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Unter den Dörfern im Süden Kappadokiens liegen Städte, die man von oben nicht sieht. Menschen haben sie über Jahrhunderte in den weichen Tuff gegraben, Stockwerk um Stockwerk, mit Lüftungsschächten, Brunnen, Ställen, Kirchen und Türen aus tonnenschweren Rollsteinen. Zwei davon sind die bekanntesten und am besten erschlossenen: Derinkuyu und Kaymaklı. Beide gehören zum Welterbe Göreme-Nationalpark und Felsdenkmäler von Kappadokien. Wer sie besucht, sollte wissen, worauf er sich einlässt: Die Gänge sind niedrig, manche Treppen steil, und an Vormittagen in der Hauptsaison kommt es zu Stau in den engsten Stellen. Für die meisten reicht eine der beiden Städte. Den Überblick über die Region und wie sich der Tag in den Süden einplanen lässt, findest du in der Zentrale zu Kappadokien.
Wozu die unterirdischen Städte dienten
Das türkische Kulturministerium beschreibt Derinkuyu als Versteck und Schutzraum aus der Zeit, in der sich das Christentum in Anatolien ausbreitete, und datiert die Hauptphase ins 9. bis 10. Jahrhundert. Damals lag Kappadokien im Grenzgebiet des Byzantinischen Reiches und wurde immer wieder überfallen. Bei Gefahr zogen sich die Bewohner der Dörfer samt Vorräten und Tieren unter die Erde zurück und verschlossen die Zugänge.
Begonnen haben die Anlagen vermutlich viel früher. Für Kaymaklı nehmen Fachleute an, dass die obersten Räume schon in der Antike genutzt wurden. Später wurden die Städte erweitert, bis sie mehrere tausend Menschen für eine Zeit aufnehmen konnten. Wie viele es genau waren, lässt sich nicht sicher sagen, Zahlen von bis zu 20.000 Menschen, die man manchmal liest, sind Schätzungen.
Die Technik ist das, was viele am meisten beeindruckt:
- Lüftungsschächte reichen von der Oberfläche bis in die untersten Ebenen und versorgen die Räume mit frischer Luft.
- Brunnen lieferten Wasser, ohne dass jemand nach oben musste.
- Rollsteine, runde Steinscheiben von über einem Meter Durchmesser, ließen sich von innen vor die Gänge schieben und verriegeln.
- Ställe liegen oben, Wohn- und Vorratsräume, Küchen und Kirchen weiter unten.
Derinkuyu: die tiefste Stadt
Derinkuyu liegt rund 30 Kilometer südlich von Nevşehir mitten in der gleichnamigen Kleinstadt. Die Anlage hat acht Stockwerke und gilt als größte und tiefste ihrer Art in der Region. Oft genannt wird eine Gesamttiefe von rund 85 Metern, Besucher sehen davon einen Teil. Auf den oberen Ebenen liegen Ställe, Weinpressen und Vorratskammern. Im zweiten Stock befindet sich ein großer Raum mit Tonnengewölbe, der als Schule gedeutet wird. Auf den unteren Ebenen liegt eine Kirche in Kreuzform.
Der Rundgang ist mit Pfeilen markiert, ein Weg führt hinunter, ein anderer wieder hinauf. In einigen Abschnitten musst du dich tief bücken, manche Treppen sind schmal und rutschig. Wer schnell durchgeht, ist in 45 Minuten wieder draußen, mit Ruhe sind es eher 60 bis 75 Minuten.
Zur Entdeckung erzählt man vor Ort eine Geschichte, die oft wiederholt wird: In den 1960er-Jahren soll ein Bewohner beim Umbau seines Hauses eine Wand durchbrochen und dahinter einen Gang gefunden haben. Sicher ist, dass Derinkuyu seit den 1960er-Jahren für Besucher geöffnet ist.
Kaymaklı: das Labyrinth
Kaymaklı liegt etwa zehn Kilometer nördlich von Derinkuyu und damit näher an Göreme. Auch hier gibt es acht Ebenen, von denen laut offizieller Museumsseite vier beleuchtet und für Besucher zugänglich sind. Kaymaklı ist weniger tief, aber verwinkelter und breiter angelegt. Du gehst durch ein Netz aus kleinen Kammern, Küchen mit rußgeschwärzten Decken, Vorratsräumen mit Tonkrügen in Bodennischen und einer Kirche. Mehrere Rollsteine sind noch an ihrem Platz.
Weil viele Tagestouren hier halten, ist Kaymaklı zwischen 10 und 13 Uhr oft voll. In den engsten Gängen musst du dann warten, bis die Gruppe vor dir durch ist.
Am ruhigsten ist es in beiden Städten direkt zur Öffnung am Morgen und in der letzten Stunde vor Schluss. Der frühe Termin passt gut, wenn du davor zum Sonnenaufgang die Ballone über Göreme gesehen hast: Nach der Ballonfahrt in Kappadokien bist du gegen neun Uhr zurück und mit dem Auto in einer guten halben Stunde in Kaymaklı, bevor die meisten Reisebusse ankommen. Im Winter ist der Andrang ohnehin kleiner, und unten herrscht dieselbe Temperatur wie im Sommer.
Derinkuyu oder Kaymaklı?
| Derinkuyu | Kaymaklı | |
|---|---|---|
| Ebenen | 8, Rundgang über mehrere davon | 8, davon 4 zugänglich |
| Eindruck | tief, größere Räume | verwinkelt, viele kleine Kammern |
| Höhepunkte | Kirche, Schulraum, Lüftungsschacht | Küchen, Vorratsräume, Rollsteine |
| Entfernung ab Göreme | rund 40 km | rund 30 km |
| Andrang | hoch | sehr hoch am Vormittag |
| Gut kombinierbar mit | Ihlara-Tal und Selime | Uçhisar und Taubental |
Unser Rat: Wenn du am selben Tag ins Ihlara-Tal mit Selime fährst, nimm Derinkuyu. Es liegt auf dem Weg. Wenn du nur einen halben Tag hast, ist Kaymaklı wegen der kürzeren Anfahrt die bessere Wahl.
Beide Städte sind gleich eng. Wer zwei hintereinander besucht, sieht viele ähnliche Räume. Lieber eine Stadt in Ruhe und danach eine Wanderung im Ihlara-Tal oder in den Tälern bei Göreme mit dem Freilichtmuseum.
Enge, Kälte und wer besser oben bleibt
Die Gänge sind teils nur etwa einen Meter hoch und schulterbreit. Du gehst gebückt, manchmal mehrere Meter am Stück. Unten ist es das ganze Jahr kühl, im Sommer fühlt sich der Abstieg wie ein Schritt in den Keller an. Eine leichte Jacke ist sinnvoll, und Schuhe mit Profil helfen auf den ausgetretenen Stufen.
Verzichten solltest du bei ausgeprägter Platzangst, bei Knie-, Hüft- oder Rückenbeschwerden und wenn du nicht längere Zeit gebückt gehen kannst. Für Rollstühle und Kinderwagen sind die Städte nicht zugänglich. Wer unsicher ist, kann am oberen Teil umkehren, nur sind die Wege an vollen Tagen oft Einbahnstraßen. Mit Kindern klappt der Besuch meist gut, wenn sie keine Angst vor Dunkelheit haben. Weitere Ausflugsideen für Familien stehen bei der Türkei mit Kindern.
Typischer Fehler: Mit großem Rucksack nach unten. In den niedrigsten Abschnitten bleibst du hängen und blockierst den Gang für alle hinter dir. Lass ihn im Auto oder nimm nur eine kleine Tasche mit.
Tickets, Öffnungszeiten und Anfahrt
Beide Städte verwaltet das Kulturministerium. Ausländische Besucher zahlen den Eintritt in Euro, bezahlt wird an der Kasse mit Karte oder in Lira. Den aktuellen Preis und die Öffnungszeiten, die je nach Saison unterschiedlich sind, findest du auf der offiziellen Museumsseite des Ministeriums. Beide Städte sind im Museum Pass Cappadocia enthalten, der 65 Euro kostet und drei Tage gilt (Stand November 2026). Wer am selben Wochenende auch Göreme, Zelve und Ihlara besucht, spart damit.
So kommst du hin:
- Mit Mietwagen: von Göreme über Nevşehir nach Süden, Parkplätze an beiden Eingängen, gegen Gebühr.
- Mit dem Minibus: ab dem Busbahnhof in Nevşehir in Richtung Derinkuyu, Halt in Kaymaklı. Aus Göreme fährst du zuerst nach Nevşehir.
- Mit einer Tagestour: Die meisten Touren in den Süden kombinieren eine unterirdische Stadt mit Ihlara und Selime. Frag vorher, wie lange die Stopps sind und ob Verkaufsbesuche dazugehören.
Rund um die Eingänge stehen Souvenirstände und kleine Restaurants. Die Gegend ist sonst ländlich, ein Spaziergang durch die Kleinstadt Derinkuyu zeigt dir den Alltag fernab der Täler. Wo die Region sonst noch Welterbe vorzuweisen hat, steht bei den Welterbestätten im Orient, und wie die unterirdischen Städte im Vergleich zu anderen Zielen im Land abschneiden, zeigen die Sehenswürdigkeiten der Türkei.
Weitere unterirdische Städte
Neben Derinkuyu und Kaymaklı gibt es in Kappadokien weitere Anlagen, die kleiner, aber weniger besucht sind:
- Özkonak bei Avanos im Norden, mit Galerien, Rollsteinen und dünnen Röhren, die als Lüftung und zur Verständigung zwischen den Ebenen gedient haben sollen.
- Mazı südlich von Ürgüp, mit mehreren Eingängen und einer Kirche, die sich mit einem Rollstein verschließen ließ.
- Tatlarin bei Acıgöl, von dem zwei Ebenen zugänglich sind, mit Kirchen und Wandmalereien.
Für einen ersten Besuch reicht eine der großen Städte. Wer schon dort war oder Menschenmengen meiden will, findet in Özkonak eine ruhige Alternative, die gut zu einem Nachmittag in Avanos passt. Wo du in der Region am besten übernachtest, erklären die Höhlenhotels in Kappadokien.
Häufige Fragen
Wie tief ist Derinkuyu?
Derinkuyu hat acht Stockwerke und gilt als die tiefste der unterirdischen Städte in der Türkei. Oft genannt wird eine Gesamttiefe von rund 85 Metern. Besucher gehen allerdings nur durch einen Teil der Anlage, der Rundgang führt über mehrere Ebenen nach unten und auf einem anderen Weg wieder hinauf. Gefühlt ist der Abstieg tiefer, weil die Treppen steil und die Decken niedrig sind.
Wie alt ist Derinkuyu?
Genau datieren lässt sich das nicht, weil die Anlage über lange Zeit immer wieder erweitert wurde. Das türkische Kulturministerium setzt die Hauptphase ins 9. bis 10. Jahrhundert, als sich Christen hier vor Angriffen versteckten. Die ersten Höhlungen sind vermutlich deutlich älter. Für Kaymaklı nimmt man an, dass die oberste Ebene schon in der Antike genutzt wurde.
Derinkuyu oder Kaymaklı, welche Stadt ist besser?
Derinkuyu, wenn du Tiefe und große Räume wie die Kirche und die Schule sehen willst. Kaymaklı, wenn du lieber durch ein dichtes Gewirr aus Kammern, Küchen und Vorratsräumen gehst und es etwas näher an Göreme haben möchtest. Beide sind gleich eng. Wer nur eine besucht, verpasst nichts Grundsätzliches.
Kann man mit Kindern in die unterirdischen Städte?
Ja, die meisten Kinder finden die Gänge spannend. Kleinkinder musst du an steilen Stellen tragen, und ein Kinderwagen bleibt draußen. Bei Kindern mit Angst vor engen Räumen solltest du vorher in Ruhe erklären, was kommt, und am oberen Teil umkehren können. Mit Rucksack auf dem Rücken wird es in den niedrigsten Gängen knapp.




