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Von der Gasse aus siehst du nur eine Wand und eine schwere Holztür. Dahinter öffnet sich ein Hof mit Bäumen, einem Brunnen und Galerien, und plötzlich ist es still. Das ist der Moment, in dem die Bedeutung des Wortes Riad klar wird. Diese Erklärung für Reisende zeigt, was ein Riad ausmacht, wie du es vom Dar unterscheidest und warum dir das Wort in Saudi-Arabien in ganz anderem Sinn begegnet. Mehr Begriffe findest du im Orient-Glossar.
Was das Wort bedeutet
Riad, auch Riyad geschrieben, ist die Mehrzahl des arabischen rawda, Garten. Wörtlich heißt es also „Gärten“. Ausgesprochen wird es zweisilbig: Ri-ad, mit Betonung auf der zweiten Silbe.
Gemeint ist ein Haustyp, der sich nach innen öffnet. Die Räume liegen auf zwei oder drei Etagen um einen Innenhof, oft mit umlaufender Galerie. Im klassischen Riad ist dieser Hof ein Garten: vier Beete, dazwischen Wege, in der Mitte ein Brunnen oder ein Wasserbecken, darüber Orangen- oder Zitronenbäume. Diese Gliederung erinnert an die Gartenbaukunst der islamischen Welt, in der Wasser und Schatten den Raum ordnen.
Gebaut wurde für Familien, die es sich leisten konnten. Die Hausherren empfingen Gäste in einem Salon im Erdgeschoss, die privaten Räume lagen darüber, und auf dem Dach wurde Wäsche getrocknet und im Winter in der Sonne gesessen. Typische Materialien sind Lehmziegel, Kalkputz, geschnitztes Zedernholz an Türen und Decken und Stuck mit Ornamenten. In den vergangenen Jahrzehnten haben viele Käufer aus dem In- und Ausland alte Häuser restauriert und zu Unterkünften umgebaut, was manche Viertel stark verändert hat.
Riad oder Dar: der Unterschied
Streng genommen ist nicht jedes Innenhofhaus ein Riad. Ein Haus mit gepflastertem oder gefliestem Hof ohne Pflanzen heißt Dar, schlicht „Haus“. Viele Gästehäuser in den Altstädten sind eigentlich Dars, nennen sich aber Riad, weil Reisende das Wort kennen.
| Merkmal | Riad | Dar |
|---|---|---|
| Hof | mit Beeten, Bäumen, Brunnen | gepflastert, oft mit Brunnen |
| Größe | meist größer, früher wohlhabende Familien | häufig kleiner |
| Wortsinn | Gärten | Haus |
| Verwendung heute | fast jedes Gästehaus in der Medina | ebenfalls Gästehaus, seltener so genannt |
Für deinen Aufenthalt ist der Unterschied klein. Ein bepflanzter Hof ist schattiger und angenehmer, ein gefliester Hof wirkt oft heller. Wichtiger sind Lage, Lärm und Heizung.
Beispiele aus mehreren Ländern
Die meisten Riads stehen in Marokko. In Marrakesch und Fès liegen Hunderte davon in den Altstädten, viele restauriert und mit Fliesen aus Zellige und glattem Tadelakt-Putz ausgestattet. Wie du ein gutes Haus findest und worauf du bei Lage und Ankunft achtest, steht im Ratgeber Riads in Marokko. In Essaouira und Chefchaouen sind die Häuser kleiner und heller, oft mit weißen oder blauen Wänden.
In Tunesien sagt man eher Dar. Die UNESCO nennt in der Medina von Tunis Stadthäuser wie Dar Ben Abdallah oder Dar Lasram, die nach demselben Prinzip um Innenhöfe gebaut sind. Gästehäuser in den Altstädten von Tunis, Hammamet oder Sousse heißen deshalb meist Dar und nicht Riad.
Auch am Golf und in Ägypten waren Häuser um einen Innenhof gebaut, etwa die Lehmhäuser in Al Fahidi in Dubai oder die historischen Häuser im islamischen Kairo. Dort heißen sie aber nicht Riad, und der Hof diente eher als Arbeits- und Lebensraum als als Garten. Der Empfangsraum für Gäste heißt am Golf Majlis.
Nicht verwechseln: die Hauptstadt Riad
Wer „Riad“ in eine Suchmaschine tippt, landet schnell bei der Hauptstadt Saudi-Arabiens. Sie trägt denselben Namen, im Englischen Riyadh, weil sie in einer Gegend mit Gärten und Palmenhainen entstand. Mit marokkanischen Gästehäusern hat sie nur die Herkunft des Wortes gemeinsam. Was die Stadt selbst für Reisende bedeutet, steht bei Riad in Saudi-Arabien.
Was du als Reisender davon hast
Ein Riad ist die beste Art, eine Medina von innen zu erleben. Du wohnst mitten in der Altstadt, frühstückst auf der Dachterrasse und gehst mittags zur Pause zurück in den Schatten. Dafür nimmst du ein paar Eigenheiten in Kauf: Geräusche tragen sich über den offenen Hof durch das ganze Haus, Zimmer haben oft keine Fenster zur Gasse, Treppen sind steil, und Autos kommen nicht bis vor die Tür.
Ein paar Fragen, die du vor der Buchung klären solltest:
- Wie weit ist die nächste Straße, an der Taxis halten?
- Gibt es eine Abholung an einem Stadttor oder Platz?
- Liegt das Zimmer am Hof oder unter dem Dach, und gibt es Heizung für den Winter?
- Wird das Abendessen angeboten, und muss man es vormittags bestellen?
Für zwei bis vier Nächte ist ein Riad kaum zu schlagen. Wer länger bleibt oder mit kleinen Kindern reist, kombiniert es gern mit einem Hotel mit Garten am Stadtrand, wie es der Ratgeber Wo übernachten in Marrakesch? beschreibt.
Häufige Fragen
Wie heißen die Häuser mit Innenhof in Marrakesch, wenn sie keinen Garten haben?
Dann spricht man streng genommen von einem Dar, also einfach einem Haus. Ein Dar hat einen gepflasterten Hof, oft mit Brunnen, aber ohne Beete oder Bäume. Im Alltag nennen sich fast alle Gästehäuser in der Altstadt Riad, weil das Wort international bekannter ist. Für deinen Aufenthalt ändert das wenig, auf Fotos erkennst du den Unterschied am Hof.
Was bedeutet Riad übersetzt, und ist das dasselbe Wort wie die saudische Hauptstadt?
Ja. Riad oder Riyad ist die Mehrzahl eines arabischen Wortes für Garten und bedeutet also Gärten. Die Hauptstadt Saudi-Arabiens trägt denselben Namen, weil sie in einer Gegend mit Gärten und Palmenhainen entstand. Im Englischen schreibt man sie Riyadh. Ein marokkanisches Gästehaus und eine Millionenstadt teilen sich also schlicht die Herkunft.
Ist ein Riad im Winter kalt?
Oft ja. Der Hof ist offen, die Wände sind dick, und Heizungen gibt es nicht überall. Von Dezember bis Februar fallen die Nachttemperaturen in Marrakesch und Fès deutlich, im Hof kühlt es dann stark ab. Frag vor der Buchung nach Heizung oder Klimagerät mit Wärmefunktion und nach warmen Decken. Im Sommer ist derselbe Aufbau ein Vorteil, weil das Haus lange kühl bleibt.



