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Chefchaouen sieht auf Fotos aus wie ein einziges blaues Bild, und in Wirklichkeit ist es eine ganz normale Kleinstadt in den Bergen, in der Menschen wohnen, zur Schule gehen und einkaufen. Die blaue Medina ist klein, überschaubar und entspannter als die Altstädte von Fès oder Marrakesch. Ringsum steigt das Rif-Gebirge an, mit Wanderwegen, Wasserfällen und Dörfern. Wer nur für Fotos kommt, ist in einer Stunde fertig. Wer bleibt, merkt, dass die Stadt am Abend und am frühen Morgen ganz anders wirkt. Wie Chefchaouen in die Reiseplanung für das ganze Land passt, steht im Überblick Marokko Urlaub.
Die blaue Medina: was du sehen solltest
Chefchaouen wurde im 15. Jahrhundert gegründet, zunächst als Festung gegen die Portugiesen an der Küste. Die Altstadt zieht sich an einem Hang hinauf, die Gassen sind steil, aber kurz. Verlaufen kannst du dich kaum: Bergab kommst du zum Hauptplatz, bergauf an den Rand der Medina.
Die wichtigsten Orte für deinen Rundgang:
- Place Outa el-Hammam: Der Hauptplatz mit Cafés unter Bäumen. Hier sitzt du abends und schaust den Leuten zu.
- Kasbah: Die alte Festung aus rötlichem Stein steht am Platz. Laut Tourismusbehörde findest du dort einen Garten und ein kleines Museum mit Waffen, alten Fotos der Stadt und Textilien. Vom Turm siehst du über die Dächer. Was eine Kasbah grundsätzlich ist, erklärt das Glossar.
- Große Moschee: Direkt neben der Kasbah, mit einem achteckigen Minarett. Für Nicht-Muslime nicht zugänglich.
- Ras el-Ma: Die Quelle am oberen Rand der Altstadt, an der früher Wäsche gewaschen wurde. Hier sitzen Familien am Wasser.
- Spanische Moschee: Eine nicht mehr genutzte Moschee auf dem Hügel gegenüber. Von Ras el-Ma gehst du ungefähr 30 Minuten hinauf, oben hast du zum Sonnenuntergang den besten Blick über die ganze Stadt.
Die Läden verkaufen Wolldecken, Teppiche, Ziegenkäse und Handwerk aus den Bergdörfern. Gehandelt wird auch hier, aber ruhiger als in den großen Städten.
Unser Rat: Geh vor 9 Uhr durch die Medina. Dann sind die blauen Gassen leer, das Licht ist weich, und die Bewohner fegen gerade vor ihren Türen. Ab dem späten Vormittag kommen die Busse mit Tagesbesuchern.
Fotografieren mit Respekt
Chefchaouen ist eine der meistfotografierten Städte Marokkos, und das hat Folgen. An manchen Ecken stehen Schlangen für ein Foto, Bewohner kommen kaum aus ihrem Haus. Einige Grundregeln machen es für alle angenehmer:
- Türen, Treppen und Hauseingänge sind privat, auch wenn sie bunt und einladend aussehen. Setz dich nicht ungefragt darauf.
- Menschen fotografierst du nur, wenn du vorher gefragt hast. Bei Frauen und Kindern ist ein Nein üblich.
- Blockier keine schmalen Gassen für lange Fotoshootings.
- An einigen beliebten Ecken haben Bewohner Blumentöpfe und Dekoration aufgestellt und erwarten einen kleinen Betrag. Das ist fair, frag einfach nach.
Wandern im Rif: Talassemtane und Akchour
Rund um Chefchaouen liegt der Talassemtane-Nationalpark mit Zedern- und Tannenwäldern, Kalkfelsen und Wanderwegen. Die bekanntesten Ziele sind die Wasserfälle von Akchour, laut Tourismusbehörde ungefähr 45 Minuten Fahrt von der Stadt. Von dort führen Wege in eine Schlucht mit Badegumpen und zu einem natürlichen Felsbogen, der als Gottesbrücke bekannt ist. Rechne für die längeren Wege mit einem halben bis ganzen Tag.
Das Auswärtige Amt rät, das Rif-Gebirge nicht allein zu bereisen. Für Wanderungen bedeutet das: Geh nicht allein abseits der gängigen Wege, nimm einen ortskundigen Führer und sag in der Unterkunft Bescheid, wohin du gehst. Nach Regen sind die Wege glatt, und die Bäche schwellen schnell an. Mehr über Wandergebiete im ganzen Orient findest du bei Wandern im Orient.
Gut zu wissen: In der Region wird Cannabis angebaut, und es kann dir passieren, dass dir in Chefchaouen Haschisch angeboten wird. Für Reisende ist Kauf und Besitz in Marokko verboten, und die Strafen sind hoch. Ein klares Nein reicht in der Regel.
Anreise: Bus, Taxi oder Auto
Chefchaouen hat keinen Bahnhof. Die nächsten Bahnhöfe liegen in Tanger und Fès, von dort fährst du mit Bus, Sammeltaxi oder Mietwagen weiter.
| Von | Fahrzeit mit dem Auto (ungefähr) | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Tanger | ca. 2 Std. | Bus oder Taxi, Ankunft per Zug oder Fähre in Tanger |
| Tétouan | ca. 1,5 Std. | häufige Busse und Sammeltaxis |
| Fès | ca. 3,5 Std., rund 194 km | Busse mehrmals täglich, Bergstraße |
Die Fahrzeiten stammen von der marokkanischen Tourismusbehörde, mit dem Bus rechnest du etwas länger. Busse der Fernbusgesellschaften fahren mehrmals täglich, in der Hochsaison solltest du ein, zwei Tage vorher reservieren. Der Busbahnhof liegt unterhalb der Medina, zum Hauptplatz gehst du ungefähr 20 Minuten bergauf oder nimmst ein Petit Taxi. Mit Mietwagen parkst du am Rand der Altstadt, in die Medina fährt kein Auto.
Wer von Fès kommt, verbindet Chefchaouen gut mit einer Fahrt in den Norden: Fès, zwei Nächte Chefchaouen, dann über Tétouan nach Tanger und von dort mit dem Zug weiter nach Süden. Wie sich das in eine längere Reise einfügt, zeigt die Marokko Rundreise. Was du in Fès vor der Weiterfahrt planst, steht auf der Seite Fès entdecken.
Zwei Tage in Chefchaouen: ein einfacher Plan
Am ersten Tag kommst du am Vormittag an, bringst das Gepäck in die Unterkunft und gehst zuerst zum Hauptplatz. Nach einem Tee besuchst du die Kasbah und steigst danach durch die oberen Gassen zur Quelle Ras el-Ma. Am späten Nachmittag gehst du hinauf zur Spanischen Moschee, plane dafür mindestens eineinhalb Stunden mit Rückweg ein und nimm eine Stirnlampe mit, wenn du nach Sonnenuntergang absteigst. Abends isst du am Platz oder auf einer Dachterrasse.
Am zweiten Tag startest du früh mit einem Rundgang durch die leeren Gassen und fährst danach mit Führer oder Taxi nach Akchour. Wer lieber in der Stadt bleibt, wandert auf den Hügeln über Ras el-Ma, wo Pfade zu kleinen Dörfern führen. Probier unterwegs den frischen Ziegenkäse aus der Region, den du in vielen Läden der Medina bekommst.
Wann fahren und wo wohnen
Laut Tourismusbehörde sind April bis Juni sowie September und Oktober die angenehmsten Monate. Dann ist es mild, die Berge sind grün, und Wandern macht Spaß. Im Sommer ist es tagsüber warm, aber kühler als in Fès, dafür ist die Stadt dann voll mit Besuchern aus Marokko und Spanien. Im Winter kann es regnerisch und kalt werden, nachts deutlich unter 10 Grad. Den Vergleich mit anderen Regionen findest du bei der Reisezeit für Marokko.
Übernachte in der Medina oder knapp oberhalb mit Blick über die Stadt. Viele Unterkünfte sind kleine Gästehäuser mit Dachterrasse. Wichtig im Winter: Frag nach Heizung, denn die alten Häuser sind kalt und feucht. Mit Mietwagen achte auf einen Parkplatz in der Nähe, denn die letzten Meter gehst du immer zu Fuß. Was in Marokko bei Kleidung, Geld und Verhalten gilt, steht in den Marokko Reisetipps.
Häufige Fragen
Warum sind die Häuser in Chefchaouen blau gestrichen?
Eine einzige, gesicherte Erklärung gibt es nicht. Häufig erzählt wird, dass jüdische Familien die Farbe in die Stadt brachten. Andere Deutungen nennen Abkühlung im Sommer oder die Abwehr von Mücken. Sicher ist, dass die Bewohner die Wände regelmäßig neu streichen und das Blau heute auch bewusst pflegen, weil es Besucher anzieht. Behandle die Geschichten als Überlieferung, nicht als Tatsache.
Gibt es einen Strand in der Nähe von Chefchaouen?
In der Stadt nicht. Chefchaouen liegt in den Bergen, die Mittelmeerküste ist ungefähr eine Autostunde entfernt, etwa bei Oued Laou östlich von Tétouan. Wer Berge und Meer verbinden will, plant zwei Nächte in Chefchaouen und fährt dann über Tétouan an die Küste oder weiter nach Tanger.
Wie lange sollte man in Chefchaouen bleiben?
Zwei Tage, wie es auch die marokkanische Tourismusbehörde empfiehlt. Am ersten Tag gehst du durch die Medina, besuchst die Kasbah und steigst zum Sonnenuntergang zur Spanischen Moschee. Am zweiten Tag wanderst du oder fährst zu den Wasserfällen von Akchour. Nur auf der Durchreise lohnt sich eine Nacht, ein Tagesausflug ab Fès ist zu lang.
Darf man in Chefchaouen die Häuser und Menschen einfach fotografieren?
Fassaden in öffentlichen Gassen ja, Menschen nur mit Erlaubnis. Viele Türen, Treppen und Hauseingänge sind privat, auch wenn sie wie Fotokulissen wirken. Setz dich nicht ungefragt auf Stufen vor Wohnungen, blockier keine Gassen für Posen und frag, bevor du jemanden fotografierst. An einigen besonders beliebten Ecken wird ein kleiner Betrag erwartet.




