Auf dieser Seite
Uçhisar erkennst du schon von weitem. Mitten im Ort ragt ein riesiger Felsklotz aus Tuff in den Himmel, durchlöchert von Hunderten Kammern, Fenstern und Gängen. Das ist die Burg von Uçhisar, auf Englisch meist Uchisar Castle genannt, eigentlich keine gebaute Festung, sondern ein natürlicher Felsen, in den Menschen über Jahrhunderte Wohnräume, Speicher und Verstecke gehauen haben. Der Name passt: hisar heißt auf Türkisch Burg, uç bedeutet Spitze oder Rand. Oben auf der Spitze stehst du auf dem höchsten Punkt der Gegend und siehst ganz Kappadokien wie eine Reliefkarte unter dir.
Der Ort liegt am Westrand der Täler, zwischen der Provinzhauptstadt Nevşehir und Göreme. Wer die Region zum ersten Mal plant, liest die Übersicht bei Kappadokien. Hier geht es um die Burg, die Aussicht zum Sonnenuntergang, die Wanderung durch das Taubental und die Frage, ob Uçhisar die richtige Basis ist.
Die Burg von Uçhisar: Aufstieg und Aussicht
Der Eingang zur Burg liegt am Fuß des Felsens, ausgeschildert vom Hauptplatz des Ortes. Von dort führt der Weg über Treppen, Metallstufen und in den Tuff gehauene Stufen nach oben, zum Teil durch kurze Tunnel. Rechne mit 20 bis 30 Minuten. Die Stufen sind ungleich hoch und an manchen Stellen ausgetreten, gute Schuhe helfen. Oben erwartet dich eine Plattform mit Geländer und einer türkischen Fahne.
Der Blick ist der eigentliche Grund für den Besuch. Im Osten liegen die Täler um Göreme mit ihren Feenkaminen, dahinter Ortahisar mit seinem eigenen Burgfelsen. Bei klarer Sicht siehst du weit im Osten den oft schneebedeckten Erciyes Dağı, mit 3916 Metern laut UNESCO der höchste der erloschenen Vulkane, aus deren Asche der Tuff der Region entstand. Wind und Wasser haben diesen weichen Stein zu den Formen geschliffen, die du heute siehst. Im Süden und Westen reicht der Blick über die Hochebene bis Nevşehir.
Die Kammern im Felsen wurden schon in byzantinischer Zeit genutzt, später lebten Menschen bis ins 20. Jahrhundert darin. Wegen Erosion und Rissen sind viele Räume heute nicht zugänglich, und der Weg ist auf die Hauptroute beschränkt. Bleib auf dem markierten Pfad, auch wenn ein Seitengang verlockend aussieht.
Gut zu wissen: Die Burg gehört nicht zu den staatlichen Museen, die das Kulturministerium betreibt. Der Museum Pass Cappadocia gilt hier deshalb in aller Regel nicht. Den Eintritt bezahlst du an der Kasse am Eingang, den aktuellen Preis siehst du vor Ort.
Sonnenuntergang und Ballone: die beste Uhrzeit
Für die Aussicht gibt es zwei gute Zeiten, und beide haben mit dem Licht zu tun. Mittags ist der Himmel oft dunstig und die Täler wirken flach, im Abendlicht dagegen treten Kanten und Farben hervor. Am späten Nachmittag steht die Sonne tief über der Hochebene im Westen, und die Täler im Osten färben sich rot und gelb. Im Winterhalbjahr, wenn die Sonne früh untergeht, erlebst du das noch vor Kassenschluss von der Burg aus. Im Sommer prüfst du die Schließzeit an der Kasse, sie reicht nicht immer bis zum Sonnenuntergang. Dann weichst du auf die Terrassen und Aussichtspunkte am Ortsrand aus, von denen es mehrere gibt.
Am frühen Morgen in der Ballonsaison steigen die Ballone in den Tälern unterhalb von Uçhisar auf. Weil der Ort höher liegt, ziehen viele von ihnen etwa auf Augenhöhe vorbei. Die Burg ist zu dieser Zeit noch geschlossen, aber von den Hotelterrassen und den Hügeln am Ortsrand hast du einen sehr guten Blick. Wer selbst in den Korb steigen will, findet Ablauf und Preise bei der Ballonfahrt in Kappadokien. Gute Standorte für Fotos aus der ganzen Region sammelt die Seite zu den Fotospots im Orient.
Durch das Taubental nach Göreme
Das Taubental verbindet Uçhisar mit Göreme und ist eine der schönsten kurzen Wanderungen der Region. Es verdankt seinen Namen den Taubenhäusern, die in die Felswände geschlagen sind: kleine Öffnungen, oft weiß umrandet, hinter denen früher Tauben nisteten. Ihr Kot diente als Dünger für Weinberge und Obstgärten.
Der Weg ist gut 4 Kilometer lang, du brauchst ungefähr eineinhalb Stunden. Am bequemsten startest du oben in Uçhisar und gehst bergab nach Göreme. In umgekehrter Richtung endet die Wanderung mit einem steilen Anstieg in den Ort. Der Pfad ist nicht durchgehend beschildert, in Karten-Apps aber verzeichnet. An einigen Stellen ist er schmal und rutschig, nach Regen kann er schlammig sein. Mehr Wanderungen in der Gegend und im ganzen Orient sammelt die Seite zum Wandern im Orient.
Liebestal, Ortahisar und weitere Ziele ganz nah
Von Uçhisar aus erreichst du mehrere Ziele, ohne nach Göreme zu fahren. Nördlich des Ortes liegt das Liebestal mit seinen hohen, schlanken Felssäulen. Von einem Aussichtspunkt oberhalb des Tals, den du über die Straße Richtung Çavuşin erreichst, blickst du hinunter auf die Säulen. Wer hineinwandern will, steigt über einen Pfad ab und kommt unten bis nach Göreme oder Çavuşin.
Rund um den Ort führen außerdem Feldwege durch Weinberge und Aprikosengärten, an deren Rand Taubenhäuser und alte Felskammern liegen. Ein kurzer Spaziergang am Ortsrand zum Sonnenuntergang ist eine gute Alternative, wenn die Burg schon geschlossen hat.
Östlich von Göreme steht in Ortahisar ein zweiter Burgfelsen, kleiner und weniger besucht. Der Vergleich lohnt sich, wenn du ein Auto hast: In Ortahisar siehst du, wie Uçhisar ohne Reisebusse wirken würde. Für den Süden der Region mit dem Ihlara-Tal planst du einen eigenen Tag ein.
Der Ort: Gassen, Höhlenhäuser und Teppichläden
Rund um die Burg ziehen sich Gassen mit alten Steinhäusern und in den Fels gegrabenen Räumen den Hang hinunter. Viele sind zu Unterkünften, Cafés und Läden umgebaut. Am Platz vor dem Burgeingang verkaufen Händler Keramik, Schmuck und Teppiche. Wenn du dich für einen handgewebten Kilim interessierst, lass dir Zeit und vergleiche, bevor du dich festlegst.
Im unteren Teil des Ortes findest du Bäckereien, kleine Läden und eine Moschee, hier wohnen auch die Einheimischen. Uçhisar ist kein großes Dorf. In einer Stunde bist du einmal durch.
Wohnen in Uçhisar oder in Göreme?
Uçhisar ist ruhiger und gehobener als Göreme. Viele Unterkünfte haben Terrassen mit Blick über die Täler, einige sind echte Höhlenhäuser im Tuff. Abends ist wenig los, dafür hörst du keine Musik aus Bars. Der Nachteil: Die Gassen sind steil und eng, mit Gepäck oder Mietwagen ist das unbequem, und für Restaurants und Touren fährst du oft nach Göreme.
| Uçhisar | Göreme | |
|---|---|---|
| Atmosphäre | ruhig, höher gelegen | lebhaft, Treffpunkt für Touren |
| Aussicht | sehr weit, über alle Täler | auf Feenkamine und Ballone |
| Ohne Auto | eingeschränkt | sehr gut |
| Passt zu | Paaren, Fotografen | Erstbesuchern, Wanderern |
Ohne Auto und beim ersten Besuch ist Göreme praktischer. Wer Ruhe sucht oder einen besonderen Anlass feiert, ist in Uçhisar gut aufgehoben. Worauf du bei der Wahl eines Höhlenzimmers achtest, steht bei den Höhlenhotels in Kappadokien.
Anreise, Reisezeit und Kombinationen
Uçhisar liegt an der Straße zwischen Nevşehir und Göreme. Vom Flughafen Nevşehir oder Kayseri lässt du dich per Shuttle bringen, zwischen Nevşehir, Uçhisar, Göreme und Avanos fahren Minibusse. Mit dem Auto parkst du am Ortsrand oder in der Nähe des Burgplatzes, in den Gassen selbst ist kaum Platz.
Frühling und Herbst sind die angenehmsten Jahreszeiten, mit milden Tagen und klarer Sicht. Im Sommer ist es tagsüber heiß, am Abend aber angenehm frisch. Im Winter liegt oft Schnee, die Stufen zur Burg können dann vereist sein, und die Burg schließt früher. Ein halber Tag reicht für Burg und Ort, zusammen mit dem Taubental wird es ein ganzer. Gut verbinden lässt sich das mit einem Ausflug in die unterirdischen Städte Derinkuyu und Kaymaklı, die südlich von Nevşehir liegen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert der Aufstieg auf die Burg von Uçhisar?
Vom Eingang bis zur Spitze brauchst du 20 bis 30 Minuten, je nachdem, wie oft du stehen bleibst. Der Weg führt über Treppen, Metallstufen und in den Fels gehauene Stufen, teils durch kurze Tunnel. Oben gibt es eine Plattform mit Geländer. Für Kinder ist das gut machbar, bei Glätte im Winter und bei starkem Wind solltest du aber vorsichtig sein.
Ist Uçhisar ein guter Ort zum Übernachten in Kappadokien?
Für Ruhe und Aussicht ja. Uçhisar liegt höher als Göreme, viele Häuser haben Terrassen mit Blick über die Täler, und abends ist es still. Restaurants und Bars gibt es weniger, und die Gassen sind steil. Ohne Auto bist du etwas abhängiger von Taxis und Minibussen, weil die meisten Touren und Ballonabholungen in Göreme gebündelt sind.
Warum gibt es im Taubental so viele Taubenhäuser?
Die Bauern in Kappadokien hielten Tauben vor allem wegen ihres Kots, der ein wertvoller Dünger für Weinberge und Obstgärten war. Dafür schlugen sie Nischen und kleine Löcher in die Felswände und bemalten die Eingänge oft weiß. Heute sind viele Taubenhäuser verlassen, an den Hängen zwischen Göreme und Uçhisar siehst du sie aber noch zu Hunderten.




