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Eineinhalb Stunden mit der Fähre, und Istanbul klingt plötzlich anders. Auf den Prinzeninseln gibt es keine Autos, keine Hochhäuser und kaum Lärm, dafür Holzvillen aus dem 19. Jahrhundert, Kiefernwälder und Möwen über dem Hafen. Als Tagesausflug ab Istanbul sind sie eine gute Pause zwischen Moscheen, Basaren und Straßenverkehr. Das gilt allerdings nur, wenn du den richtigen Tag wählst: An Sommerwochenenden fährt halb Istanbul mit, und dann ist von der Ruhe wenig übrig.
Neun Inseln gehören zur Gruppe, vier davon sind bewohnt und für Besucher interessant: Kınalıada, Burgazada, Heybeliada und Büyükada. Ihr Name geht auf die byzantinische Zeit zurück, als Angehörige der Herrscherfamilie in die Klöster der Inseln verbannt wurden. Wie der Ausflug in deine Istanbul-Reise passt, zeigt der Istanbul Reiseführer.
Welche Insel passt zu dir?
| Insel | Charakter | Für wen | Zeit vor Ort |
|---|---|---|---|
| Kınalıada | klein, karg, nah an der Stadt | kurze Pause, Baden | 1 bis 2 Stunden |
| Burgazada | ruhig, ein Ort am Hang | Spaziergang, Literaturfreunde | 2 Stunden |
| Heybeliada | grün, Kiefernwälder, Schulen auf den Hügeln | Wandern, Ruhe | 3 bis 4 Stunden |
| Büyükada | größte Insel, Villen, Kloster, viel Betrieb | erster Besuch | 4 bis 5 Stunden |
Kınalıada ist die erste Station der Fähre. Der Name bedeutet etwa die mit Henna Gefärbte und spielt auf die rötliche Erde an. Die Insel ist wenig bewaldet und eher ein Ort zum Baden als zum Wandern. Burgazada ist klein und beschaulich, mit einem Ortskern am Hang und dem ehemaligen Wohnhaus des Schriftstellers Sait Faik Abasıyanık, das als Museum dient.
Heybeliada, die zweitgrößte Insel, ist grüner und stiller als ihre große Nachbarin. Auf den Hügeln stehen große Schulbauten, darunter das orthodoxe Priesterseminar, das seit Jahrzehnten keine Studenten mehr ausbildet, und eine Marineschule. Die Wege durch die Kiefernwälder eignen sich gut für zwei, drei Stunden zu Fuß.
Büyükada ist die größte Insel und das klassische Ziel. Vom Hafen gehst du durch Straßen mit großen Holzvillen hinauf zum Hügel Yücetepe, auf dem das Kloster Aya Yorgi steht. Der letzte Teil des Wegs ist steil, plan für den Aufstieg vom Ort etwa 40 bis 60 Minuten ein. Oben hast du einen weiten Blick über das Marmarameer bis zur Altstadt. Auf Büyükada lebte zwischen 1929 und 1933 auch Leo Trotzki im Exil.
Unser Rat: Nimm dir nicht alle vier Inseln vor. Zwei sind an einem Tag gut zu schaffen, etwa Büyükada am Vormittag und Heybeliada auf dem Rückweg am Nachmittag. Mehr Inseln heißen vor allem mehr Zeit an den Anlegern.
Mit der Fähre auf die Inseln
Die Fähren der städtischen Linie Şehir Hatları fahren auf der europäischen Seite ab Kabataş, auf der asiatischen ab Kadıköy und Bostancı. Ab Kabataş brauchst du bis Büyükada etwa anderthalb Stunden, das Schiff hält unterwegs an allen vier Inseln. Ab Bostancı ist die Strecke viel kürzer. Daneben fahren private Gesellschaften und schnellere Seebusse, die etwas mehr kosten. Die genauen Abfahrtszeiten hängen von Wochentag und Saison ab und stehen bei der Fährlinie.
Bezahlt wird mit der Istanbulkart. Für die Inselstrecke gilt ein höherer Tarif als für die Fähre zwischen Europa und Asien, nach der Preisanpassung vom Juli 2026 lag er ab Bostancı ungefähr bei 170 Lira pro Fahrt. Lade die Karte vorher ausreichend auf, denn auf den Inseln brauchst du sie auch für die Elektrofahrzeuge. Wie das Aufladen funktioniert, erklärt der Ratgeber zu Istanbulkart und Nahverkehr.
Die Fahrt selbst ist ein Teil des Ausflugs. Ab Kabataş fährst du an der Altstadtspitze vorbei und siehst Topkapı, Hagia Sophia und die Blaue Moschee vom Wasser. Setz dich auf der Hinfahrt rechts nach draußen. Wer den Bosporus nach Norden erleben will, findet die passenden Linien bei der Bosporus-Schifffahrt.
Ohne Autos unterwegs: Fahrrad, Fußweg, Elektrofahrzeug
Auf den Inseln fahren keine privaten Autos. Die Pferdekutschen, früher das Markenzeichen, wurden 2020 abgeschafft. An ihre Stelle traten Elektrofahrzeuge der städtischen Verkehrsgesellschaft IETT. Laut IETT gibt es zwei Arten:
- Linien: Auf Büyükada verbinden mehrere Linien den Hafen mit den Wohngebieten, die Linie BA-2 fährt als Ringlinie für Besucher um die Insel. Die Fahrzeuge halten nur an den markierten Haltestellen, Erklärungen an Bord gibt es nicht. Die Ringlinie startet um 9 Uhr und fährt nach Bedarf.
- Kleine Wagen mit Taxameter: Sie bringen dich von Punkt zu Punkt, der Preis richtet sich nach der Strecke. Bezahlt wird am Ende mit der Istanbulkart, Bargeld wird nicht angenommen.
An Wochenenden bilden sich am Hafen von Büyükada lange Schlangen an den Haltestellen. Mit dem Fahrrad bist du flexibler. Verleihe gibt es nahe den Anlegern, die Straßen sind allerdings hügelig, und manche Wege sind steiler, als sie auf der Karte aussehen. Zu Fuß kommst du auf allen Inseln gut voran, solange du feste Schuhe trägst und dir nicht zu viel vornimmst.
Wann es ruhig ist
Die beste Zeit für die Inseln sind die Monate April bis Juni sowie September und Oktober, jeweils unter der Woche. Dann blühen die Gärten oder das Licht ist mild, die Fähren sind halb leer, und in den Lokalen am Hafen bekommst du ohne Warten einen Tisch. Von Juli bis August und an allen Wochenenden mit gutem Wetter ist es sehr voll. Wer dann fährt, nimmt die erste Fähre am Morgen und kommt am frühen Nachmittag zurück.
Im Winter sind die Inseln still und manchmal fast verlassen. Viele Restaurants und Pensionen schließen, einzelne Fährverbindungen fallen bei Sturm aus. Für einen Spaziergang an einem klaren Tag ist das trotzdem reizvoll, nur Baden und Sommerstimmung gibt es dann nicht. Wie das Wetter in Istanbul übers Jahr ist, steht bei der besten Reisezeit für die Türkei.
Gut zu wissen: Im Sommer herrscht in den Kiefernwäldern Brandgefahr, das Auswärtige Amt weist landesweit auf Wald- und Buschbrände in dieser Jahreszeit hin. Rauch nicht im Wald, mach kein Feuer und halte dich an Sperrungen. Laut IETT finden aus Gründen des Waldschutzes derzeit keine großen Inselrundfahrten statt.
Essen und Baden auf den Inseln
Rund um die Häfen von Büyükada und Heybeliada liegen Fischlokale, Cafés und Eisdielen. Die Preise sind höher als in den Wohnvierteln der Stadt, weil alles mit dem Schiff kommt und die Saison kurz ist. Frag beim Fisch vorher nach dem Preis pro Kilo oder pro Portion. Günstiger isst du in den kleinen Bäckereien und Imbissen in den Seitenstraßen. Was in Istanbul allgemein auf den Tisch kommt, steht bei Essen in Istanbul.
Baden kannst du von etwa Juni bis September. Die meisten Badestellen sind Strandbäder mit Liegen und Eintritt, freie Stellen sind meist steinig und klein. Ein Strandurlaub ist das nicht. Wer lange Sandstrände sucht, findet sie an den Küsten im Süden und Westen des Landes, einen Überblick gibt der Ratgeber zu den Stränden in der Türkei.
So passt der Ausflug in deine Reise
Für die Prinzeninseln brauchst du einen ganzen Tag, inklusive Hin- und Rückfahrt. Bei einem Aufenthalt von drei Tagen in Istanbul ist das meist zu viel, weil die großen Sehenswürdigkeiten der Altstadt dann zu kurz kommen. Ab vier oder fünf Tagen passt der Ausflug gut, am besten an einem Tag nach viel Stadt. Wie ein kürzerer Aufenthalt aussehen kann, zeigt der Plan für Istanbul in drei Tagen.
Pack Wasser, Sonnenschutz, eine Jacke für die Fähre und eine voll geladene Istanbulkart ein. Dann kannst du dich auf den Inseln treiben lassen, ohne dass dich am Hafen eine Schlange oder ein leerer Kartenstand aufhält.
Häufige Fragen
In welchem Meer liegen die Prinzeninseln?
Im Marmarameer, dem Binnenmeer zwischen Bosporus und Dardanellen. Die Inseln liegen vor der asiatischen Küste Istanbuls, gegenüber von Stadtteilen wie Bostancı und Maltepe, und gehören zum Bezirk Adalar. Auf Türkisch heißen sie schlicht Adalar, die Inseln. Von der Altstadt aus siehst du sie bei klarer Sicht als dunkle Hügel im Südosten.
Kann man auf den Prinzeninseln baden?
Ja, von etwa Juni bis September. Die meisten Badestellen sind Strandbäder mit Liegen, für die du Eintritt zahlst, freie Buchten sind selten und oft steinig. Die Wasserqualität ist nicht überall gleich gut. Wer vor allem baden will, findet an den Küsten der Ägäis und des Mittelmeers deutlich schönere Strände. Auf den Inseln ist das Baden eher eine angenehme Zugabe zum Ausflug.
Welche Prinzeninsel ist die schönste?
Das hängt davon ab, was du suchst. Büyükada hat die prächtigsten Holzvillen, das Kloster auf dem Hügel und die meiste Infrastruktur, ist aber am vollsten. Heybeliada ist grüner und ruhiger und eignet sich gut für Spaziergänge durch die Kiefernwälder. Burgazada ist klein und beschaulich. Für einen ersten Besuch ist Büyükada am Vormittag und Heybeliada am Nachmittag eine gute Kombination.
Gibt es auf den Prinzeninseln noch Pferdekutschen?
Nein. Die Pferdekutschen, die lange das Bild der Inseln prägten, wurden 2020 abgeschafft. Seitdem fährt die städtische Verkehrsgesellschaft IETT mit kleinen Elektrofahrzeugen. Auf Büyükada gibt es Linien für die Wohngebiete und eine Ringlinie für Besucher, dazu kleine Wagen mit Taxameter. Bezahlt wird ausschließlich mit der Istanbulkart, Bargeld nehmen die Fahrer nicht.




