Auf dieser Seite
Auf dem Sonnendeck liegen, während Palmen, Lehmdörfer und Wüstenhügel vorbeiziehen, dazwischen jeden Tag ein großer Tempel. So stellen sich viele eine Nilkreuzfahrt vor, und so ist sie zum Teil auch. Zum anderen Teil heißt sie frühes Aufstehen, durchgetaktete Ausflüge und Schiffe, die in Reihen nebeneinander festmachen. Wie gut die Reise wird, hängt vor allem von drei Entscheidungen ab: Route und Richtung, Schiffstyp und das, was zum Reisepreis noch dazukommt. Diese Seite geht alle drei durch und sagt, was du sonst noch wissen musst. Wie die Kreuzfahrt in eine Reise durch das ganze Land passt, zeigt die Ägypten-Übersicht.
Die Route: von Luxor bis Assuan
Fast alle Kreuzfahrten fahren zwischen Luxor und Assuan, rund 200 Kilometer auf dem Fluss. Längere Fahrten ab Kairo werden nur selten angeboten. Die wichtigsten Stopps sind immer dieselben:
| Stopp | Was du siehst | Typischer Halt |
|---|---|---|
| Luxor | Karnak, Luxor-Tempel, Westufer mit Tal der Könige | 1 bis 2 Tage, oft Ein- oder Ausschiffung |
| Esna | Chnum-Tempel, Schleuse | kurz, oft nur Durchfahrt |
| Edfu | Horus-Tempel, einer der besterhaltenen Tempel des Landes | Vormittag, 2 bis 3 Stunden |
| Kom Ombo | Doppeltempel für Sobek und Haroeris direkt am Ufer | Nachmittag oder Abend, 1 bis 1,5 Stunden |
| Assuan | Philae, Hochdamm, Feluke, Ausflug nach Abu Simbel | 1 bis 2 Tage |
Ab Assuan fährst du mit der Strömung und brauchst meist drei bis vier Nächte. Ab Luxor geht es gegen die Strömung, die gleiche Strecke dauert in der Regel vier bis fünf Nächte. Als Rundfahrt in beide Richtungen sind es sieben Nächte. Das klingt nach viel Zeit an Bord, tatsächlich fährt das Schiff oft nachts oder während du an Land bist.
In Luxor bleibt bei vielen Programmen nur ein Tag für das Westufer und ein Nachmittag für Karnak. Das reicht für die Höhepunkte, aber nicht für Ruhe. Ähnlich in Assuan, wo Philae und eine Feluke meist an einem Tag abgehakt werden. Wer mehr sehen will, hängt vor oder nach der Kreuzfahrt eigene Tage an Land an. Die Tempel zwischen den beiden Städten stellt die Seite zu Edfu und Kom Ombo ausführlich vor.
Eine Sonderform ist die Kreuzfahrt auf dem Nassersee zwischen Assuan und Abu Simbel. Sie dauert mehrere Tage und hält an nubischen Tempeln, die nach dem Bau des Hochdamms versetzt wurden und anders kaum zu erreichen sind. Wer nur die Felsentempel sehen will, fährt einfacher mit Bus oder Flugzeug, mehr dazu bei Abu Simbel.
Schiffstypen: großes Schiff, Dahabiya oder Feluke
Auf dem Nil fahren sehr unterschiedliche Boote. Die Wahl verändert die Reise stärker als die Route.
| Typ | Größe | So fühlt es sich an | Gut für | Haken |
|---|---|---|---|---|
| Großes Nilschiff | mehrere Decks, viele Dutzend Kabinen | schwimmendes Hotel mit Pool, Buffet und Programm | erste Reise, kleineres Budget | voll, feste Zeiten, Ankern in Reihen |
| Dahabiya | wenige Kabinen, meist um ein Dutzend Gäste oder weniger | Segelschiff mit Deck, persönlicher Service | Ruhe, Paare, kleine Gruppen | teurer, langsamer, oft länger unterwegs |
| Mehrtägige Feluke | offenes Segelboot | Schlafen an Deck oder am Ufer, einfach | Abenteuerlustige mit kleinem Budget | kaum Komfort, kalte Nächte im Winter |
Die großen Schiffe sind die übliche Form. Sie haben Kabinen mit Fenster, Restaurant, Bar und Sonnendeck mit kleinem Pool. Der Standard reicht von einfach bis sehr gehoben. Ein ehrlicher Nachteil: An den Anlegestellen in Luxor, Edfu, Kom Ombo und Assuan liegen die Schiffe oft zu mehreren nebeneinander. Du gehst dann durch die Lobbys anderer Schiffe an Land, und der Blick aus deiner Kabine kann auf die Wand des Nachbarschiffs fallen.
Eine Dahabiya ist ein historisch nachempfundenes Segelschiff mit wenigen Kabinen. Bei Flaute wird sie von einem kleinen Schlepper gezogen. Sie legt an Stellen an, an denen große Schiffe nicht halten können, etwa an kleineren Tempeln oder Dörfern, und die Programme sind entspannter. Dafür kostet sie deutlich mehr, und die Fahrt dauert meist vier bis sechs Nächte.
Die mehrtägige Feluke ist eine Option für sehr wenig Geld und viel Bereitschaft zum Verzicht. Du schläfst an Deck unter Planen oder in einem einfachen Lager am Ufer, Toiletten gibt es oft nur an Land.
Ablauf und Programm an Bord
Ein typischer Tag beginnt früh. Die Ausflüge starten oft schon um 6 oder 7 Uhr, damit du die Tempel vor der Hitze und vor den größten Gruppen erreichst. Danach legt das Schiff ab, und der Nachmittag gehört dem Sonnendeck. Abends gibt es Programm, von Vorträgen über Bauchtanz bis zum Galabiya-Abend.
An der Schleuse von Esna stauen sich die Schiffe zu manchen Zeiten. Die Wartezeit kann Stunden betragen und wird gern in die Nacht gelegt. Händler in kleinen Ruderbooten werfen dann Tücher und Galabiyas auf das Sonnendeck und handeln lautstark nach oben. Das ist halb Schauspiel, halb Geschäft. Gelegentlich wird die Schleuse gewartet, dann ändern sich Routen, und manche Gäste werden ein Stück per Bus gebracht. Frag bei der Buchung nach.
Die Führungen an Land übernimmt meist ein ägyptologisch ausgebildeter Guide des Schiffs. Prüf vorher, was im Programm enthalten ist und was als Zusatzausflug kostet, etwa Abu Simbel oder die Ballonfahrt in Luxor.
Typischer Fehler: Eine Kreuzfahrt mit allen Ausflügen buchen und dann jeden Morgen um 5 Uhr aufstehen. Zwei oder drei Ausflüge zu streichen und stattdessen auf dem Sonnendeck zu bleiben, macht die Reise oft besser. Die großen Tempel bleiben trotzdem im Programm.
Kosten: was zum Reisepreis dazukommt
Was eine Nilkreuzfahrt kostet, hängt stark von Schiff, Saison und Kabine ab, feste Richtwerte gibt es nicht. Wichtiger ist, was nicht im Preis steckt. Das sind die vier typischen Posten:
- Eintritte: Bei vielen Angeboten sind sie nicht enthalten. Für ein übliches Programm mit Karnak (600 EGP), Luxor-Tempel (500 EGP), Tal der Könige (750 EGP), Hatschepsut (440 EGP), Edfu (550 EGP), Kom Ombo (450 EGP) und Philae (550 EGP) kommst du laut Preisliste des Ministeriums auf 3.840 EGP pro Person (Stand November 2026), ohne Zusatzgräber.
- Trinkgeld: Für die Crew wird am Ende meist ein Betrag pro Tag und Person gesammelt, dazu kommen Guide und Kofferträger. Wie hoch das üblicherweise ausfällt, erklärt die Seite zum Trinkgeld in Ägypten, den Hintergrund liefert das Stichwort Bakschisch.
- Getränke: Wasser ist manchmal frei, Softdrinks, Bier, Wein und Kaffee kosten in der Regel extra.
- Zusatzausflüge wie Abu Simbel, Ballon oder Licht- und Tonschauen.
Wenn du vergleichst, rechne diese Posten auf jedes Angebot drauf. Ein günstiger Preis ohne Eintritte ist am Ende oft teurer als ein Komplettpaket.
Nilkreuzfahrt und Baden kombinieren
Viele verbinden die Kreuzfahrt mit einer Woche am Roten Meer. Das passt gut, denn nach mehreren Tagen mit frühen Ausflügen tut Erholung gut. Von Luxor fährst du auf der Straße vier bis fünf Stunden nach Hurghada, von Assuan aus ist der Weg deutlich länger, oft fliegst du dann. Leg die Kreuzfahrt an den Anfang und den Strand ans Ende. Bei Paketangeboten lohnt der Blick, ob der Transfer am Tag der Ausschiffung direkt erfolgt und wann du am Hotel ankommst.
Wer statt Strand lieber Kairo und die Pyramiden einbaut, findet eine Route mit Zug, Flug und Schiff bei der Ägypten Rundreise. Und wer Kreuzfahrten im Orient generell vergleichen will, etwa mit Fahrten im Golf oder im Mittelmeer, findet die Unterschiede bei der Kreuzfahrt im Orient.
Reisezeit: wann es sich am meisten lohnt
Die Hauptsaison läuft von Oktober bis April. Dann sind die Tage warm, die Nächte auf dem Fluss kühl, und an Land ist es auch mittags erträglich. Am teuersten und vollsten ist es rund um Weihnachten, Neujahr und Ostern. Im Sommer sinken die Preise, dafür herrschen in Luxor und Assuan über 40 Grad, und die Ausflüge rücken noch früher in den Morgen. Viele Schiffe fahren dann nicht oder mit wenigen Gästen.
Abends auf dem Sonnendeck wird es im Winter frisch, eine Jacke ist Pflicht. An der Corniche von Luxor und Assuan, wo die Schiffe ablegen, ist es dagegen tagsüber oft wärmer als erwartet. Pack Kleidung in Schichten und denk an Sonnenschutz.
Für eine erste Ägyptenreise ist die Nilkreuzfahrt eine bequeme Art, die großen Tempel zu sehen, ohne jeden Tag den Koffer zu packen. Wer lieber selbst bestimmt, fährt mit Zug oder Fahrer zwischen Luxor und Assuan und hält, wo er will. Beides funktioniert, die Kreuzfahrt bietet dafür den Fluss als Bühne.
Häufige Fragen
Welche Richtung ist besser, ab Luxor oder ab Assuan?
Flussabwärts ab Assuan bist du schneller und hast meist eine Nacht weniger an Bord. Ab Luxor fährst du gegen die Strömung, dafür bleibt mehr Zeit auf dem Wasser. Für das Besichtigen spielt die Richtung kaum eine Rolle, alle Programme halten an denselben Tempeln. Entscheidend ist eher, wie die Kreuzfahrt zu deinen Flügen passt und ob du in Luxor oder Assuan noch zusätzliche Tage an Land verbringen willst.
Kann man eine Nilkreuzfahrt mit Badeurlaub verbinden?
Ja, das ist eine der beliebtesten Kombinationen. Nach der Kreuzfahrt fährst du von Luxor auf der Straße in vier bis fünf Stunden ans Rote Meer, etwa nach Hurghada, oder fliegst. Plane den Strandteil ans Ende, dann erholst du dich vom frühen Aufstehen an Bord. Bei Pauschalangeboten lohnt ein Blick, wie der Transfer organisiert ist und ob am Ankunftstag schon ein Programm ansteht.
Wird man auf dem Nil seekrank?
Kaum. Der Fluss ist ruhig, die Schiffe gleiten ohne Wellengang dahin. Selbst empfindliche Menschen merken meist nur beim Anlegen und an der Schleuse von Esna etwas. Häufiger als Seekrankheit sind Magenprobleme durch ungewohntes Essen oder Wasser. Trink nur Wasser aus Flaschen, sei bei Salat und rohem Obst am Anfang vorsichtig und nimm ein Mittel gegen Durchfall mit.
Gibt es auf Nilschiffen eine Kleiderordnung?
Streng ist es selten. Tagsüber trägst du leichte Kleidung, an Land für die Tempel am besten mit bedeckten Schultern. Zum Abendessen sind lange Hosen und ein ordentliches Oberteil üblich. Viele Schiffe veranstalten einen Abend, an dem Gäste eine Galabiya tragen, das traditionelle lange Gewand. Mitmachen ist freiwillig. Eine warme Jacke für Sonnendeck und Winterabende gehört in jeden Koffer.




