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Trinkgeld im Orient folgt keiner einheitlichen Regel. In Dubai legst du nach dem Essen vielleicht ein paar Dirham auf den Tisch, weil der Service gut war. In Luxor erwartet der Wächter, der dir ein Grab aufschließt, ganz selbstverständlich eine Kleinigkeit, und in Marrakesch bekommt das Zimmermädchen im Riad jeden Tag einen kleinen Schein. Wer weiß, in welchem Land er gerade ist, gibt entspannter und weder zu viel noch zu wenig. Dieser Ländervergleich zeigt die übliche Höhe der Beträge von Dubai bis Marokko auf einen Blick und verweist für die Details auf die Länderseiten. Weitere Themen rund um die Vorbereitung bündelt die Reiseplanung für den Orient.
Eine ehrliche Vorbemerkung: Offizielle Sätze gibt es in keinem der zehn Länder. Die Werte unten sind Richtwerte der Redaktion, Stand November 2026. In Ländern mit schwacher Währung wie Ägypten und der Türkei steigen die Beträge in Landeswährung mit der Inflation, ältere Angaben aus Foren wirken deshalb oft zu niedrig.
Drei Gruppen statt zehn Regeln
Für die Praxis reicht es, die Länder in drei Gruppen zu sortieren.
- Golfstaaten (VAE, Oman, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien): Trinkgeld ist freiwillig und eine Anerkennung für guten Service. Viele Restaurants schlagen einen Servicezuschlag auf. Für jede kleine Hilfe die Hand aufzuhalten, ist hier nicht üblich.
- Jordanien und Türkei: Trinkgeld wird erwartet, ist aber überschaubar. Im Restaurant 5 bis 10 Prozent, im Taxi aufrunden, für Guides am Ende der Tour etwas mehr.
- Ägypten, Marokko und Tunesien: Trinkgeld ist Teil des Einkommens vieler Beschäftigter. Du gibst häufiger, für mehr Dienste und in kleinen Beträgen. Das Wort dafür ist Bakschisch, und es meint mehr als nur Trinkgeld, nämlich auch die kleine Gabe für einen Gefallen.
Diese Einteilung erklärt auch, warum Reisende aus Dubai in Kairo oft überfordert sind. Dasselbe Verhalten, das am Golf völlig ausreicht, wirkt in Ägypten knauserig.
Ländervergleich: die üblichen Beträge
Alle Werte sind grobe Richtwerte, Stand November 2026. Prozentangaben beziehen sich auf Restaurants ohne Servicezuschlag, sofern nicht anders vermerkt.
| Land | Restaurant | Taxi | Hotel | Guide, Fahrer | Mehr dazu |
|---|---|---|---|---|---|
| VAE | um 10 Prozent | aufrunden | ein paar Dirham für Gepäck | nach Leistung | Trinkgeld in Dubai |
| Oman | aufrunden oder 5 bis 10 Prozent | Preis vorher, höchstens aufrunden | etwa 1 Rial pro Nacht fürs Zimmer | ein paar Rial pro Tag | Oman Reisetipps |
| Katar | um 10 Prozent | aufrunden | ein paar Riyal für Gepäck und Zimmer | nach Leistung | Katar Reisetipps |
| Bahrain | um 10 Prozent | aufrunden | kleiner Betrag für Gepäck | nach Leistung | Reisetipps für Bahrain |
| Saudi-Arabien | um 10 Prozent | ein paar Riyal | ein paar Riyal für Gepäck | am Ende der Tour üblich | Saudi-Arabien Reisetipps |
| Jordanien | um 10 Prozent | aufrunden | 1 bis 2 Dinar für Gepäck | grob 5 bis 10 Dinar pro Person und Tag | Jordanien Reisetipps |
| Ägypten | 5 bis 10 Prozent, auch mit Servicezuschlag | aufrunden | 50 bis 100 EGP pro Tag fürs Zimmer | Guide rund 5 bis 10 Euro pro Person und Tag in Pfund | Trinkgeld in Ägypten |
| Tunesien | aufrunden oder um 10 Prozent | aufrunden | 1 bis 2 Dinar pro Tag fürs Zimmer | am Ende des Tages etwas mehr | Reisetipps für Tunesien |
| Türkei | 5 bis 10 Prozent | aufrunden | kleine Beträge in Lira | nach Leistung, am Ende der Tour | Türkei Reisetipps |
| Marokko | 5 bis 10 Prozent | aufrunden | 10 bis 20 Dirham pro Tag fürs Zimmer im Riad | 100 bis 200 Dirham pro Tag | Marokko Reisetipps |
Bei den Golfstaaten fällt auf, dass sich die Werte kaum unterscheiden. Wichtiger als das Land ist dort, ob schon ein Servicezuschlag auf der Rechnung steht. In Nordafrika und Ägypten zählt dagegen die Zahl der Situationen: Kofferträger, Parkwächter, Toilettenpersonal, Feluken-Kapitän, alle rechnen mit einer Kleinigkeit.
Restaurant: erst die Rechnung lesen
Der häufigste Fehler beim Trinkgeld im Restaurant ist, die Rechnung nicht bis unten zu lesen. Am Golf stehen dort oft getrennt die Mehrwertsteuer und ein Servicezuschlag, in Dubai als Service Charge ausgewiesen. Ist er drauf, ist der Service bezahlt, und du rundest höchstens auf. Fehlt er, sind rund zehn Prozent ein guter Wert. In Jordanien läuft es genauso, dort schlagen viele Restaurants eine Servicegebühr und die Mehrwertsteuer auf.
Ägypten ist die Ausnahme. Ein Servicezuschlag auf der Rechnung kommt dort nicht unbedingt beim Personal an, deshalb lässt du 5 bis 10 Prozent zusätzlich am Tisch. In Marokko, Tunesien und der Türkei sind 5 bis 10 Prozent üblich, im Café oder für einen Tee lässt du einfach das Kleingeld liegen.
Wenn du bar zahlst, sag beim Bezahlen, wie viel Wechselgeld du zurückmöchtest. Das ist überall im Orient normal und erspart das Zurücklassen von Münzen auf dem Tisch.
Typischer Fehler: Am Golf auf eine Rechnung mit Service Charge noch einmal zehn Prozent legen. Das ist nicht falsch, aber doppelt gezahlt. In Ägypten dagegen den Servicezuschlag für das Trinkgeld halten.
Hotel, Zimmerpersonal und All-inclusive
Im Hotel geben die meisten Reisenden Trinkgeld an zwei Stellen: beim Gepäck und beim Zimmer. Für Gepäck reicht am Golf ein kleiner Betrag in Landeswährung, in Jordanien ein bis zwei Dinar. Fürs Zimmer gibst du in Ländern mit Bakschisch-Kultur am besten täglich, nicht einmal am Ende. Schichten wechseln, und wer am letzten Tag einen großen Schein hinlegt, erreicht oft nicht die Person, die eine Woche lang geputzt hat. Leg das Geld sichtbar auf das Kopfkissen oder den Tisch, damit klar ist, dass es für das Personal gedacht ist.
All-inclusive heißt im Orient nicht, dass Trinkgeld enthalten ist. In den Hotelanlagen am Roten Meer, in Tunesien und an der türkischen Riviera erwarten Kellner und Barpersonal trotzdem gelegentlich eine Kleinigkeit, besonders wenn dich jeden Abend dieselbe Person bedient. In einem Riad in Marrakesch oder Fès mit wenigen Zimmern legen viele Gäste beim Abschied einen Betrag für das ganze Team in einen Umschlag. Das ist eine schöne Geste, aber kein Muster, das jemand einfordert.
Guides, Fahrer und Touren
Guides und Fahrer verdienen in vielen Ländern einen großen Teil ihres Einkommens über Trinkgeld. Bei einer Tagestour gibst du am Ende des Tages, bei einer mehrtägigen Rundreise einen Gesamtbetrag am letzten Tag. Reiseleitung und Fahrer bedenkst du getrennt, auch wenn der Fahrer kaum spricht. Er hat dich sicher durch den Verkehr von Kairo oder über die Pässe des Atlas gebracht.
Die konkreten Größen: In Jordanien sind grob 5 bis 10 Dinar pro Person und Tag für Guide oder Fahrer üblich, in Marokko 100 bis 200 Dirham pro Tag für einen ganztägigen Fahrer oder Guide. In Ägypten rechnest du für einen Guide rund 5 bis 10 Euro pro Person und Tag in Pfund, für den Fahrer einer Tagestour 150 bis 300 EGP für die Gruppe. Im Oman, in Tunesien und am übrigen Golf reicht ein kleinerer Betrag, der zur Leistung passt.
Bei Wüstencamps, etwa im Wadi Rum oder in den Dünen von Merzouga, freut sich das Team über eine gemeinsame Kasse am Ende, die du beim Abschied füllst. Auf einer Nilkreuzfahrt gibt es meist eine Sammelkasse für die Crew, die Reiseleitung bekommt ihr Trinkgeld gesondert. Im türkischen Hamam gibst du dem Personal, das dich wäscht und massiert, am Ende meist extra.
Unser Rat: Steck dir vor einer Tour einen Umschlag mit dem geplanten Trinkgeld in Landeswährung ein. Dann musst du am Ende nicht im Bus nach passenden Scheinen suchen, und die Geste bleibt diskret.
Bar, Karte, Euro oder Landeswährung?
Trinkgeld gibst du am besten bar und in Landeswährung. So kommt es sicher bei der Person an, und du kannst kleine Beträge geben. Euro- und Dollarscheine nimmt im Tourismus, vor allem in Ägypten, fast jeder gern, Münzen aber nicht, weil niemand sie umtauschen kann. Ein paar Euro-Münzen als Trinkgeld sind deshalb gut gemeint und für die Empfänger wertlos.
Das größte praktische Problem ist Kleingeld. Geldautomaten geben oft große Scheine aus, und im Taxi oder an der Toilette einer Raststätte kann sie niemand wechseln. Hol dir kleine Scheine im Supermarkt, an der Tankstelle oder an der Hotelrezeption. Im Oman und in Bahrain lohnt ein zweiter Blick auf die Beträge, weil dort drei Nachkommastellen üblich sind. Wie du am günstigsten an Bargeld kommst und wo die Karte reicht, erklärt Geld im Orient.
Wenn jemand ungefragt hilft
In Medinas, Souks und an großen Stätten begegnen dir Menschen, die ungefragt helfen: den Weg zeigen, das Auto einweisen, ein Foto anbieten. Danach erwarten sie Geld. Du entscheidest selbst, ob die Hilfe etwas wert war. Ein paar Münzen oder ein kleiner Schein in Landeswährung sind dann genug, auch wenn ein höherer Betrag gefordert wird. Freundlich, aber bestimmt Nein zu sagen, bevor jemand losläuft, erspart die Diskussion.
Eine klare Grenze gibt es: Wer dir gegen Geld etwas erlaubt, das verboten ist, etwa ein Foto in einer gesperrten Grabkammer oder das Betreten eines abgesperrten Bereichs, will kein Trinkgeld. Erwischt wird am Ende der Besucher. Wie du im Souk beim Kaufen den Preis findest, ohne dich zu ärgern, steht bei Handeln im Souk.
Wie viel Trinkgeld du einplanen solltest
Für das Budget reichen grobe Größen pro Person und Tag. Am Golf fällt Trinkgeld kaum ins Gewicht, ein paar Euro am Tag decken Restaurant, Taxi und Gepäck. In Jordanien und der Türkei kommen auf einer Rundreise mit Guide und Fahrer schnell 10 bis 15 Euro am Tag zusammen. In Ägypten rechnet die Länderseite auf einer Rundreise mit ungefähr 5 bis 15 Euro pro Person und Tag, im Badeurlaub ist es deutlich weniger. Ähnlich ist es in Marokko, wenn du mit privatem Fahrer unterwegs bist.
Wer diese Größen kennt, hat am Ende einer Reise selten das Gefühl, falsch gegeben zu haben. Und wenn doch einmal Unsicherheit bleibt: Ein Lächeln, ein Dank auf Arabisch oder Türkisch und ein kleiner Schein in Landeswährung passen fast überall.
Häufige Fragen
In welchen Orient-Ländern ist Trinkgeld am wichtigsten?
In Ägypten, Marokko und Tunesien. Dort sind die Löhne im Tourismus niedrig, und Trinkgeld macht für Zimmerpersonal, Kellner, Fahrer und Guides einen echten Teil des Verdienstes aus. Auch in Jordanien und der Türkei wird es erwartet, aber weniger oft. In den Golfstaaten ist es eine freiwillige Anerkennung, die niemand einfordert.
Gibt man im Orient zusätzlich Trinkgeld, wenn schon ein Servicezuschlag auf der Rechnung steht?
Am Golf und in Jordanien in der Regel nicht oder du rundest nur auf, weil der Service dann bezahlt ist. In Ägypten ist das anders: Der Zuschlag landet dort oft nicht beim Personal, deshalb gibst du am Tisch trotzdem 5 bis 10 Prozent. Lies die Rechnung immer bis unten, Service und Steuern stehen meist getrennt aufgeführt.
Wie viel Trinkgeld bekommt die Reiseleitung auf einer Rundreise durch den Orient?
Bei mehrtägigen Gruppenreisen gibst du am Ende einen Gesamtbetrag, Reiseleitung und Fahrer getrennt. Als grobe Größe dienen die Tagessätze der Länder, in Jordanien etwa 5 bis 10 Dinar pro Person und Tag für Guide oder Fahrer, in Ägypten umgerechnet 5 bis 10 Euro pro Person und Tag für den Guide. Viele Veranstalter nennen in den Reiseunterlagen eigene Richtwerte.
Kann man im Orient Trinkgeld mit der Kreditkarte geben?
Am Golf und in größeren Restaurants der Türkei fragt das Kartenterminal manchmal nach einem Trinkgeld. Ob der Betrag beim Personal ankommt, weißt du nicht sicher. Bar ist fast überall die bessere Wahl, in Nordafrika, Ägypten und Jordanien ohnehin. Halte dafür kleine Scheine in Landeswährung bereit, große kann im Taxi oder im Souk oft niemand wechseln.




