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Wer in Jordanien nur Petra, Wadi Rum und das Tote Meer sieht, hält das Land für eine einzige Wüste. Ajloun zeigt das Gegenteil. Im Bergland nordwestlich von Amman stehen Eichen- und Pistazienwälder, im Frühling blühen die Hänge, und über allem thront eine Burg aus dem 12. Jahrhundert. Für einen Tag im Norden ist das die naheliegende Ergänzung zu Jerash, für Wanderer ein eigenes Ziel. Und wer nach Tagen zwischen Steinen und Sand Schatten sucht, findet ihn hier unter Bäumen, was in Jordanien selten genug ist. Der Ausflug ab Jerash oder Amman lässt sich ohne viel Planung an einen halben Tag hängen.
Auf dieser Seite steht, was die Burg zu bieten hat, welche Wege im Waldreservat sich lohnen, was es sonst rund um Ajloun gibt und wie du hinkommst. Wie Jerash und Ajloun an einem Tag zusammenpassen, ist hier ausführlicher erklärt als auf der Seite zu Jerash. Den Überblick über das Land findest du bei Jordanien Urlaub.
Die Burg von Ajloun
Die Burg heißt auf Arabisch Qal'at ar-Rabad. Laut Tourismusbehörde ließ sie Izz ad-Din Usama, ein Feldherr Saladins, im Jahr 1184 errichten, 1214 wurde sie zu ihrer heutigen Form erweitert. Anders als Karak oder Shobak ist sie keine Kreuzfahrerburg, sondern eine Festung der Ayyubiden gegen die Kreuzfahrer. Sie überwachte die Handelswege im Norden und das Land bis zum Jordantal. Bis ins 15. Jahrhundert blieb sie ein militärischer Posten.
Von außen wirkt die Burg kompakt, innen ist sie ein Gewirr aus Gängen, Treppen, Gewölben und Türmen. Du kommst über eine Brücke am Graben hinein und gehst durch dunkle Hallen hinauf auf die Dächer. Von oben siehst du bei klarer Sicht über die Hügel bis ins Jordantal. Ein kleiner Ausstellungsraum zeigt Funde aus der Region. Rechne mit einer Stunde, Kinder haben hier mehr Spaß als in vielen Ruinenstädten, weil man fast überall hineinklettern darf.
| Punkt | Angabe (Stand November 2026) |
|---|---|
| Eintritt ausländische Gäste | 3 JD |
| Jordan Pass | enthalten |
| Zeitbedarf | rund 1 Stunde |
| Schuhe | feste Sohle, Treppen und Steinböden sind glatt |
| Beste Tageszeit | Vormittag oder später Nachmittag, wenn das Licht weich ist |
Öffnungszeiten nennt die Tourismusbehörde nicht gesondert. Wie bei den meisten Stätten in Jordanien schließt die Burg im Winter früher als im Sommer, plane den Besuch deshalb nicht in den letzten Stunden vor Sonnenuntergang. Ob sich der Jordan Pass für dich rechnet, hängt vor allem an Petra, Ajloun allein macht den Pass nicht billiger.
Unser Rat: Komm am späten Nachmittag, nachdem du vormittags in Jerash warst. Dann sind die Reisegruppen weg, und die Sonne steht tief über den Hügeln im Westen.
Ajloun Forest Reserve: Wälder und Wanderwege
Das Waldreservat liegt in den Hügeln bei Ajloun und umfasst laut Tourismusbehörde 13 Quadratkilometer Hügelland. Es wächst offener Wald aus Eichen, Pistazien und Erdbeerbäumen, im Frühling blühen Wildblumen auf den Lichtungen. Betreut wird es von der Naturschutzorganisation RSCN, die auch das Dana Biosphere Reserve im Süden verwaltet. Gegen die Wüstenreservate ist Ajloun klein und sanft, eher für Spaziergänge und halbe Tage als für große Touren.
Die Tourismusbehörde nennt fünf Wege:
- Roe Deer Trail: ein kurzer Rundweg ab dem Campingplatz, gut für Familien.
- Soap House Trail: vom Visitor Center bis zum Seifenhaus im Dorf Orjan, mit dem Aussichtspunkt Eagle's View auf etwa 1.100 Metern.
- Ajloun Houses Trail: geführte Wanderung vorbei an drei kleinen Werkstätten, dem Seifenhaus, dem Keksbackhaus und dem Haus für Kalligrafie.
- Orjan Village Trail: geführt durch bewaldete Täler und Obstgärten zum Dorf Orjan.
- Rockrose Trail: geführter Rundweg, benannt nach den Zistrosen, die im Frühling blühen.
Im Seifenhaus in Orjan stellen Frauen aus dem Ort Seife aus Olivenöl her. Wer mag, schaut zu und kauft direkt dort. Längen, Dauer und Preise der geführten Wege stehen bei der RSCN, sie ändern sich mit der Saison.
Was es rund um Ajloun noch gibt
Die Gegend hat mehr zu bieten, als die meisten Tagesgäste sehen. Viele Orte haben einen religiösen Bezug, denn der Norden Jordaniens gehört zur biblischen Landschaft Gilead.
- Tell Mar Elias: ein Hügel nahe den Ruinen von Listib, der als das biblische Tischbe gilt, die Heimat des Propheten Elija. Oben stehen die Reste zweier Kirchen aus spätbyzantinischer Zeit.
- Anjara: die Kirche Unserer Lieben Frau vom Berge mit einer Grotte, die nach der Überlieferung Jesus und Maria auf ihrem Weg aufsuchten. Der Vatikan erklärte sie zum Pilgerort für das Jahr 2000.
- Birgish: Kalksteinhöhlen mit Tropfsteinen.
- Wadi al-Rayan: ein bewaldetes Wadi mit kaltem Wasser und dem Wasserfall Rashrash.
- Rasoun: ein Wanderweg von etwa zwei Stunden vorbei an einer alten Ölpresse, römischen Gräbern und einer Kirche.
Durch Ajloun führt außerdem der Jordan Trail. Laut Tourismusbehörde sind es von Umm Qais bis Ajloun rund 80 Kilometer in sechs Wandertagen, von Ajloun weiter Richtung Süden 74 Kilometer in fünf Tagen. Wer nicht mehrere Tage gehen will, läuft ein Teilstück als Tagesetappe mit lokalem Guide.
Anreise und Kombination mit Jerash
Ajloun liegt rund eine halbe Stunde Fahrt westlich von Jerash, von Amman sind es je nach Verkehr etwa eineinhalb Stunden. Die meisten verbinden beides: morgens Jerash, wenn die Säulenstraße noch leer ist, am Nachmittag die Burg. Mit dem Mietwagen ist das unkompliziert, die Straße führt kurvig durch Olivenhaine und Dörfer. Rechne auf den letzten Kilometern mit Steigungen und Bodenschwellen, wie überall in Jordanien. Was du beim Fahren beachtest, steht beim Ratgeber Mietwagen in Jordanien.
Ohne Auto nimmst du ein Taxi für den ganzen Tag ab Amman oder eine geführte Tour. Minibusse zwischen Jerash und Ajloun gibt es, aber ohne verlässlichen Fahrplan, und von der Stadt hinauf zur Burg brauchst du dann noch ein Taxi. In der Jordanien Rundreise ist Ajloun als optionaler Nachmittag nach Jerash eingeplant.
Typischer Fehler: Erst um 15 Uhr in Jerash starten und dann noch die Burg dranhängen. Im Winter wird es gegen halb fünf dunkel, und die Rückfahrt nach Amman führt über kurvige Landstraßen.
Die beste Zeit für Ajloun
Ajloun ist im Frühling am stärksten. Von März bis Mai sind die Hügel grün, Wildblumen und Zistrosen blühen, und die Temperaturen passen für Wanderungen. Im September und Oktober ist es trockener, aber noch warm genug für lange Tage. Der Sommer ist hier oben weniger drückend als im Jordantal, mittags trotzdem heiß. Im Winter wird es kalt und regnerisch, an manchen Tagen liegt Nebel über der Burg, und in kalten Wintern kann Schnee fallen. Die Monate im Vergleich zeigt die Seite zur besten Reisezeit für Jordanien.
Ajloun und die Lage im Norden
Das Auswärtige Amt rät mit Stand 6. November 2026 von nicht notwendigen Reisen nach Jordanien ab und dringend von Reisen in das unmittelbare syrisch-jordanische Grenzgebiet und in den Nordosten. Orte oder Kilometer nennt das Amt nicht. Ajloun liegt im Bergland des Nordwestens und nicht direkt an der Grenze, gehört aber zu dem Teil des Landes, der Syrien am nächsten liegt. Je weiter du von hier nach Norden fährst, etwa nach Umm Qais über dem Tal des Yarmuk, desto näher kommst du dem Grenzgebiet.
Für deinen Tag heißt das: Lies vor der Fahrt die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise, plane die Rückfahrt bei Tageslicht, denn von Überlandfahrten nach Einbruch der Dunkelheit rät das Amt ab, und frag im Hotel nach, ob es aktuell Einschränkungen im Norden gibt.
Ajloun und die Burgen im Süden
Drei Burgen tauchen in fast jeder Jordanien-Planung auf. Ajloun im Norden ist die muslimische Festung gegen die Kreuzfahrer, kompakt und gut erhalten. Karak und Shobak am Kings Highway sind dagegen Burgen der Kreuzfahrer, größer und rauer. Wer nur Zeit für eine hat, entscheidet nach der Route: Ajloun passt zu Jerash und Amman, die Burg Karak zur Fahrt nach Petra.
Häufige Fragen
Wie viel Zeit sollte ich für die Burg von Ajloun einplanen?
Für Burg, Türme und den Blick von oben reicht eine Stunde. Wer das kleine Museum mit Funden aus der Region anschaut und sich in den Gängen Zeit lässt, braucht anderthalb. Kombinierst du die Burg mit Jerash, schaffst du beides an einem Tag ab Amman. Für das Waldreservat mit einer Wanderung kommt ein halber Tag dazu, dann lohnt sich eine Nacht in der Gegend.
Gibt es in Ajloun eine Seilbahn zur Burg?
Ja, seit einigen Jahren fährt in Ajloun eine Seilbahn von einer Talstation am Ortsrand hinauf in Richtung Burg und bietet einen Blick über die bewaldeten Hügel. Betriebszeiten und Preise standen auf den offiziellen Seiten der Tourismusbehörde nicht. Frag im Hotel oder an der Burg nach, ob sie gerade fährt. Mit dem Auto oder Taxi kommst du ebenfalls bis vor das Burgtor.
Lohnt sich das Waldreservat bei Ajloun auch ohne Wanderausrüstung?
Für die kurzen Wege ja. Der Roe Deer Trail ist ein kleiner Rundweg ab dem Campingplatz, für den normale Turnschuhe reichen. Längere Wege wie der zum Seifenhaus in Orjan führen über unebene Pfade und bis auf etwa 1.100 Meter am Aussichtspunkt Eagle's View, dafür sind feste Schuhe besser. Einige Wege sind nur geführt, die Termine stehen bei der Naturschutzorganisation RSCN.
Kann man in Ajloun übernachten, statt nach Amman zurückzufahren?
Ja. Im Waldreservat gibt es einen Campingplatz, an dem auch ein Wanderweg startet, Unterkünfte im Reservat vergibt die Naturschutzorganisation RSCN. Dazu kommen Gästehäuser in der Umgebung. Eine Nacht lohnt sich vor allem, wenn du morgens wandern willst, bevor es warm wird, oder Ajloun mit dem Jordan Trail verbindest. Für eine reine Burgbesichtigung reicht die Rückfahrt nach Amman.




