Glossar · Stadt und Architektur

Medina: Bedeutung und Erklärung für Reisende

Medina ist das arabische Wort für Stadt. In Marokko und Tunesien meint es die ummauerte Altstadt mit Gassen, Souks, Moscheen und Wohnhäusern, die vor der Kolonialzeit entstand. Im Gegensatz dazu stehen die Neustädte, die die Franzosen daneben anlegten.

Medina: Medina (arabisch für Stadt) bezeichnet in Nordafrika die historische, meist ummauerte Altstadt mit Gassen, Märkten und Wohnvierteln.

Kurz erklärt

Wortsinnarabisch al-madina, die Stadt
Verwendungvor allem in Marokko und Tunesien
TypischStadtmauer, Tore, Souks, Wohngassen, Sackgassen
GegenstückVille Nouvelle, die Neustadt der Kolonialzeit
Bekannte BeispieleFès, Marrakesch, Tunis, Kairouan, Sousse
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Wer in Marokko oder Tunesien unterwegs ist, hört das Wort Medina ständig: auf Wegweisern, im Taxi, an der Hotelrezeption. Der Wortsinn ist einfach, der Aufbau der Stadt dahinter weniger. Diese kurze Erklärung für Reisende zeigt, was das Wort heißt, wie so eine Altstadt aufgebaut ist und warum du dich darin anfangs verläufst. Weitere Begriffe findest du im Orient-Glossar.

Was das Wort bedeutet

Medina kommt vom arabischen al-madina und heißt schlicht „die Stadt“. In der Umschrift liest du auch Madina oder Médina, je nachdem, ob die Vorlage englisch, französisch oder arabisch geprägt ist. Ausgesprochen wird es mit Betonung auf der zweiten Silbe: Me-DI-na.

Im Maghreb, also in Marokko, Algerien und Tunesien, hat sich eine engere Bedeutung durchgesetzt. Als die Franzosen im 19. und 20. Jahrhundert neben den alten Städten eigene Viertel mit breiten Straßen anlegten, brauchte man zwei Namen. Die Neustadt hieß Ville Nouvelle, die alte Stadt blieb die Medina. So ist es bis heute: In Fès, Marrakesch, Tunis oder Sousse meint Medina immer den historischen Kern.

Wie eine Medina aufgebaut ist

Fast jede Medina folgt demselben Muster, auch wenn sie auf den ersten Blick chaotisch wirkt. Eine Mauer mit Toren umschließt die Stadt. Von den Toren führen wenige breitere Gassen zum Zentrum, wo die große Moschee steht. Rund um die Moschee liegen die Märkte, nach Waren sortiert, und oft gilt: je näher am Zentrum, desto wertvoller die Ware. Weiter außen folgen Handwerker, die Platz brauchen oder Lärm und Geruch machen, etwa Gerber und Färber. Dazwischen liegen die Wohnviertel mit eigenen kleinen Moscheen, Bäckereien, Brunnen und Bädern.

Die Häuser zeigen zur Gasse oft nur eine Mauer und eine Tür. Das Leben spielt sich in Innenhöfen ab, aus denen die Gästehäuser entstanden sind, die heute als Riad-Gästehaus vermietet werden. Viele Gassen enden blind. Das ist kein Planungsfehler, sondern Absicht: Fremde sollten nicht durch die Wohnbereiche laufen.

Typische Teile einer Medina:

  • Bab: das Stadttor, oft namensgebend für das ganze Viertel
  • Derb: eine Gasse, häufig eine Sackgasse mit wenigen Häusern
  • Souk: der Marktbereich, unterteilt nach Gewerben
  • Mellah: in Marokko das frühere jüdische Viertel
  • Kasbah: die Zitadelle, oft am Rand der Medina auf einer Anhöhe

Beispiele aus mehreren Ländern

Die Medina von Fès el-Bali gilt als eines der größten autofreien Altstadtgebiete der Welt und steht seit 1981 auf der Welterbeliste. Was du dort siehst und wie du durch die Gassen findest, erklärt die Seite Medina von Fès. In Marrakesch ist die Medina seit 1985 Welterbe, mit dem Jemaa el-Fna als Mittelpunkt und dem Minarett der Koutoubia als Landmarke.

In Tunesien zählt die UNESCO in der Medina von Tunis rund 700 historische Bauten, darunter Paläste, Moscheen und Stadthäuser wie Dar Ben Abdallah. Der Kern geht auf das 8. Jahrhundert zurück. In Kairouan umschließt eine gut drei Kilometer lange Mauer eine Medina von etwa 54 Hektar, und in Sousse oder Hammamet liegt die ummauerte Altstadt direkt am Meer.

In Ägypten und am Golf ist das Wort weniger gebräuchlich. Die Altstadt von Kairo heißt im Deutschen meist islamisches Kairo, die von Jeddah Al-Balad, und Dubais altes Viertel Al Fahidi wird nie Medina genannt. Wenn dir in Dubai Madinat Jumeirah begegnet, ist das ein Hotel- und Einkaufskomplex, der den Stil einer alten Stadt nachbaut.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Medina und Souk werden oft verwechselt. Die Medina ist die ganze Altstadt, der Souk nur ihr Marktteil. Du kannst also durch die Medina gehen, ohne einen einzigen Laden zu sehen. Die Kasbah ist die befestigte Burg innerhalb oder am Rand der Stadt, kein Synonym für die Altstadt, auch wenn Reiseprospekte das manchmal vermischen.

Und dann gibt es noch die heilige Stadt Medina in Saudi-Arabien. Sie trägt dasselbe Wort im Namen, hat mit den Altstädten im Maghreb aber nichts zu tun.

Was du als Reisender davon hast

Wer das Prinzip kennt, verläuft sich weniger. Merk dir die Tore und die Hauptgassen, die sie verbinden, dann hast du ein Gerüst. In Fès liegen die großen Tore am oberen Rand, wer bergauf geht, kommt fast immer an eine Straße mit Taxis. Ein Kompass im Handy hilft mehr als die Kartenansicht, weil die Satellitenortung zwischen den hohen Mauern oft danebenliegt.

Ein paar Regeln machen den Aufenthalt entspannter. Plan Zeit ein, denn kurze Wege auf der Karte sind in der Medina oft lang. Lass dich nicht von Menschen führen, die dich ungefragt ansprechen und behaupten, eine Gasse sei gesperrt. Und wenn du übernachtest, sprich mit der Unterkunft einen festen Treffpunkt an einem Tor ab.

Am schönsten ist eine Medina früh am Morgen, wenn Bäcker ihre Öfen anheizen und Händler die Läden öffnen, und am späten Nachmittag, wenn das Licht in die Gassen fällt. Mittags ist es voll und in den Sommermonaten heiß. Wer abends geht, findet in vielen Altstädten belebte Hauptgassen und stille Wohnviertel direkt daneben.

Häufige Fragen

Was hat die Medina in Marokko mit der Stadt Medina in Saudi-Arabien zu tun?

Beide tragen dasselbe arabische Wort für Stadt. Die Stadt in Saudi-Arabien heißt vollständig al-Madina al-Munawwara, die erleuchtete Stadt, und ist nach Mekka der zweitheiligste Ort des Islam. Wenn in Marokko oder Tunesien von der Medina die Rede ist, meint man dagegen schlicht die Altstadt. Mit dem Pilgerort hat das nichts zu tun.

Wie unterscheiden sich Medina und Souk, wenn man durch Marrakesch läuft?

Die Medina ist die ganze Altstadt, mit Wohnvierteln, Moscheen, Schulen, Bädern und Märkten. Der Souk ist nur der Teil, in dem gehandelt wird, meist ein Netz aus überdachten Gassen nahe der großen Moschee oder des Hauptplatzes. In Marrakesch beginnen die Souks nördlich des Jemaa el-Fna, die ruhigen Wohngassen liegen dahinter und rundherum.

Darf man in einer Medina einfach in jede Gasse gehen?

Ja, die Gassen sind öffentlich. Sackgassen führen aber oft nur zu wenigen Haustüren, dort bist du eher Gast in einem Wohnbereich. Geh ruhig hinein, aber leise, fotografiere keine Menschen ohne Frage und kehr um, wenn jemand sagt, dass es nicht weitergeht. Das stimmt in solchen Gassen meist sogar.

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Quellen und offizielle Informationen

UNESCO World Heritage Centre: Medina of Tunis; UNESCO World Heritage Centre: Kairouan; Visit Morocco: Marrakech, Medina und Koutoubia.

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