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Wer nachhaltig reisen will, fängt im Orient nicht beim Strohhalm an, sondern beim Wasser. In den meisten der zehn Länder auf diesem Portal regnet es kaum, Jordanien gehört zu den wasserärmsten Ländern der Welt, und am Golf stammt Trinkwasser zum großen Teil aus Meerwasserentsalzung, die viel Energie braucht. Dazu kommen Tiere, die für Fotos und Ausflüge eingesetzt werden, Korallenriffe, die durch Tausende Schnorchler leiden, und lange Flugstrecken. Nachhaltiger zu reisen heißt hier nicht verzichten, sondern bewusster wählen. Die folgenden Schritte kosten meist nichts und machen die Reise oft sogar besser.
Wasser: das knappste Gut der Region
In den Wüstenländern ist jede Dusche ein Thema. Früher teilten sich ganze Dörfer das Wasser über Kanäle, die im Oman als Falaj bezeichnet werden und teils bis heute fließen, etwa in Misfat al Abriyeen. Heute versorgen Pumpen, Tiefbrunnen und Entsalzungsanlagen die Hotels, und Pools, Rasenflächen und Golfplätze verbrauchen einen großen Teil davon.
- Kurz duschen statt baden, den Hahn beim Zähneputzen zudrehen.
- Handtücher und Bettwäsche nicht täglich wechseln lassen.
- Nach großen Wasserspendern oder Kanistern fragen, statt jeden Tag mehrere Einzelflaschen zu kaufen. In Ägypten trinkst du ohnehin kein Leitungswasser.
- Eine eigene Trinkflasche mitnehmen, die du am Spender im Hotel auffüllst.
- Bewässerte Gärten mitten in der Wüste nicht als selbstverständlich ansehen. Eine Oase mit traditioneller Bewässerung ist ein Lehrstück, wie man mit wenig auskommt.
Ähnlich ist es mit Strom. Klimaanlagen laufen am Golf und in Ägypten oft rund um die Uhr, auch in leeren Zimmern. Stell sie auf eine moderate Temperatur statt auf 18 Grad, schalte sie beim Verlassen aus und zieh tagsüber die Vorhänge zu. Das spart Energie, und du vermeidest den Temperaturschock, der auf Reisen häufig zu Erkältungen führt.
Tiere: hinsehen statt mitmachen
Viele Erlebnisse im Orient haben mit Tieren zu tun. Manche sind unproblematisch, andere solltest du meiden.
| Erlebnis | Wo | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Kamel- oder Dromedarritt | Merzouga, Gizeh, Wadi Rum | gesunde Tiere, Polster, Schatten, kurze Strecken |
| Esel und Pferde | Petra, Gizeh | lieber laufen oder die Elektrowagen in Petra nutzen |
| Kutschen | Marrakesch, Luxor, Petra | Zustand der Pferde, keine Fahrt in der Mittagshitze |
| Affen und Schlangen für Fotos | Jemaa el-Fna in Marrakesch | kein Geld geben, kein Foto |
| Falken auf dem Arm | Märkte und Wüstencamps am Golf | nur bei seriösen Vorführungen |
| Meeresschildkröten | Ras al Jinz im Oman | nur mit Guide, kein Licht, kein Blitz |
Besonders klar ist die Lage am Platz Jemaa el-Fna: Berberaffen gelten laut der Weltnaturschutzunion IUCN als stark gefährdet, trotzdem stehen sie hier an kurzen Leinen für Fotos bereit. Tierschutzorganisationen kritisieren auch den Umgang mit den Schlangen. In Petra fahren Elektrowagen vom Visitor Center zum Schatzhaus, eine gute Alternative zu Esel und Kutsche, wenn du schlecht zu Fuß bist. Am Strand von Ras al Jinz siehst du Grüne Meeresschildkröten bei der Eiablage nur auf geführten Touren, und Taschenlampe und Blitz bleiben aus.
Riffe und Meer: nur schauen
Das Rote Meer gehört zu den schönsten Tauchrevieren der Welt, und genau deshalb sind seine Riffe unter Druck. Tritt nie auf Korallen, auch nicht mit Flossen, fass nichts an, füttere keine Fische und nimm keine Muscheln oder Korallen mit. Wer unsicher schwimmt, nimmt eine Schwimmweste statt sich am Riff festzuhalten. Ein Sonnenschutz ohne die für Korallen schädlichen Filter und ein UV-Shirt helfen dem Riff und dir. In Jordanien steht das Aqaba Marine Reserve seit 2026 auf der Welterbeliste. Mehr zu Revieren und Regeln steht bei Tauchen und Schnorcheln im Orient.
Schutzgebiete haben Regeln, die dem Meer helfen: Die Daymaniyat-Inseln vor Muscat darfst du nur von November bis April betreten, mit Genehmigung der Umweltbehörde, im Sommer brüten dort Vögel und Schildkröten. Bei Bootstouren zu Delfinen gilt: Ein guter Anbieter fährt langsam, jagt die Tiere nicht und lässt niemanden ins Wasser springen, um sie anzufassen.
Flüge und Wege: seltener, länger, direkt
Der Flug ist bei fast jeder Orient-Reise der größte Posten der Klimabilanz. Was du tun kannst: lieber einmal zwei Wochen als dreimal ein langes Wochenende, Direktflüge statt Umsteigen, und vor Ort Bahn, Bus oder Sammeltaxi statt Inlandsflug, wo es sicher und sinnvoll ist. Nach Tunesien fliegst du ab Frankfurt nur rund 2,5 Stunden, nach Marokko gut 4, nach Dubai etwa 6, die Übersicht steht bei Flugzeiten in den Orient.
Am Boden hat jedes Land eigene Möglichkeiten. In Marokko verbindet die Bahn die Königsstädte, in der Türkei Fernbusse und Schnellzüge, zwischen Dubai und Abu Dhabi fährt seit Herbst 2026 der Zug von Etihad Rail. In Ägypten rät das Auswärtige Amt dagegen, lange Bahnfahrten möglichst zu meiden, dort sind Inlandsflug oder Nilschiff die bessere Wahl. Wer mehrere Länder verbinden will, findet Routen über Land bei Orient-Länder kombinieren.
Ein Nebeneffekt der aktuellen Lage am Golf: Das Auswärtige Amt warnt dort vor kurzfristigen Luftraumsperrungen und Flugausfällen, auch beim Umsteigen. Ein Direktflug ist damit nicht nur klimafreundlicher, sondern derzeit auch planbarer.
Anbieter, bei denen das Geld vor Ort bleibt
Der wichtigste Hebel liegt bei der Wahl, mit wem du unterwegs bist. Im Wadi Rum fährst du ohnehin mit einem Fahrer aus dem Ort ins Schutzgebiet, und Camps, die von Familien aus Rum geführt werden, lassen mehr Geld in der Region als Pakete von außen. Im Dana Biosphere Reserve sind alle Wege der Naturschutzorganisation RSCN geführt, der Preis enthält Eintritt und Führer und finanziert das Schutzgebiet mit. Im Oman übernachtest du in den Bergdörfern in restaurierten Lehmhäusern, die oft Familien aus dem Ort betreiben.
- Lizenzierte Anbieter wählen, bei Wüsten- und Bootstouren besonders.
- Kleine Gruppen bevorzugen, sie belasten Wege und Dörfer weniger.
- Lokale Guides buchen, sie erklären mehr und verdienen direkt.
- Handwerk dort kaufen, wo es hergestellt wird, nicht im Souvenirladen am Hotel.
Typischer Fehler: Mit dem eigenen Geländewagen quer durch die Dünen fahren. Spuren bleiben lange sichtbar, Pflanzen und Tiere leiden, und ohne Ortskenntnis wird es schnell gefährlich. Fahr nur auf vorhandenen Pisten oder mit Fahrer.
Müll, Kultur und Respekt
In der Wüste und in den Bergen nimmst du alles wieder mit, was du hinträgst, auch Taschentücher und Zigarettenstummel. Wildcampen ist im Oman erlaubt, mit klaren Regeln. In einem Wadi schlägst du nie dein Zelt auf, weil es sich bei Regen in Minuten füllen kann. Nachhaltig ist auch, Kultur ernst zu nehmen: Kleidung, die Schultern und Knie bedeckt, Fotos von Menschen nur mit Einverständnis, Rücksicht im Ramadan. Weitere Hintergründe und Listen sammelt das Reisemagazin.
Häufige Fragen
Wie spare ich auf einer Orient-Reise Wasser?
Mit kleinen Gewohnheiten: kurz duschen statt baden, Handtücher und Bettwäsche nicht täglich wechseln lassen und im Hotel nach großen Wasserspendern statt vieler Einzelflaschen fragen. In Ländern wie Ägypten, in denen du Leitungswasser nicht trinkst, sind große Kanister im Zimmer die bessere Wahl. Pools und bewässerte Gärten verbrauchen viel, ein Hotel mit Wassersparhinweisen ist meist ein gutes Zeichen.
Ist ein Kamelritt in der Wüste tierfreundlich?
Das hängt vom Anbieter ab. Ein kurzer Ritt mit gut genährten Tieren, Sattel mit Polster, Schatten und Wasser in den Pausen ist für Dromedare keine Qual, sie sind dafür gezüchtet. Schau dir die Tiere vor dem Aufsteigen an: offene Wunden, sichtbar abgemagerte Tiere oder Schläge sind ein Grund, abzulehnen. Am Erg Chebbi, in Gizeh und im Wadi Rum lohnt der Blick besonders.
Wie reise ich im Orient ohne Inlandsflug?
In Marokko verbindet die Bahn Marrakesch, Casablanca, Rabat, Fès und Tanger, zwischen Tanger und Casablanca fährt der Hochgeschwindigkeitszug Al Boraq. In der Türkei sind Fernbusse und Schnellzüge gut ausgebaut, in Tunesien fahren Züge und Sammeltaxis entlang der Küste. In Ägypten ist der Inlandsflug für lange Strecken dagegen die sicherere Wahl, das Auswärtige Amt rät, lange Bahnfahrten möglichst zu meiden.



