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In der Medina von Marrakesch stehen viele historische Bauten, aber nur wenige kannst du von innen sehen. Die drei wichtigsten sind der Bahia-Palast, die Saadier-Gräber und die Medersa Ben Youssef. Sie liegen an entgegengesetzten Enden der Altstadt, öffnen unterschiedlich lange und werden zu unterschiedlichen Uhrzeiten voll. Wer die richtige Reihenfolge wählt, sieht alle drei an einem Tag, ohne lange anzustehen. Hier steht, was dich in jedem Palast und Monument erwartet, was der Eintritt kostet und wie du den Tag aufteilst.
Die drei Monumente im Vergleich
| Monument | was es ist | Lage | Zeitbedarf | Eintritt Erwachsene (Stand November 2026) |
|---|---|---|---|---|
| Bahia-Palast | Wohnpalast des 19. Jahrhunderts | südliche Medina, nahe Mellah | etwa 1 Stunde | 100 Dirham für Ausländer |
| Saadier-Gräber | Grabanlage des 16. Jahrhunderts | Kasbah, neben der Kasbah-Moschee | 30 bis 45 Minuten | 100 Dirham für Ausländer |
| Medersa Ben Youssef | Koranschule des 16. Jahrhunderts | nördliche Medina, hinter den Souks | etwa 45 Minuten | 50 Dirham für Ausländer |
Die Preise für den Bahia-Palast und die Saadier-Gräber gehen auf eine Verordnung zurück, die im Juni 2024 im Bulletin officiel erschien: 100 Dirham für ausländische Erwachsene, 50 Dirham für Kinder von 7 bis 13 Jahren, 30 Dirham für Marokkaner. Die Medersa wird vom Ministerium für Habous und islamische Angelegenheiten betrieben und hat eigene Preise: 50 Dirham für ausländische Erwachsene, 20 Dirham für Marokkaner mit Ausweis, 10 Dirham für Kinder unter 12. Bezahlt wird an der Kasse, am sichersten bar. Prüf die Preise vor Ort, sie ändern sich gelegentlich.
Bahia-Palast: Höfe, Decken und leere Räume
Der Palast entstand im späten 19. Jahrhundert für Ba Ahmed, den Großwesir des Sultans. Der Name Bahia wird oft mit „die Strahlende“ übersetzt. Gebaut wurde in Etappen, deshalb reiht sich ein Hof an den nächsten, verbunden durch Gänge und kleine Gärten mit Orangenbäumen und Bananenstauden.
Was du sehen solltest:
- den großen Ehrenhof mit Marmorboden und umlaufender Galerie, das Herz der Anlage
- die bemalten Decken aus Zedernholz in den Empfangssälen, am besten mit Blick nach oben auf jeder Schwelle
- Wände mit Zellige, den kleinen Fliesen in geometrischen Mustern, und fein geschnittenen Stuck
- den Garten im Riad-Stil mit vier Beeten und Brunnen
Die Räume sind fast leer, Möbel und Teppiche fehlen. Das irritiert manche Besucher, hilft aber beim Blick auf die Handwerkskunst. Am vollsten ist es zwischen 10 und 13 Uhr, wenn die Gruppen durch die Höfe ziehen. Komm zur Öffnung am Morgen oder am späteren Nachmittag. Öffnungszeiten sind nicht auf einer offiziellen Seite veröffentlicht, in der Regel öffnet der Palast morgens gegen 9 Uhr und schließt am späten Nachmittag.
Saadier-Gräber: klein, eindrucksvoll, oft mit Schlange
Die Saadier herrschten im 16. und frühen 17. Jahrhundert über Marokko. Ihre Grabanlage liegt versteckt neben der Kasbah-Moschee und war lange zugemauert. Erst 1917 wurde sie wieder freigelegt. Heute führt ein schmaler Gang zwischen Mauern hinein.
Im Garten liegen einfache Gräber mit bunten Fliesen, in den Kammern die der Herrscherfamilie. Der bekannteste Raum ist die Kammer mit den zwölf Säulen, mit Marmor, vergoldetem Stuck und einer Kuppel mit Muqarnas, den wabenartigen Stalaktitengewölben. Du siehst sie nur durch eine Öffnung von außen, deshalb bildet sich davor oft eine Schlange. Die Wartezeit lohnt sich, wenn du Architektur magst. Wer nur schnell schauen will, ist nach 30 Minuten fertig.
Ganz in der Nähe liegen die Ruinen des Palasts El Badi, den der Saadier-Sultan Ahmad al-Mansur ab 1578 bauen ließ. Erhalten sind vor allem Mauern, Wasserbecken und Terrassen, auf denen Störche nisten. Wenn du Zeit hast, passt El Badi zwischen Gräber und Bahia.
Gut zu wissen: Rund um die südliche Medina sprechen dich häufig Männer an, die behaupten, ein Monument sei heute geschlossen, und dir stattdessen einen anderen Weg zeigen wollen. Das stimmt fast nie. Geh einfach weiter zum Eingang.
Medersa Ben Youssef: der schönste Innenhof der Stadt
Die Medersa war eine Koranschule, in der Studenten wohnten und lernten. Laut Betreiber ließ Sultan Abdallah al-Ghalib aus der Saadier-Dynastie sie 1564 bis 1565 errichten. In 134 kleinen Zimmern, die sich um den Innenhof und auf das Obergeschoss verteilen, lebten früher die Studenten. Nach einem Besuch des Königs in der Altstadt 2017 ließ das Ministerium für Habous und islamische Angelegenheiten die Anlage restaurieren.
Das Herz ist der große Hof mit einem rechteckigen Wasserbecken. Ringsum steigen Wände mit Zellige im unteren Teil, Stuck in der Mitte und geschnitztem Zedernholz oben auf. Gegenüber dem Eingang liegt der Gebetsraum mit einer Nische, die die Richtung nach Mekka anzeigt. Über enge Treppen erreichst du die Zellen im Obergeschoss, von deren Fenstern du in den Hof hinunterblickst. Gerade dieser Wechsel zwischen weitem Hof und winzigen Räumen macht den Besuch stark.
Die Medersa ist laut Betreiber täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet, im Ramadan von 9 bis 16:30 Uhr (Stand November 2026). Weil sie länger offen hat als die meisten Monumente, passt sie gut an den späten Nachmittag, wenn das Licht weicher wird.
Die beste Reihenfolge an einem Tag
Weil die Monumente an verschiedenen Enden der Altstadt liegen, lohnt eine feste Reihenfolge. Diese hat sich bewährt:
| Uhrzeit | Monument | Hinweis |
|---|---|---|
| ab Öffnung, etwa 9 Uhr | Saadier-Gräber | vor den Gruppen da sein |
| etwa 10 Uhr | Palast El Badi, optional | gut eine Stunde |
| etwa 11 Uhr | Bahia-Palast | danach Mittag im Mellah oder am Platz |
| 13 bis 15 Uhr | Pause im Riad | Hitze und Gedränge meiden |
| ab etwa 16 Uhr | Medersa Ben Youssef | danach durch die Souks zurück |
Vom Bahia-Palast zum Jemaa el-Fna sind es zu Fuß etwa zehn Minuten, vom Platz zur Medersa durch die Souks gut 15. Auf dem Rückweg führen dich die Souks von Marrakesch fast direkt zum Platz zurück, wo der Abend beginnt. Einen vollständigen Ablauf mit allen Wegen bringt Marrakesch in drei Tagen.
Weitere Paläste und Museen in der Nähe
Wer nach den drei großen Monumenten noch Lust hat, findet in der Medina weitere Häuser mit ähnlicher Handwerkskunst, meist ruhiger und kleiner.
- Dar Si Said: ein Stadtpalast wenige Minuten vom Bahia-Palast, heute ein Museum, das sich vor allem Teppichen und Textilien aus Marokko widmet. Gut, wenn du vor dem Teppichkauf sehen willst, wie unterschiedlich die Regionen weben.
- Le Jardin Secret: ein restaurierter Palastgarten im Norden der Medina, nah an der Medersa Ben Youssef. Er zeigt einen islamischen Garten mit vier Feldern und einen exotischen Garten, dazu einen Turm mit Blick über die Dächer.
- Das Mellah: das frühere jüdische Viertel direkt neben dem Bahia-Palast. Dort stehen eine restaurierte Synagoge und ein alter Friedhof, und die Gassen sind schmaler und ruhiger als in den Souks.
Für alle Häuser gilt: Öffnungszeiten und Preise ändern sich, und nicht alle veröffentlichen sie online. Frag im Riad nach dem aktuellen Stand, bevor du losgehst. Wie diese Bauten in die Geschichte der Region passen und welche anderen Welterbestätten im Orient ähnlich gut erhalten sind, ordnet der Überblick Welterbe im Orient ein. Die Medina von Marrakesch steht dort neben Fès, Aït-Ben-Haddou und Stätten aus den Nachbarländern.
Kleidung, Fotos und praktische Tipps
Es gibt keinen strengen Dresscode, aber die Medersa ist ein religiöser Ort, und in allen drei Monumenten wirkst du mit bedeckten Schultern und Knien respektvoll. Fotografieren für private Zwecke ist in der Regel erlaubt. Die Wege sind uneben, in der Medersa sind die Treppen steil und schmal, mit Kinderwagen und Rollstuhl ist das Obergeschoss nicht erreichbar.
Nimm Bargeld in kleinen Scheinen mit, weil Kartenzahlung nicht überall funktioniert. Wasser bekommst du an Kiosken in der Nähe, in den Monumenten selbst nur selten. Toiletten sind einfach.
Wenn dir Marrakesch Lust auf mehr gemacht hat: Die Medersen und Paläste in Fès sind älter und zahlreicher, mehr dazu bei der Medina von Fès. Die Lage aller Viertel und Sehenswürdigkeiten der Stadt erklärt der Marrakesch Reiseführer.
Häufige Fragen
Was ist der Bahia-Palast?
Ein Palast aus dem späten 19. Jahrhundert, den sich der Großwesir Ba Ahmed, einer der mächtigsten Männer am Hof des Sultans, in der südlichen Medina bauen ließ. Er besteht aus vielen Höfen, Gärten und Empfangsräumen mit bemalten Decken aus Zedernholz, Stuck und Zellige. Möbel gibt es kaum, die Räume wirken leer. Die Bahia zeigt, wie eine reiche Familie damals in der Stadt wohnte.
Welches Monument lohnt sich am meisten, wenn ich nur Zeit für eines habe?
Die Medersa Ben Youssef. Sie ist geschlossen und in sich stimmig, der Innenhof mit Wasserbecken, Stuck und Holzschnitzerei wirkt in einer halben Stunde, und sie ist günstiger als die staatlichen Monumente. Der Bahia-Palast ist größer und abwechslungsreicher, aber voller. Die Saadier-Gräber sind klein und eindrucksvoll, lohnen sich aber vor allem für Architekturinteressierte, die eine Wartezeit in Kauf nehmen.
Darf man in der Medersa Ben Youssef fotografieren?
Ja, Fotografieren für private Zwecke ist üblich, auch im Innenhof und in den Zellen der Studenten im Obergeschoss. Stative und große Fotoshootings sind etwas anderes und können eine Genehmigung brauchen. Rücksicht hilft: Der Blick vom Eingang über das Becken ist die bekannteste Perspektive, dort wartet man oft kurz. Früh am Nachmittag ist es ruhiger als kurz vor Schluss.
Warum gibt es vor den Saadier-Gräbern oft eine Schlange?
Weil der Hauptraum, die Kammer mit den zwölf Säulen, nur von einer kleinen Öffnung aus zu sehen ist und immer nur wenige Menschen gleichzeitig davor stehen können. Die Wartezeit hängt fast nur von den Gruppen ab. Direkt zur Öffnung am Morgen oder am späteren Nachmittag geht es meist schnell, zwischen 10 und 13 Uhr kann es dauern.




