Glossar · Stadt und Architektur

Muqarnas: Bedeutung und Erklärung für Reisende

Muqarnas sind Gewölbe aus vielen kleinen, gestaffelten Nischen, die wie Waben oder Tropfsteine aussehen. Sie schmücken Kuppeln, Portale, Nischen und Säulenköpfe in der islamischen Architektur und leiten oft vom eckigen Raum zur runden Kuppel über. Schöne Beispiele siehst du in Marrakesch, Fès, Kairo und Anatolien.

Muqarnas: Muqarnas sind Gewölbe- und Schmuckformen aus vielen gestaffelten kleinen Nischen, die wie Waben oder Tropfsteine wirken und Kuppeln, Portale und Nischen gliedern.

Kurz erklärt

WasGewölbe aus gestaffelten kleinen Nischen
Andere NamenStalaktitengewölbe, Wabengewölbe, spanisch mocárabes
MaterialStuck, Zedernholz, Stein, Ziegel
Wo am BauKuppeln, Portale, Nischen, Gesimse, Kapitelle
BeispieleMarrakesch, Fès, Kairo, Sultanhanı
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Wer in einer marokkanischen Medersa zum ersten Mal nach oben schaut, sieht über der Tür eine Decke, die zu tropfen scheint: Hunderte kleiner Nischen, gestaffelt, verschachtelt, in Stuck oder Holz gearbeitet. Das sind Muqarnas. Die Bedeutung dieser Form ist in der islamischen Architektur kaum zu überschätzen, und doch kennen viele Reisende den Namen nicht. Diese Erklärung zeigt, was Muqarnas sind, wie sie aufgebaut sind und wo du sie in mehreren Ländern siehst. Weitere Begriffe findest du im Orient-Glossar.

Was das Wort bedeutet

Muqarnas ist ein arabisches Wort, ausgesprochen Mu-KAR-nas, mit dem harten, kehligen q. Seine Herkunft ist nicht eindeutig geklärt, manche führen es auf ein griechisches Wort für Gesims zurück. Im Deutschen spricht man auch von Stalaktitengewölbe oder Wabengewölbe, im Spanischen von mocárabes.

Gemeint ist eine Form aus vielen kleinen Elementen, jedes ein Stück einer Nische oder eines Gewölbes. Sie werden in Reihen übereinander angeordnet, und jede Reihe kragt etwas weiter vor als die darunter. So entsteht eine Fläche, die von unten wie ein dreidimensionales Muster wirkt, mal wie Waben, mal wie Tropfsteine.

Wozu Muqarnas dienen

Ursprünglich lösten Muqarnas ein Bauproblem: Wie setzt man eine runde Kuppel auf einen quadratischen Raum? Statt einer großen Ecktrompe füllten viele kleine Nischen die Zwickel und leiteten Schritt für Schritt vom Eck zum Kreis über.

Schnell wurden sie zur Schmuckform. Du findest sie heute an vielen Stellen:

  • in Kuppeln, die ganz aus Muqarnas bestehen
  • in Portalnischen über Eingängen von Moscheen, Medresen und Karawansereien
  • als Gesimse unter Dächern und Balkonen
  • an Säulenköpfen und in den Ecken von Innenhöfen
  • unter den Balkonen von Minaretten, wo sie die Galerie tragen oder zu tragen scheinen

Je nach Region ist das Material verschieden. In Marokko und Andalusien dominieren Stuck und Zedernholz, in Ägypten und Anatolien Stein, im Iran Ziegel mit glasierten Fliesen.

Wie Muqarnas entstehen

Hinter dem scheinbaren Durcheinander steckt ein strenges System. Die Handwerker arbeiten mit wenigen Grundformen, die nach einem geometrischen Plan kombiniert werden. In Stein wird jedes Element einzeln gehauen und versetzt. In Stuck schneiden sie die Formen in den noch feuchten Gips oder setzen vorgefertigte Teile ein, in Holz werden die Stücke gesägt, geschnitzt und oft bemalt. In Fès und Marrakesch arbeiten bis heute Werkstätten, die Muqarnas für Restaurierungen, Paläste und neue Bauten fertigen, und manchmal kannst du ihnen in der Medina bei der Arbeit zusehen.

Beispiele aus mehreren Ländern

In Marokko sind die Medersen die besten Orte. In Marrakesch zeigt die Medersa Ben Youssef Stuck und geschnitztes Zedernholz mit Muqarnas über Türen und an den Übergängen zur Decke, beschrieben auf der Seite Bahia-Palast und Medersa Ben Youssef. In den Saadier-Gräbern im Kasbah-Viertel tragen Säulen eine Halle mit reichem Stuckgewölbe. In der Medina von Fès gehören die Medersen Bou Inania und al-Attarine zu den feinsten Beispielen, oft kombiniert mit Wandsockeln aus Zellige.

In Ägypten trägt im islamischen Kairo das gewaltige Portal der Madrasa des Sultan Hassan eine tiefe Nische, deren oberer Abschluss aus steinernen Muqarnas besteht. Auch die Minarette der Mamluken zeigen sie unter den Balkonen, die UNESCO hebt deren fein gearbeitete Konsolen hervor. Im Inneren der Madrasa öffnen sich vier große Iwane zum Hof.

In der Türkei schmücken Muqarnas die Steinportale seldschukischer Bauten in Anatolien, etwa an der Karawanserei Sultanhanı zwischen Konya und Aksaray. In osmanischen Moscheen tauchen sie häufig an den Säulenköpfen und in den Portalnischen auf.

Außerhalb der zehn Länder dieses Portals ist die Alhambra in Granada das berühmteste Beispiel. Ihre Kuppeln aus Stuck gehören zu den aufwendigsten Muqarnas überhaupt.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

  • Ein Iwan ist eine große, zum Hof offene Halle mit einem Gewölbe. Muqarnas können seinen Bogen schmücken, sind aber selbst kein Raum.
  • Zellige sind glasierte Fliesenmosaike an Wänden und Böden. Sie stehen oft neben Muqarnas, sind aber eine Flächenkunst, keine Gewölbeform.
  • Eine Arabeske ist ein flaches Ranken- und Linienornament. Muqarnas sind dreidimensional.

Was du als Reisender davon hast

Muqarnas sind ein guter Grund, in Moscheen, Medresen und Palästen bewusst nach oben zu schauen, an Kuppeln ebenso wie an Portalen. Viele Besucher fotografieren nur Höfe und Fliesen und übersehen die Decken. Ein Tipp: Stell dich direkt unter eine Kuppel oder Portalnische und schau senkrecht nach oben. Erst dann erkennst du, wie die Reihen ineinandergreifen.

Das Licht macht viel aus. Am Vormittag fällt es in vielen Höfen seitlich ein und zeichnet jede Nische mit Schatten nach. Für Fotos lohnt ein Weitwinkel, und wer Kleidung mit bedeckten Schultern trägt, kann in den meisten Medersen ohne Diskussion hinein. In aktiven Moscheen gelten die üblichen Regeln für Besucher.

Häufige Fragen

Warum heißen Muqarnas auch Stalaktitengewölbe?

Weil viele Gewölbe von unten aussehen wie Tropfsteine in einer Höhle. Die kleinen Nischen hängen in mehreren Reihen übereinander, jede Reihe kragt ein Stück weiter vor, und an den Spitzen enden manche in herabhängenden Zapfen. Der deutsche Name beschreibt also den Eindruck, nicht die Bauweise. Wabengewölbe trifft es bei flacheren Formen besser.

Wo sieht man Muqarnas in Marokko am besten aus der Nähe?

In Marrakesch in der Medersa Ben Youssef und in den Saadier-Gräbern, in Fès in den Medersen der Altstadt wie Bou Inania und al-Attarine. Dort kommen sie aus Stuck und Zedernholz, oft über Türen, in den Ecken der Höfe und an Decken. Geh am Vormittag hin, wenn noch wenige Gruppen da sind, und nimm dir Zeit, nach oben zu schauen.

Haben Muqarnas eine Funktion, oder sind sie nur Schmuck?

Beides. Ursprünglich halfen sie, vom quadratischen Grundriss eines Raums zur runden Kuppel überzuleiten, indem sie die Ecken in kleine Schritte auflösten. Mit der Zeit wurden sie vor allem zur Schmuckform, gerade aus Stuck oder Holz tragen sie kaum Last. Sie lenken das Licht, werfen feine Schatten und lassen Portale und Kuppeln höher und leichter wirken.

Quellen und offizielle Informationen

UNESCO World Heritage Centre: Historic Cairo; Visit Morocco: Marrakech, Medina und Koutoubia.

Veröffentlicht am , zuletzt geprüft am . Preise, Zeiten und Einreiseregeln entsprechen dem Stand November 2026 und können sich ändern. Maßgeblich sind die Angaben der genannten offiziellen Stellen.