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Casablanca ist die größte Stadt Marokkos und fühlt sich anders an als der Rest des Landes: breite Boulevards, Hochhäuser, Straßenbahnen, viel Verkehr und ein Hafen, der den Takt vorgibt. Eine klassische Altstadt mit verwinkelten Gassen wie in Fès gibt es hier kaum. Trotzdem lohnt sich ein Stopp, und das hat vor allem einen Grund. Die Hassan-II.-Moschee steht direkt am Atlantik, teils auf einer Plattform über dem Wasser, und du kannst sie als Nichtmuslim von innen sehen. Das ist in Marokko sonst kaum möglich.
Viele landen in Casablanca, weil hier der größte Flughafen des Landes liegt. Wer die Stadt nur als Umsteigeort sieht, verpasst einiges. Wer aber erwartet, hier tagelang durch eine Medina zu bummeln, wird enttäuscht. Ein Tag mit Moschee, Innenstadt und Corniche ist das richtige Maß. Für die übrigen Ziele im Land hilft dir unsere Marokko-Zentrale.
Die Hassan-II.-Moschee: Führungszeiten und Preise
Die Moschee wurde 1993 eingeweiht und ist mit ihrem rund 200 Meter hohen Minarett eines der größten Gotteshäuser der Welt. Betrieben wird sie von der Stiftung der Moschee, die auch die Führungen organisiert. Nichtmuslime kommen nur mit diesen Führungen hinein. Laut Stiftung gelten diese Startzeiten (Stand November 2026):
| Zeitraum | Samstag bis Donnerstag | Freitag |
|---|---|---|
| 16. September bis 14. März | 9, 10, 11, 12 und 15 Uhr | 9, 10 und 15 Uhr |
| 15. März bis 15. September | 9, 10, 11, 12, 15 und 16 Uhr | 9, 10, 15 und 16 Uhr |
| Ramadan | 9, 10, 11 und 14 Uhr | 9 und 14:15 Uhr |
Die Preise der Stiftung (Stand November 2026):
| Kategorie | Preis |
|---|---|
| Ausländische Erwachsene | 140 Dirham |
| Marokkaner, Residenten und ausländische Studierende | 70 Dirham |
| Kinder über 6 Jahre und marokkanische Studierende | 30 Dirham |
| Kinder unter 6 Jahren | frei |
Die Führung hat laut Stiftung drei Stationen: den Gebetssaal, die Halle am Minarett und den Waschsaal im Untergeschoss. Unterwegs geht es um das Handwerk, mit dem die Moschee gebaut wurde: Stuck, geschnitztes Zedernholz, Marmor, Tadelakt, Kupfer und Zellige, die marokkanischen Fliesenmosaike. Im Gebetssaal fällt vor allem die Größe auf, unter der Decke wirken Menschen winzig.
Gut zu wissen: Die Stiftung verlangt Kleidung, die Schultern und Oberkörper bedeckt und über die Knie reicht. Shorts und ärmellose Oberteile sind ausdrücklich verboten. Die Schuhe ziehst du aus und trägst sie in einer Tüte mit, die es am Eingang gibt. Rauchen und Getränke sind tabu, und die Gruppe bleibt zusammen.
Die Hausregeln nennen außerdem Kameras und Tongeräte. Wie streng das für Handyfotos gehandhabt wird, erfährst du zu Beginn der Führung. Allgemeine Regeln für Moscheebesuche findest du im Ratgeber Moscheen besuchen, passende Kleidung für das ganze Land unter Kleidung im Orient.
So planst du den Moscheebesuch
Komm etwa 20 bis 30 Minuten vor der gewünschten Startzeit. Der Besuchereingang ist auf dem Gelände ausgeschildert, aber der Weg über den riesigen Vorplatz dauert länger, als es aussieht. Eine Moschee-Führung dauert nach Erfahrungswerten rund eine Stunde, eine feste Angabe dazu macht die Stiftung nicht. Plan danach noch Zeit für ein paar Minuten auf dem Vorplatz ein, bevor du weiterziehst. Freitags fallen die Führungen um die Mittagszeit wegen des Freitagsgebets weg, und im Ramadan gilt ein verkürzter Plan. Wer an einem dieser Tage kommt, schaut am besten vorher auf die offizielle Seite der Stiftung.
Der Vorplatz und die Außenanlagen sind frei zugänglich und am späten Nachmittag am schönsten, wenn die Sonne über dem Atlantik steht. Bei starkem Wind schlagen die Wellen gegen die Mauern, und an der Brüstung wirst du nass.
Innenstadt, Medina und Habous
Von der Moschee gehst du in etwa 20 Minuten an der alten Stadtmauer entlang zur Medina. Die Medina von Casablanca ist klein und eher ein Wohn- und Händlerviertel als eine Sehenswürdigkeit. Interessanter ist die Innenstadt dahinter. Rund um den Boulevard Mohammed V und den Place Mohammed V stehen Wohn- und Geschäftshäuser aus der Kolonialzeit im Art-déco-Stil, mit geschwungenen Balkonen, Reliefs und hohen Eingängen. Manche sind restauriert, viele verfallen. Schau beim Gehen nach oben.
Das Viertel Habous, auch Neue Medina genannt, wurde in den 1930er-Jahren als Mischung aus traditionellen Gassen und geplanten Straßen angelegt. Hier findest du Buchhändler, Olivenstände und Läden für Kaftane und Kupfer, ruhiger und ordentlicher als in den Souks von Marrakesch. Die Gebäude um den Königspalast nebenan siehst du nur von außen.
Die Corniche und der Atlantik
Die Corniche von Casablanca zieht sich westlich der Moschee am Meer entlang bis zum Viertel Aïn Diab. Dort reihen sich Strandclubs, Cafés und Hotels, an Wochenenden sind die Promenaden voller Familien und Jogger. Zum Baden ist der Atlantik hier kühl und oft rau, viele Strandabschnitte gehören zu Clubs mit Eintritt. Ein Spaziergang zum Sonnenuntergang lohnt sich trotzdem.
Am Ende der Corniche liegt der kleine Marabout Sidi Abderrahmane auf einem Felsen im Meer, bei Ebbe über Steine erreichbar. Es ist ein Ort für Gläubige und kein Ausflugsziel mit Programm. Von der Promenade aus siehst du die weißen Mauern im Wasser, und das reicht den meisten Besuchern auch.
Anreise und Wege in der Stadt
Vom Flughafen Mohammed V fährt ein Zug der Bahngesellschaft ONCF ins Zentrum, Taxis kosten deutlich mehr und hängen im Stau. Achte beim Taxi auf das Taxameter oder vereinbare den Preis vor der Fahrt. In der Stadt sind die Straßenbahnlinien praktisch, für die Strecke zwischen Innenstadt, Moschee und Corniche nimmst du ein rotes Petit Taxi.
Von Casablanca aus erreichst du Rabat mit dem Zug in etwa einer Stunde, Marrakesch in rund drei Stunden. Mit dem Schnellzug Al Boraq bist du in gut zwei Stunden in Tanger. Die Stadt passt deshalb gut als Start oder Ende einer Marokko-Rundreise, etwa mit Rabat als nächster Station und Marrakesch im Süden.
Unser Rat: Nimm dir für Casablanca eine Nacht und plan die Moschee für den Vormittag des ersten oder zweiten Tages. Am Ankunftstag nach einem Flug klappt eine feste Führungszeit selten entspannt.
Essen und Abende
Casablanca isst moderner als der Rest des Landes. Neben Tajine und Couscous findest du viel Fisch und Meeresfrüchte, am einfachsten an den Ständen und kleinen Lokalen rund um den Fischmarkt im Zentrum, wo du deinen Fisch auswählst und grillen lässt. In der Innenstadt gibt es Cafés mit französischer Tradition, Patisserien und Bäckereien. Abends ist an der Corniche und in Aïn Diab am meisten los, die Innenstadt wird nach Geschäftsschluss ruhiger. Was du auf marokkanischen Tellern findest, erklärt der Ratgeber Essen in Marokko.
Wie viel Stadt brauchst du?
Ein voller Tag reicht für die Hassan-II.-Moschee, einen Spaziergang durch Innenstadt und Habous und den Abend an der Corniche. Wer sich für Architektur des 20. Jahrhunderts interessiert, kann einen zweiten Tag mit einem Rundgang zu den Art-déco-Bauten füllen. Für alle anderen gilt: Casablanca ist der Ort, an dem du ankommst, die große Moschee siehst und dann weiterfährst. Ein Vergleich mit anderen großen Moscheen der Region steht unter die schönsten Moscheen im Orient.
Häufige Fragen
Wurde der Film Casablanca in Casablanca gedreht?
Nein. Der Klassiker mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman von 1942 entstand komplett in Studios in Kalifornien. Das Café aus dem Film gab es in der Stadt nie. Wer mit Filmbildern im Kopf anreist, findet eine moderne Großstadt mit Hafen, Bürotürmen und Verkehr. Die Fassaden aus den 1920er- und 1930er-Jahren in der Innenstadt kommen der Stimmung des Films aber noch am nächsten.
In welchem Land ist die Stadt Casablanca?
Casablanca liegt in Marokko an der Atlantikküste, rund 90 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Rabat. Sie ist die größte Stadt des Landes und sein wirtschaftliches Zentrum mit dem wichtigsten Hafen und dem größten Flughafen. Auf Arabisch heißt sie Dar el Beida, beides bedeutet weißes Haus. Viele Marokkaner sagen einfach Casa.
Darf man die Hassan-II.-Moschee ohne Führung betreten?
Als Nichtmuslim nicht. Den Gebetssaal siehst du nur im Rahmen einer der festen Führungen, die die Stiftung der Moschee anbietet. Den großen Vorplatz am Meer und die Außenanlagen kannst du dagegen jederzeit frei besuchen, außer während der Gebete, wenn dort Gläubige beten. Für ein Foto der Fassade im Abendlicht brauchst du also kein Ticket.
Lohnt sich Casablanca für einen Urlaub?
Als eigenes Urlaubsziel eher nicht, als Station sehr wohl. Die Moschee ist eine der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten des Landes, die Innenstadt zeigt eine Seite Marokkos, die du in Marrakesch nicht siehst. Für Strand, Medina-Gassen und entspannte Tage passen andere Orte besser. Ein Tag und eine Nacht reichen den meisten, dann geht es mit dem Zug weiter.




