gebühr für Gedeck, Brot und Wasser. Frag, wenn du unsicher bist.
- Schlepper vor der Tür: In Sultanahmet und an der İstiklal Caddesi locken Kellner mit Rabatten. Ein Lokal, das Gäste auf der Straße fangen muss, ist selten das beste.
Trinkgeld ist üblich, aber nicht verpflichtend. Rund 5 bis 10 Prozent sind angemessen, wenn kein Service auf der Rechnung steht. Mit Karte zahlen kannst du in den meisten Restaurants, an Ständen und in kleinen Lokalen ist Bargeld in Lira einfacher.
Süßes, Tee und Kaffee
Ohne Süßes endet kein Essen. Baklava mit Pistazien gibt es in allen Preisklassen, Künefe wird warm mit geschmolzenem Käse serviert, Sütlaç ist kalter Milchreis. Im Winter wärmt Salep, ein heißes Milchgetränk mit Zimt. Laut türkischer Tourismusbehörde ist Kanlıca am Bosporus seit Jahrhunderten für seinen Joghurt bekannt, den man dort mit Puderzucker isst. Das passt gut zu einer Fahrt den Bosporus hinauf.
Tee ist das Getränk der Stadt, schwarz, in kleinen Tulpengläsern und zu jeder Tageszeit. Türkischer Kaffee kommt nach dem Essen, stark, ungefiltert und in kleinen Tassen, die Sorte süß, mittel oder ohne Zucker bestellst du gleich mit. Wie Tee in den verschiedenen Ländern getrunken wird, beschreibt der Ratgeber Tee im Orient.
Im Ramadan und an Feiertagen
Im Fastenmonat Ramadan haben in Istanbul die meisten Restaurants tagsüber normal geöffnet, auch in den Wohnvierteln. Abends zum Fastenbrechen sind Lokale und Plätze dann sehr voll, rechtzeitig reservieren lohnt sich. Für Besucher ist das eine schöne Zeit, weil vielerorts besondere Gerichte und süßes Gebäck angeboten werden.
Wenn dir das Essen wichtig ist, wähl deine Unterkunft danach. Wer in Sultanahmet wohnt, fährt abends meist ohnehin nach Karaköy oder Kadıköy. In welchem Stadtteil du kulinarisch am besten aufgehoben bist, vergleicht der Ratgeber zu Hotels in Istanbul.
Häufige Fragen
Was ist das beliebteste Essen in Istanbul?
Für den Alltag sind es Simit, der Sesamring zum Frühstück oder unterwegs, und Döner in allen Varianten. Am Wasser gehören Fisch und Fischbrot dazu, abends Mezze im Meyhane. Typisch für die Stadt sind außerdem Köfte, Börek, Lahmacun und Pide. Zum Abschluss gibt es Baklava oder Milchreis und dazu immer schwarzen Tee. Wer nur eines probieren will, nimmt ein ausgedehntes türkisches Frühstück am Wochenende.
Was kostet das Essen in Istanbul?
Das hängt stark davon ab, wo du isst. Streetfood und einfache Lokanta sind günstig, ein Abend mit Mezze, Fisch und Getränken im Meyhane kann teurer sein als in Deutschland. Die Preise in Lira steigen mehrmals im Jahr, deshalb nennen wir hier keine festen Beträge. Faustregel: In Wohnvierteln wie Kadıköy oder Beşiktaş zahlst du für vergleichbares Essen spürbar weniger als in Sultanahmet.
Ist Streetfood in Istanbul unbedenklich?
In aller Regel ja, wenn du bei Ständen kaufst, an denen viel los ist. Dort ist die Ware frisch, weil sie schnell weggeht. Bei gefüllten Muscheln ist im Hochsommer Vorsicht angebracht, genauso bei Speisen, die lange in der Sonne liegen. Leitungswasser trinkst du besser nicht, Wasser in Flaschen gibt es überall. Wer einen empfindlichen Magen hat, startet mit Simit, Döner und Gegrilltem.




