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Du stehst in einem Innenhof, und vor dir öffnet sich ein Bogen, so hoch wie ein mehrstöckiges Haus. Dahinter liegt eine Halle mit drei Wänden und einem Gewölbe, aber ohne vierte Wand. Das ist ein Iwan. Der Raum ist hell genug zum Lesen, bleibt aber schattig, und schon ein paar Schritte hinein wird es deutlich ruhiger als im Hof. Wer die Bedeutung kennt, versteht viele große Bauten im Orient schneller, weil der Iwan oft den Grundriss bestimmt. Diese Erklärung für Reisende gehört zum Orient-Glossar, dort findest du weitere Begriffe aus Stadt und Architektur.
Was ein Iwan ist
Ein Iwan ist eine offene Gewölbehalle am Innenhof. Drei Seiten sind geschlossen, die vierte öffnet sich in voller Breite mit einem großen Bogen. Oft ist die Front noch von einer rechteckigen Rahmung umgeben, die den Bogen höher wirken lässt, als er ist. Der Raum dahinter dient als Lehrsaal, Gebetsraum, Empfangsraum oder einfach als schattiger Platz.
Iwane stehen selten allein. Typisch sind zwei oder vier, die sich am Hof gegenüberliegen. Der Hof wird so zur Mitte des Gebäudes, und jeder Iwan ist ein eigener Bereich, ohne dass Türen nötig sind. Das Wort gilt als persischen Ursprungs, die Bauform hat sich über Jahrhunderte in Iran, im Irak, in Ägypten und in Anatolien verbreitet.
Aussprache und Schreibweise
Gesprochen wird es „i-WAAN“, mit langem A und der Betonung hinten. Im Deutschen ist der Plural „Iwane“, in englischen Texten liest du „iwan“ oder „ivan“, in türkischen „eyvan“. In Kairo begegnet dir außerdem das verwandte Wort Liwan. Auf Schildern in Moscheen und Museen sind meist die englischen Formen zu sehen.
Wo du Iwane siehst
Das eindrucksvollste Beispiel steht im Islamischen Kairo. Die Madrasa des Sultan Hassan wurde zwischen 1356 und 1363 gebaut. Ihr Hof wird von vier riesigen Iwanen eingefasst, in denen die vier sunnitischen Rechtsschulen unterrichtet wurden. Der Iwan in Richtung Mekka ist der größte, an seiner Rückwand liegt der Mihrab, die Gebetsnische. Hier merkst du, wie klein ein Mensch neben einem gut gebauten Bogen wirken kann. Plane für die Madrasa und die gegenüberliegende Rifai-Moschee etwa eine Stunde ein, mehr zur Stadt steht im Kairo Reiseführer.
In der Türkei findest du Iwane in Bauten der Seldschuken. In Konya, ihrer früheren Hauptstadt, öffnen sich die Höfe mehrerer Medresen zu solchen Hallen. Auch viele Karawansereien in Anatolien haben einen Iwan am Hof, in dem Händler im Sommer im Schatten saßen. Was eine Karawanserei sonst ausmacht, steht auf der eigenen Glossarseite.
In Marokko und Tunesien wirst du dagegen kaum Iwane finden. Die Medersen in Fès oder Marrakesch öffnen ihre Höfe über schmale Galerien und Holzgitter, nicht über hohe Bogenhallen. Diesen Unterschied zu kennen hilft, wenn du Bauten aus verschiedenen Ländern vergleichst. Er erklärt auch, warum sich ein Hof in Kairo so viel monumentaler anfühlt als einer in Fès.
Gut zu wissen: Iwane in aktiven Moscheen sind Gebetsräume. Zieh die Schuhe aus, bevor du den Teppich betrittst, und geh nicht vor Betenden her. Was sonst gilt, erklärt die Seite Moscheen besuchen.
Abgrenzung zu ähnlichen Bauformen
| Begriff | Was es ist | Unterschied zum Iwan |
|---|---|---|
| Iwan | hohe Gewölbehalle, eine Seite ganz offen | ein großer Bogen, tiefer Raum |
| Arkade | Reihe von Bögen auf Säulen oder Pfeilern | viele kleine Bögen, meist ein schmaler Gang |
| Riwaq | Säulenhalle rund um einen Moscheehof | umläuft den Hof, statt ihn an einer Seite zu öffnen |
| Kuppelsaal | geschlossener Raum unter einer Kuppel | nach allen Seiten geschlossen |
Die Verwechslung mit der Arkade ist die häufigste. Faustregel: Siehst du einen einzigen riesigen Bogen und dahinter einen tiefen Raum, ist es ein Iwan. Siehst du viele Bögen nebeneinander, ist es eine Arkade.
Was Reisende davon haben
Mit dem Begriff im Kopf liest du Grundrisse schneller. Du stehst im Hof, zählst die Iwane und weißt, wie das Gebäude organisiert ist und wo die Gebetsrichtung liegt. Bei Führungen kannst du gezielter nachfragen, und auf Infotafeln verstehst du, was mit „four-iwan plan“ gemeint ist.
Praktisch ist das Wissen auch an heißen Tagen. Iwane sind die kühlsten Orte in großen Höfen, und an vielen Stellen darfst du dich dort kurz setzen. In Kairo, wo es von Mai bis September mittags sehr heiß ist, ist der Schatten eines Iwans eine gute Pause zwischen zwei Moscheen.
Und schließlich erklärt der Iwan, warum viele Bauten so wirken, wie sie wirken: Die Architektur ist auf den Hof ausgerichtet, nicht auf die Straße. Von außen siehst du oft nur hohe Mauern. Die eigentliche Pracht liegt innen, im Wechsel von Licht im Hof und Schatten unter dem Gewölbe.
Häufige Fragen
Warum hat die Madrasa des Sultan Hassan in Kairo gerade vier Iwane?
Die vier Hallen am Hof stehen für die vier Rechtsschulen des sunnitischen Islam, die hier unterrichtet wurden. Jede Schule hatte ihren eigenen Iwan als Lehrraum, dahinter lagen Wohnzellen für Lehrer und Studenten. Der größte Iwan zeigt nach Mekka und enthält die Gebetsnische. Für dich als Besucher heißt das: In der Mitte des Hofs stehend siehst du alle vier Bögen gleichzeitig.
Sind Iwane im Sommer wirklich kühler als der offene Hof?
Ja, spürbar. Das hohe Gewölbe hält die Sonne ab, und die dicken Wände speichern die Kühle der Nacht. Luft zieht vom Hof in den Iwan und wieder hinaus. Darum saß man früher zum Lernen, Beten oder Empfangen genau dort. Auch heute ist der Schatten eines Iwans in der Mittagshitze der angenehmste Platz in einem großen Bau.
Ist Iwan dasselbe wie Liwan in arabischen Häusern?
Die Wörter sind verwandt, werden aber unterschiedlich benutzt. In Kairo heißt der große Iwan einer Moschee oft Liwan, gemeint ist dann meist die Halle mit der Gebetsnische. In Wohnhäusern der Levante bezeichnet Liwan einen zum Hof offenen Sitzraum. Für das Verständnis vor Ort reicht dir: Iwan und Liwan sind beide Räume mit offener Front zum Hof.



