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Pergamon war einmal eine Königsstadt, die mit Alexandria um die beste Bibliothek der Welt konkurrierte. Heute heißt der Ort Bergama, eine Kreisstadt mit Teppichläden, Teehäusern und einer Altstadt am Fuß eines Burgbergs. Oben auf diesem Berg liegt die Akropolis mit Tempeln, Palästen und einem Theater, dessen Ränge so steil am Hang kleben, dass vielen beim Hinunterschauen schwindelig wird. Unten in der Ebene liegen das Asklepieion, ein antikes Heilzentrum, und die Rote Halle aus Ziegeln.
Seit 2014 steht Pergamon mit seiner mehrschichtigen Kulturlandschaft auf der Welterbeliste der UNESCO. Wie die Stätte zu den übrigen Zielen im Land passt, zeigt der Türkei Urlaub. Wichtig für die Planung: Anders als in Ephesus läufst du hier nicht einen einzigen Rundweg ab, sondern fährst zwischen drei Orten hin und her. Das kostet Zeit, dafür triffst du deutlich weniger Gruppen.
Kurz zur Geschichte: die Könige von Pergamon
Groß wurde die Stadt unter den Attaliden. Philetairos begründete die Dynastie im Jahr 281 vor Christus, unter seinen Nachfolgern Attalos I. und Eumenes II. wurde Pergamon zu einer der bedeutendsten Städte der griechischen Welt. Nach einem Sieg über die Galater ließen die Könige den großen Altar für Zeus und Athena bauen. Sein Fries zeigt den Kampf der Götter gegen die Giganten, und die Zeitgenossen verstanden die Botschaft: Pergamon als Schutzmacht gegen die Barbaren.
Attalos III. vermachte sein Reich 133 vor Christus testamentarisch an Rom. Unter den Römern wuchs die Stadt weiter in die Ebene, es entstanden der Trajantempel auf der Akropolis und die Rote Halle. Laut Kulturministerium umfasste die Bibliothek rund 200.000 Schriftrollen. Der Überlieferung nach förderte die Konkurrenz mit Alexandria die Herstellung von beschriebenen Tierhäuten, und tatsächlich steckt der Name Pergamon im deutschen Wort Pergament. Ob Ägypten damals wirklich die Ausfuhr von Papyrus sperrte, wie antike Autoren erzählen, gilt als Legende.
Die Akropolis: Theater, Trajantempel und Altar
Die Akropolis ist der wichtigste Teil des Besuchs. Plane mindestens zwei Stunden ein. Vom Eingang gehst du durch die Reste der Königspaläste zum Trajantempel, dessen weiße Säulen auf einer künstlichen Terrasse stehen. Darunter siehst du die Gewölbe, mit denen die Baumeister den Steilhang abgestützt haben. Gleich daneben lag die Bibliothek, angebunden an das Heiligtum der Athena.
Dann kommt der Moment, wegen dem die meisten anreisen: Das hellenistische Theater fasste laut Ministerium etwa 10.000 Menschen und ist direkt in den Westhang gebaut. Die Ränge fallen steil zur Terrasse ab, unten öffnet sich der Blick über die Ebene und den Stausee. Das Bühnenhaus war aus Holz und wurde nach Aufführungen abgebaut, deshalb fehlt hier die steinerne Bühnenwand, die du aus römischen Theatern kennst. Steig nur mit festen Schuhen hinunter, die Stufen sind hoch und abgetreten.
Vom Altar ist auf der Akropolis nur das Fundament geblieben, ein von Kiefern umstandenes Rechteck auf einer Terrasse unterhalb des Theaters. Die Reliefs stehen in Berlin. Wer den Altar mit eigenen Augen sehen will, muss die Wiedereröffnung des Pergamonmuseums abwarten, das wegen Sanierung geschlossen ist. In Bergama erklärt eine Tafel am Fundament, wie der Bau einmal aussah.
Unser Rat: Fahr morgens zuerst auf die Akropolis. Dort oben gibt es fast keinen Schatten, und um die Mittagszeit strahlen die hellen Steine die Hitze zurück. Das Asklepieion in der Ebene liegt teilweise unter Bäumen und passt besser in den Nachmittag.
Seilbahn oder Straße hinauf?
Zwischen der Unterstadt und der Akropolis liegen mehrere hundert Höhenmeter. Zu Fuß ist das ein steiler, sonniger Aufstieg, den sich im Sommer nur wenige antun. Die Seilbahn von Bergama fährt von einer Talstation am Rand der Altstadt in wenigen Minuten bis kurz unter den Eingang. Sie wird getrennt vom Eintritt bezahlt, den aktuellen Fahrpreis siehst du an der Talstation.
Mit dem Auto fährst du über eine kurvige Straße bis zum oberen Parkplatz. Das ist praktisch, wenn du anschließend direkt zum Asklepieion weiterwillst. Tagesausflügler aus Izmir kommen meist mit Bussen, die bis oben fahren, gegen Mittag wird es am Eingang deshalb voller. Wie du an der Ägäis ohne Stress Auto fährst, steht unter Mietwagen in der Türkei.
Das Asklepieion: Kurort der Antike
Das Asklepieion liegt am anderen Ende der Stadt. Der Zufahrtsweg führt an einem Militärgelände vorbei, dort gilt Fotografierverbot. Das Heiligtum des Heilgottes Asklepios war in der Römerzeit ein berühmtes Kurzentrum. Kranke kamen über eine überdachte heilige Straße, die Via Tecta, die laut Ministerium rund einen Kilometer lang war und am Ende in einen Säulengang mit Prunktor mündete.
Behandelt wurde mit Wasser aus heiligen Quellen, mit Schlamm, Fasten, Musik und dem Rauschen von Wasser. Im Schlaf sollten die Patienten Träume empfangen, die Priester dann deuteten. Die Grundmauern der Schlafräume liegen an der Westseite nahe den Quellen. Pergamon war die Heimatstadt des Arztes Galen, der später in Rom praktizierte und dessen Schriften die Medizin bis in die Neuzeit prägten. Ein kleines Theater mit etwa 3500 Plätzen schließt sich an den großen Hof an.
Für das Asklepieion reicht eine Stunde. Der Eintritt beträgt Stand November 2026 laut Ministerium 13 Euro, Kinder unter acht Jahren sind frei.
Rote Halle, Museum und Altstadt von Bergama
Mitten in der Unterstadt steht die Rote Halle, auf Türkisch Kızıl Avlu. Der riesige Ziegelbau aus dem 2. Jahrhundert nach Christus war vermutlich ägyptischen Göttern wie Serapis und Isis geweiht. Später wurde daraus eine Kirche, die als eine der sieben frühen Gemeinden Kleinasiens gilt, die in der Offenbarung des Johannes genannt werden. In einem der runden Seitentürme ist heute eine kleine Moschee eingerichtet.
Das Museum von Bergama an der Hauptstraße zeigt Keramik, Öllampen, Münzen und Skulpturen aus den Grabungen, dazu eine volkskundliche Abteilung mit Trachten und Teppichen. Wenn du nach der Akropolis noch Energie hast, rundet es den Tag ab, weil du hier die Stücke siehst, die oben fehlen. In der Altstadt zwischen Roter Halle und Museum lohnt eine Pause in einem Teegarten. Die Gassen am Hang mit alten Steinhäusern sind ruhig und wenig touristisch.
Pergamon oder Ephesus?
Viele fragen, ob sich Pergamon lohnt, wenn sie schon Ephesus gesehen haben. Die ehrliche Antwort: Ephesus ist geschlossener, mit Marmorstraßen, Celsus-Bibliothek und den Hanghäusern. Pergamon ist verteilter und stärker zerstört, dafür spektakulärer gelegen, mit dem Theater am Steilhang als Höhepunkt. Wer Gedränge meidet, ist in Pergamon besser aufgehoben, an normalen Tagen hast du hier ganze Terrassen für dich.
| Pergamon | Ephesus | |
|---|---|---|
| Aufbau | drei Bereiche in der Stadt verteilt | ein zusammenhängender Rundweg |
| Höhepunkt | Theater am Steilhang, Trajantempel | Celsus-Bibliothek, Hanghäuser |
| Andrang | mäßig, Gruppen vor allem mittags | hoch, mit Kreuzfahrtgästen |
| Zeitbedarf | ein ganzer Tag | ein halber bis ganzer Tag |
| Museum Pass | The Aegean | The Aegean |
Beide Stätten gehören zum Gebiet des Museum Pass The Aegean. Er kostet laut Kulturministerium 95 Euro, gilt sieben Tage und umfasst über 40 Museen und Ausgrabungen in den Provinzen Izmir, Aydın, Muğla und Denizli. Mit Akropolis, Asklepieion, Ephesus und den Hanghäusern hast du den Preis fast schon heraus, mit Pamukkale bist du klar im Plus.
Anreise, Reisezeit und Übernachtung
Bergama liegt rund 100 Kilometer nördlich von Izmir. Fernbusse fahren vom großen Busbahnhof in Izmir in etwa zwei Stunden, mit dem Auto bist du meist etwas schneller. Vom Busbahnhof in Bergama nimmst du ein Taxi oder einen Stadtbus ins Zentrum. Zwischen Akropolis, Roter Halle und Asklepieion sind Taxis die einfachste Lösung, wenn du ohne Auto unterwegs bist.
Geöffnet sind beide Stätten laut Ministerium im Winter von 8:30 bis 17 Uhr, von April bis Oktober von 8 bis 18:30 Uhr, die Kassen schließen dann zur selben Zeit (Stand November 2026). Komm deshalb rechtzeitig, denn eingelassen wird nur bis zum Kassenschluss.
Die beste Reisezeit sind April bis Juni und September bis November. Im Juli und August wird es in der Ebene regelmäßig sehr heiß, und auf der Akropolis gibt es kaum Schatten. Nimm Wasser, Hut und Sonnenschutz mit, Tipps dazu stehen bei Hitze und Gesundheit. Im Winter ist es kühl und manchmal regnerisch, dafür bist du oft fast allein.
Wenn du nur einen Tagesausflug machst, starte früh in Izmir und nimm die Reihenfolge Akropolis, Rote Halle, Asklepieion. Mit einer Übernachtung in Bergama wird der Tag entspannter, und du siehst die Akropolis im Morgenlicht. Gut kombinieren lässt sich Pergamon mit Troja weiter nördlich an den Dardanellen und einer Strecke entlang der Ägäis, eine Auswahl weiterer Stätten findest du unter Welterbe im Orient.
Häufige Fragen
Wo steht der Pergamonaltar heute?
Die Reliefs des großen Altars stehen im Pergamonmuseum in Berlin. Ausgräber um den Ingenieur Carl Humann brachten sie im späten 19. Jahrhundert nach Deutschland. Das Berliner Museum ist wegen einer langen Sanierung geschlossen, wann der Altarsaal wieder zugänglich ist, kündigen die Staatlichen Museen zu Berlin an. Auf der Akropolis in Bergama siehst du nur noch das Fundament auf einer Terrasse unter Kiefern.
Wer hat Pergamon ausgegraben?
Die großen Grabungen begannen 1878 unter dem deutschen Ingenieur Carl Humann, der beim Straßenbau in der Gegend auf Reliefplatten gestoßen war. Seitdem forscht das Deutsche Archäologische Institut fast ohne Unterbrechung in Pergamon. Viele Funde aus späteren Grabungen bleiben heute in der Türkei und stehen im Museum von Bergama, das 1936 eröffnet wurde.
Lohnt sich die Seilbahn zur Akropolis von Pergamon?
Ja, vor allem im Sommer. Der Fußweg von der Unterstadt hinauf ist steil und kaum beschattet, die Gondel bringt dich in wenigen Minuten zum Eingang. Die Fahrt ist nicht im Eintritt enthalten und wird extra bezahlt. Wer mit dem Auto kommt, kann auch über die Straße bis zum oberen Parkplatz fahren, dort ist es mittags allerdings oft voll.
Kann man Pergamon und Ephesus an einem Tag besuchen?
Machbar ist es, sinnvoll eher nicht. Zwischen Bergama und Selçuk liegen rund 180 Kilometer, mit dem Auto mindestens zweieinhalb Stunden. Beide Stätten brauchen jeweils drei bis vier Stunden, dazu kommen Hitze und Kassenschluss. Besser planst du zwei Tage ein und übernachtest dazwischen in Izmir, von dort sind beide Ziele gut erreichbar.



