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Karnak ist so groß, dass du dich darin verlaufen kannst, der Luxor-Tempel dagegen überschaubar und mitten in der Stadt. Beide gehören zusammen, und wer sie in der richtigen Reihenfolge besucht, versteht, warum. Einmal im Jahr zogen die Götterbilder aus dem Karnak-Tempel in einer großen Prozession zum Luxor-Tempel und wieder zurück. Heute verbindet beide wieder die freigelegte Sphingenallee. Unten findest du Tickets und Öffnungszeiten, was du in beiden Anlagen nicht verpassen solltest und warum der kleinere Tempel am Abend die bessere Wahl ist. Die Planung für ganz Luxor mit beiden Ufern steht im Ratgeber zu Luxor.
Zwei Tempel, ein Festweg
Die alten Ägypter nannten Karnak Ipet-Sut, den erlesensten der Orte. Hier stand der Haupttempel des Amun von Theben. Der Luxor-Tempel hieß Ipet-resyt, das südliche Heiligtum, und war einer besonderen Form des Amun geweiht. Ungewöhnlich ist seine Ausrichtung: Er schaut nicht nach Osten wie die meisten Tempel, sondern nach Norden auf Karnak.
Der Grund war das Opet-Fest, eines der wichtigsten Feste des Jahres. Die Kultbilder von Amun, seiner Frau Mut und ihrem Sohn Chons wurden dabei in Barken aus Karnak zum Luxor-Tempel gebracht. Der Weg dorthin war mit Sphingen gesäumt. Diese rund drei Kilometer lange Sphingenallee ist in den vergangenen Jahren freigelegt und restauriert worden und wurde im November 2021 mit einer großen Feier wiedereröffnet. Die Abbildungen des Fests siehst du heute in der großen Kolonnade des Luxor-Tempels.
Karnak: was du sehen solltest
Karnak ist kein einzelner Tempel, sondern ein Komplex aus mehreren Bezirken, an dem rund 2000 Jahre lang gebaut wurde, vom Ende des dritten Jahrtausends vor Christus bis in ptolemäische und römische Zeit. Der größte Teil, der Bezirk des Amun, ist der, den du mit dem normalen Ticket besuchst.
- Die Große Säulenhalle: 134 Säulen, die meisten 15 Meter hoch, die zwölf mittleren 21 Meter. Laut Ministerium hat Amenophis III. sie vielleicht begonnen, gebaut und geschmückt wurde sie aber vor allem unter Sethos I. und Ramses II. Morgens fällt das Licht schräg zwischen die Säulen, dann wirken die Reliefs am plastischsten.
- Die Obelisken: Hinter der Säulenhalle steht der Obelisk der Hatschepsut, einer der höchsten, die in Ägypten noch aufrecht stehen. Die Königin, deren Totentempel genau gegenüber am Westufer liegt, ließ ihn aus Assuan heranschaffen.
- Der Heilige See: ein rechteckiges Becken, in dem sich die Priester reinigten. Daneben steht ein großer steinerner Skarabäus. Der Legende nach bringt es Glück, ihn mehrmals zu umrunden, entsprechend viele Menschen laufen dort im Kreis.
- Das Freilichtmuseum im Norden der Anlage ist im Ticket enthalten und wird von vielen übersehen. Dort stehen wieder aufgebaute Kapellen, darunter die fein gearbeitete Weiße Kapelle Sesostris’ I. und die Rote Kapelle der Hatschepsut. Hier ist es meist ruhig.
Südlich schließt sich der Bezirk der Göttin Mut an, für den du ein eigenes Ticket brauchst. Er ist weniger restauriert und viel leerer, ein Ziel für einen zweiten Besuch oder für alle, die Ruinen gern ohne Gruppen erkunden.
Unser Rat: Geh in Karnak zuerst bis ganz nach hinten und arbeite dich dann zum Eingang zurück. Die Gruppen laufen den umgekehrten Weg, und so hast du die Säulenhalle am Ende oft fast für dich.
Der Luxor-Tempel: Kolonnade, Obelisk und Moschee
Der Luxor-Tempel ist kleiner und in einer Stunde gut zu erfassen. Den Kern ließ Amenophis III. errichten, dazu die große Kolonnade mit zwei Reihen von je sieben Kolossalsäulen. Ihre Reliefs mit dem Opet-Fest wurden unter Tutanchamun und Haremhab vollendet. Ramses II. setzte einen Hof und den mächtigen Pylon davor, das Eingangstor mit zwei Türmen, flankiert von Kolossalstatuen. Davor standen zwei 25 Meter hohe Obelisken. Einer steht noch, der andere ziert seit 1836 die Place de la Concorde in Paris.
Spannend sind die späteren Schichten. Die Römer bauten um den Tempel ein Militärlager und machten einen Raum zum Heiligtum ihres Kaiserkults, die Wandmalereien mit Diokletian und seinen Mitregenten werden derzeit restauriert. Auf dem Schutt der Jahrhunderte entstand im Mittelalter die Moschee des Abu el-Haggag, die bis heute in Gebrauch ist. Ihr Minarett ragt über den Hof des Ramses, und ihre Tür liegt hoch über dem heutigen Boden, weil der Tempel darunter erst später freigelegt wurde.
Tickets, Öffnungszeiten und Abendbesuch
| Ticket | Erwachsene (Stand November 2026) | Studierende | Öffnungszeiten |
|---|---|---|---|
| Karnak mit Freilichtmuseum | 600 EGP | 300 EGP | täglich 6 bis 17 Uhr |
| Mut-Tempel in Karnak | 200 EGP | 100 EGP | wie Karnak |
| Luxor-Tempel | 500 EGP | 250 EGP | täglich 6 bis 20 Uhr |
Die Preise und Zeiten nennt das ägyptische Ministerium für Tourismus und Altertümer. An beiden Tempeln wurde die Kartenzahlung als Erstes in Luxor eingeführt, nimm trotzdem etwas Bargeld für Toiletten und Taxi mit. In Karnak gibt es abends außerdem eine Licht- und Tonschau mit eigenem Ticket. Sie läuft in wechselnden Sprachen, die Termine prüfst du vorher.
Der Abendbesuch im Luxor-Tempel lohnt sich mehr als die Show. Kurz vor Sonnenuntergang hineingehen, das letzte Licht auf dem Pylon erleben und dann bleiben, bis die Strahler angehen. Im Winter geht die Sonne gegen halb sechs unter, dann hast du zweieinhalb Stunden bis zum Schluss.
Beste Zeit und Reihenfolge
Karnak gehört in den Morgen. Um 6 Uhr ist es kühl, das Licht ist weich, und die ersten Gruppen von den Schiffen kommen meist erst gegen 8 oder 9 Uhr. Wer auf einer Nilkreuzfahrt unterwegs ist, hat darauf wenig Einfluss und sollte die freie Zeit am Abend für den Luxor-Tempel nutzen. Die zweitbeste Zeit ist der Nachmittag ab etwa 15 Uhr, wenn die Busse zurück ans Rote Meer fahren. Zwischen 10 und 14 Uhr ist die Anlage am vollsten und am heißesten, Schatten bieten nur die Säulenhalle und ein paar Mauern.
Der Luxor-Tempel gehört an den Abend. Durch die späte Schließung ist er die einzige große Stätte in Luxor, die du nach Sonnenuntergang besuchen kannst. Wer beide an einem Tag schaffen will, macht Karnak am frühen Morgen, ruht sich mittags aus und geht am späten Nachmittag in den Luxor-Tempel. Den Vormittag des nächsten Tags kannst du dann dem Tal der Könige am Westufer widmen.
Typischer Fehler: Beide Tempel mittags in einem Rutsch besuchen, weil sie nah beieinander liegen. In der Hitze schaffst du Karnak dann nur halb, und den Luxor-Tempel siehst du im flachen Mittagslicht statt im Abendlicht, das ihn ausmacht.
Anfahrt und was du sonst wissen solltest
Der Luxor-Tempel liegt direkt an der Corniche, von den meisten Hotels am Ostufer gehst du zu Fuß. Nach Karnak fährst du mit dem Taxi etwa zehn Minuten. Die Pferdekutschen sind eine Alternative, wenn du den Preis vorher klar vereinbarst. Am Eingang von Karnak sprechen dich Männer an, die sich als Führer anbieten. Wer einen Guide will, bucht ihn besser vorher und lässt sich nicht am Tor überreden.
Zwischen beiden Tempeln liegt an der Corniche das Luxor-Museum. Es ist klein, gut beleuchtet und zeigt Statuen und Funde aus der Region, darunter Stücke aus Karnak. An einem heißen Tag ist es die perfekte Pause zwischen dem Morgen in Karnak und dem Abend im Luxor-Tempel. Die aktuellen Öffnungszeiten prüfst du vor Ort, sie weichen von denen der Tempel ab.
Beide Anlagen sind weitgehend eben, aber der Boden besteht aus Sand, Steinplatten und Schwellen. Mit Kinderwagen oder Rollstuhl kommst du durch die Hauptachsen, abseits davon wird es holprig. Kinder finden in Karnak vor allem die riesigen Säulen und den Skarabäus spannend, die Inschriften weniger. Plane mit ihnen lieber kürzer und dafür mit Pausen im Schatten. Weitere Ideen für Familien stehen bei Ägypten mit Kindern.
Für Kleidung gilt das Übliche: leichte Stoffe, Schultern bedeckt, Hut. Die Moschee im Luxor-Tempel ist ein Gebetsort, dort sind lange Kleidung und Zurückhaltung angebracht. Fotografieren für private Zwecke ist ohne Gebühr erlaubt, Stative brauchen eine Genehmigung.
Lohnt sich das alles? Karnak auf jeden Fall, in jeder Liste der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Ägyptens steht es weit oben, die Säulenhalle gehört zu den Orten, die du in Ägypten gesehen haben solltest. Der Luxor-Tempel ist am Abend die schönere Erfahrung. Wer danach Lust auf Tempel einer späteren Epoche hat, findet sie flussaufwärts: Die ptolemäischen Bauten in Edfu und Kom Ombo sind deutlich besser erhalten, wirken aber ganz anders. Und genau gegenüber von Karnak, am Westufer, wartet der Terrassentempel der Hatschepsut.
Häufige Fragen
Für wen wurde der Karnak-Tempel gebaut?
Vor allem für Amun, den Hauptgott Thebens, der im Neuen Reich zum Reichsgott aufstieg. Seine Gattin Mut hatte einen eigenen Bezirk im Süden, ihr Sohn, der Mondgott Chons, einen Tempel innerhalb des Amun-Bezirks. Im Norden liegt der Bezirk des Kriegsgottes Month. Weil die Priester Amuns enormen Reichtum und politischen Einfluss hatten, baute fast jeder König des Neuen Reichs hier an und verewigte sich in Reliefs.
Wie alt ist der Luxor-Tempel?
Die ältesten erhaltenen Teile stammen aus der 18. Dynastie. Ein kleiner Schrein geht auf Hatschepsut zurück, der Kern des Tempels auf Amenophis III., der um 1390 bis 1352 vor Christus regierte. Damit sind die wichtigsten Bauteile rund 3400 Jahre alt. Ramses II. setzte später Hof, Pylon und Kolossalstatuen davor, die Römer bauten ein Lager um den Tempel, und im Mittelalter entstand darauf eine Moschee.
Welche Filme wurden im Karnak-Tempel gedreht?
Am bekanntesten sind „Tod auf dem Nil“ von 1978 nach Agatha Christie, in dem eine Szene zwischen den Säulen der großen Halle spielt, und der James-Bond-Film „Der Spion, der mich liebte“ von 1977. Wer die Filme kennt, erkennt die Säulenhalle sofort wieder. Für die Neuverfilmung von „Tod auf dem Nil“ aus dem Jahr 2022 wurden die Kulissen dagegen weitgehend im Studio nachgebaut.
Kann man die Sphingenallee entlanglaufen?
Die rund drei Kilometer lange Allee zwischen Luxor-Tempel und Karnak wurde freigelegt, restauriert und im November 2021 feierlich wiedereröffnet. Abschnitte sind als Fußweg begehbar, besonders schön ist der Teil direkt vor dem Luxor-Tempel, den du vom Tempelgelände aus siehst. Die ganze Strecke zu Fuß lohnt sich nur an milden Tagen, am frühen Abend und mit Wasser im Gepäck.




