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Der Philae-Tempel ist einer der wenigen Tempel in Ägypten, zu denen du mit dem Boot fährst, und schon das macht den Besuch besonders. Die Anlage der Göttin Isis steht auf einer kleinen Insel im Stausee südlich von Assuan, umgeben von Granitfelsen und Wasser. Was du heute siehst, ist allerdings nicht mehr der ursprüngliche Ort: Der ganze Tempel wurde vor rund 50 Jahren Stein für Stein auf die Nachbarinsel Agilkia versetzt. Diese Seite erklärt, wie Boot, Eintritt und Lichtshow funktionieren, in welcher Reihenfolge du durch die Anlage gehst und was sich an den Wänden zu entdecken lohnt. Die übrigen Ziele der Stadt sortiert der Reiseführer zu Assuan.
Boot und Ticket: so läuft die Anfahrt
Mit dem Taxi oder einer gebuchten Tour fährst du von der Stadt nach Süden zur Anlegestelle bei Shellal, je nach Hotel 15 bis 30 Minuten. Von der Corniche im Zentrum geht es dabei durch Wohnviertel und am alten Damm vorbei. An der Anlegestelle kaufst du zuerst die Tickets an der Kasse, erst danach handelst du mit den Bootsleuten die Bootsfahrt aus.
Das Boot ist nicht im Ticket enthalten. Gezahlt wird pro Boot für Hin- und Rückfahrt mit Wartezeit, nicht pro Person. Wer allein kommt, teilt sich mit anderen Besuchern ein Boot, das senkt den Preis deutlich. Klär vor dem Einsteigen drei Dinge: den Gesamtpreis, ob er für beide Richtungen gilt und wie lange das Boot auf dich wartet. Gezahlt wird erst bei der Rückkehr. Eine kleine Summe als Bakschisch für den Bootsführer ist danach üblich, aber kein Teil des vereinbarten Preises.
| Posten | Preis (Stand November 2026) | Hinweis |
|---|---|---|
| Eintritt Philae | 550 EGP | Studierende mit Ausweis 275 EGP |
| Motorboot | Verhandlungssache | pro Boot, hin und zurück mit Wartezeit |
| Taxi Stadt bis Anlegestelle | Festpreis vorher vereinbaren | oder per Fahrdienst-App |
| Licht- und Tonschau | eigenes Ticket | Boot oft extra, beim Anbieter prüfen |
Die Preise für das Ticket nennt das Ministerium für Tourismus und Altertümer. Nimm eine Kreditkarte mit, an vielen Kassen der großen Stätten geht Kartenzahlung. Nimm für Boot und Taxi trotzdem Bargeld in kleinen Scheinen mit. Was solche Posten auf einer ganzen Reise summieren, rechnet Was kostet Ägypten? vor.
Typischer Fehler: Das Boot vor dem Ticket bezahlen oder einen Preis „pro Person“ akzeptieren, ohne die Rückfahrt zu klären. Am Ende stehst du dann mit einem zweiten Betrag für die Wartezeit da.
Der Rundgang über die Insel
Das Boot legt an der Südspitze an. Von dort gehst du einen langen Vorplatz mit Säulengängen entlang auf den großen Eingang zu. Diese Reihenfolge hat sich bewährt:
- Kiosk des Nektanebos I.: der älteste erhaltene Bau auf der Insel, aus dem 4. Jahrhundert vor Christus, gleich am Anleger.
- Vorhof mit Säulengängen: links und rechts Kolonnaden mit Kapitellen in unterschiedlichen Pflanzenformen, kein Kapitell gleicht genau dem anderen.
- Erster Pylon: das hohe Tor mit zwei Türmen. Auf der Fassade erschlägt Ptolemaios XII. seine Feinde vor Isis und Horus, eine typische Siegerpose.
- Geburtshaus im Innenhof: ein kleiner Tempel, in dem die Geburt des Horus gefeiert wurde, mit Reliefs von Isis, die ihren Sohn im Papyrusdickicht stillt.
- Zweiter Pylon, Säulensaal und Allerheiligstes: Im Säulensaal sind an der Decke noch Farbreste erhalten. Ganz hinten liegt der dunkle Raum, in dem das Kultbild der Isis stand.
- Hadrianstor und Hathor-Tempel im Westen und Osten der Anlage, zum Schluss der Kiosk des Trajan am Ufer.
Für den Weg vom Anleger bis zum Kiosk des Trajan brauchst du ohne Hast eineinhalb Stunden. Die Insel ist klein und weitgehend eben, auf Steinplatten und Sand kommst du mit festen Schuhen gut voran. Schatten bieten nur die Säulengänge und das Innere des Tempels.
Was du an den Wänden entdeckst
Philae ist kein Tempel der Pharaonenzeit im engeren Sinn. Fast alles, was steht, entstand unter den Ptolemäern und den römischen Kaisern, also in den letzten Jahrhunderten vor und den ersten nach Christus. Die Herrscher ließen sich trotzdem wie Pharaonen darstellen, mit Krone und Opfergaben vor den Göttern.
Spannend sind die späteren Spuren. Im Säulensaal sind in die Wände Kreuze eingeritzt: Nach dem Ende des Isis-Kults wurde ein Teil des Tempels als Kirche genutzt, und viele Gesichter der Götterfiguren wurden damals abgeschlagen. Im Durchgang des ersten Pylons haben sich Soldaten der französischen Expedition von 1799 mit einer Inschrift verewigt, an anderen Stellen findest du Namen von Reisenden aus dem 19. Jahrhundert, eingemeißelt in die Steine. Und am Hadrianstor zeigt ein Relief, wie man sich die Quelle des Nils vorstellte: ein Gott in einer Höhle unter Felsen, umringt von einer Schlange, der Wasser aus Krügen gießt.
Der Kiosk des Trajan am Ostufer ist das bekannteste Fotomotiv. Die offene Halle mit 14 Säulen hatte nie ein Steindach. Am schönsten siehst du sie vom Boot aus auf der Rückfahrt, wenn das Wasser ruhig ist.
Die Versetzung auf Agilkia
Als die Briten Anfang des 20. Jahrhunderts den ersten Damm bei Assuan bauten, stieg das Wasser hinter der Mauer, und die Insel Philae stand fortan einen großen Teil des Jahres unter Wasser. Besucher ruderten jahrzehntelang zwischen den Säulen hindurch. Mit dem Hochdamm in den 1960er Jahren drohte der Tempel ganz zu verschwinden, denn die Insel lag nun dauerhaft zwischen beiden Dämmen im wechselnden Wasser.
Im Rahmen der Rettungskampagne der UNESCO, die von 1960 bis 1980 lief, wurde zuerst ein Damm um die alte Insel gezogen und das Wasser abgepumpt. Danach zerlegten Fachleute die Bauten in Zehntausende Blöcke, nummerierten sie und setzten sie auf der rund 500 Meter entfernten Insel Agilkia wieder zusammen. Agilkia war vorher so umgestaltet worden, dass Form und Ausrichtung der alten Insel nachgebildet wurden. Seit 1980 ist der Tempel dort zugänglich. Er gehört zum Welterbe „Nubische Denkmäler von Abu Simbel bis Philae“, zusammen mit den Felsentempeln von Abu Simbel, die im selben Programm versetzt wurden.
Beste Zeit und Wetter
Komm um 7 Uhr zur Öffnung. Die ersten Kreuzfahrtgruppen treffen meist ab dem mittleren Vormittag ein, dann wird es vor dem Geburtshaus und im Säulensaal eng. Das Morgenlicht fällt außerdem flach auf die Säulengänge und lässt die Reliefs am Pylon plastisch wirken. Der späte Nachmittag ist die zweite gute Zeit, aber der letzte Einlass liegt vor 16 Uhr, und das Boot braucht seine Zeit.
Assuan ist von Mai bis September extrem heiß, mittags auf der Insel fast unerträglich. Von November bis März ist es tagsüber angenehm warm, morgens auf dem Wasser kann es frisch sein. Monat für Monat erklärt es die beste Reisezeit für Ägypten. Nimm Wasser, Hut und Sonnencreme mit, im Boot sitzt du ohne Schatten.
Unser Rat: Lass dir vom Bootsführer auf der Rückfahrt einmal um die Insel fahren. Von der Westseite siehst du die Anlage im Ganzen, mit dem Kiosk des Trajan vor dem Pylon, und das kostet meist nur ein paar Minuten mehr.
Die Lichtshow am Abend
Abends läuft auf Philae eine Licht- und Tonschau. Du fährst im Dunkeln mit dem Boot hinüber, gehst durch den Vorhof und siehst den Tempel in wechselndem farbigem Licht, dazu kommt eine Erzählung über Isis und Osiris vom Band. Die Show hat ein eigenes Ticket, und je nach Anbieter ist das Boot inklusive oder nicht. Die Vorstellungen laufen in wechselnden Sprachen, nicht jeden Abend in der, die du verstehst. Prüf Termin und Sprache vorher im Hotel oder beim Veranstalter.
Ehrlich gesagt: Die Show ersetzt den Besuch am Tag nicht. Die Reliefs und Farben erkennst du im Scheinwerferlicht kaum, und der Text ist eher pathetisch. Die Fahrt über das nächtliche Wasser und der angestrahlte Pylon haben trotzdem ihren Reiz, besonders, wenn du die Anlage am Vormittag schon gesehen hast.
Wie Philae in deine Reise passt
Philae liegt am südlichen Ende der klassischen Route am Nil. Viele besuchen es am ersten oder letzten Tag einer Nilkreuzfahrt, oft im Eiltempo mit der ganzen Gruppe. Wer selbst plant, nimmt sich einen ruhigen Morgen dafür und hängt den Hochdamm und den Unvollendeten Obelisken an. Wer nach Philae mehr Tempel aus derselben Epoche sehen will, findet sie flussabwärts in Edfu und Kom Ombo. Wo Philae unter den großen Stätten des Landes steht, ordnet die Auswahl der Ägypten Sehenswürdigkeiten ein.
Häufige Fragen
Warum steht der Philae-Tempel nicht mehr auf seiner ursprünglichen Insel?
Schon nach dem Bau des alten Damms Anfang des 20. Jahrhunderts stand die Insel Philae einen Großteil des Jahres teilweise unter Wasser. Mit dem Hochdamm drohte sie dauerhaft zu verschwinden. Im Rahmen der internationalen Rettungskampagne der UNESCO wurde die Anlage deshalb zerlegt und auf der höher gelegenen Nachbarinsel Agilkia wieder aufgebaut, die man der alten Insel angeglichen hatte. Seit 1980 kannst du den Tempel dort besuchen.
Wem war der Tempel auf Philae geweiht?
Der Göttin Isis, der Gattin des Osiris und Mutter des Horus. Sie galt als Schutzherrin der Familie, als Zauberkundige und Herrin über Leben und Tod, ihr Kult verbreitete sich bis nach Rom. Neben dem großen Isis-Tempel stehen auf der Insel kleinere Heiligtümer, unter anderem für Hathor, und das Geburtshaus, in dem die Geburt des Horus gefeiert wurde.
Lohnt sich die Licht- und Tonschau auf Philae?
Für einen zweiten Besuch ja, als Ersatz für den Tagesbesuch nicht. Du fährst im Dunkeln mit dem Boot hinüber, gehst durch den angestrahlten Tempel und hörst dazu eine Erzählung vom Band. Die Stimmung auf dem Wasser ist schön, die Reliefs siehst du dabei aber kaum. Die Show hat ein eigenes Ticket, Sprachen und Termine wechseln. Frag im Hotel oder beim Anbieter, wann eine Vorstellung auf Deutsch oder Englisch läuft.
Wie lange dauert ein Besuch auf Philae?
Für den Tempel selbst reichen eineinhalb Stunden, mit etwas Muße zwei. Dazu kommen jeweils rund zehn Minuten Überfahrt und die Fahrt von der Stadt zur Anlegestelle, je nach Hotel 15 bis 30 Minuten. Insgesamt solltest du einen halben Vormittag einplanen. Wer Philae mit dem Hochdamm und dem Unvollendeten Obelisken verbindet, ist bis zum frühen Nachmittag unterwegs.




