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Der Lykische Weg ist kein gepflegter Spazierweg mit Kiosk an jeder Ecke. Er folgt alten Maultierpfaden, römischen Straßen und Hirtenwegen durch Steilküste, Kiefernwald und Bergdörfer, oft auf hartem, steinigem Untergrund. Dafür bekommst du Ausblicke auf ein sehr blaues Meer, lykische Felsgräber am Wegrand und Abende in kleinen Dorfpensionen. Wer gut plant, erlebt hier eine der schönsten Fernwanderungen am Mittelmeer. Wer im Juli ohne genug Wasser losgeht, erlebt sie als Qual.
Diese Seite hilft dir bei der Planung: welche Etappen sich lohnen, welche Saison passt, wo du schläfst und was du mitnimmst. Der Weg liegt komplett in den Provinzen Muğla und Antalya im Südwesten der Türkei. Wie die Region in eine Reise durch das Land passt, steht beim Türkei Urlaub.
Was der Lykische Weg ist
Der Name stammt von den Lykiern, die diese Küste in der Antike besiedelten. Ihre Felsgräber und Sarkophage stehen bis heute in Orten wie Kaş, Myra und Üçağız. Der Wanderweg selbst ist jung: 1999 erkundete, plante und markierte ihn Kate Clow, eine britische Hobbyhistorikerin, die in der Türkei lebt. Die Culture Routes Society, die sie mitgegründet hat, pflegt ihn bis heute. Auf Türkisch heißt er Likya Yolu, auf Englisch Lycian Way, und als Lykischer Weg steht er in deutschen Wanderführern.
Für wen eignet er sich? Für alle, die mehrere Tage hintereinander fünf bis sieben Stunden gehen können, trittsicher sind und mit einfachen Unterkünften zufrieden sind. Erfahrung im Gebirge hilft, alpine Kletterstellen gibt es aber nicht. Wer nur wenig Kondition hat, sucht sich kürzere Küstenetappen aus und lässt die steilen Bergpassagen weg.
Laut der Society ist der Weg inzwischen rund 760 Kilometer lang. Er beginnt in Ölüdeniz bei Fethiye, je nach Verkehr gut eine Stunde vom Flughafen Dalaman entfernt, und endet in Geyikbayırı in den Bergen westlich von Antalya, von wo täglich Busse in die Stadt fahren. Für die ganze Strecke plant die Society etwa 35 Tage. Unterwegs gibt es Varianten, Abkürzungen und Zubringer, etwa die Nikolaus-Wege zu byzantinischen Klosterruinen oberhalb von Demre.
Markiert ist der Weg mit rot-weißen Farbzeichen, wie du sie aus den Alpen kennst, an Abzweigen ergänzt durch Wegweiser. Die Markierungen sind nicht überall frisch: Nach Waldbränden, Straßenbau oder in Gegenden mit vielen Ziegenpfaden verlierst du sie leicht. Nimm deshalb einen GPS-Track oder eine Offline-Karte mit, die Society verweist dafür auch auf OpenStreetMap.
Etappen: welcher Abschnitt zu dir passt
Kaum jemand geht die ganze Strecke am Stück. Die meisten wählen einen Abschnitt von einer bis zwei Wochen. Eine Tagesetappe ist meist 10 bis 20 Kilometer lang und dauert 4 bis 7 Stunden, wegen der Höhenmeter oft länger, als die Kilometer vermuten lassen.
| Abschnitt | Wichtige Orte | So ist es | Dauer etwa |
|---|---|---|---|
| Ölüdeniz bis Kalkan | Faralya, Kabak, Alınca, Xanthos, Patara | Steilküste, Bergdörfer, langer Sandstrand | 8 bis 10 Tage |
| Kalkan bis Finike | Kaş, Üçağız, Kaleköy, Myra | Küste, Buchten, lykische Ruinen | 6 bis 8 Tage |
| Finike bis Olympos | Mavikent, Adrasan, Kap Gelidonya, Çıralı | Wald, Leuchtturm, Strände | 4 bis 6 Tage |
| Olympos bis Geyikbayırı | Tahtalı-Gebiet, Gedelme, Göynük, Hisarçandır | Hochgebirge, einsame Abschnitte | 6 bis 8 Tage |
Die beliebtesten Abschnitte
- Faralya bis Kabak und Alınca: Pfade hoch über dem Meer, mit Blick in das Schmetterlingstal. Steil und ausgesetzt, aber für viele der schönste Teil.
- Kalkan bis Kaş: Küstenpfad mit Blick auf Inseln und die Bucht von Kaputaş. Gut erreichbar, auch für einzelne Tage. Mehr zum Etappenort steht bei Kaş.
- Üçağız bis Kaleköy: eine kurze Etappe zwischen Felsgräbern und der Burg von Simena, mit Blick auf Kekova.
- Adrasan bis Karaöz über das Kap Gelidonya: Der Leuchtturm auf dem Kap wurde 1936 gebaut und ist laut GoTürkiye ein beliebter Aussichtspunkt für Wanderer.
- Olympos und Çıralı: antike Stadt im Wald an einem Strand, oberhalb die Chimaira, ein Hang, an dem seit der Antike Gasflammen aus dem Fels brennen.
Für die einsamsten Teile in den Bergen zwischen Olympos und Antalya brauchst du Erfahrung, Zelt und Vorräte. Drei Hochgebirgsabschnitte haben laut Society keine Übernachtung im Dorf.
Saison: wann du gehen solltest
Laut Culture Routes Society eignen sich Frühjahr und Herbst am besten, genauer Februar bis Mai und September bis November. Den Februar empfiehlt die Society ausdrücklich. Im Frühjahr ist alles grün, die Quellen führen Wasser, und es blüht. Im Herbst ist das Meer noch warm, die Luft wieder angenehm, dafür sind die Quellen nach dem Sommer oft schwach.
Im Juni wird es an der Küste schon sehr warm, von Juli bis August ist es für lange Wanderungen zu heiß, mit Temperaturen über 35 Grad und kaum Schatten auf den Küstenpfaden. Dazu kommt die Waldbrandgefahr, auf die auch das Auswärtige Amt hinweist: In trockenen Sommern brennen an der Küste immer wieder große Flächen, Abschnitte können dann gesperrt sein. Im Winter ist das Wetter wechselhaft, oben in den Bergen fällt Schnee. Den Überblick über die Monate gibt die beste Reisezeit für die Türkei.
Typischer Fehler: Die Höhenmeter unterschätzen. Viele Etappen an der Küste steigen mehrmals von Meereshöhe auf mehrere hundert Meter und wieder hinunter. Wer aus den Alpen 20 Kilometer am Tag gewohnt ist, schafft hier oft nur 12 bis 15.
Übernachtung und Verpflegung
Die Unterkünfte am Weg sind einfach und meist von Familien geführt, oft mit Garten, Terrasse und gemeinsamem Abendessen. Laut Society kannst du außer in den drei Hochgebirgsabschnitten jede Nacht in einem Dorfhaus, einer Pension oder einem kleinen Hotel schlafen. Viele Pensionen bieten Halbpension mit Abendessen und Frühstück an, einige auch ein Lunchpaket. Rechne grob mit 35 bis 70 Euro pro Person und Nacht mit Halbpension im Lira-Gegenwert, Stand November 2026, in beliebten Orten wie Kabak oder Kaş eher mehr. Die Preise schwanken mit dem Kurs der Lira stark, frag sie bei der Reservierung ab.
In der Hauptsaison im Frühjahr und Herbst solltest du vorab reservieren, vor allem in kleinen Orten mit nur zwei oder drei Pensionen. Wer zeltet, findet laut Society unterwegs Plätze in der Natur, meist mit Wasser in der Nähe. Einige Pensionen und Agenturen bieten Gepäcktransport zum nächsten Etappenort an, dann trägst du nur einen Tagesrucksack.
Einkaufen kannst du in den größeren Orten wie Kaş, Kalkan, Finike und Kumluca. In den Dörfern gibt es oft nur einen kleinen Laden. Nimm für zwei Tage Proviant mit, wenn du nicht sicher bist, was dich am nächsten Etappenort erwartet. Nüsse, Trockenobst, Brot und Käse halten auch in der Wärme ein paar Tage.
Wasser, Sicherheit und Ausrüstung
Wasser ist die wichtigste Frage. Trag mindestens zwei bis drei Liter, im warmen Herbst mehr. Unterwegs gibt es Quellen, Brunnen und alte Zisternen, deren Wasser du filtern oder aufbereiten solltest. In den Dörfern findest du Wasserhähne oft an der Moschee, wo sich die Gläubigen vor dem Gebet waschen. Frag kurz, ob das Wasser Trinkwasser ist.
Zur Sicherheit gilt: Geh die Bergabschnitte nicht allein, sag in der Pension, wohin du gehst, und speichere die Notrufnummer 112. Das Handynetz hat Lücken. In den Bergen begegnen dir Hirtenhunde, die ihre Herden schützen. Bleib ruhig stehen, geh in einem Bogen weiter und warte, bis der Hirte sie ruft.
Was du brauchst:
- feste Wanderschuhe mit gutem Profil, keine Trailrunner mit dünner Sohle
- Wanderstöcke für die steilen, geröllreichen Abstiege
- Sonnenhut, Sonnencreme und langärmeliges Shirt
- Wasserfilter oder Tabletten, Stirnlampe, kleines Erste-Hilfe-Set
- Offline-Karte oder GPS-Track, Powerbank
- etwas Bargeld in Lira für Dorfläden und Pensionen ohne Kartenzahlung
Mountainbikes sind auf dem Weg laut Society nicht geeignet.
Anreise und Wege zwischen den Etappen
Für den Westen fliegst du nach Dalaman, für den Osten nach Antalya. Zwischen den großen Orten an der Küste fahren Busse und Dolmuş, also Minibusse auf festen Strecken, über die Küstenstraße. Damit kommst du an viele Etappenorte, kannst Abschnitte auslassen oder bei schlechtem Wetter einen Tag überspringen. Von Geyikbayırı fährst du laut Society mit dem täglichen Bus nach Antalya.
Wer sich die Planung erleichtern will, bucht eine geführte oder selbst geführte Tour mit reservierten Pensionen und Gepäcktransport. Ein Überblick über weitere Wanderregionen in Jordanien, Oman und Marokko steht bei Wandern im Orient.
Und wenn du nach der Wanderung noch Zeit hast: Die Ruinen von Xanthos und Patara, die Kirche in Demre und die Bootstour nach Kekova lassen sich gut als Ruhetage einbauen. Was ein solcher Urlaub insgesamt kostet, rechnet der Ratgeber Türkei Kosten vor.
Häufige Fragen
Wie lange ist der Lykische Weg?
Laut Culture Routes Society, die den Weg markiert und pflegt, misst er heute rund 760 Kilometer. Ursprünglich war er gut 500 Kilometer lang, später kamen Verlängerungen und Varianten in den Bergen hinzu. Für die gesamte Strecke plant die Society etwa 35 Tage. Wer nur zwei Wochen hat, sucht sich einen Abschnitt aus und fährt zwischen den Etappen mit dem Dolmuş.
Wo ist der Lykische Weg am schönsten?
Das hängt davon ab, was du suchst. Für Steilküste und Blicke aufs Meer gelten die Abschnitte zwischen Faralya und Kabak sowie zwischen Kalkan und Kaş als besonders schön. Für Ruinen am Wasser lohnt der Teil um Üçağız und Kaleköy. Wer Leuchtturm, Strand und Bergwald will, geht von Adrasan über das Kap Gelidonya nach Olympos.
Kann man den Lykischen Weg im Februar wandern?
Ja, laut Culture Routes Society ist der Februar sogar besonders geeignet. Die Temperaturen sind tagsüber angenehm, die Landschaft grün, und Quellen führen Wasser. Dafür musst du mit Regentagen rechnen, in höheren Lagen auch mit Schnee. Einige Pensionen öffnen erst im März oder April, frag deshalb vorher nach, ob am Etappenziel ein Bett frei ist.
Braucht man für den Lykischen Weg eine Genehmigung?
Für das Wandern selbst nicht. Der Weg ist frei begehbar und kostet nichts. Eintritt zahlst du nur dort, wo er durch staatliche antike Stätten führt, etwa in Olympos, Patara oder Xanthos. Wildzelten wird in den abgelegenen Abschnitten toleriert, in Schutzgebieten und an Stränden mit Schildkrötennestern ist es verboten.




