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Wandern im Orient klingt für viele erst einmal nach Hitze und Steinen. Tatsächlich findest du zwischen Jordanien und dem Atlas einige der eindrucksvollsten Trails rund um das Mittelmeer und die Arabische Halbinsel: Pfade an Canyonkanten, Abstiege durch Biosphärenreservate, Küstenwege über antiken Ruinen und Gipfel über 4.000 Metern. Der Unterschied zu den Alpen liegt im Rhythmus. Du startest im Morgengrauen, planst Wasser statt Hütteneinkehr und meidest Täler, wenn Regen droht. Dieser Vergleich aus dem Reisemagazin zeigt die Trails, die sich lohnen, wann du sie gehst und wo du einen Guide brauchst.
Die Trails im Vergleich
| Trail | Land | Dauer | Anspruch | Saison | Guide |
|---|---|---|---|---|---|
| Balcony Walk, Jebel Shams | Oman | 3 bis 4 Stunden | mittel, Trittsicherheit | Oktober bis April | nicht nötig |
| Terrassendörfer, Jebel Akhdar | Oman | halber Tag | leicht bis mittel | März bis Mai, September bis November | nicht nötig |
| Wadi Dana Trail nach Feynan | Jordanien | 6 bis 7 Stunden | mittel, lang bergab | März bis Mai, Oktober bis November | Pflicht |
| Opferplatz und Al-Khubtha, Petra | Jordanien | je 2 bis 3,5 Stunden | mittel, viele Stufen | März bis Mai, Oktober bis November | nicht nötig |
| Siq Trail, Wadi Mujib | Jordanien | 2 bis 3 Stunden | mittel, im Wasser | in der Regel April bis Oktober | nicht nötig |
| Lykischer Weg | Türkei | Abschnitte 5 bis 14 Tage | mittel bis schwer | Februar bis Mai, September bis November | nicht nötig |
| Täler um Göreme | Türkei | 1,5 bis 4 Stunden | leicht | April bis Juni, September bis Oktober | nicht nötig |
| Ihlara-Tal | Türkei | rund 2 Stunden | leicht | April bis Juni, September bis Oktober | nicht nötig |
| Toubkal ab Imlil | Marokko | 2 Tage | schwer, Höhe | Frühjahr bis Herbst | vor Ort verlangt |
Preise und Öffnungszeiten der Reservate ändern sich, die Angaben unten gelten mit Stand November 2026.
Jordanien: Dana, Petra, Wadi Mujib und der Jordan Trail
Jordanien ist das abwechslungsreichste Wanderland der Region auf engstem Raum. Im Dana Biosphere Reserve steigst du vom Steindorf Dana auf 1.200 bis 1.500 Metern durch Wacholder, Felsen und Akazien bis in die Wüste bei Feynan ab, sechs bis sieben Stunden. Alle Trails auf der Liste der Naturschutzorganisation RSCN sind geführt und kosten für ausländische Gäste 10 bis 20 JD inklusive Eintritt und Führer. Kläre vorher, wer dich unten abholt.

In Petra lohnt sich ein zweiter Tag für die Aufstiege. Der Weg zum Opferplatz mit Abstieg durch das Wadi Farasa und der Pfad auf Al-Khubtha mit Blick von oben auf das Schatzhaus gehen ohne Guide, für lange Routen wie Umm el Biyara oder Jabal Harun nimmst du einen offiziellen Führer. Alles dazu steht bei den Wanderwegen in Petra. Im Wadi Mujib läufst du auf dem Siq Trail durch knie- bis brusttiefes Wasser zu einem Wasserfall, laut RSCN in der Regel nur vom 1. April bis 31. Oktober.
Wer mehrere Tage gehen will, findet im Jordan Trail die große Fernroute. Laut Tourismusbehörde führt er über mehr als 650 Kilometer von Umm Qais bis Aqaba, gegliedert in acht Abschnitte. Die Etappen von Dana nach Petra und von Petra ins Wadi Rum sind die bekanntesten.
Die Lage spielt hier mit. Das Auswärtige Amt rät mit Stand 6. November 2026 von nicht notwendigen Reisen nach Jordanien ab, für das syrisch-jordanische Grenzgebiet, den Nordosten und die Grenze zu Irak sogar dringend. Umm Qais, der Startpunkt des Jordan Trail, liegt ganz im Norden nahe der syrischen Grenze, prüf die nördlichen Abschnitte deshalb besonders genau. Wer über den Kings Highway nach Dana fährt, kommt durch das Gouvernement Karak, wo am 23. Oktober 2026 ein Anschlag auf eine Trauerfeier in einer Kirche verübt wurde. Für Wanderungen in Wadis rät das Amt, sich vorher bei Führern oder Behörden zu informieren, im Herbst und Winter auch wegen plötzlicher Hochwasser.
Oman und Emirate: Canyonkanten und Terrassendörfer
Am Jebel Shams, dem höchsten Berg des Oman mit rund 3.000 Metern, führt der Balcony Walk von Al Khitaym an der Kante des Wadi Ghul entlang zu einem verlassenen Dorf unter einem Felsüberhang. Hin und zurück brauchst du drei bis vier Stunden, Schatten gibt es kaum, dafür senkrechte Blicke Hunderte Meter tief. Oben auf dem Plateau wird es im Winter nachts frostig.
Sanfter ist der Jebel Akhdar auf rund 2.000 Metern. Schmale Pfade und Treppen verbinden die Terrassendörfer am Plateaurand, mal am Falaj entlang, mal durch Gärten mit Granatäpfeln und Rosen. Hinauf kommst du nur mit Allradwagen. An der Küste ist das Wadi Shab eine Mischung aus Wanderung und Schwimmen: eine Stunde über Kies und Felsblöcke, dann durch Becken bis zu einer Höhle. Musandam mit seinen Bergpfaden über den Fjorden fällt derzeit weg, für die Exklave rät das Auswärtige Amt von Reisen ab.
In den Emiraten startest du in Hatta am Wadi Hub auf Wander- und Mountainbike-Trails, am Jebel Jais in Ras Al Khaimah führen sechs Wanderwege mit zusammen 16 Kilometern über Grate und in ein Wadi. Gewandert wird dort zwischen Oktober und April, im Sommer ist es selbst in den Bergen zu heiß.
Türkei: Lykischer Weg und Kappadokien
Der Lykische Weg ist der bekannteste Fernwanderweg der Region und führt durch das antike Lykien. Laut Culture Routes Society führt er über rund 760 Kilometer von Ölüdeniz bei Fethiye bis Geyikbayırı bei Antalya, für die ganze Strecke rechnet man etwa 35 Tage. Die meisten gehen ein bis zwei Wochen auf einem Abschnitt, übernachten in Pensionen und Dorfhäusern und baden zwischendurch in Buchten. Die Wege sind steinig und haben steile Anstiege, gute Schuhe sind Pflicht. Im Sommer ist es zu heiß, und das Auswärtige Amt weist auf Wald- und Buschbrände in dieser Jahreszeit hin.
In Kappadokien gehst du direkt ab Göreme los: durch das Rosental und das Rote Tal zum Sonnenuntergang, durch das Taubental in gut anderthalb Stunden nach Uçhisar, ins Liebestal mit seinen schlanken Felssäulen. Rund anderthalb Autostunden südwestlich liegt das Ihlara-Tal, wo du über mehrere hundert Stufen in die Schlucht steigst und gut vier Kilometer am Fluss entlang bis Belisırma läufst, vorbei an Felskirchen mit Malereien.
Marokko: Hoher Atlas und Toubkal
Der Toubkal ist mit 4.167 Metern der höchste Berg Nordafrikas und das große Ziel im Hohen Atlas. Die meisten starten in Imlil, rund eineinhalb Autostunden von Marrakesch, steigen am ersten Tag zur Hütte auf und am zweiten früh zum Gipfel. Seit Ende 2018 wird von ausländischen Wanderern vor Ort ein lokaler Bergführer verlangt und am Weg kontrolliert, eine veröffentlichte Vorschrift dazu gibt es nicht. Verbindliche Auskunft bekommst du im Büro der Bergführer in Imlil oder bei deinem Veranstalter. Leichter ist ein Tag im Ourika-Tal, wo ein steiler Pfad von Setti Fatma in 30 bis 45 Minuten zu den ersten Wasserfällen führt.
Zwei Hinweise des Auswärtigen Amts betreffen Wanderer direkt. In der Regenzeit, etwa von November bis März, können Schneefälle und Überflutungen im Hohen Atlas Wege und Straßen sperren. Und das Rif-Gebirge rund um Chefchaouen solltest du nicht allein bereisen, Wanderungen dort machst du mit einem ortskundigen Führer.
Wo Wandern derzeit schwierig ist
- Tunesien: Die Kroumirie um Ain Draham wäre ein gutes Wandergebiet, liegt aber im Grenzgebiet zu Algerien. Von dort bis einschließlich der Provinz Kasserine und von den Bergen Jebel Chaambi, Jebel Selloum und Jebel Mghila rät das Auswärtige Amt ab, teilweise sind die Gebirge vermint.
- Ägypten: Den Mosesberg beim Katharinenkloster besteigst du nur mit organisierter Tour, denn von unbegleiteten Ausflügen im Süden des Sinai rät das Amt ab.
- Saudi-Arabien: Das Asir-Gebirge bei Abha und die Klippen der Edge of the World sind wegen der Reisewarnung derzeit kein Ziel.
- Türkei: Wanderungen im unmittelbaren Grenzgebiet zu Syrien und Irak meidest du.
Ausrüstung, Hitze und Wasser
Hitze ist das größte Risiko, nicht der Weg. Starte bei Sonnenaufgang, plane die Rückkehr vor der Mittagshitze und nimm mindestens zwei bis drei Liter Wasser für eine Halbtagestour mit, an heißen Tagen mehr. Was der Körper bei Hitze braucht, erklärt der Ratgeber Hitze und Gesundheit.
Typischer Fehler: Nach Regen in eine Schlucht oder ein Wadi gehen. Auch wenn es dort trocken ist, kann Regen weiter oben in den Bergen in Minuten eine Flutwelle auslösen. Bei Unwetterwarnung bleibst du draußen.
Feste Schuhe mit Profil, Sonnenhut, Stirnlampe und eine warme Schicht für die Morgenstunden in den Bergen gehören in jeden Rucksack. In Dörfern und auf Wegen durch Gärten trägst du Kleidung, die Schultern und Knie bedeckt, Hinweise dazu stehen bei Kleidung im Orient. Und sag im Hotel Bescheid, welchen Weg du gehst und wann du zurück sein willst. Handynetz gibt es in vielen Schluchten nicht.
Häufige Fragen
Wo braucht man beim Wandern im Orient einen Guide und wo nicht?
Ohne Führer gehst du den Balcony Walk im Oman, die Terrassendörfer am Jebel Akhdar, die Täler um Göreme, das Ihlara-Tal und den Siq Trail im Wadi Mujib. Im Dana-Reservat sind alle Wege auf der Liste der Naturschutzorganisation RSCN geführt. In Petra empfehlen sich offizielle Guides für lange Routen wie Jabal Harun, am Toubkal ist ein lokaler Bergführer üblich.
Wann ist die beste Jahreszeit zum Wandern im Orient?
Für Jordanien, Oman und die Emirate sind es Oktober bis April, mit den angenehmsten Wochen im Frühjahr und Spätherbst. Den Lykischen Weg und Kappadokien gehst du von Februar beziehungsweise April bis Juni und im Herbst, im Sommer ist es dort zu heiß. Im Hohen Atlas liegen die besten Monate im Frühjahr und Frühherbst, im Winter kann Schnee fallen.
Wie lang ist der Jordan Trail und lässt er sich in Etappen gehen?
Laut Tourismusbehörde Jordaniens führt der Jordan Trail über mehr als 650 Kilometer von Umm Qais im Norden bis Aqaba, für die ganze Strecke rechnet man etwa 40 Tage. Er ist in acht Abschnitte von drei bis sechs Tagen gegliedert. Am beliebtesten sind die Etappen von Dana nach Petra und von Petra ins Wadi Rum, die du mit Veranstalter und Gepäcktransport gehst.
Kann man den Toubkal ohne Bergerfahrung besteigen?
Mit guter Kondition und Trittsicherheit ja, technisch ist der Normalweg im Sommerhalbjahr kein Klettersteig. Die Höhe von 4.167 Metern ist aber nicht zu unterschätzen, die meisten gehen in zwei Tagen ab Imlil mit Übernachtung in einer Hütte. Von November bis März liegt oft Schnee, dann brauchst du Steigeisen, Erfahrung und einen Bergführer.



