Glossar · Stadt und Architektur

Windturm: Bedeutung und Erklärung für Reisende

Ein Windturm, am Golf Barjeel genannt, ist ein eckiger Aufbau auf dem Dach traditioneller Häuser, der Wind einfängt und nach unten in die Räume leitet. So wurden Häuser vor der Klimaanlage gekühlt. Die bekanntesten siehst du im Viertel Al Fahidi in Dubai.

Windturm: Ein Windturm (Barjeel, persisch Badgir) ist ein offener Dachaufbau, der Wind einfängt und zur natürlichen Kühlung in die Räume darunter lenkt.

Kurz erklärt

Wasoffener Dachaufbau zur natürlichen Kühlung
NamenBarjeel am Golf, Badgir im Persischen, Malqaf in Ägypten
PrinzipWind nach unten, warme Luft nach oben
Wo sehenAl Fahidi und Al Shindagha in Dubai, Muharraq
ModernMasdar City in Abu Dhabi
Nicht verwechselnWindkraftanlage, Minarett
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Zwischen den Hochhäusern von Dubai stehen am Creek ein paar niedrige Lehmhäuser mit eckigen Türmen auf dem Dach. Sie sehen aus wie kleine Glockentürme ohne Glocke. Die Bedeutung dieser Windtürme ist praktisch: Sie waren die Klimaanlage einer Zeit, in der es keinen Strom gab. Diese Erklärung für Reisende zeigt, wie ein Windturm funktioniert, wo du ihn siehst und was ihn von anderen Türmen unterscheidet. Alle Begriffe findest du im Orient-Glossar.

Was das Wort bedeutet

Windturm ist die deutsche Übersetzung mehrerer Begriffe. Am Golf heißt der Turm Barjeel oder Barjil, ausgesprochen Bar-DSCHIL. Im Persischen nennt man ihn Badgir, Windfänger. In Ägypten gibt es eine verwandte Form, den Malqaf, der meist nur zu einer Seite offen ist und in Richtung des vorherrschenden Windes zeigt.

Das Prinzip kam vermutlich über Händler aus Persien an die arabische Golfküste. In Dubai erinnert das Viertel Al Fahidi daran, das früher nach Bastak benannt war, einer Gegend im Süden Irans, aus der viele Kaufleute stammten.

Wie ein Windturm funktioniert

Ein klassischer Barjeel ist ein quadratischer Turm, der einige Meter über das Dach ragt. Er ist nach allen vier Seiten offen, innen teilen zwei diagonale Wände den Schacht in vier Kanäle. Weht Wind, gleich aus welcher Richtung, fängt eine Öffnung ihn ein und drückt die Luft nach unten in den Raum. Auf der windabgewandten Seite entsteht ein Sog, über den warme Luft aus dem Haus nach oben abzieht.

Das Ergebnis ist ein ständiger Luftzug, der die gefühlte Temperatur deutlich senkt. Diese Kühlung funktioniert umso besser, je stärker der Wind weht, an windstillen Sommertagen bringt der Turm wenig. Deshalb zogen viele Familien in den heißesten Monaten früher in Sommerhäuser aus Palmwedeln, die Barasti-Hütten, an der Küste oder in die Oasen im Landesinneren. Oft lag direkt unter dem Turm der Raum, in dem man tagsüber saß oder schlief. Manche Häuser hatten darunter feuchte Tücher oder Wasserbecken, um die Luft zusätzlich zu kühlen. Zusammen mit dicken Mauern aus Korallenstein und Gips, kleinen Fenstern und schattigen Innenhöfen blieben die Häuser so auch im Sommer bewohnbar.

Beispiele aus mehreren Ländern

In Dubai ist Al Fahidi das beste Ziel. Visit Dubai beschreibt das Viertel als restaurierte Altstadt mit Windturmhäusern, Galerien und Museen. Die Gassen sind frei zugänglich, und in einigen Häusern spürst du den Luftzug von oben. Weiter nördlich an der Mündung des Creeks zeigt das Al Shindagha Museum weitere historische Häuser. Wie du beides mit einer Abra-Fahrt verbindest, steht beim Dubai Creek.

In Bahrain stehen in der Altstadt von Muharraq restaurierte Kaufmannshäuser aus der Zeit des Perlenhandels, einige davon mit Windturm. Wie die Stadt zur Zeit des Perlenhandels funktionierte, zeigt der Perlenpfad in Muharraq. Auch in der restaurierten Altstadt von Sharjah sind einzelne Barjeel zu sehen.

In Ägypten findest du den Malqaf in alten Häusern des islamischen Kairo. Der Architekt Hassan Fathy hat ihn im 20. Jahrhundert für Lehmbauten wieder aufgegriffen, etwa im Dorf Neu-Gurna bei Luxor. Am stärksten verbreitet sind Windtürme im Iran, wo ganze Altstädte wie Yazd davon geprägt sind.

Moderne Architekten greifen die Idee wieder auf. In Masdar City bei Abu Dhabi steht ein moderner Windturm, der Luft in einen Platz leitet und dort die Temperatur senken soll. Auch viele Neubauten in Dubai zitieren die Form als Dekoration, oft ohne dass der Turm noch kühlt.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

  • Ein Windturm ist kein Minarett. Das Minarett gehört zur Moschee und dient dem Gebetsruf, der Windturm sitzt auf einem Wohnhaus und kühlt.
  • Im heutigen Deutsch meint Windturm manchmal auch eine Windkraftanlage. Damit hat der Barjeel nichts zu tun, er erzeugt keinen Strom.
  • Die Mashrabiya arbeitet ebenfalls mit Luft und Schatten, aber an der Fassade. Am Golf war der Windturm wichtiger, am Roten Meer und in Kairo das Holzgitter.

Was du als Reisender davon hast

Ein Rundgang durch Al Fahidi ist eine der wenigen Gelegenheiten in Dubai, das alte Leben am Golf zu sehen, und er kostet nichts. Geh am Vormittag oder ab dem späten Nachmittag, mittags ist es in den Gassen im Sommer kaum auszuhalten. Viele Häuser haben einen Majlis, einen Empfangsraum für Gäste, in dem traditionell Kaffee und Datteln gereicht wurden.

Für Fotos sind die Türme am schönsten in der tiefen Sonne, wenn ihre Öffnungen Schatten werfen. Und wenn dir in einem der Häuser jemand den Unterschied zwischen kühler Luft vom Turm und dem Gebläse der Klimaanlage zeigt, merkst du, wie gut das alte System funktionierte.

Häufige Fragen

Wie funktioniert ein Barjeel auf den Häusern in Dubai ohne Strom?

Der Turm ist an mehreren Seiten offen, innen teilen Wände den Schacht in Kanäle. Weht Wind, drückt er Luft in die Öffnung auf der Windseite nach unten in den Raum. Auf der windabgewandten Seite entsteht ein Sog, der warme Luft aus dem Haus nach oben zieht. So entsteht ein ständiger Luftzug. Kühl wie eine Klimaanlage wird es nicht, aber deutlich angenehmer als ohne.

Kann man heute noch in einem Haus mit Windturm stehen und den Luftzug spüren?

Ja, in Al Fahidi in Dubai sind mehrere restaurierte Häuser als Museen, Galerien oder Cafés geöffnet. Wenn du dort unter einem Windturm stehst, spürst du bei Wind den Zug von oben. Am besten klappt das an einem Tag mit Seewind, meist am Nachmittag. Auch im Al Shindagha Museum am Creek kannst du historische Häuser mit Windtürmen besichtigen.

Gibt es Windtürme auch außerhalb der Emirate?

Ja. In Bahrain stehen in Muharraq restaurierte Häuser mit Windturm, in Ägypten heißt die verwandte Form Malqaf und findet sich in alten Kairoer Häusern. Der ägyptische Architekt Hassan Fathy hat sie im 20. Jahrhundert in Lehmbauten wiederbelebt. Besonders verbreitet sind Windtürme im Iran, etwa in Yazd, von wo das Prinzip über Händler an den Golf kam.

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Quellen und offizielle Informationen

Visit Dubai: Al Fahidi Historical Neighbourhood.

Veröffentlicht am , zuletzt geprüft am . Preise, Zeiten und Einreiseregeln entsprechen dem Stand November 2026 und können sich ändern. Maßgeblich sind die Angaben der genannten offiziellen Stellen.