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Izmir überrascht viele, die nur Ruinen oder Hotelstrände erwarten. Die drittgrößte Stadt der Türkei liegt um eine lange Bucht der Ägäis, mit einer Promenade, auf der abends halb Izmir spazieren geht, und einem der größten Basare des Landes. Die Stadt wirkt offen und alltäglich, kaum jemand versucht dir etwas zu verkaufen. Für Reisende ist sie vor allem eine gute Basis: Kordon, Basar und Ausflüge an die Ägäis lassen sich in wenigen Tagen verbinden.
Izmir hieß in der Antike Smyrna. Von der alten Stadt ist nicht viel übrig, weil Erdbeben und ein großer Brand 1922 weite Teile zerstörten. Was du heute siehst, ist überwiegend modern, mit einigen alten Inseln dazwischen. Dieser Izmir Reiseführer sortiert die Stadt nach Vierteln und zeigt, welche Ausflüge sich lohnen. Wie die Ägäis in eine Reise durch das Land passt, steht beim Türkei Urlaub.
Kordon und Konak: die Stadt am Wasser
Der Kordon ist die Uferpromenade, die vom Konak-Platz nach Norden bis nach Alsancak führt. Auf breiten Rasenstreifen sitzen am Abend Familien, Studenten und Paare, der Sonnenuntergang über der Bucht ist der Höhepunkt des Tages. Hinter der Promenade liegen Cafés, Restaurants und Bars. Fahrradwege und Leihräder machen die Strecke auch auf zwei Rädern bequem.
Am Konak-Platz steht der Uhrturm von 1901, das Wahrzeichen der Stadt, daneben die kleine, mit Kacheln verkleidete Konak-Moschee. Von hier fahren Fähren über die Bucht nach Karşıyaka und zu anderen Anlegern. Die Überfahrt kostet wenig und ist der schönste Weg, die Stadt vom Wasser aus zu sehen.
Ein paar Kilometer südlich im Viertel Karataş steht der Asansör, ein Aufzug von 1907, der Bewohner einst den steilen Hang hinauftrug. Oben gibt es ein Café mit Blick über die Bucht. Die Straße unten erinnert an die jüdische Geschichte der Stadt, deren Synagogen noch im Basarviertel stehen.
Kemeraltı: der Basar
Gleich hinter dem Konak-Platz beginnt Kemeraltı, ein Gewirr aus Gassen, Läden, Werkstätten, Moscheen und Teehäusern. Anders als manche Basare in Istanbul ist Kemeraltı kein Ort nur für Touristen, sondern der Einkaufsort der Stadt: Hier kaufen Einheimische Stoffe, Küchengeräte, Gewürze und Brautkleider. Wie man auf einem Bazar einkauft, gilt hier ebenso, viele Läden haben aber feste Preise.
Mitten im Basar liegt der Kızlarağası Hanı von 1744, ein zweistöckiges Handelshaus um einen Innenhof, wie es früher Händler und Reisende nutzten, ähnlich einer Karawanserei. Im Hof gibt es Kaffee, oben Läden mit Kunsthandwerk. In der Nähe stehen die Hisar-Moschee, die größte der Altstadt, und mehrere historische Synagogen.
Unser Rat: Geh vormittags in den Basar, solange die Läden gerade öffnen und es kühler ist. Mittags isst du in einer der einfachen Lokantas, wo die Gerichte in der Vitrine stehen, und am Nachmittag gehst du zum Kordon.
Agora und Kadifekale: das antike Smyrna
Die Agora von Smyrna liegt etwas oberhalb von Kemeraltı. Der Marktplatz wurde nach einem schweren Erdbeben im 2. Jahrhundert unter Kaiser Mark Aurel wieder aufgebaut. Gut erhalten sind die Gewölbe unter der Basilika, durch die noch Wasser fließt. Der Eintritt ist gering, ein Besuch dauert etwa eine Stunde.
Auf dem Hügel darüber thront die Burg Kadifekale. Von ihren Mauern siehst du die ganze Bucht, zum Sonnenuntergang ist der Blick am schönsten. Hinauf fährst du mit dem Bus oder Taxi, der Fußweg führt durch einfache Wohnviertel.
Essen und Abende in Izmir
Izmir isst anders als Istanbul. Der Tag beginnt mit Boyoz, einem flachen Gebäck aus Blätterteig, das auf die Küche der sephardischen Juden der Stadt zurückgeht, dazu ein hart gekochtes Ei und Tee. Gevrek heißt hier der Sesamring, den anderswo alle Simit nennen, und wer den falschen Namen benutzt, wird freundlich korrigiert. Mittags gibt es Kumru, ein Sandwich mit Käse und Wurst, oder Izmir Köfte aus dem Ofen. Am Abend spielen Fisch, Meeresfrüchte und Gerichte mit Wildkräutern und Olivenöl die Hauptrolle, oft in einer Meyhane mit vielen kleinen Vorspeisen. Mehr dazu steht im Ratgeber Essen in der Türkei.
Ausgehen kannst du vor allem in Alsancak. In den Gassen hinter dem Kordon reihen sich Bars, Kneipen und Musiklokale, am Wochenende bis spät in die Nacht. Viele Lokale haben Terrassen zur Straße, an warmen Abenden sind sie bis Mitternacht voll, und auch unter der Woche ist viel los.
Ausflüge an die Ägäis
Izmir ist der praktischste Ausgangspunkt für die nördliche Ägäis. Die wichtigsten Ziele:
| Ziel | Entfernung | Anreise | Lohnt für |
|---|---|---|---|
| Ephesus und Selçuk | gut 70 km südlich | Regionalzug nach Selçuk, rund 1 bis 1,5 Stunden | antike Stadt, Hanghäuser |
| Çeşme und Alaçatı | rund 80 km westlich | Bus, etwa 1 bis 1,5 Stunden | Strände, Windsurfen, Steinhäuser |
| Pergamon (Bergama) | rund 100 km nördlich | Bus, etwa 2 Stunden | Akropolis, Asklepieion |
| Şirince | oberhalb von Selçuk | mit Ephesus kombinieren | Dorf, Obstweine |
Ephesus ist der Klassiker und mit dem Zug gut ohne Auto machbar. Çeşme ist der Badeort der Izmirer, mit klarem, aber oft kühlem Wasser und dem Strand von Ilıca. Im benachbarten Alaçatı stehen restaurierte Steinhäuser mit Boutiquen und Restaurants, die Bucht ist wegen des Windes ein Zentrum für Windsurfer. Pergamon, heute Bergama, ist seit 2014 Welterbe, mit der Akropolis hoch über der Stadt und dem antiken Heilzentrum Asklepieion. Der berühmte Altar steht allerdings in Berlin.
Weiter im Landesinneren liegt Pamukkale mit Kalkterrassen und der Ruinenstadt Hierapolis, etwa drei bis vier Stunden entfernt. Richtung Süden erreichst du Bodrum in ungefähr drei Stunden.
Unterwegs, Unterkunft und Reisezeit
Vom Flughafen Adnan Menderes, rund 18 Kilometer südlich, fährt die Vorortbahn İZBAN in die Stadt, dazu Busse und Taxis. In der Stadt fahren Metro, Straßenbahn und Fähren, bezahlt wird mit der aufladbaren İzmirim Kart. Für Ausflüge nach Çeşme und Pergamon fahren Fernbusse vom großen Busbahnhof.
Zum Wohnen eignen sich Alsancak und die Gegend am Kordon. Dort bist du zu Fuß an der Promenade, in Bars und Restaurants und in einer Viertelstunde in Kemeraltı.
Im Sommer wird es in Izmir sehr heiß, oft über 35 Grad, ein Seewind am Nachmittag bringt etwas Erleichterung. Angenehmer sind April bis Juni und September bis Oktober. Im Winter ist es mild und regnerisch, die Stadt bleibt aber lebendig. Den Vergleich der Monate zeigt die beste Reisezeit für die Türkei. Wer Izmir in eine größere Route einbauen will, findet sie bei der Türkei Rundreise. Und wer von hier nach Norden weiterfährt, erreicht über Çanakkale die Ausgrabung von Troja.
Häufige Fragen
Für welches Essen ist Izmir bekannt?
Izmir hat seine eigene Straßenküche. Typisch sind Boyoz, ein flaches Blätterteiggebäck, das man morgens mit einem hart gekochten Ei isst, und Gevrek, der hiesige Sesamring. Kumru ist ein Sandwich mit Käse und Wurst im Sesambrötchen, Izmir Köfte ein Ofengericht mit Fleischbällchen, Kartoffeln und Tomaten. Dazu kommen viele Gerichte mit Wildkräutern und Olivenöl, die die Küche der Ägäis ausmachen.
Ist Izmir eine Reise wert?
Als Stadt für sich eher für zwei bis drei Tage, als Basis für die Ägäis unbedingt. Große Sehenswürdigkeiten wie in Istanbul gibt es nicht, dafür eine entspannte, offene Atmosphäre, gutes Essen und die Promenade am Wasser. Der eigentliche Vorteil ist die Lage: Ephesus, Pergamon, Çeşme und die Weinorte im Hinterland erreichst du ohne lange Fahrten.
Wo ist es in Izmir am schönsten?
Am Kordon zum Sonnenuntergang, wenn die Menschen auf dem Rasen am Wasser sitzen. Tagsüber lohnen die Gassen von Kemeraltı mit dem Innenhof des Kızlarağası Hanı, abends die Bars in Alsancak. Den besten Blick über Stadt und Bucht hast du vom Aufzug in Karataş und von der Burg Kadifekale oben auf dem Hügel.



