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Essaouira ist das Gegenprogramm zu Marrakesch. Die Medina ist klein genug, dass du dich nach einem halben Tag auskennst, die Händler drängen weniger, und vom Atlantik weht fast immer eine frische Brise. Genau dieser Wind ist der Grund, warum die Hafenstadt im Sommer angenehm ist, wenn Marrakesch über 40 Grad hat, und warum sie im Winter manchmal ungemütlich wird. Wer Essaouira besucht, sollte das wissen und eine Jacke einpacken. Wie die Stadt in die Reiseplanung für das ganze Land passt, steht im Überblick Marokko Urlaub.
Die Medina: geplante Stadt hinter Festungsmauern
Anders als die Altstädte von Fès oder Marrakesch ist die Medina von Essaouira am Reißbrett entstanden. Laut UNESCO ließ Sultan Sidi Mohamed Ben Abdallah die Stadt Mitte des 18. Jahrhunderts anlegen, ein französischer Architekt plante sie nach dem Vorbild europäischer Festungsstädte. Das merkst du sofort: Die Hauptgassen sind gerade, die Mauern wuchtig, und du verläufst dich kaum. Seit 2001 gehört die Medina zum UNESCO-Welterbe.
Zu ihrer Blütezeit war Essaouira ein wichtiger Handelshafen zwischen Marokko, Afrika südlich der Sahara und Europa. Muslime, Juden und Christen lebten hier nebeneinander. Davon erzählt das alte jüdische Viertel Mellah im Norden der Medina, das heute zum Teil verfallen, zum Teil restauriert ist.
Die besten Orte für einen ersten Rundgang:
- Skala de la Ville: Die Bastion an der Nordseite mit ihrer Reihe alter Kanonen. Von hier siehst du, wie die Brandung gegen die Felsen schlägt. Am späten Nachmittag ist das Licht am schönsten.
- Place Moulay Hassan: Der große Platz zwischen Medina und Hafen, Treffpunkt am Abend.
- Die Gassen der Handwerker: Essaouira ist bekannt für Arbeiten aus dem Holz des Thuja-Baums. In den Werkstätten unter der Skala kannst du zusehen, wie Kästchen und Intarsien entstehen.
- Bab Doukkala und die Hauptgasse: Hier kaufen die Einheimischen ein, mit Gewürzen, Oliven und Fisch.
Gehandelt wird auch hier, nur entspannter. Wie das geht, ohne dass es unangenehm wird, erklärt das Glossar unter Feilschen.
Der Hafen: Fischer, Möwen und gegrillter Fisch
Der Hafen liegt gleich neben der Medina und ist ein Arbeitshafen, kein Postkartenmotiv. Am Vormittag kommen die Boote zurück, auf dem Kai wird sortiert, verhandelt und Netze werden geflickt. Die blauen Holzboote liegen dicht an dicht, darüber kreisen Möwen. Fotografieren ist meist kein Problem, solange du niemandem im Weg stehst und Menschen vorher fragst.
Am Eingang des Hafens stehen einfache Grillstände. Du suchst dir frischen Fisch oder Meeresfrüchte aus, sie werden gewogen und gegrillt. Kläre den Preis vor dem Grillen, am besten pro Kilo, und lass dir das Gewicht zeigen. Wer keine Lust auf Verhandeln hat, isst in der Medina. Was du sonst in Marokko unbedingt probieren solltest, steht bei Essen in Marokko.
Typischer Fehler: Erst essen, dann über den Preis reden. An den Grillständen am Hafen kostet das oft das Doppelte. Preis pro Kilo vorher fragen, Fisch wiegen lassen, Getränke und Salat mit einrechnen.
Wind, Strand und Baden
Essaouira ist eine der windigsten Städte Marokkos. Vor allem im Frühling und Sommer bläst der Passatwind oft den ganzen Tag. Für Kitesurfer und Windsurfer ist das ideal, für Strandurlauber weniger: Auf dem breiten Stadtstrand fliegt Sand, und das Wasser ist auch im August kühl. Liegestühle mit Windschutz findest du an einigen Stellen, Wärme an einem Badetag eher nicht.
Wer surfen oder kiten lernen will, findet in Essaouira und südlich davon in Sidi Kaouki Schulen und Verleihe. Sidi Kaouki ist ein kleiner Ort mit langem Strand und guten Wellen, ungefähr eine halbe Stunde Fahrt entfernt. Echter Strandurlaub mit warmem Wasser und Sonnenschirm ist eher in Agadir im Süden zu Hause.
Unterschätzt wird die Sonne. Weil der Wind kühlt, merkst du kaum, wie stark sie ist, und holst dir am ersten Tag einen Sonnenbrand. Sonnencreme, Kopfbedeckung mit Band und eine winddichte Jacke gehören in jede Tasche. Am Morgen liegt im Sommer oft Nebel über der Küste, der sich gegen Mittag auflöst.
Die kleine Insel vor der Stadt, die Île de Mogador, steht unter Schutz und ist nicht frei zugänglich. Laut UNESCO gehört der Mogador-Archipel zum Welterbe.
Anreise und unterwegs in der Stadt
Von Marrakesch fährst du laut marokkanischer Tourismusbehörde ungefähr zweieinhalb Stunden mit dem Auto, mit Pausen eher drei. Die Strecke führt durch flaches Land mit Arganbäumen. Busse der großen Fernbusgesellschaften fahren mehrmals täglich und brauchen etwas länger, Tickets kaufst du am Busbahnhof oder online beim Anbieter. Eine Bahn gibt es nicht. Der kleine Flughafen von Essaouira hat nur wenige Verbindungen, die meisten fliegen nach Marrakesch.
In der Stadt brauchst du kein Auto. Die Medina ist autofrei, Parkplätze gibt es vor den Toren, Gepäckträger mit Karren bringen die Koffer zur Unterkunft. Vereinbare den Preis vorher.
Gut zu wissen: Auf der Strecke von Marrakesch siehst du manchmal Ziegen in Arganbäumen. Oft werden die Tiere dort für Fotostopps hingestellt, und es wird Geld erwartet. Wer das nicht unterstützen will, fährt weiter. Einen Besuch in einer Arganöl-Kooperative, in der Frauen das Öl herstellen, kannst du dagegen gut einplanen.
Wann fahren und wo wohnen
Essaouira hat ein ausgeglichenes Klima. Im Sommer bleibt es dank des Windes und der kühlen Strömung meist bei angenehmen Temperaturen, während das Landesinnere glüht. Der Juli und August sind deshalb Hochsaison bei marokkanischen Familien. Im Winter ist es mild, aber windig und manchmal regnerisch, die Abende sind kühl. Frühling und Herbst sind eine gute Mitte. Wie sich die Regionen unterscheiden, erklärt die Seite beste Reisezeit für Marokko.
Jedes Jahr im Juni, der genaue Termin wechselt, findet das Gnaoua-Festival statt, bei dem Musiker der Gnaoua-Tradition auf Bühnen in der Stadt spielen. Dann ist Essaouira voll, die Preise steigen, und du buchst lange vorher.
Zum Übernachten ist die Medina die beste Wahl, viele Unterkünfte sind kleine Riads mit Dachterrasse. Nah an der Skala hörst du die Brandung, am Hafen die Möwen. Hotels mit Pool liegen eher an der Strandpromenade südlich der Medina, von dort gehst du ungefähr 10 bis 20 Minuten. Wie ein Riad funktioniert und worauf du achtest, steht bei Riads in Marokko.
So passt Essaouira in deine Route
Am einfachsten ist ein Abstecher von Marrakesch: drei oder vier Tage in der Stadt, dann zwei Nächte am Meer. Wer die Küste entlang will, fährt weiter nach Süden nach Agadir oder nach Norden über Safi Richtung Casablanca. Wie sich Essaouira mit Königsstädten und Wüste verbinden lässt, zeigt die Marokko Rundreise. Eine Faustregel: Plane Essaouira ans Ende der Reise, nach der Wüste und den Städten. Dann ist die Ruhe am Atlantik eine echte Pause.
Häufige Fragen
Wie viele Tage sollte man in Essaouira bleiben?
Zwei bis drei Nächte passen für die meisten. Ein voller Tag reicht für Medina, Mauern und Hafen, am zweiten Tag gehst du an den Strand, fährst nach Sidi Kaouki oder nimmst eine Kite- oder Surfstunde. Als Tagesausflug ab Marrakesch ist Essaouira möglich, aber du sitzt dann fünf bis sechs Stunden im Auto und verpasst den Abend am Hafen.
Welche Filme und Serien wurden in Essaouira gedreht?
Orson Welles drehte Anfang der 1950er-Jahre große Teile seines Films Othello in Essaouira, unter anderem auf den Festungsmauern. Jahrzehnte später diente die Stadt als Kulisse für Szenen der Serie Game of Thrones. Viele Besucher erkennen die Mauern mit den Kanonen an der Skala wieder. Eigene Führungen dazu brauchst du nicht, die Orte liegen frei zugänglich am Rand der Medina.
Wie spricht man Essaouira aus?
Ungefähr „Es-sa-wíra“, mit Betonung auf der vorletzten Silbe. Das „ou“ wird wie ein englisches w gesprochen. Der Name geht auf das arabische Wort für Bild oder Zeichnung zurück. Unter Europäern hieß die Stadt lange Mogador, ein Name, der laut UNESCO auf ein phönizisches Wort für eine kleine Festung zurückgeht.
Kann man in Essaouira im Meer baden?
Ja, aber erwarte kein Mittelmeer. Das Wasser ist auch im Sommer kühl, der Wind bläst oft kräftig und treibt Sand über den Strand. An ruhigen Tagen und am frühen Morgen geht Baden gut, sonst gehört der Strand den Kitern und Windsurfern. Achte auf Strömungen und schwimm nur dort, wo andere Menschen im Wasser sind.




