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Bursa ist keine Stadt, die sich auf den ersten Blick erschließt. Wer über die Autobahn hineinfährt, sieht Industrie, Wohnblocks und viel Verkehr. Das alte Zentrum dagegen erzählt, wie das Osmanische Reich angefangen hat. Hier stehen die Gräber von Osman, dem Namensgeber der Dynastie, und seinem Sohn Orhan, hier bauten die ersten Sultane ihre Moscheen, Bäder und Handelshöfe. Darüber erhebt sich der Uludağ, der Hausberg, an dessen Hang die Stadt liegt. Bursa ist damit eines der lohnendsten Ziele für alle, die Istanbul schon kennen und die osmanische Geschichte von ihrem Anfang her sehen wollen.
Die Osmanen eroberten die damals byzantinische Stadt 1326 und machten sie zu ihrer ersten osmanischen Hauptstadt. Später übernahmen Edirne und schließlich Istanbul diese Rolle, die Sultane ließen sich aber noch lange in Bursa begraben. Die UNESCO hat 2014 acht Teile von Bursa und dem Dorf Cumalıkızık als Welterbe eingetragen, weitere Stätten dieser Art stellt die Seite Welterbe im Orient vor. Für den Überblick über das ganze Land hilft dir der Türkei-Reiseführer.
Große Moschee und Altstadt
Mittelpunkt der Altstadt ist die Ulu Cami, die Große Moschee, gebaut um 1400 unter Sultan Bayezid I. Statt einer großen Kuppel trägt sie zwanzig kleine, auf Pfeilern in vier Reihen. Unter der mittleren Öffnung steht ein Reinigungsbrunnen mitten im Gebetsraum, was in osmanischen Moscheen selten ist. An Wänden und Pfeilern hängen große Tafeln mit Kalligrafie. Du kannst die Moschee außerhalb der Gebetszeiten besuchen, Schultern und Knie bedeckt, Frauen mit Tuch. Wie ein Besuch respektvoll abläuft, erklärt der Ratgeber Moscheen besuchen.
Gleich unterhalb beginnt das Basarviertel, das die UNESCO als Hanlar-Bezirk zum Welterbe zählt. Hier liegen alte Handelshöfe, überdachte Gassen und der Kapalı Çarşı, der gedeckte Markt. Das Prinzip eines Bazar mit seinen Hallen und Höfen siehst du hier noch gut: Jede Gasse hat ihre Waren, von Messern über Stoffe bis zu Handtüchern, für die Bursa bekannt ist.
Koza Han: der Seidenbasar
Der schönste Handelshof ist der Koza Han aus dem späten 15. Jahrhundert. „Koza“ heißt Kokon. Über Jahrhunderte wurden hier die Kokons der Seidenraupen gehandelt, und Bursa war eine der wichtigsten Stationen für Seide zwischen Asien und Europa. Heute verkaufen im zweistöckigen Hof Händler Seidentücher, Schals und Krawatten. In der Mitte steht eine kleine Moschee auf Säulen, darum herum sitzen Menschen unter Bäumen im Teegarten.
Gut zu wissen: Nicht alles, was hier als Seide verkauft wird, ist reine Seide. Echte Seide fühlt sich kühl an, knittert leicht und ist deutlich teurer als Viskose. Frag direkt nach dem Material und kauf lieber in einem Laden, der dir die Unterschiede zeigt.
Im Frühsommer findet im Hof traditionell der Kokonmarkt statt, bei dem Bauern aus der Region ihre Ernte verkaufen. Den genauen Termin erfährst du vor Ort, er hängt von der Ernte ab.
Grüne Moschee, Sultansgräber und Muradiye
Im Osten der Altstadt liegt der Yeşil-Komplex aus dem frühen 15. Jahrhundert, gestiftet von Sultan Mehmed I. Die Yeşil Cami, die Grüne Moschee, ist innen mit türkis- und grünglasierten Fliesen ausgekleidet, die fein bemalte Sultansloge über dem Eingang gehört zum Schönsten der frühen osmanischen Kunst. Gegenüber auf der Anhöhe steht das Yeşil Türbe, das Grabmal des Sultans, außen ganz in Türkis gefliest. Die ehemalige Medrese des Komplexes zeigt heute ein Museum für türkisch-islamische Kunst.
Auf dem Hügel Tophane über der Altstadt liegen die Gräber von Osman Gazi und Orhan Gazi. Die Bauten sind nach einem Erdbeben im 19. Jahrhundert erneuert worden, für viele türkische Besucher ist der Ort trotzdem ein Pilgerziel. Daneben steht ein Uhrturm, von der Terrasse hast du einen weiten Blick über die Stadt.
Etwas weiter westlich liegt der Muradiye-Komplex von Sultan Murad II. mit Moschee und einem Garten voller Grabbauten von Prinzen und Familienmitgliedern. Hier ist es meist ruhiger als im Zentrum.
| Ort | Was du siehst | Zeit |
|---|---|---|
| Ulu Cami | zwanzig Kuppeln, Brunnen, Kalligrafie | 30 Minuten |
| Hanlar-Bezirk und Koza Han | Basar, Seide, Teegarten | 1 bis 2 Stunden |
| Yeşil Cami und Yeşil Türbe | Fliesen, Sultansloge, Grabmal | 1 Stunde |
| Tophane mit Osman- und Orhan-Grab | Gräber, Aussicht | 45 Minuten |
| Muradiye | Grabbauten im Garten | 1 Stunde |
Cumalıkızık: das Dorf am Berg
Rund zehn Kilometer östlich der Stadt liegt Cumalıkızık, ein Dorf mit Holz- und Fachwerkhäusern, Kopfsteinpflaster und kleinen Plätzen. Es gehörte früher zu einer Stiftung, deren Einnahmen den Orhan-Komplex in Bursa finanzierten, deshalb zählt es zum Welterbe. Heute wohnen hier noch Menschen, viele Häuser sind aber zu Frühstückslokalen und Läden für Marmelade, Nudeln und Handarbeit geworden. Am Wochenende ist es voll mit Tagesgästen, unter der Woche am Vormittag hast du die Gassen fast für dich. Wer Safranbolu mag, wird hier eine kleinere, dörfliche Verwandte finden.
Uludağ und die Seilbahn
Der Uludağ ist mit gut 2.500 Metern der höchste Berg im Westen Anatoliens. In der Antike hieß er Mysischer Olymp. Am Stadtrand in Teferrüç startet eine Kabinenseilbahn, die in mehreren Abschnitten über rund neun Kilometer bis zur Hotelzone hinauf führt. Unterwegs schwebst du über Kastanien- und Kiefernwälder, oben ist es auch im Sommer frisch.
Im Winter ist der Uludağ eines der bekanntesten Skigebiete des Landes, mit Hotels, Liften und Verleih. Im Sommer kommen die Menschen zum Picknick, Wandern und für die kühle Luft. Bei Nebel siehst du oben wenig, schau vor der Fahrt auf die Webcam oder den Wetterbericht. Nimm in jedem Fall eine Jacke mit.
Thermalbäder, Essen und Karagöz
Im Stadtteil Çekirge sprudeln seit der Antike heiße Quellen. Mehrere historische Bäder und viele Hotels nutzen das Wasser. Wer einen Hammam mit Thermalwasser ausprobieren will, findet hier ältere Bäder mit getrennten Bereichen für Frauen und Männer.
Bursa ist die Heimat des İskender Kebap: dünne Scheiben vom Drehspieß auf Fladenbrotwürfeln, mit Tomatensoße, Joghurt und heißer Butter, die am Tisch darüber gegossen wird. Die Stadt nimmt das sehr ernst, und es gibt Lokale, die sich auf die Erfindung berufen. Probier außerdem Kestane Şekeri, kandierte Maronen aus den Wäldern des Uludağ, und Pideli Köfte. Mehr zur Küche des Landes steht unter Essen in der Türkei.
Karagöz und Hacivat, die zwei Figuren des türkischen Schattentheaters, sollen der Überlieferung nach aus Bursa stammen. Das ist eine Legende, aber die Stadt pflegt sie mit einem kleinen Museum und Figuren aus bemaltem Leder, die du in vielen Läden findest.
Anreise ab Istanbul und wie lange bleiben
Die schönste Anreise führt übers Wasser. Schnellfähren fahren aus Istanbul, unter anderem ab Yenikapı, über das Marmarameer zu den Häfen bei Mudanya, die Überfahrt dauert ungefähr eineinhalb bis zwei Stunden. Von dort bringen dich Busse in rund einer halben Stunde bis Stunde ins Zentrum. Fernbusse fahren über die Brücke an der Bucht von Izmit und brauchen je nach Verkehr zweieinhalb bis drei Stunden. Mit dem Auto gilt dasselbe, auf der Strecke zahlst du Maut, siehe Mietwagen in der Türkei. Eine Schnellbahn nach Bursa ist angekündigt, ob sie bei deiner Reise schon regulär fährt, prüfst du bei der Staatsbahn TCDD.
Ein Tag reicht für die Altstadt mit Ulu Cami, Koza Han und Grüner Moschee. Mit Seilbahn, Cumalıkızık und einem Bad in Çekirge planst du zwei Tage. Als Etappe passt Bursa auf eine Türkei Rundreise von Istanbul Richtung Ägäis oder nach Inneranatolien. Wer im Winter kommt, kann Stadt und Skitag verbinden.
Ehrlich gesagt: Wer nur Strand und Nachtleben sucht, verpasst in Bursa nichts. Wer aber in Istanbul die großen Moscheen gesehen hat und wissen will, wie die osmanische Baukunst davor aussah, findet hier die Antwort in kompakter Form.
Häufige Fragen
Gehört Bursa zu Istanbul?
Nein. Bursa ist eine eigene Großstadt und Hauptort der gleichnamigen Provinz, sie liegt südlich des Marmarameers, Istanbul nördlich davon. Dazwischen liegen das Meer und die Bucht von Izmit. Bursa gehört zu den größten Städten der Türkei und ist ein wichtiger Standort für Industrie, vor allem für Autos und Textilien. Für Istanbul-Besucher ist es ein Ausflug, kein Stadtteil.
Wofür ist Bursa in der Türkei bekannt?
Für die frühe osmanische Geschichte mit den Gräbern von Osman und Orhan, für Seide und den Koza Han, für die Thermalquellen in Çekirge und für den Uludağ mit Skigebiet. Kulinarisch steht Bursa für İskender Kebap und kandierte Maronen. Außerdem gilt die Stadt als Heimat des Schattentheaters Karagöz, dessen Figuren du in Souvenirläden überall siehst.
Lohnt sich Bursa als Tagesausflug ab Istanbul?
Möglich ist es, aber der Tag wird lang. Mit Hin- und Rückfahrt bist du fünf bis sechs Stunden unterwegs und siehst in der Stadt nur die Große Moschee, den Basar und die Grüne Moschee. Wer den Uludağ oder Cumalıkızık dazunehmen will, bleibt eine Nacht. Organisierte Tagestouren ab Istanbul nehmen dir die Anreise ab, haben aber feste Zeiten.
Kann man auf dem Uludağ Ski fahren?
Ja, der Uludağ ist eines der bekanntesten Skigebiete der Türkei. Die Saison läuft je nach Schnee etwa von Dezember bis März. Die Hotels liegen in einer eigenen Zone auf rund 1.800 bis 1.900 Metern, dort gibt es Lifte und Verleih. An Wochenenden und in den türkischen Winterferien ist es sehr voll, unter der Woche deutlich entspannter.




