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Von der Straße aus sieht die Burg aus wie ein Stück Gebirge. Graue Mauern sitzen auf einer Hügelkuppe, darunter liegen Obstgärten, ringsum zieht sich das Hochland bis zum Horizont. Shobak ist die südliche Schwester von Karak, eine Kreuzritterburg aus dem 12. Jahrhundert, die heute meist nur kurz besucht wird. Das ist schade, denn wer eine Stunde Zeit mitbringt, hat hier oft fast allein eine echte Festungsruine vor sich. Erwarte kein Museum mit Vitrinen, sondern Mauern, Gänge, Treppen und Wind.
Die Burg liegt im südlichen Bergland, laut dem offiziellen Führer des Jordan Pass weniger als eine Stunde nördlich von Petra. Wie sie in eine Reise durch das Land passt, ordnet die Zentrale Jordanien Urlaub ein.
Geschichte: von Montréal zu den Mamluken
Nach der gängigen Geschichtsschreibung ließ König Balduin I. von Jerusalem die Burg 1115 errichten. Sie war eine der ersten Festungen der Kreuzfahrer östlich des Jordan und sollte die Wege zwischen Damaskus, Ägypten und dem Roten Meer überwachen, auf denen Karawanen und Pilger zogen. Die Kreuzfahrer nannten sie Mons Regalis, auf Französisch Montréal, den königlichen Berg. Im Führer des Jordan Pass heißt sie „Le Krak de Montreal“.
Nach der Schlacht von Hattin 1187 geriet die Burg unter Druck. Saladins Truppen belagerten sie lange, und 1189 fiel sie, nach der gängigen Darstellung, weil die Verteidiger nach fast zwei Jahren ausgehungert waren. Später übernahmen die Mamluken die Anlage. Laut Jordan Pass wurde sie in den 1290er Jahren umfassend neu aufgebaut, und bewohnt war sie bis in die 1950er Jahre.
Die Spuren dieser Zeiten liegen übereinander. Laut Jordan Pass zeigen einige Ruinen europäische, fast gotische Bauformen aus der Kreuzfahrerzeit, während am östlichen Eingangsturm große arabische Inschriften im Stil der Mamluken stehen. Das meiste, was du heute siehst, stammt aus dieser späteren Bauphase.
Was du in der Burg Shobak siehst
Der Rundgang beginnt am Eingang und führt über den Hügel. Wege sind nur teilweise ausgebaut, Schilder gibt es wenige. Die wichtigsten Stationen:
- Der Eingangsturm mit den großen Inschriften der Mamluken, gleich zu Beginn.
- Die Reste von Kapellen der Kreuzfahrer, an Bögen und Fensterformen erkennbar.
- Gewölbe, Zisternen und Vorratsräume, teils unterirdisch, teils halb eingestürzt.
- Die Mauerkrone mit Blick über die Täler und die umliegenden Dörfer.
Shobak heißt nicht nur die Burg, laut Jordan Pass auch eine Gruppe von zehn Dörfern ringsum. Die Gegend ist für ihre Obstgärten bekannt, im Frühjahr blühen unter der Burg die Bäume.
Gut zu wissen: Die Burg ist eine Ruine, nicht für Besucher hergerichtet wie ein Museum. Es gibt ungesicherte Kanten, lose Steine und dunkle Räume. Mit kleinen Kindern behältst du sie an der Hand, und eine Taschenlampe gehört in jede Tasche.
Der Tunnel unter der Burg
Das bekannteste Detail ist ein Gang tief in den Fels. Er führt über eine sehr lange, steile Treppe nach unten, nach der Überlieferung bis zu einer Quelle, die der Burg auch bei Belagerung Wasser sicherte. Der Abstieg ist eng, dunkel und glatt, Licht gibt es keines.
Ob der Tunnel offen ist und wie weit du hinuntergehen darfst, wechselt. Frag am Eingang nach. Wenn du gehst, dann nur mit starker Lampe, festen Schuhen und genug Kraft für den Rückweg, denn jede Stufe nach unten musst du wieder hinauf. Wer unter Platzangst leidet oder Knieprobleme hat, schaut nur in den Eingang und lässt den Rest aus.
Eintritt, Öffnung und Zeitbedarf
Der Eintritt kostet laut der Gebührentabelle von Visit Jordan 1 JD für ausländische Besucher, Jordanier zahlen weniger. Mit dem Jordan Pass ist die Burg bereits bezahlt. Feste Öffnungszeiten nennen die offiziellen Seiten nicht. Komm bei Tageslicht und nicht zu spät am Nachmittag (Stand November 2026).
Für einen Rundgang reicht etwa eine Stunde. Mit Tunnel, Fotos und einer Pause auf der Mauer werden es anderthalb. Toiletten und Verpflegung sind spärlich, Wasser nimmst du selbst mit. Ob am Eingang Guides warten, ist unterschiedlich. Wenn ja, vereinbarst du den Preis vorher.
Anfahrt und Route: zwischen Dana und Petra
Shobak liegt am südlichen Teil des Kings Highway zwischen dem Dana-Reservat und Wadi Musa. Die meisten kommen auf der Fahrt von Norden nach Petra vorbei. Die Jordanien Rundreise plant für die Strecke von Dana über Shobak nach Wadi Musa etwa anderthalb Stunden reine Fahrzeit ein. Mit Burg, Mittagspause und einem Halt an der Felsensiedlung Little Petra füllst du damit gut einen halben Tag.
Die Burg geht auch als Ausflug von Petra aus. Laut Jordan Pass fährst du weniger als eine Stunde nach Norden. Das lohnt sich vor allem an einem Ruhetag nach anstrengenden Wanderungen in der Felsenstadt, wenn deine Beine eine Pause brauchen. Busse fahren nicht so, dass du sie sinnvoll nutzen kannst, du brauchst ein Auto, ein Taxi oder einen Fahrer aus Wadi Musa.
Unterwegs geht der Blick nach Westen hinunter in die Senke des Wadi Araba. Ein Wadi ist eigentlich ein Tal, das nur nach Regen Wasser führt, dieses hier ist ein breiter Graben, der sich vom Toten Meer bis zum Golf von Aqaba zieht. Die Straßen durchs Hochland sind kurvig, mit Bodenschwellen in den Dörfern und gelegentlich Tieren auf der Fahrbahn. Fahr bei Tageslicht. Tankstellen sind zwischen Tafila und Shobak selten, tank vorher.
Typischer Fehler: Die Burg nach einem langen Wandertag in Dana am späten Nachmittag noch schnell mitnehmen. Dann bleibt für Mauern und Tunnel kaum Zeit, und die letzte Etappe nach Wadi Musa fährst du in der Dämmerung. Besser: morgens in Dana wandern, mittags in Shobak sein, am frühen Abend in Wadi Musa ankommen.
Was du anziehst, richtet sich nach Wind und Wetter, nicht nach einem Dresscode. Die Burg ist keine religiöse Stätte, im Dorf darunter sind Schultern und Knie bedeckt aber angemessen. Für die Mauern brauchst du Schuhe mit Profil, Sandalen sind auf dem Geröll unpraktisch.
Shobak, Karak oder Ajloun?
Jordanien hat drei bekannte Burgen, und die Wahl hängt vor allem an deiner Route. Die Burg Karak ist die größte und am besten erhaltene, mit Museum und langen unterirdischen Gängen, und liegt auf dem Weg von Madaba nach Süden. Shobak ist kleiner und verfallener, dafür einsamer und landschaftlich schöner gelegen. Die Burg von Ajloun im Norden ist keine Kreuzfahrerburg, sondern eine Festung der Gegenseite und passt zu einem Tag mit Jerash.
| Shobak | Karak | Ajloun | |
|---|---|---|---|
| Erbaut von | Kreuzfahrern, später Mamluken | Kreuzfahrern, später Mamluken | Ayyubiden gegen die Kreuzfahrer |
| Zustand | Ruine, viel verfallen | gut erhalten, große Gewölbe | kompakt, gut erhalten |
| Lage | einsamer Hügel im Süden | über der Stadt Karak | Hügel im Norden |
| Passt zu | Dana und Petra | Madaba, Wadi Mujib | Jerash, Amman |
Wer viel Zeit hat, sieht Karak am einen und Shobak am anderen Tag und bekommt so ein Gefühl dafür, wie die Kreuzfahrer das Land östlich des Jordan sichern wollten. Wer nur eine Burg einplant, nimmt die, die auf der eigenen Strecke liegt. Auf dem Weg von Madaba nach Süden lohnt außerdem der Abstecher zu den Mosaiken von Umm ar-Rasas.
Beste Zeit und Wetter
Shobak liegt hoch, das merkst du. Im Winter ist es oft kalt und windig, von Dezember bis Februar sind Frost und gelegentlich Schnee möglich. Im Sommer ist es oben erträglicher als in Aqaba, mittags aber trotzdem heiß, weil es kaum Schatten gibt. Am angenehmsten sind März bis Mai mit blühenden Obstbäumen und Oktober bis Mitte November. Wie sich die Monate im Hochland und im Rest des Landes unterscheiden, zeigt die Seite zur Reisezeit für Jordanien.
Am schönsten ist das Licht am späten Nachmittag, wenn die Mauern warm leuchten. Plane dann aber die Rückfahrt so, dass du vor Einbruch der Dunkelheit in Wadi Musa bist. Wie du den Tag in der Felsenstadt danach einteilst, steht bei Petra besuchen.
Häufige Fragen
Kann man den Tunnel in der Burg Shobak begehen?
Unter der Burg führt ein in den Fels gehauener Gang mit sehr vielen Stufen steil nach unten, nach der Überlieferung bis zu einer Quelle, die die Festung bei Belagerungen mit Wasser versorgte. Ob und wie weit er offen ist, ändert sich. Frag am Eingang nach. Wenn du hinuntergehst, nimm eine starke Taschenlampe und feste Schuhe mit, die Stufen sind dunkel, uneben und oft glatt.
Warum heißt die Burg Shobak auch Montréal?
Die Kreuzfahrer nannten die Festung nach der gängigen Geschichtsschreibung Mons Regalis, auf Französisch Montréal, also „königlicher Berg“, weil der König von Jerusalem selbst sie gründen ließ. Im offiziellen Führer des Jordan Pass taucht der Name als „Le Krak de Montreal“ auf. Shobak oder Shawbak ist der arabische Name, er steht auch für die umliegenden Dörfer.
Burg Shobak oder Burg Karak, welche lohnt sich mehr?
Wer nur eine Burg sehen will und von Madaba nach Süden fährt, nimmt Karak: größer, besser erhalten, mit Museum und langen Gewölben. Shobak passt besser, wenn du über Dana nach Petra fährst oder von Petra aus einen halben Tag füllen willst. Die Burg ist verfallener, aber stiller, die Lage auf dem einsamen Hügel ist eindrucksvoller als die Stadtlage von Karak.
Wie kalt wird es an der Burg Shobak im Winter?
Deutlich kälter als in Petra oder Aqaba. Shobak liegt hoch im südlichen Bergland, wo es von Dezember bis Februar windig und frostig werden kann, gelegentlich fällt sogar Schnee. Dann sind die Wege in der Burg rutschig, und der Tunnel ist besonders glatt. Nimm eine warme Jacke mit und plane die Fahrt so, dass du vor der Dämmerung zurück bist.


