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Am Jemaa el-Fna in Marrakesch sitzen sie schon am Vormittag: Frauen mit Mappen voller Muster, kleinen Spritztüten und viel Geschäftssinn. Henna begegnet dir im Orient aber nicht nur als Touristenangebot. Es ist eine alte Tradition, die zu Hochzeiten, Geburten und Festen gehört. Die folgende Erklärung für Reisende ordnet ein, welche Bedeutung das Wort hat, wie Henna wirkt, wo du ihm begegnest und worauf du achten solltest. Begriffe von der Medina bis zum Ramadan erklärt das Orient-Glossar.
Was das Wort bedeutet
Henna kommt vom arabischen hinna und bezeichnet sowohl die Pflanze als auch das Pulver und die Paste daraus. Im Türkischen heißt es Kına, im Deutschen sagt man Henna, mit Betonung auf der ersten Silbe.
Die UNESCO beschreibt den Hennastrauch als Pflanze heißer Regionen, die in Teilen Nordafrikas und des Nahen Ostens als heilig gilt. Die Blätter werden zweimal im Jahr geerntet, getrocknet und gemahlen. Das grüne Pulver wird mit Wasser und je nach Rezept mit Zitronensaft oder Tee zu einer Paste angerührt. Auf der Haut färbt sie zuerst orange, nach ein bis zwei Tagen wird das Muster rotbraun.
Wofür Henna verwendet wird
Am bekanntesten sind die Muster auf Händen und Füßen. Daneben nutzen viele Frauen Henna, um Haare zu färben oder die Fingerspitzen zu tönen. Die UNESCO nennt außerdem Anwendungen im Handwerk und in der Volksmedizin, etwa bei bestimmten Hautkrankheiten.
Der wichtigste Anlass für diesen Brauch ist die Hochzeit. In vielen Ländern gibt es eine eigene Henna-Nacht vor dem Fest, bei der die Braut mit Familie und Freundinnen feiert und kunstvoll bemalt wird. In der Türkei heißt sie Kına gecesi. Henna gilt dabei als Zeichen von Freude und Glück, die UNESCO spricht von einem Symbol der Freude. Vielerorts lassen sich Frauen auch vor den großen religiösen Festen bemalen.
Henna als UNESCO-Kulturerbe
2024 hat die UNESCO Henna mit seinen Ritualen, ästhetischen und sozialen Praktiken auf die Liste des immateriellen Kulturerbes gesetzt. Beteiligt sind 16 Staaten, darunter neun der zehn Länder auf orient-reise.de: die Emirate, Bahrain, Ägypten, Jordanien, Marokko, Oman, Katar, Saudi-Arabien und Tunesien. Die Türkei gehört nicht dazu, obwohl Henna dort bei Hochzeiten ebenfalls eine große Rolle spielt.
Beispiele aus mehreren Ländern
| Ort | Land | Was dich erwartet |
|---|---|---|
| Jemaa el-Fna | Marokko | Henna-Malerinnen auf dem Platz, Preise vorher klären |
| Medina von Fès | Marokko | kleiner Henna-Souk mit Ständen für Henna und Kosmetik |
| Wüstensafari bei Dubai | VAE | Henna-Malerei im Camp, oft im Preis enthalten |
| Nubische Dörfer bei Assuan | Ägypten | Henna als Teil von Ausflugspaketen |
| Kınalıada, Prinzeninseln | Türkei | der Inselname spielt auf Henna und die rötliche Erde an |
Am Jemaa el-Fna lohnt Vorsicht. Manche Malerinnen nehmen deine Hand und beginnen sofort, danach wird ein hoher Preis verlangt. Lehn freundlich und bestimmt ab, solange noch nichts auf der Haut ist, und mach den Preis aus, bevor die Malerin beginnt. In den Souks rund um den Platz gibt es Hennapulver auch zum Mitnehmen. Mehr über den Platz und seine Tücken steht im Reiseführer für Marrakesch.
Abgrenzung: Henna, schwarzes Henna, Tattoo
Henna ist kein Tattoo. Die Farbe sitzt nur in den oberen Hautschichten und verschwindet, wenn sich die Haut erneuert.
Schwarzes Henna ist dagegen kein echtes Henna. Es färbt sofort tiefschwarz und enthält oft chemische Zusätze, die heftige allergische Reaktionen und dauerhafte Narben auslösen können. Echtes Henna wird nie schwarz.
Auch das Henna aus der Drogerie für die Haarfarbe ist nicht immer reines Henna, oft sind andere Pflanzen oder Farbstoffe beigemischt. Für die Haut gilt: Je kürzer und natürlicher die Zutatenliste, desto besser.
Typischer Fehler: Sich am letzten Urlaubstag schnell bemalen lassen und am selben Abend in den Pool springen. Die Paste braucht einige Stunden zum Trocknen, Wasser und Seife am ersten Tag lassen das Muster blass werden.
Was Reisende davon haben
Henna ist eine der wenigen Traditionen, die du als Besucherin unkompliziert selbst erleben kannst. Wer eine Malerin in einem Kosmetikladen in der Medina oder im Souk sucht, statt auf dem Platz angesprochen zu werden, hat mehr Ruhe, kann Muster aussuchen und den Preis entspannt klären.
Bei Ausflügen ist weniger oft mehr. Die nubischen Dörfer bei Assuan werden häufig als Paket mit Kamelritt, Krokodil und Henna verkauft, das vor allem auf schnelle Fotos zielt. Wer Henna als Brauch erleben will, fragt lieber in der Unterkunft nach einer Malerin, die für Familien aus der Nachbarschaft arbeitet. Eine einfache Bemalung auf einer Hand dauert dann eine halbe Stunde, ein großes Muster für Hände und Füße deutlich länger.
Häufige Fragen
Wie lange hält eine Henna-Bemalung auf der Haut?
Meist ein bis drei Wochen. Wie lange genau, hängt von der Stelle und der Pflege ab. Auf Handflächen und Fußsohlen hält die Farbe am längsten und wird dort auch am dunkelsten, auf dem Handrücken verblasst sie schneller. Lass die Paste einige Stunden trocknen, bevor du sie abkratzt, und wasch die Stelle am ersten Tag nicht mit Seife. Häufiges Händewaschen und Schwimmen lassen das Muster schneller verblassen.
Woran erkenne ich auf dem Markt echtes Henna und woran schwarzes?
Echtes Henna ist als Paste grünbraun bis dunkelbraun, riecht nach Kräutern und färbt die Haut zuerst orange, dann rotbraun. Schwarz wird es nie. Schwarzes Henna färbt sofort tiefschwarz und enthält oft chemische Zusätze, die heftige allergische Reaktionen auslösen können. Frag nach, bevor die Malerin anfängt, und lehne ab, wenn sie dir ein schnelles, tiefschwarzes Ergebnis verspricht.
Warum gehört Henna zur Hochzeit, etwa beim türkischen Kına-Abend?
Weil Henna in vielen Ländern als Zeichen von Freude und Glück gilt. Die UNESCO nennt es ausdrücklich ein Symbol der Freude bei Geburten und Hochzeiten. In der Türkei feiern Braut und Freundinnen vor der Hochzeit den Kına-Abend, an dem die Hand der Braut gefärbt wird. In Marokko und am Golf gibt es eigene Henna-Nächte, bei denen kunstvolle Muster auf Hände und Füße gemalt werden.



