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Kaum ein Thema verunsichert Reisende in Ägypten so sehr wie das Trinkgeld. Gefühlt hält ständig jemand die Hand auf, und niemand sagt dir, wie viel richtig ist. Dabei hat das System eine klare Logik: Im Tourismus sind die Löhne niedrig, und Trinkgeld ist für Zimmerpersonal, Kellner, Fahrer und Guides ein fester Teil des Einkommens. Wer das weiß, gibt entspannter. Diese Seite nennt dir übliche Beträge nach Situation, erklärt das Prinzip Bakschisch und zeigt, wie du nie ohne Kleingeld dastehst. Den Rahmen für deine ganze Reise findest du in der Ägypten Zentrale.
Eine ehrliche Vorbemerkung: Offizielle Sätze für Trinkgeld in Ägypten gibt es nicht. Die Beträge unten sind Richtwerte der Redaktion für November 2026. Das Pfund hat in den vergangenen Jahren stark an Wert verloren, deshalb wirken ältere Angaben aus Foren oft zu niedrig. Ende Oktober 2026 bekamst du rund 62 EGP für einen Euro.
Bakschisch: mehr als nur Trinkgeld
Das Wort Bakschisch hörst du in Ägypten ständig. Es bedeutet Trinkgeld, aber auch eine kleine Gabe, ein Almosen oder eine Anerkennung für einen Gefallen. Ein Wächter, der dir die Tür zu einem Grab aufschließt, ein Junge, der dir den Weg zeigt, ein Mann, der am Parkplatz auf das Auto aufpasst: Alle erwarten eine Kleinigkeit. Das ist keine Bestechung, sondern ein im Alltag verankertes Geben und Nehmen.
Die Grenze ist trotzdem klar. Wer dir gegen Geld etwas erlaubt, das verboten ist, etwa ein Foto in einer gesperrten Grabkammer oder das Klettern auf einen Tempel, will kein Trinkgeld, sondern macht ein Geschäft auf deine Kosten. Erwischt wird am Ende der Besucher. Lehn solche Angebote freundlich ab.
Wie viel, wem? Die Richtwerte
| Situation | Richtwert (Stand November 2026) | Hinweis |
|---|---|---|
| Gepäck tragen, Flughafen oder Hotel | 20 bis 50 EGP pro Gepäckstück | bei viel Gepäck eher oben |
| Zimmerpersonal | 50 bis 100 EGP pro Tag | täglich geben, Schichten wechseln |
| Restaurant mit Bedienung | 5 bis 10 Prozent | auch wenn Service auf der Rechnung steht |
| Einfaches Lokal, Café | aufrunden | bei Streetfood nicht üblich |
| Toilette an Stätten und Raststätten | 10 bis 20 EGP | Papier gibt es oft nur gegen Geld |
| Taxi | aufrunden | bei App-Fahrten freiwillig |
| Wächter, der etwas aufschließt oder zeigt | 20 bis 50 EGP | nur für Erlaubtes |
| Feluken-Kapitän, Bootsführer | 50 bis 100 EGP pro Fahrt | zusätzlich zum vereinbarten Preis |
| Fahrer für eine Tagestour | 150 bis 300 EGP pro Tag für die Gruppe | am Ende der Fahrt |
| Guide | rund 5 bis 10 Euro pro Person und Tag | in Pfund, am Ende |
| Crew auf dem Nilschiff | oft Gemeinschaftskasse, Richtwert vom Schiff | am letzten Abend |
Wann du gibst, ist fast so wichtig wie die Höhe des Betrags. Für kleine Dienste gibst du sofort danach, beim Zimmerpersonal täglich, beim Guide und beim Fahrer am Ende der Tour oder Reise, auf dem Schiff am letzten Abend. Gib das Geld persönlich und mit einem Dank, nicht im Vorbeigehen. Und warte bei Bootsfahrten und Ausritten, bis die Leistung erbracht ist, bevor du überhaupt Geld zeigst.
Die Werte sind Anhaltspunkte, keine Pflicht. War der Service schlecht oder unfreundlich, gibst du weniger oder nichts. War er besonders gut, darfst du großzügig sein. Für jemanden, der umgerechnet wenige Euro am Tag verdient, macht ein Schein mehr einen echten Unterschied.
Unser Rat: Leg dir morgens eine Tagesration Kleingeld in eine eigene Tasche, getrennt vom Portemonnaie. So musst du an der Toilette oder am Grab nicht vor allen Leuten große Scheine durchblättern.
Hotel und All-inclusive
Im Hotel betrifft dich Trinkgeld an drei Stellen: beim Gepäck, beim Zimmer und beim Essen. Beim Zimmerpersonal ist ein täglicher Betrag fairer als eine Summe am Ende, weil an freien Tagen jemand anderes putzt. Leg das Geld sichtbar auf das Kopfkissen oder den Tisch, am besten mit einem kurzen Zettel, damit klar ist, dass es nicht vergessen wurde.
Auch in All-inclusive-Anlagen am Roten Meer ist Trinkgeld nicht im Preis enthalten. Am Pool und an der Bar reicht gelegentlich ein kleiner Schein. Wer jeden Abend im selben Restaurant von denselben Kellnern bedient wird, gibt am Ende der Woche etwas mehr. Ein Trinkgeld am ersten Tag führt manchmal zu besonders aufmerksamem Service. Garantiert ist das nicht, und nötig ist es auch nicht. Mehr zur Planung am Meer findest du bei Hurghada.
Restaurant, Taxi und Alltag
Auf vielen Restaurantrechnungen steht bereits ein Serviceaufschlag, oft um die 12 Prozent, dazu die Mehrwertsteuer. Dieser Aufschlag landet nicht unbedingt bei der Bedienung. Wenn du zufrieden warst, legst du trotzdem 5 bis 10 Prozent in bar auf den Tisch. In einfachen Lokalen und Garküchen rundest du auf, bei Koshari am Stand ist Trinkgeld nicht üblich.
Im Taxi rundest du auf. Bei App-Fahrten ist Trinkgeld freiwillig und lässt sich oft in der App geben. Ein Fahrer, der dich einen ganzen Tag lang zu Tempeln und Gräbern bringt und dabei wartet, bekommt am Ende einen Extrabetrag. Wie du Fahrer und Taxis findest, steht in den Ägypten Reisetipps.
Guides, Nilschiff und Tauchboot
Guides arbeiten oft für ein festes Honorar, das Trinkgeld ist ein großer Teil ihres Verdienstes. Für einen ganzen Tag mit guten Erklärungen sind rund 5 bis 10 Euro pro Person in Pfund ein üblicher Rahmen. Bei einer mehrtägigen Rundreise gibst du am Ende einen Gesamtbetrag. Den Fahrer bedenkst du getrennt.
Auf einem Nilschiff sammelt die Crew meist in einer gemeinsamen Kasse, die am Ende unter Küche, Service und Reinigung aufgeteilt wird. Viele Schiffe nennen einen Richtwert pro Person und Tag. Den Reiseleiter an Bord oder den Guide für die Landgänge bedenkst du zusätzlich, ebenso auf einer Dahabiya. Wie eine Nilfahrt abläuft und was sie kostet, steht bei der Nilkreuzfahrt. Auf Tauch- und Schnorchelbooten gibt es ebenfalls häufig eine Crewkasse, die am letzten Tag gefüllt wird.
Kleingeld: immer zu wenig
Das größte praktische Problem ist nicht die Höhe, sondern das Wechselgeld. Geldautomaten geben oft große Scheine aus, und viele Kioske, Toiletten und Bootsführer können nicht wechseln. So kommst du an kleine Scheine:
- In Banken und Wechselstuben ausdrücklich nach kleinen Noten fragen.
- Im Supermarkt oder an der Hotelrezeption mit großen Scheinen bezahlen oder wechseln lassen.
- Bei jedem Einkauf das Wechselgeld in kleinen Scheinen behalten.
- Euro-Münzen gar nicht erst mitnehmen, niemand kann sie umtauschen.
Rechne für die Planung mit Trinkgeldern von ungefähr 5 bis 15 Euro pro Person und Tag auf einer Rundreise, je nach Zahl der Führungen und Fahrten. Im Badeurlaub ist es deutlich weniger. Wie sich das in dein Budget einfügt, rechnet die Seite Was kostet Ägypten? vor. Allgemeines zu Bargeld und Karten in der Region steht bei Geld im Orient.
Typischer Fehler: Kein Trinkgeld geben, weil man sich bedrängt fühlt, und dann am Ende einer schönen Tour alles auf einmal in Euro-Münzen überreichen. Die Geste ist gut gemeint, hilft aber niemandem, weil die Münzen nicht getauscht werden können.
Häufige Fragen
Wie viel Trinkgeld gibt man in Ägypten?
Es gibt keine offiziellen Sätze, aber übliche Größenordnungen. Für kleine Dienste wie Gepäck tragen oder ein Tor aufschließen sind 20 bis 50 EGP angemessen, im Restaurant 5 bis 10 Prozent, für das Zimmerpersonal 50 bis 100 EGP am Tag. Guides und Fahrer bekommen am Ende einer Tour mehr. Die Werte haben den Stand November 2026 und steigen mit der Inflation.
Gibt man in Ägypten Trinkgeld in Euro oder Dollar?
Am besten in Ägyptischen Pfund. Euro- und Dollarscheine nimmt im Tourismus fast jeder gern, aber nur Scheine, denn Münzen kann niemand wechseln. Für dich ist Pfund auch einfacher, weil du kleine Beträge geben kannst. Wer am Ende einer Nilfahrt oder Tauchwoche eine größere Summe in die Gemeinschaftskasse legt, kann auch Euro-Scheine nehmen.
Wie viel Trinkgeld im All-inclusive-Hotel in Ägypten?
Im All-inclusive-Hotel ist Trinkgeld nicht im Preis enthalten, wird aber erwartet. Bewährt hat sich ein kleiner Betrag für das Zimmerpersonal jeden Tag statt einer Summe am Ende, weil Schichten wechseln. Am Pool oder an der Bar gibst du gelegentlich 20 bis 50 EGP, an einem Tisch, an dem dich dieselbe Person jeden Abend bedient, am Ende der Woche etwas mehr.
Darf man im Hotel an der Rezeption Trinkgeld geben?
Ja, wenn jemand wirklich etwas für dich erledigt hat, etwa ein Zimmer mit Blick organisiert, einen Ausflug umgebucht oder einen Arzt gerufen. Für normales Ein- und Auschecken ist es nicht nötig. Gib es diskret und persönlich. Ein Trinkgeld im Voraus, um ein besseres Zimmer zu bekommen, funktioniert manchmal, ist aber keine Garantie.




