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Wer Karthago besichtigen will, erwartet oft ein zweites Pompeji: eine antike Stadt, durch deren Straßen man spaziert. So ist es nicht. Die Ruinen der antiken Stadt liegen in einzelnen Inseln zwischen Villen, Gärten und Hauptstraßen eines Vororts von Tunis. Manche Stätten sind spektakulär, andere bestehen aus ein paar Mauerresten hinter einem Zaun. Wenn du das vorher weißt, kannst du die Ruinen entspannt besuchen. Du kaufst ein Ticket, das für mehrere Stätten gilt, fährst mit der TGM-Bahn von Station zu Station und suchst dir die Orte aus, die dich interessieren. Unten stehen die Stätten mit ehrlicher Einschätzung, der Rundweg und was du zu Kasse, Hitze und Fotografieren wissen musst.
Karthago gehört zu den Klassikern jeder Tunesien Reise und lässt sich gut mit einem Tag in Tunis und einem Abend im Nachbarort verbinden.
Was von der antiken Stadt übrig ist
Gegründet wurde Karthago laut UNESCO Ende des 9. Jahrhunderts vor Christus von Phöniziern aus Tyros im heutigen Libanon. Der Legende nach war die Gründerin die Königin Elyssa, bei den Römern Dido genannt. Die Stadt wurde zur Handelsmacht im Mittelmeer, stritt mit Rom in drei Punischen Kriegen um die Vorherrschaft und wurde 146 vor Christus von den Römern zerstört. Rom baute später auf den Trümmern eine neue Stadt, die zu den größten im Westen des Reichs gehörte. Danach folgten Vandalen, Byzantiner und schließlich die arabischen Eroberer Ende des 7. Jahrhunderts.
Für deinen Besuch heißt das: Das meiste, was du siehst, ist römisch. Aus der punischen Zeit sind vor allem die Hafenbecken, das Tophet und ein Wohnviertel am Byrsa-Hügel erhalten. Dazu kommt, dass Steine aus Karthago über Jahrhunderte als Baumaterial abtransportiert wurden und der Vorort im 20. Jahrhundert stark gewachsen ist. Die UNESCO nennt das unkontrollierte Bauen ausdrücklich als Schaden für die Stätte. Auf der Liste des Welterbes steht Karthago trotzdem seit 1979, und einen Überblick über weitere Stätten dieser Art gibt der Ratgeber zum Welterbe im Orient.
Die Stätten im Überblick
| Stätte | Was du siehst | Lohnt sich |
|---|---|---|
| Byrsa-Hügel mit Nationalmuseum | punisches Wohnviertel, Museum, Blick über Golf und Häfen | ja, guter Startpunkt |
| Antoninus-Thermen | riesige römische Badeanlage direkt am Meer | ja, das stärkste Bild |
| Punische Häfen | rundes Kriegshafenbecken und rechteckiger Handelshafen | ja, wenn du die Geschichte kennst |
| Tophet | punisches Heiligtum mit Grabstelen | ja, aber bedrückend |
| Park der römischen Villen und Theater | Mosaikreste, Wohnhäuser, restauriertes Theater | mittel |
| Amphitheater und Zisternen von La Malga | Grundmauern, große Wasserspeicher | nur mit viel Zeit |
| Magon-Viertel und Basiliken | Wohnquartier am Meer, frühchristliche Kirchen | für Interessierte |
Der Byrsa-Hügel war die Burg der punischen Stadt. Oben steht das Nationalmuseum von Karthago mit punischen Masken, Stelen mit dem Zeichen der Göttin Tanit und Funden aus römischer Zeit. Daneben ragt die ehemalige Kathedrale Saint-Louis auf, heute Acropolium genannt und für Konzerte genutzt. Vom Rand des Hügels siehst du die Häfen und den Golf. Wer hier anfängt, versteht die Lage der Stadt besser als mit jeder Karte.
Die Antoninus-Thermen aus dem 2. Jahrhundert nach Christus waren eine der größten Badeanlagen des Römischen Reichs. Erhalten sind vor allem die Untergeschosse mit den Heizräumen, dazu wieder aufgerichtete Säulen mit dem Meer dahinter. Das ist das Motiv, das du von Fotos kennst.
Die punischen Häfen sind auf den ersten Blick nur zwei Wasserbecken in einem Wohnviertel. Spannend werden sie, wenn du weißt, dass im runden Becken einst die Kriegsflotte lag, geschützt in überdachten Schiffshäusern. Das Tophet nicht weit davon ist ein Heiligtum mit Hunderten kleiner Stelen über Urnen mit Kinder- und Tierknochen. Ob die Karthager dort Kinder opferten oder vor allem früh verstorbene Kinder bestatteten, ist in der Forschung umstritten.
Ticket, Öffnungszeiten und Kasse
Für Karthago gibt es ein Sammelticket, das an den Kassen der größeren Stätten verkauft wird und für mehrere Ruinenplätze gilt. Laut einer Preisverordnung von Finanz- und Kulturministerium, über die tunesische Medien berichtet haben, kostet es für ausländische Besucher seit April 2026 ungefähr 20 Dinar, eine weitere Erhöhung ist für Januar 2027 angekündigt (Stand November 2026). Prüf den aktuellen Betrag an der Kasse. Es gibt außerdem ein Kombiticket mit dem Bardo-Museum in Tunis, das sich lohnt, wenn du beides an aufeinanderfolgenden Tagen machst.
Heb das Ticket bis zum Schluss auf, es wird an jeder Stätte kontrolliert. Welche Orte es abdeckt, steht meist auf der Rückseite. Die Öffnungszeiten wechseln zwischen Sommer und Winter. Rechne grob mit Einlass ab dem Vormittag bis in den späten Nachmittag und frag an der ersten Kasse, wann die letzte Stätte schließt.
Typischer Fehler: Bei den Antoninus-Thermen die Kamera Richtung Norden halten. Gleich daneben liegt der Präsidentenpalast. Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass Fotos von öffentlichen Gebäuden und sicherheitsrelevanten Bereichen in Tunesien verboten sind und ernste Folgen haben können. Fotografier zum Meer hin, und auch die Wachposten lässt du weg.
Allgemeine Regeln zu Fotos von Menschen, Gebäuden und Drohnen stehen im Ratgeber Fotografieren im Orient.
Der Rundweg mit der TGM-Bahn
Die TGM ist eine Vorortbahn, die von der Station Tunis Marine am Ende der Avenue Habib Bourguiba über einen Damm durch den See von Tunis nach La Goulette und weiter an der Küste entlangfährt. In Karthago hält sie an sechs Stationen: Carthage Salammbô, Byrsa, Dermech, Hannibal, Présidence und Amilcar. Bis Karthago brauchst du je nach Station etwa 20 bis 30 Minuten. Die Züge fahren tagsüber regelmäßig, die Tickets kosten wenig und werden am Schalter gekauft.
Ein Rundweg von Süden nach Norden, der ohne Hin und Her auskommt:
- In Carthage Salammbô aussteigen und zu Fuß zum Tophet und zu den punischen Häfen. Rechne eine Stunde für beides.
- Von dort entweder zu Fuß bergauf oder eine Station weiter bis Carthage Byrsa und hinauf zum Hügel mit Museum. Hier bleibst du am längsten.
- Wieder hinunter Richtung Meer, über den Park der römischen Villen und das Theater zu den Antoninus-Thermen. Dafür eignen sich die Stationen Dermech und Hannibal.
- Mit der TGM weiter bis zur Station Sidi Bou Saïd und dort den Nachmittag verbringen.
Zwischen den Stätten läufst du insgesamt mehrere Kilometer, teils bergauf und oft ohne Schatten. Wer weniger laufen will, nimmt für einzelne Strecken ein Taxi. Die gelben Stadttaxis fahren mit Taxameter, achte darauf, dass er eingeschaltet ist. Der Weiterweg nach Sidi Bou Said dauert mit der Bahn nur wenige Minuten.
Unser Rat: Lass das Amphitheater und die Zisternen von La Malga weg, wenn deine Zeit knapp ist. Sie liegen abseits der Bahn, und was du dort siehst, kennst du von anderen Stätten besser.
Beste Zeit und was du mitnimmst
Am angenehmsten ist Karthago im Frühjahr und im Herbst. Im Juli und August wird es am Golf von Tunis heiß, und zwischen den Ruinen gibt es kaum Bäume. Dann gehst du früh los und machst mittags Pause im Museum oder in einem Café. Im Winter kann es regnen und windig sein, dafür ist es leer. Wann welche Region Tunesiens das bessere Wetter hat, erklärt die Seite zur besten Reisezeit für Tunesien.
Pack Wasser, Sonnenhut und feste Schuhe ein, die Wege sind teils uneben und steinig. Eine Kopie des Passes gehört ebenfalls in die Tasche, weil Ausweiskontrollen im Land jederzeit möglich sind.
Im Sommer wird das römische Theater zur Bühne. Das Festival International de Carthage findet laut Tourismusbehörde im Juli und August statt, mit Musik und Theater unter freiem Himmel. Im April gibt es außerdem ein Jazzfestival. Für viele ist ein Konzert im Theater am Abend der schönere Weg, die Stätte zu erleben, als ein Rundgang in der Mittagshitze.
Lohnt sich Karthago?
Ja, wenn dich Geschichte interessiert und du bereit bist, die Bilder im Kopf zusammenzusetzen. Kaum ein anderer Ort im Mittelmeer war so lange so wichtig, und der Blick vom Byrsa-Hügel auf die alten Häfen macht das greifbar. Weniger lohnt es sich, wenn du vor allem gut erhaltene Ruinen sehen willst. Dafür sind andere Orte im Land besser.
Das Amphitheater von El Djem steht nahezu vollständig, und die Ruinen von Dougga im Hinterland gelten als die am besten erhaltene römische Stadt Tunesiens. Die schönsten Mosaiken aus Karthago hängen ohnehin nicht vor Ort, sondern im Bardo-Museum in Tunis. Viele kombinieren deshalb: morgens Bardo, nachmittags Karthago, am nächsten Tag die Medina von Tunis.
Für eine Reise durch das ganze Land ist Karthago meist der erste Halt. Wie es danach weitergehen kann, zeigt die Tunesien Rundreise von Tunis bis in die Sahara. Und wer am Golf übernachten will, findet bei den Hotels in Tunesien eine Einordnung der Lagen rund um Tunis.
Häufige Fragen
Wo genau lag Karthago?
Das antike Karthago lag auf einer Halbinsel am Golf von Tunis, etwa 15 Kilometer nordöstlich der heutigen Altstadt von Tunis. Der Burgberg war der Byrsa-Hügel, die Häfen lagen südlich davon am Meer. Auf demselben Gelände steht heute der Vorort Carthage mit Villen, Botschaften und dem Präsidentenpalast. Die Ruinen liegen deshalb zwischen Wohnstraßen und nicht auf einem abgeschlossenen Gelände.
Was hat Hannibal mit Karthago zu tun?
Hannibal war der bekannteste Feldherr Karthagos. Im Zweiten Punischen Krieg zog er Ende des 3. Jahrhunderts vor Christus mit seinem Heer und Elefanten über die Alpen nach Italien und schlug die Römer mehrfach. Den Krieg gewann am Ende trotzdem Rom. Von Hannibal selbst findest du in den Ruinen nichts, nur sein Name lebt in der TGM-Station Carthage Hannibal weiter.
Wie heißt Karthago heute?
Der Ort heißt heute Carthage, auf Arabisch Qartaj, und ist eine eigene Gemeinde im Großraum Tunis. Er gilt als eine der vornehmsten Wohngegenden des Landes. Wer „Karthago heute“ sucht, findet also beides: eine Ruinenstätte mit Welterbe-Status und einen ruhigen Vorort mit Gärten, Strandabschnitten und dem Amtssitz des Präsidenten.
Reicht ein halber Tag für Karthago?
Für die wichtigsten Stätten reicht ein halber Tag, wenn du mit der TGM-Bahn fährst und dich auf vier oder fünf Orte beschränkst: Byrsa mit Museum, Tophet, die punischen Häfen und die Antoninus-Thermen. Wer jede Station mitnehmen und das Museum gründlich ansehen will, braucht einen ganzen Tag. Mit dem Nachmittag in Sidi Bou Said ergibt das einen runden Ausflug ab Tunis.




