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Vier sitzende Figuren von Ramses II., jede so hoch wie ein mehrstöckiges Haus, aus dem Fels einer Uferwand gehauen. So begrüßt dich Abu Simbel. Daneben steht ein zweiter Tempel für seine Gattin Nefertari, und beide stehen nicht mehr dort, wo sie gebaut wurden. Der Weg dorthin ist lang, rund 300 Kilometer südlich von Assuan am Ufer des Nassersees. Deshalb entscheidet die Anreise mehr über dein Erlebnis als bei jeder anderen Stätte in Ägypten. Hier findest du Bus, Flug und Schiff im Vergleich, die Tickets, die Termine des Sonnenwunders und Tipps für den Besuch der Felsentempel. Wie Abu Simbel in eine Reise durch das Land passt, zeigt die Ägypten-Übersicht.
Die beiden Felsentempel
Der Große Tempel entstand laut ägyptischem Ministerium um 1264 vor Christus unter Ramses II., dem wohl bekanntesten Pharao der Geschichte. Ob er der größte war, darüber kann man streiten, kein anderer König hat aber so viele und so große Bauten hinterlassen. Vor der Fassade sitzen vier Kolosse des Königs. Einer davon ist schon im Altertum bei einem Erdbeben zerbrochen, sein Oberkörper liegt bis heute vor dem Tempel im Sand.
Drinnen führt eine Halle mit stehenden Kolossalstatuen des Königs tief in den Berg, an den Wänden siehst du Reliefs der Schlacht von Kadesch. Am Ende liegt das Heiligtum mit vier sitzenden Gottheiten: Amun-Re, Re-Harachte, Ptah und Ramses II. selbst als Gott.
Der Kleine Tempel nördlich davon ist der Göttin Hathor und der Königin Nefertari geweiht. An seiner Fassade sind ihre Statuen genauso groß wie die ihres Mannes. Das ist in der ägyptischen Kunst sehr selten und sagt viel über ihre Stellung. Innen ist er schlichter, aber die Darstellungen der Königin gehören zu den feinsten Reliefs der Anlage.
Beide Fassaden schauen nach Osten über den See. Das bestimmt, wann du sie am besten siehst: Am Morgen liegt volles Licht auf den Kolossen, ab dem frühen Nachmittag stehen sie im eigenen Schatten, und Fotos gegen die Sonne werden flau. Geh nach dem Großen Tempel ruhig noch einmal ans Ufer zurück und schau von dort auf beide Bauten gleichzeitig. Erst aus etwas Abstand begreifst du, wie klein die Menschen vor den Figuren wirken.
Der Berg, der umzog
Als in den 1960er Jahren der Hochdamm von Assuan entstand, drohte der aufgestaute Nassersee die Tempel zu verschlingen. Die UNESCO rief 1960 zu einer internationalen Rettungskampagne auf. Bei Abu Simbel wurden beide Tempel in große Blöcke zersägt, ein Stück oberhalb des alten Ufers wieder zusammengesetzt und mit einem künstlichen Berg überwölbt. Laut Ministerium war die Versetzung 1968 abgeschlossen, seit 1979 gehören die Tempel zum Welterbe „Nubische Denkmäler von Abu Simbel bis Philae“.
Was du davon siehst: von vorn nichts, so genau ist die Arbeit. Wenn du an der Seite des Großen Tempels entlanggehst, erkennst du an einigen Stellen die Fugen. Von hinten zeigt sich der Berg als Betonkuppel. Wer die Geschichte genauer kennen will, besucht vorher in Assuan das Nubische Museum, das die ganze Kampagne erklärt.
Bus, Flug oder Schiff: die Anreise im Vergleich
| Weg | Dauer pro Strecke | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Bus oder Minibus ab Assuan | etwa 3,5 bis 4 Stunden | günstig, als Tour leicht buchbar | Start gegen 4 Uhr, 7 bis 8 Stunden Fahrt am Tag |
| Privatfahrer ab Assuan | etwa 3,5 Stunden | flexible Zeiten, Pausen nach Wunsch | teurer |
| Flug ab Assuan oder Kairo | deutlich unter 1 Stunde ab Assuan | kurz, mehr Zeit vor Ort | wenige Verbindungen, teuer |
| Schiff auf dem Nassersee | mehrere Tage | weitere nubische Tempel unterwegs | nur als Kreuzfahrt |
Der Klassiker ist die Tagestour im Bus. Du wirst mitten in der Nacht in Assuan abgeholt, frühstückst unterwegs aus einer Box und bist bei Sonnenaufgang oder kurz danach am Ziel. Vor Ort bleiben dir meist zwei Stunden, dann geht es zurück. Das ist anstrengend, aber machbar, und die Wüste im ersten Licht hat ihren eigenen Reiz. Nimm eine Jacke mit, denn die Klimaanlage im Bus läuft oft auf vollen Touren, und am frühen Morgen ist es auch draußen frisch. Dazu Wasser, einen Snack und Kleingeld für die Toiletten an der Raststätte.
Der Flug spart dir die Fahrt. Die Verbindungen sind rar und schnell ausgebucht, die Flugpläne wechseln, also prüf sie früh. Wer mehr Zeit hat, übernachtet in Abu Simbel. Es gibt einige einfache Hotels und Gästehäuser am See, und am Abend läuft an den Tempeln eine Licht- und Tonschau. Am nächsten Morgen bist du zur Öffnung um 6 Uhr da, bevor die Busse eintreffen. Die Kreuzfahrten auf dem Nassersee zwischen Assuan und Abu Simbel verbinden den Besuch mit weiteren versetzten Tempeln am Ufer, sind aber ein eigenes Programm, ähnlich einer Nilkreuzfahrt.
Unser Rat: Wenn du kannst, übernachte eine Nacht in Abu Simbel. Allein vor den Kolossen zu stehen, wenn die Sonne die Fassade orange färbt, ist ein völlig anderes Erlebnis als im Strom der Tagesgruppen um 8 Uhr.
Tickets und Öffnungszeiten
Das ägyptische Ministerium für Tourismus und Altertümer nennt 750 EGP für Erwachsene und 375 EGP für Studierende (Stand November 2026). Das Ticket gilt für beide Tempel. An den Tagen des Sonnenwunders steigt der Preis auf 1.200 EGP, für Studierende auf 600 EGP. Geöffnet ist täglich von 6 bis 17 Uhr. Für Fahrzeuge wird eine eigene Gebühr erhoben, die bei Touren normalerweise im Preis steckt.
Vom Eingang mit Kasse und Besucherzentrum gehst du etwa zehn Minuten um den Berg herum, bis die Tempel vor dir liegen. Drinnen ist es eng und warm, und Wächter bieten gelegentlich an, dir besondere Blickwinkel zu zeigen, gegen Bakschisch. Fotografieren für private Zwecke ist ohne Gebühr erlaubt, Blitz in den Innenräumen nicht. Nimm Wasser, Hut und Sonnencreme mit, vor den Tempeln gibt es kaum Schatten.
Das Sonnenwunder am 22. Februar und 22. Oktober
Der Große Tempel ist so ausgerichtet, dass an zwei Tagen im Jahr, am 22. Februar und am 22. Oktober, die Strahlen der aufgehenden Sonne durch den Eingang, die ganze Halle entlang bis ins Heiligtum fallen und die Statuen dort beleuchten. Der Gott Ptah, der mit der Unterwelt verbunden ist, soll dabei im Schatten bleiben. Die nächsten Termine sind der 22. Februar und der 22. Oktober 2027.
Wer an diesen Tagen kommt, erlebt ein Fest mit Tausenden Menschen, Musik und Tanz vor den Tempeln. Der Moment selbst dauert nur wenige Minuten, und im Heiligtum ist Platz für wenige. Die meisten sehen das Licht nur von weitem oder auf Bildschirmen. Hotels in Abu Simbel und die Busse sind lange vorher voll, die Preise steigen.
Gut zu wissen: Wenn dir Gedränge nichts ausmacht, ist das Sonnenwunder ein besonderes Erlebnis mit viel Stimmung. Wenn du die Tempel selbst sehen willst, komm an einem anderen Tag. Morgens fällt das Licht auch dann schön auf die Fassade.
Wann reisen, und was passt dazu?
Die angenehmste Zeit ist November bis März. Abu Simbel liegt noch weiter südlich als Assuan, im Sommer sind über 40 Grad am Vormittag üblich. Dann solltest du die Tempel nur in den ersten Stunden nach Sonnenaufgang besuchen. Mehr zum Klima steht bei der besten Reisezeit für Ägypten.
Abu Simbel ist fast immer ein Ausflug von Assuan aus, und dort solltest du mindestens zwei weitere Tage für Philae, die Feluke und das Nubische Museum einplanen. Wer die ganz großen Tempelanlagen vergleichen will: Flächenmäßig ist Karnak in Luxor die größte des Landes, Abu Simbel beeindruckt dagegen durch die Wucht der Kolosse. Wie sich Kairo, Luxor, Assuan und Abu Simbel in eine Reise fügen, zeigt die Ägypten Rundreise.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Busfahrt von Assuan nach Abu Simbel?
Für die rund 300 Kilometer durch die Wüste brauchst du pro Strecke etwa dreieinhalb bis vier Stunden, je nach Fahrzeug, Pausen und Kontrollen. Die meisten Tagestouren starten in Assuan gegen 4 Uhr morgens, sind am späten Vormittag zurück auf der Straße und nachmittags wieder in der Stadt. Unterwegs gibt es eine Raststätte, sonst nur Wüste. Schlafen im Bus ist die beste Vorbereitung.
Wann wurde der Tempel von Abu Simbel versetzt?
In den 1960er Jahren, während der Hochdamm von Assuan entstand und der Nassersee die Tempel zu überfluten drohte. Im Rahmen einer internationalen Rettungskampagne unter Leitung der UNESCO wurden beide Felsentempel in große Blöcke zersägt und oberhalb des alten Standorts in einem künstlichen Berg wieder aufgebaut. Laut ägyptischem Ministerium war die Versetzung 1968 abgeschlossen. Seit 1979 sind die Tempel Welterbe.
Ist Abu Simbel gefährlich?
Für die Tempel selbst und die normale Anreise gibt es vom Auswärtigen Amt keine Warnung (Stand 5. November 2026). Abu Simbel liegt aber nahe der Grenze zum Sudan, und vor Reisen in entlegene Gebiete der Sahara einschließlich der Grenzgebiete zu Sudan warnt das Amt, die Behörden haben sie zu Sperrgebieten erklärt. Bleib auf der Straße von Assuan oder reise per Flug, und lies vorher die aktuellen Hinweise.
Lohnt sich Abu Simbel als Tagesausflug?
Ja, wenn du die lange Fahrt in Kauf nimmst. Die beiden Tempel gehören zu den eindrucksvollsten Bauten Ägyptens, und kein Foto bereitet dich auf die Größe der Kolosse vor. Wer es ruhiger mag, fliegt oder übernachtet in Abu Simbel. Dann siehst du die Tempel am Nachmittag oder am frühen Morgen, wenn die Busse aus Assuan noch unterwegs sind.




