Glossar · Religion und Feste

Mihrab: Bedeutung und Erklärung für Reisende

Der Mihrab ist die Nische in der Wand einer Moschee, die die Gebetsrichtung nach Mekka anzeigt. Vor ihm steht beim gemeinsamen Gebet der Imam, alle Reihen richten sich danach aus. Gleich daneben steht meist der Minbar, die Kanzel für die Freitagspredigt.

Mihrab: Der Mihrab ist eine Nische in der Qibla-Wand einer Moschee. Er zeigt die Richtung zur Kaaba in Mekka an, nach der sich Muslime beim Gebet ausrichten.

Kurz erklärt

WasGebetsnische in der Wand der Moschee
Zeigtdie Qibla, die Richtung nach Mekka
Davorder Imam beim gemeinsamen Gebet
Danebender Minbar, die Kanzel
Türkischmihrap
Für Besuchernicht betreten, nicht hineinstellen für Fotos
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Wer zum ersten Mal den Gebetsraum einer großen Moschee betritt, schaut meist zuerst nach oben in die Kuppel. Viel wichtiger für das, was dort geschieht, ist aber eine Nische in der Wand gegenüber dem Eingang: der Mihrab. Diese Erklärung für Reisende zeigt dir seine Bedeutung, die Begriffe rund um die Gebetsrichtung und wo du besonders schöne Beispiele siehst. Die Grundbegriffe des Gebäudes erklärt das Stichwort Moschee, alle anderen Begriffe findest du im Orient-Glossar.

Was Mihrab bedeutet

Der Mihrab ist eine Nische, meist halbrund und oben mit einem Bogen abgeschlossen, in der sogenannten Qibla-Wand der Moschee. Qibla heißt die Gebetsrichtung: Muslime beten weltweit in Richtung der Kaaba in Mekka. Der Mihrab macht diese Richtung sichtbar, damit sich die Reihen der Betenden richtig ausrichten. Beim gemeinsamen Gebet steht der Imam vor dem Mihrab, die Gläubigen in Reihen hinter ihm.

Der Mihrab ist weder Altar noch heiliger Gegenstand. Er wird nicht angebetet, es liegt nichts darin, und es wird dort nichts dargebracht. Er ist ein Wegweiser. Gerade weil er der Blickpunkt des Raums ist, wurde er über Jahrhunderte besonders reich gestaltet, mit Marmor, Fliesen, Mosaiken, Stuck und Kalligrafie mit Koranversen.

Aussprache und verwandte Begriffe

Gesprochen wird es „MIH-rab“, mit Betonung auf der ersten Silbe und einem gehauchten h. Im Türkischen heißt die Nische mihrap.

Begriff Was es ist Wo im Raum
Mihrab Gebetsnische, zeigt die Richtung nach Mekka Mitte der Qibla-Wand
Qibla die Gebetsrichtung selbst Ausrichtung des ganzen Raums
Minbar Kanzel mit Treppe für die Freitagspredigt rechts neben dem Mihrab
Kaaba würfelförmiges Heiligtum in Mekka Ziel der Gebetsrichtung

Vom Minbar aus hält der Prediger am Freitag die Predigt zur Dschumua, dem wöchentlichen Gemeinschaftsgebet. Viele Gebetsteppiche zeigen übrigens eine stilisierte Nische als Muster, die Spitze legt man beim Beten in Richtung Mekka.

Woran du den Mihrab in jeder Moschee erkennst

Auch in kleinen Dorfmoscheen findest du die Nische schnell. Drei Hinweise helfen:

  • Sie liegt fast immer in der Wand gegenüber dem Haupteingang oder dem Hof, mittig.
  • Rechts daneben steht die Treppe des Minbar, oft aus Holz oder Marmor.
  • Die Linien im Teppich oder die Reihen der Gebetsteppiche laufen parallel zu dieser Wand.

Die Qibla-Wand zeigt je nach Land in eine andere Himmelsrichtung. In Istanbul und Amman liegt Mekka etwa im Süden bis Südosten, in Marokko im Osten, in Tunesien im Osten bis Südosten, in Muscat und Dubai im Westen bis Südwesten. Wer das weiß, kann sich in Altstädten sogar ein wenig daran orientieren.

Beispiele, die du als Besucher sehen kannst

  • Istanbul: In der Hagia Sophia siehst du von der Besuchergalerie hinunter auf Mihrab und Kanzel. Weil der Bau als byzantinische Kirche errichtet wurde und nicht nach Mekka ausgerichtet war, sitzt der Mihrab leicht schräg in der Apsis. Auch die Reihen der Gebetsteppiche verlaufen deshalb nicht parallel zu den Wänden.
  • Muscat: In der Großen Sultan-Qaboos-Moschee ist der Mihrab reich verziert und der Blickfang des Gebetssaals, auf den sich alle Reihen ausrichten.
  • Kairouan: Die Große Moschee wurde im 9. Jahrhundert neu gebaut und gilt laut UNESCO als Vorbild für viele Moscheen im Maghreb. Den Gebetssaal betreten Nichtmuslime nicht, durch die geöffneten Holztüren erkennst du hinten aber mit etwas Glück die Gebetsnische. Mehr bei Kairouan.
  • Fujairah: Die kleine Al-Bidya-Moschee an der Ostküste der Emirate hat innen einen schlichten Mihrab. Sie zeigt, dass die Nische auch ohne Schmuck ihre Aufgabe erfüllt.
  • Manama: In der Al-Fateh-Moschee erklären Guides bei Führungen den Gebetssaal, die Gebetsnische und die Kalligrafie an den Wänden.

Abgrenzung zu ähnlichen Bauteilen

Der Mihrab wird gern mit dem Iwan verwechselt, einer großen, zu einem Hof offenen Halle mit Bogen, die in persischer und osmanischer Architektur vorkommt. Ein Iwan ist ein Raum, der Mihrab eine Nische in der Wand. Auch die Nischen in Koranschulen oder Palästen, etwa in Marokko, sind nicht automatisch Gebetsnischen. Das Minarett wiederum ist der Turm außen, von dem der Gebetsruf kommt.

Was du als Reisender davon hast

Wer den Mihrab erkennt, versteht den Raum: wo vorn ist, wohin alle schauen und warum die Teppichreihen manchmal schräg laufen. Für deinen Besuch gelten einfache Regeln. Stell dich nicht in die Nische und nicht auf den Minbar, auch nicht für ein Foto. Lauf nicht zwischen Betenden und Mihrab hindurch, wenn gerade jemand betet. Fotografieren aus respektvollem Abstand ist in den großen Besuchermoscheen meist erlaubt, Blitz dagegen oft nicht. Und wer im Hotelzimmer einen kleinen Pfeil an der Decke entdeckt: Er zeigt dieselbe Richtung an wie der Mihrab in der Moschee nebenan.

Häufige Fragen

Wie heißt die Kanzel neben dem Mihrab in der Moschee?

Die Kanzel heißt Minbar, auf Türkisch minber. Sie steht rechts neben dem Mihrab und ist eine Treppe mit einer kleinen Plattform, oft mit einem Türmchen darüber. Von dort hält der Prediger am Freitag die Predigt, die Khutba. Für Besucher ist der Minbar tabu.

Warum ist der Mihrab für Muslime so wichtig?

Weil er die Gebetsrichtung festlegt. Muslime beten weltweit in Richtung der Kaaba in Mekka, und der Mihrab macht diese Richtung in jeder Moschee sichtbar. Er ist kein heiliger Gegenstand und wird nicht angebetet, sondern ein Wegweiser. Gerade deshalb wurde er über Jahrhunderte besonders kunstvoll gestaltet, mit Marmor, Fliesen, Mosaiken und Koranversen.

Wie finde ich im Hotelzimmer am Golf die Richtung nach Mekka?

In vielen Hotels in den Golfstaaten, in Ägypten und der Türkei zeigt ein kleiner Pfeil an der Decke, im Schrank oder in der Nachttischschublade die Qibla an. Manchmal liegt dort auch ein Gebetsteppich bereit. Fehlt der Pfeil, hilft die Rezeption oder eine Kompass-App. Für Nichtmuslime ist das vor allem eine kleine Erklärung für das rätselhafte Symbol über dem Bett.

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Quellen und offizielle Informationen

UNESCO World Heritage Centre: Kairouan.

Veröffentlicht am , zuletzt geprüft am . Preise, Zeiten und Einreiseregeln entsprechen dem Stand November 2026 und können sich ändern. Maßgeblich sind die Angaben der genannten offiziellen Stellen.