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Vor einer senkrechten Felswand steigt der Tempel in drei breiten Terrassen an, mit langen Säulenhallen und einer Rampe in der Mitte. Kaum ein Bau in Ägypten wirkt so modern. Der Totentempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari ist der bekannteste Ort am Westufer neben dem Tal der Könige, und er liegt nur einen Bergrücken davon entfernt. Diese Seite erklärt, was du im Tempel siehst, was er kostet und wie du ihn mit den Memnon-Kolossen, Medinet Habu und dem Ramesseum zu einer guten Runde verbindest. Wie das Westufer in deinen gesamten Luxor-Plan passt, steht in der Übersicht zu Luxor.
Hatschepsut: die Königin, die Pharao wurde
Hatschepsut regierte laut ägyptischem Altertümerministerium etwa von 1473 bis 1458 vor Christus. Sie war Tochter eines Königs, Gattin eines Königs und wurde schließlich selbst König, mit allen Titeln und Zeichen des Amts. Ihre Regierungszeit war friedlich und reich an Bauprojekten. In Karnak ließ sie Obelisken aufstellen, und ihr eigener Totentempel war ein Prestigebau ersten Ranges.
Nach ihrem Tod regierte Thutmosis III. weiter, den sie lange in den Hintergrund gedrängt hatte. Später wurden viele ihrer Bilder und Namen getilgt, Statuen zerschlagen. Ob aus Rache oder um die Thronfolge zu ordnen, darüber streitet die Forschung. Im Tempel siehst du die Spuren davon: ausgemeißelte Gesichter, wieder zusammengesetzte Statuen, Lücken in den Inschriften.
Was du im Tempel siehst
Der Tempel heißt im Altägyptischen Djeser-djeseru, das Heiligste der Heiligen. Entworfen hat ihn laut Ministerium Senenmut, der Hofbeamte und Vertraute der Königin. Er liegt genau gegenüber von Karnak, auf derselben Achse über den Nil hinweg. Drei Ebenen führen nach oben, jede endet in einer Säulenhalle.
- Auf der mittleren Terrasse links erzählen Reliefs von der Expedition nach Punt, einem Land vermutlich in der Gegend des heutigen Eritrea. Du siehst Pfahlhäuser, Fische, Weihrauchbäume in Körben und die Königin von Punt. Die Szenen gehören zu den lebendigsten Bildern der ägyptischen Kunst.
- Rechts davon erzählt Hatschepsut, warum sie rechtmäßig König ist: Ihr eigentlicher Vater sei der Gott Amun selbst.
- An den Seiten liegen eine Kapelle für die Göttin Hathor mit Säulen in Form ihres Kopfes und eine Kapelle für Anubis, den Gott der Totenriten. Hier sind die Farben am besten erhalten.
- Auf der oberen Terrasse stehen Statuen der Königin als Osiris an den Pfeilern. Dahinter führt ein Gang in den Fels zum Heiligtum des Amun.
Achte auch auf die Szenen, in denen riesige Obelisken auf Lastkähnen über den Nil gezogen werden. Laut Ministerium zeigen sie den Transport aus dem Steinbruch nach Karnak. Den Granit dafür holten die Ägypter aus Assuan, wo heute noch ein unvollendeter Obelisk im Fels liegt. Wer später nach Assuan reist, sieht dort, wie solche Blöcke aus dem Gestein gelöst wurden.
Nimm dir für die Reliefs Zeit. Viele Besucher laufen die Rampe hinauf, schauen kurz in die obere Halle und gehen wieder. Die eigentlichen Schätze liegen aber in den Seitenhallen der mittleren Terrasse, wo du nah an die Wände kommst. Am frühen Morgen fällt das Licht flach in die Säulengänge, dann treten die feinen Linien der Bilder am deutlichsten hervor.
Neben dem Tempel siehst du die Reste eines älteren Totentempels aus dem Mittleren Reich, der Hatschepsuts Architekten als Vorbild gedient haben dürfte. Mehr als die Grundmauern sind davon kaum erhalten.
Gut zu wissen: Das Ministerium nennt auf zwei seiner Seiten verschiedene Preise für den Tempel: 440 EGP auf der Seite des Tempels, 360 EGP auf der Übersichtsseite zu Deir el-Bahari (Stand November 2026). An der Kasse gilt der aktuelle Preis. Plane mit dem höheren Betrag.
So läuft der Besuch ab
Vom Parkplatz mit Kasse und Souvenirständen fährt eine kleine Bahn bis vor den Tempel, für die du meist einen kleinen Betrag extra zahlst. Zu Fuß sind es zehn Minuten auf einer offenen Straße ohne Schatten. Vor dem Tempel gibt es eine Sicherheitskontrolle. Deir el-Bahari war 1997 Schauplatz eines schweren Anschlags, bei dem 62 Menschen starben, seither sind die Kontrollen an den Stätten sichtbar.
Im Tempel gehst du über die Rampen nach oben. Die Säulenhallen geben etwas Schatten, die Terrassen dazwischen nicht. Die Felswand hinter dir wirft die Hitze zurück, und schon ab 10 Uhr wird es unangenehm. Für den Tempel allein reicht eine Stunde. Wächter bieten an, abgesperrte Räume zu öffnen, und erwarten dafür Bakschisch. Das ist freiwillig.
Memnon-Kolosse, Medinet Habu und Ramesseum
Die Memnon-Kolosse stehen direkt an der Straße von der Fähre zu den Tempeln, zwei sitzende Riesen aus Stein, rund 18 Meter hoch. Sie zeigen Amenophis III. und standen einst vor seinem Totentempel, von dem kaum etwas übrig ist. Dort arbeitet seit Jahren eine Grabung, die immer wieder neue Statuen freilegt. Die Griechen hielten eine der Figuren für den mythischen Helden Memnon. Antike Reisende berichteten, sie habe bei Sonnenaufgang einen Ton von sich gegeben, nach einer Reparatur in römischer Zeit soll sie verstummt sein. Der Halt kostet keinen Eintritt und dauert eine Viertelstunde.
Medinet Habu, der Totentempel Ramses’ III., ist die Überraschung des Westufers. Das Ministerium nennt 230 EGP Eintritt und die Öffnungszeiten 6 bis 17 Uhr (Stand November 2026). Du gehst durch ein Torgebäude, das wie eine Festung aussieht, in Höfe mit tief eingeschnittenen Reliefs. Schlachten gegen die Seevölker, Jagdszenen, Prozessionen, an vielen Decken und Säulen noch blau, rot und gelb. Hier ist selten viel los.
Das Ramesseum, der Totentempel Ramses’ II., kostet 220 EGP. Es ist stärker zerstört, aber ein umgestürzter Koloss des Königs liegt in Stücken im Hof. Dieses Bild soll den englischen Dichter Shelley zu seinem Gedicht über die Vergänglichkeit der Macht angeregt haben. Ein guter Halt für eine halbe Stunde am späten Nachmittag.
| Stätte | Eintritt (Stand November 2026) | Zeitbedarf | Warum hin |
|---|---|---|---|
| Tempel der Hatschepsut | 440 EGP | 1 Stunde | Architektur, Punt-Reliefs |
| Memnon-Kolosse | frei | 15 Minuten | Fotostopp an der Straße |
| Medinet Habu | 230 EGP | 1 bis 1,5 Stunden | farbige Reliefs, wenig Andrang |
| Ramesseum | 220 EGP | 30 bis 45 Minuten | Ruine mit gestürztem Koloss |
Eine gute Route über das Westufer
Für den ersten Tag am Westufer bietet sich diese Reihenfolge an: um 6 Uhr ins Tal der Könige, gegen 9 Uhr zum Tempel der Hatschepsut, auf dem Rückweg kurz zu den Memnon-Kolossen. Mittags bist du zurück im Schatten. Wer nur einen halben Tag hat, lässt eines der Gräber weg, aber nicht den Tempel.
Mit einem zweiten Tag lohnt sich die ruhigere Runde: Medinet Habu am Morgen, danach das Tal der Königinnen mit Gräbern von Königinnen und Prinzen, das Arbeiterdorf Deir el-Medina mit kleinen, prächtig bemalten Gräbern der Handwerker und die Gräber der Beamten mit Szenen aus dem Alltag. Das berühmte Grab der Nefertari im Tal der Königinnen hat ein eigenes, deutlich teureres Ticket, frag den aktuellen Preis an der Kasse. Den Abschluss macht das Ramesseum im Nachmittagslicht.
Wer früh am Morgen über diese Landschaft schweben will, sieht den Tempel der Hatschepsut bei einer Ballonfahrt in Luxor von oben, oft direkt nach Sonnenaufgang. Am Ostufer gegenüber liegt das Gegenstück: der Amun-Tempel von Karnak, auf den der Tempel der Hatschepsut ausgerichtet ist.
Unser Rat: Nimm für das Westufer einen Fahrer für vier bis sechs Stunden, statt einzelne Taxis zu suchen. Den Preis vereinbarst du vorher für die ganze Runde mit Wartezeiten. Das ist entspannter und meist nicht teurer.
Kleidung, Hitze und Fotos
Leichte, lange Kleidung schützt hier besser vor der Sonne als Shorts und Top. Dazu Hut, Sonnenbrille und mindestens einen Liter Wasser, an den Ständen am Parkplatz bekommst du Nachschub. Feste Schuhe sind für Rampe und Schotter sinnvoll, im Tempel selbst ist der Boden eben. Fotografieren für private Zwecke ist ohne Gebühr erlaubt. Die besten Bilder vom ganzen Tempel machst du vom Weg vor dem Eingang, solange das Licht noch flach auf die Terrassen fällt. Welche Regeln sonst im Land gelten, vom Fotografieren von Menschen bis zur Kleidung, fassen die Ägypten Reisetipps zusammen.
Häufige Fragen
Wer war der Ehemann von Hatschepsut?
Hatschepsut war die Tochter Thutmosis’ I. und mit ihrem Halbbruder Thutmosis II. verheiratet, wie es in der Königsfamilie üblich war. Nach seinem frühen Tod übernahm sie zunächst die Regentschaft für den kleinen Thutmosis III., den Sohn einer Nebenfrau. Einige Jahre später ließ sie sich selbst zum König krönen und regierte rund fünfzehn Jahre, laut Ministerium etwa von 1473 bis 1458 vor Christus.
Wie sah Hatschepsut wirklich aus?
Das weiß niemand genau. Die frühen Darstellungen zeigen sie als Frau, später ließ sie sich mit den Zeichen des Königtums abbilden, mit Kopftuch, Schurz und Zeremonialbart, wie ein männlicher Pharao. Das war kein Verkleiden, sondern die übliche Bildsprache für das Amt. Im Tempel siehst du sie als Osiris-Statuen an den Pfeilern der oberen Terrasse, viele Gesichter wurden nach ihrem Tod beschädigt.
Lohnt sich Medinet Habu, wenn man schon Karnak gesehen hat?
Ja, gerade dann. Medinet Habu ist kleiner und viel leerer, dafür sind die Reliefs tief eingeschnitten und an vielen Stellen noch farbig. Du siehst Schlachtszenen, Prozessionen und bemalte Decken aus der Nähe, ohne dich durch Gruppen zu schieben. Für 230 EGP (Stand November 2026) ist es eine der lohnendsten Stätten in ganz Luxor.
Kann man das Westufer mit dem Fahrrad erkunden?
Im Winter ja. Am Westufer verleihen Gästehäuser und kleine Läden Fahrräder, und die Straßen zwischen Fähre, Memnon-Kolossen, Medinet Habu und Ramesseum sind flach. Zum Tempel der Hatschepsut und ins Tal der Könige geht es aber bergauf und durch offene Wüste. Ab März ist das in der Mittagshitze kaum zu empfehlen, dann nimmst du besser ein Taxi für den halben Tag.




