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Am Ende des Siq in Petra öffnet sich die Schlucht, und vor dir steht eine Fassade, die direkt aus dem roten Sandstein gemeißelt ist. Rund 500 Kilometer weiter südöstlich, bei AlUla in Saudi-Arabien, ragen einzelne Felsen aus der Ebene, in jeden ist eine Grabfront geschlagen. Beides haben die Nabatäer geschaffen. Diese Erklärung für Reisende zeigt, welche Bedeutung das Volk hatte, wann es lebte und wo du seine Spuren findest. Alle weiteren Begriffe stehen im Orient-Glossar.
Wer die Nabatäer waren
Die Nabatäer waren ein arabisches Volk, das ursprünglich vermutlich nomadisch lebte und mit dem Handel reich wurde. Ihre Karawanen brachten Weihrauch und Myrrhe aus Südarabien, Gewürze aus Indien und Seide aus China zu den Häfen und Märkten am Mittelmeer. Die UNESCO beschreibt Petra als großes Zentrum dieses Karawanenhandels und als Felsenhauptstadt des Volkes, mit einer Kultur vom 4. Jahrhundert vor bis zum 1. Jahrhundert nach Christus.
Betont wird im Deutschen die dritte Silbe: Na-ba-TÄ-er, die weibliche Form ist Nabatäerin, das Adjektiv nabatäisch. Ihre Schrift ging aus dem Aramäischen hervor und gilt in der Forschung als Vorstufe der arabischen Schrift, aus der später die Kalligrafie entstand.
Wasser als Schlüssel
Reich wurden die Nabatäer durch Handel, überleben konnten sie in der Wüste nur durch Wasser. Laut UNESCO fingen sie den seltenen Regen mit Kanälen, Tunneln, Dämmen, Zisternen und Becken auf und speicherten ihn. Im Siq von Petra siehst du die Rinnen in den Wänden, in Hegra Brunnen und Kanäle, in Little Petra große Zisternen. Diese Technik machte Städte möglich, wo sonst nur Karawanen rasteten, oft am Ausgang eines Wadi, in dem bei Regen Wasser zusammenläuft.
Woran du nabatäische Bauten erkennst
Die Fassaden folgen wiederkehrenden Mustern, und nach ein paar Gräbern erkennst du sie sofort:
- Treppenzinnen: Stufen, die über der Tür in zwei Reihen nach oben laufen, besonders typisch in Hegra.
- Giebel, Säulen und Gesimse nach griechisch-römischem Vorbild, kombiniert mit Formen aus Arabien und dem Orient.
- Figuren wie Adler über dem Eingang, Urnen auf dem Dach oder Rosetten.
- Speisesäle mit Steinbänken an drei Wänden, in denen sich Familien oder Gemeinschaften zu Mahlzeiten trafen, gut zu sehen in Little Petra.
Hinter den prächtigen Fronten liegen meist nur schlichte, in den Fels gehauene Kammern mit Nischen für die Toten. Der Aufwand galt der Außenseite, die jeder auf dem Weg sehen sollte.
Wo du die Spuren der Nabatäer siehst
| Ort | Land | Was dich erwartet |
|---|---|---|
| Petra | Jordanien | Hauptstadt mit Schatzhaus, Königsgräbern und dem Kloster Ad Deir |
| Little Petra | Jordanien | Siq al-Barid mit Speisesälen und Resten von Deckenmalerei |
| Hegra | Saudi-Arabien | 111 Felsgräber in einer weiten Ebene, erstes Welterbe des Landes |
| Wadi Rum | Jordanien | nabatäische Inschriften und Reste eines Tempels |
Petra ist die bekannteste und vollste Stätte, mit einem Netz aus Wegen über mehrere Täler. Little Petra wenige Kilometer nördlich war eine Station für Händler, bevor sie in die Hauptstadt zogen. In Hegra zählt die UNESCO 111 monumentale Gräber, 94 davon verziert, aus dem 1. Jahrhundert vor bis zum 1. Jahrhundert nach Christus. Über vielen Eingängen nennen Inschriften den Namen des Toten, das Baujahr und die Strafe für jeden, der das Grab öffnet. Wie du die Region um Hegra planst, zeigt die Seite zu AlUla.
Bevor du Petra oder Hegra fest einplanst, lies die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts. Für Jordanien rät es derzeit von nicht notwendigen Reisen ab, für Saudi-Arabien besteht eine Reisewarnung (Stand November 2026).
Abgrenzung
- Römer: Die Säulenstraße, das Theater und die Bäder in Petra zeigen den römischen Einfluss nach 106 nach Christus. Eine ganz römisch gebaute Stadt siehst du dagegen in Jerash im Norden Jordaniens.
- Thamud: In der islamischen Überlieferung wird Hegra mit dem Volk der Thamud verbunden. Archäologisch sind die Gräber den Nabatäern zuzuordnen, die religiöse Erzählung ist eine eigene Ebene.
- Beduinen: Die Beduinen um Petra, etwa die Bdul, sind nicht mit den Nabatäern gleichzusetzen, auch wenn manche Familien eine Verbindung erzählen. Laut Visit Petra nutzen sie bis heute Zisternen und Höhlen aus nabatäischer Zeit.
Was du als Reisender davon hast
Wer weiß, dass die Fassaden Gräber und Tempel sind und keine Wohnhäuser, sieht Petra anders. Die eigentliche Stadt aus Lehm und Stein ist fast verschwunden, geblieben sind die Bauten für die Toten und die Götter. Achte auf Treppenzinnen über den Türen, auf Wasserrinnen am Weg und auf schlichte Steinblöcke in Nischen, die Götter darstellen. Und berühr die Inschriften nicht, jede Hand hinterlässt Spuren im weichen Sandstein.
Häufige Fragen
Wann lebten die Nabatäer in Petra?
Die UNESCO datiert die Kultur der Nabatäer in Petra auf das 4. Jahrhundert vor bis zum 1. Jahrhundert nach Christus. Die meisten großen Fassaden, die du heute siehst, stammen aus der späteren Blütezeit. Im Jahr 106 nach Christus wurde ihr Reich römische Provinz, Petra blieb danach noch lange eine wichtige Handelsstadt. Später kamen Byzantiner, und erst im 19. Jahrhundert rückte die Stadt wieder in den Blick Europas.
Welche Götter verehrten die Nabatäer?
Hauptgott war Dushara, daneben verehrten sie Göttinnen wie al-Uzza und Allat. Oft stellten sie ihre Götter nicht als Figuren dar, sondern als schlichte, aus dem Fels gehauene Blöcke. In Petra führt ein steiler Weg zum Opferplatz auf einem Gipfel, in Hegra zum Felsheiligtum Jabal Ithlib. Mit der Zeit kamen griechische und römische Einflüsse dazu, die du an Giebeln und Säulen der Fassaden erkennst.
Warum verloren die Städte der Nabatäer ihre Bedeutung?
Mehrere Gründe kamen zusammen. Nach der Eingliederung ins Römische Reich verlagerte sich der Handel zunehmend auf den Seeweg über das Rote Meer und auf andere Städte. Erdbeben beschädigten Bauten und Wasserleitungen. Petra wurde nicht an einem Tag verlassen, sondern schrumpfte über Jahrhunderte. Die Gräber blieben, weil sie in den Fels gehauen sind, die Häuser aus Lehm und Stein verschwanden fast ganz.



