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Im Siq drängen sich morgens die Gruppen, oben auf den Bergen ringsum bist du oft allein. Die Wanderwege in Petra zeigen die Stadt aus einer Perspektive, die vom Hauptweg aus unmöglich ist: das Schatzhaus von oben, die Königsgräber im Gegenlicht, Tempelplätze der Nabatäer auf den Gipfeln und Täler mit Gräbern, an denen kaum jemand vorbeikommt. Hier findest du die Routen im Vergleich, mit offizieller Dauer, Schwierigkeit und den Guide-Preisen der Petra-Behörde. Was du für Tickets und Zeitplan wissen musst, steht in der Zentrale zu Petra.
Die Petra-Behörde listet über zwanzig Wege, von 1,5 bis fast 19 Kilometern. Für einen normalen Besuch sind fünf davon wirklich interessant. Die übrigen führen weit in die Umgebung und lohnen sich eher für Mehrtagesgänger.
Die wichtigsten Routen im Vergleich
| Route | Start | Dauer ungefähr | Schwierigkeit | Guide-Preis (Stand November 2026) |
|---|---|---|---|---|
| Opferplatz, kurz | Treppe vor dem Theater | 1,5 Stunden hin und zurück | anstrengend, steil | 35 JD |
| Opferplatz mit Wadi Farasa | Theater, Ende Qasr al-Bint | 3 bis 3,5 Stunden | anstrengend | 60 JD |
| Al-Khubtha | Königsgräber | 2 bis 2,5 Stunden | anstrengend, steil | 50 JD |
| Kloster Ad Deir | Qasr al-Bint | 1,5 bis 1,75 Stunden hinauf | leicht bis mittel, 800 Stufen | 50 JD |
| Hintereingang ab Little Petra | Siq al-Barid bei Al Bayda | 3,25 bis 3,5 Stunden, 7 km | mittel | 150 JD, ganztags |
| Umm el Biyara | Hauptweg bei Qasr al-Bint | 2,5 bis 2,75 Stunden hinauf, 2,6 km | mittel bis schwer | 120 JD |
| Jabal Harun | Qasr al-Bint | Ganztag, 7 km pro Richtung | mittel bis schwer | 150 JD |
Die Guide-Preise gelten für den jeweiligen Weg. Bei den Routen, die erst innerhalb der Stadt beginnen, kommt laut Preisliste der Guide für den Hauptweg nicht automatisch dazu. Die Angaben zu Dauer weichen zwischen den offiziellen Seiten teils ab. Wir nennen die Werte der Petra-Behörde, rechne bei Fotostopps und Hitze großzügig mehr.
Opferplatz: der beste Weg für einen halben Tag
Der Weg zum Opferplatz, auf Englisch High Place of Sacrifice, zweigt kurz vor dem Theater links vom Hauptweg ab. Nabatäische Stufen führen steil hinauf. Unterwegs kommst du an zwei Obelisken vorbei und dann auf ein Gipfelplateau mit einem in den Fels geschlagenen Altar. Von dort siehst du über die ganze Stadt bis zu den Königsgräbern. Wer nur den Blick will, geht denselben Weg zurück.
Lohnender ist der Abstieg auf der anderen Seite durch das Wadi Farasa. Die Parkbehörde nennt für diese Runde drei bis dreieinhalb Stunden und stuft sie als schwer ein. Unterwegs kommst du am Löwenbrunnen vorbei, einem verwitterten Relief, am Gartentriklinium, am Grab des römischen Soldaten und am Renaissance-Grab. Der Weg endet in der Nähe von Qasr al-Bint, sodass du ihn gut mit dem Kloster verbinden kannst, wenn du an einem Tag beides schaffen willst.
Typischer Fehler: Die Runde in falscher Richtung am Nachmittag beginnen. Der Aufstieg vom Theater ist steil und liegt am Nachmittag in der Sonne. Geh ihn vormittags hinauf oder starte die Runde im Wadi Farasa, dann gehst du den steilen Teil abwärts.
Al-Khubtha: das Schatzhaus von oben
Al-Khubtha ist der Berg über den Königsgräbern. Der Weg beginnt am Urnengrab und führt über Stufen und Felsen an der Bergflanke entlang nach oben. Die Petra-Behörde gibt ab dem Palastgrab zwei bis zweieinhalb Stunden an, die Parkbehörde vom Visitor Center aus vier bis fünf Stunden, je nachdem wo du die Zeit misst. Oben erreichst du einen Aussichtspunkt, von dem du senkrecht hinunter auf den Vorplatz und die Fassade des Schatzhauses schaust.
Das ist der Blick, den viele von Fotos kennen. Am Aussichtspunkt steht oft ein kleiner Teestand von Familien aus der Gegend, plane etwas Kleingeld ein. Sonne bekommt die Fassade meist am Vormittag, später am Tag liegt der Platz vor dem Schatzhaus überwiegend im Schatten.
Gut zu wissen: Die Petra-Behörde führt auf ihrer Preisliste inzwischen eine Gebühr von 15 JD für die Aussichtspunkte gegenüber dem Schatzhaus (Stand November 2026). Welche Punkte genau dazu zählen, ist dort nicht beschrieben. Frag am Visitor Center nach, bevor dich jemand am Weg zur Kasse bittet.
Hintereingang, Umm el Biyara und die langen Routen
Den Hinterweg ab Little Petra beschreibt die Petra-Behörde mit sieben Kilometern, reiner Gehzeit von 3,25 bis 3,5 Stunden und mittlerer Schwierigkeit. Er beginnt am Siq al-Barid bei Al Bayda, führt über Hügel und Ackerland und endet oberhalb des Klosters. Danach gehst du über die Haupttreppe hinunter und durch die ganze Stadt hinaus. Wie das Kloster selbst und der Weg von dort aussehen, erklärt die Seite zum Petra Kloster.
Umm el Biyara ist der hohe Tafelberg westlich der Stadt. Der Aufstieg ist laut Petra-Behörde 2,6 Kilometer lang und vor allem am Anfang steil. Oben liegen Reste einer Siedlung aus der Zeit vor den Nabatäern, Zisternen und ein Rundblick über die gesamte Stadt. Für den Gang mit Guide nennt die Preisliste sechs bis acht Stunden, also einen ganzen Tag.
Jabal Harun ist der Berg mit dem Grab des Aaron. Oben steht ein kleiner weißer Schrein, der Muslimen, Juden und Christen heilig ist. Die Route ist sieben Kilometer lang pro Richtung und nur etwas für erfahrene Wanderer mit viel Wasser. Kleide dich so, dass du den Schrein respektvoll besuchen kannst, mit bedeckten Schultern und Knien. Weitere lange Wege wie Sabra oder Al Madras führen zu abgelegenen Theatern und Tempelplätzen. Wer gern mehrere Tage wandert, findet einen Teil der Strecke auch im Verlauf des Fernwanderwegs Jordan Trail, der unter anderem durch das Dana-Reservat nach Petra führt.
Gibt es eine Guidepflicht?
Die offiziellen Seiten der Petra-Behörde nennen für die einzelnen Wege keine allgemeine Pflicht, einen Guide mitzunehmen. Sie veröffentlichen aber für fast jede Route einen festen Guide-Preis, und bei einigen Wegen weisen sie ausdrücklich darauf hin, den Anweisungen des Guides zu folgen. In der Praxis heißt das:
- Hauptweg, Kloster, Opferplatz und Al-Khubtha gehen viele allein. Die Wege sind deutlich erkennbar und gut begangen.
- Für Umm el Biyara, Jabal Harun, Sabra und den Hinterweg ist ein Guide sinnvoll, weil Pfade sich verzweigen, Markierungen fehlen und unterwegs niemand ist.
- Für Wadi Muthlim, den Weg durch einen nabatäischen Tunnel und eine enge Schlucht neben dem Siq, gilt das erst recht. Diese Route ist bei jeder Regenwahrscheinlichkeit tabu.
Regeln können sich ändern. Frag am Visitor Center nach, bevor du einen der langen Wege gehst. Dort buchst du auch die offiziellen Guides zu den Preisen der Behörde. Guides, die dich am Weg ansprechen, sind nicht immer lizenziert.
Sicherheit, Ausrüstung und Wetter
Das größte Risiko in Petra ist nicht die Höhe, sondern die Kombination aus Hitze, Wasser und Zeit. Auf den Bergwegen gibt es fast keinen Schatten. Nimm pro Person mindestens zwei, für lange Routen drei bis vier Liter Wasser mit. Dazu gehören feste Schuhe mit Profil, eine Kopfbedeckung und eine warme Schicht, denn oben weht oft Wind.
Bei Regen ändert sich alles. Ein Wadi kann sich laut Auswärtigem Amt nach trockenen Phasen innerhalb kurzer Zeit in einen reißenden Fluss verwandeln, und Petra besteht aus solchen Tälern. 2025 mussten zahlreiche Besucher aus der Schlucht evakuiert werden. Wenn Regen angesagt ist, gehst du keine Schluchten und keine langen Routen. Wann das Wetter im Bergland am stabilsten ist, zeigt die Reisezeit für Jordanien.
Plane jede Route so, dass du vor Ende der Besuchszeit am Ausgang bist. Der Jordan Pass gilt laut seinen Bedingungen für Tagesbesuche von 6 bis 18 Uhr. Im Winter wird es schon gegen 17 Uhr dunkel, dann wird jeder Weg auf den letzten Kilometern schwierig. Eine Stirnlampe im Rucksack wiegt fast nichts.
Welche Route passt zu dir?
Wenn du nur einen halben Tag zusätzlich hast, nimm den Opferplatz mit Abstieg durch das Wadi Farasa. Wenn dich vor allem das Foto vom Schatzhaus reizt, geh auf Al-Khubtha. Wenn du lieber wanderst als besichtigst, starte am zweiten Tag in Little Petra und komm von hinten zum Kloster. Und wenn du drei Tage hast und gut zu Fuß bist, ist Umm el Biyara mit Guide der Weg, auf dem du die Stadt am vollständigsten verstehst. Weitere Wanderziele vom Norden des Landes bis zum Atlas vergleicht der Beitrag Wandern im Orient.
Häufige Fragen
Welcher Wanderweg in Petra ist der schönste?
Für die meisten ist es der Weg zum Opferplatz, weil er viel auf kurzer Strecke bietet: Obelisken, einen Altar auf dem Gipfel, den Blick über die Stadt und auf dem Rückweg durch das Wadi Farasa Gräber, die kaum jemand sieht. Wer vor allem das Schatzhaus von oben fotografieren will, nimmt Al-Khubtha. Für Ruhe und Weite ist der Hinterweg zum Kloster die beste Wahl.
Kann man in Petra allein wandern?
Auf den gut begangenen Wegen wie Opferplatz, Al-Khubtha und dem Aufstieg zum Kloster ja, dort bist du selten lange allein. Für abgelegene Routen wie Umm el Biyara, Jabal Harun, Sabra oder Wadi Muthlim ist ein Guide sinnvoll, weil Pfade unklar sind und Hilfe weit weg ist. Sag in jedem Fall im Hotel Bescheid, welchen Weg du gehst und wann du zurück sein willst.
Gelten die Reisehinweise auch für Wanderungen in Petra?
Ja. Das Auswärtige Amt rät mit Stand 6. November 2026 von nicht notwendigen Reisen nach Jordanien ab, Petra eingeschlossen. Für Wanderer kommen zwei Hinweise dazu: Im Herbst und Winter können nach Regen Sturzfluten in Wadis entstehen, und außerhalb von Amman ist die medizinische Versorgung eingeschränkt. Kläre vor langen Touren die Lage vor Ort und schließ eine Versicherung mit Rücktransport ab.
Wie früh muss ich für eine lange Wanderung starten?
So früh wie möglich, also um 6 Uhr, wenn die Stadt öffnet. Lange Routen wie Jabal Harun oder Sabra dauern mit Guide bis zu acht Stunden und enden weit vom Ausgang. Du musst vor Ende der Besuchszeit wieder draußen sein, und im Winter wird es gegen 17 Uhr dunkel. Rechne zur reinen Gehzeit immer den Weg vom Visitor Center hinein und wieder hinaus dazu.



