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In den Emiraten wirst du die Kandura vom ersten Tag an sehen: am Flughafen, im Büroturm, in der Mall, in der Moschee. Das weiße Gewand ist dort Alltag und keine Tracht für Feiertage. Als Erklärung für Reisende geht es hier um die Bedeutung des Wortes, die Teile, die dazugehören, und die regionalen Varianten am Golf. Außerdem steht hier, was du als Besucher selbst anziehst. Begriffe zu Kleidung, Essen und Religion findest du gesammelt im Orient-Glossar.
Was das Wort bedeutet
Kandura wird KAN-du-ra ausgesprochen, mit Betonung auf der ersten Silbe. Das Wort ist vor allem in den Emiraten gebräuchlich, in der Schreibweise schwankt es zwischen Kandura und Kandoora. Das Kulturministerium von Abu Dhabi nennt als zweiten Namen Dishdash.
Je weiter du am Golf reist, desto öfter wechselt der Name für ein sehr ähnliches Gewand:
| Land | Name | Typische Kopfbedeckung |
|---|---|---|
| VAE | Kandura | Ghutra mit Egal |
| Oman | Dishdasha | bestickte Kappe oder Turban (Massar) |
| Katar | Thobe | Ghutra mit Egal |
| Saudi-Arabien | Thobe | Ghutra oder rot-weiß karierte Shemagh |
| Bahrain | Thobe | Ghutra mit Egal |
Wie eine Kandura aussieht und getragen wird
Die Kandura ist ein Männergewand, das bis zu den Knöcheln reicht, lange Ärmel hat und locker fällt. Darunter tragen viele Männer ein dünnes Unterhemd und einen Wickelrock oder eine leichte Hose aus Baumwolle. Laut dem Kulturministerium von Abu Dhabi gibt es Sommerkanduras in hellen Farben wie Weiß, Himmelblau oder Beige und Winterkanduras aus dickerem Stoff in Grau, Dunkelblau oder Braun.
Auf dem Kopf liegt die Ghutra, ein Tuch, meist schlicht weiß oder rot-weiß kariert. Gehalten wird es vom Egal, einer schwarzen Kordel. Darunter sitzt die Ghafiya, eine kleine weiße Kappe, die man meist nicht sieht. Ohne Kordel lässt sich die Ghutra auch kunstvoll um den Kopf wickeln, diese Form heißt Hamdaniya.
Zu offiziellen Anlässen, Hochzeiten und Festen kommt oft der Bisht dazu, ein dünner Umhang mit Goldborte, der über der Kandura getragen wird. Wer Bilder von Staatsbesuchen kennt, hat ihn schon gesehen.
Beispiele aus mehreren Ländern
- Dubai und Abu Dhabi: Kanduras gehören zum Straßenbild, vom Büroturm bis zur Moschee. Für den Besuch der Wasserparks gilt dagegen Badekleidung. Wer im Alltag eine Kandura trägt, zieht dort Badesachen an.
- Muscat: Omanische Gäste kommen in Dishdasha und Massar in die Royal Opera House Muscat, deren Kleiderordnung sonst Anzug vorsieht. An der Sultan-Qaboos-Moschee können Besucher eine Dishdasha leihen.
- Doha: Viele Kataris tragen die weiße Thobe im Alltag, wie die Katar Reisetipps beschreiben.
- Manama und Riad: Thobe mit Ghutra ist die übliche Alltagskleidung vieler Männer, in Saudi-Arabien oft mit rot-weiß kariertem Tuch.
Auffällig ist überall, wie gepflegt die Gewänder sind. Eine Kandura wird frisch gewaschen und gebügelt getragen, Flecken oder Knitter fallen auf. Wer zu einer Einladung oder in ein Büro geht, kommt deshalb auch selbst in sauberer, ordentlicher Kleidung, das wird als Respekt verstanden.
Abgrenzung zu ähnlichen Gewändern
Die Kandura ist kein religiöses Gewand, sondern Nationalkleidung. In Moscheen siehst du sie häufig, weil sie ohnehin getragen wird, nicht weil sie vorgeschrieben ist. Auch in anderen Ländern des Orients tragen Männer lange Gewänder, die aber anders geschnitten sind.
- Galabeya: das weite Gewand, das du in Ägypten vor allem auf dem Land und in Oberägypten siehst, oft farbig oder gestreift.
- Dschellaba: das marokkanische Gewand mit spitzer Kapuze, für Männer und Frauen.
- Abaya: das lange, meist schwarze Übergewand der Frauen am Golf, das weibliche Gegenstück zur Kandura im Straßenbild.
Typischer Fehler: Die Ghutra als Schal gegen die Klimaanlage oder als Sonnenschutz im Souk zu tragen, kombiniert mit Shorts. Ein leichtes Tuch ist praktisch, aber in der Kombination wirkt es wie Verkleidung. Nimm lieber ein neutrales Baumwolltuch.
Was Besucher tragen sollten
Als Mann bist du mit langen, leichten Hosen und einem Hemd oder T-Shirt, das die Schultern bedeckt, überall richtig angezogen. Knielange Shorts gehen in Malls und an der Strandpromenade, in Altstadt, Souk und Behörden wirken lange Hosen besser. In Moscheen sind lange Ärmel und lange Hosen Pflicht. Was in den Emiraten sonst im Alltag gilt, erklären die VAE Reisetipps, alle Länder im Vergleich stehen bei Kleidung im Orient.
Eine Kandura zu kaufen ist kein Problem. Fertige Modelle gibt es in Malls, maßgeschneiderte bei Schneidern rund um die Stoffläden, in Dubai etwa im Textilsouk in Bur Dubai, den die Seite zu den Souks in Dubai beschreibt. Für eine Maßanfertigung rechnest du mit ein paar Tagen. Ob du sie trägst, ist deine Entscheidung. Als Gast auf einer Hochzeit oder bei einer Einladung kann sie eine nette Geste sein, beim Sightseeing brauchst du sie nicht.
Häufige Fragen
Warum tragen Männer in den Emiraten im Winter oft dunklere Kanduras?
Weil es im Winter am Golf abends kühl werden kann und dunkle, dickere Stoffe wärmer sind. Das Kulturministerium von Abu Dhabi beschreibt Sommerkanduras in hellen Tönen wie Weiß, Himmelblau oder Beige und Winterkanduras aus schwererem Stoff in Grau, Dunkelblau oder Braun. Im Hochsommer siehst du dagegen fast nur Weiß, weil es die Sonne am besten zurückwirft.
Woran erkennt man eine omanische Dishdasha im Vergleich zur Kandura aus Dubai?
Am schnellsten am Kopf. Omaner tragen statt Ghutra und schwarzer Kordel meist eine bestickte Kappe, die Kumma, oder einen gewickelten Turban, den Massar. Die Dishdasha selbst hat am Ausschnitt oft eine feine Stickerei und eine kleine Quaste. In den Emiraten ist die Kombination aus weißem oder rot-weiß kariertem Tuch mit Kordel das typische Bild.
Kann ich mir als Mann in Dubai eine Kandura kaufen und anziehen?
Ja, das ist erlaubt und wird meist freundlich aufgenommen, vor allem auf einer Hochzeit oder bei einer Einladung, wenn der Gastgeber es anbietet. Fürs Sightseeing ist sie unpraktischer, als sie aussieht, weil du dich an lange Stoffe beim Treppensteigen und Einsteigen erst gewöhnen musst. Als Kostüm für Fotos vor Moscheen wirkt sie unpassend, das solltest du lassen.


