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Auf den Wegweisern in Ouarzazate steht jeder Ortsname dreimal: in arabischer Schrift, in lateinischen Buchstaben und in Zeichen aus Kreisen, Strichen und Kreuzen. Diese dritte Schrift heißt Tifinagh und gehört den Amazigh, die in Deutschland meist Berber genannt werden. Diese Erklärung für Reisende zeigt, welche Bedeutung beide Wörter haben, warum die Eigenbezeichnung wichtig ist und wo du der Kultur unterwegs begegnest. Weitere Begriffe findest du im Orient-Glossar.
Berber oder Amazigh: welches Wort?
Berber ist eine Bezeichnung von außen. Die Herkunft wird meist auf das griechische barbaros und das lateinische barbarus zurückgeführt, mit denen Griechen und Römer Menschen bezeichneten, die eine fremde Sprache sprachen. Arabische Autoren übernahmen das Wort, später die Europäer.
Die Menschen selbst nennen sich Amazigh, in der Mehrzahl Imazighen. Das Wort wird oft mit freier Mensch übersetzt. Betont wird die letzte Silbe, das gh am Ende klingt wie ein weiches Rachen-R. Viele Amazigh empfinden Berber heute als veraltet oder als abwertend. Auf orient-reise.de sprechen wir deshalb von Amazigh, wenn es um Menschen und ihre Kultur geht. In festen Wörtern wie Berberaffe oder Berberteppich bleibt der alte Name, weil du ihn so auf Schildern und in Läden liest.
Sprache, Schrift und Neujahr
Tamazight ist der Oberbegriff für eine Gruppe verwandter Sprachen. In Marokko unterscheidet man vor allem Tarifit im Rif, Tamazight im Mittleren Atlas und Taschelhit im Süden und im Hohen Atlas. Seit der Verfassung von 2011 ist Amazigh in Marokko Amtssprache neben Arabisch, die Verfassung nennt sie ein gemeinsames Erbe aller Marokkaner. Schon in der Präambel steht die Amazigh-Kultur neben der arabisch-islamischen als Teil der nationalen Identität.
Geschrieben wird mit Tifinagh, mit arabischen oder mit lateinischen Buchstaben. Am 14. Januar feiern Amazigh das Neujahr Yennayer, das in Marokko seit 2024 offizieller Feiertag ist. Als Gruß hörst du im Atlas oft „Azul“.
Wo du der Kultur der Amazigh begegnest
In Marokko leben Amazigh in allen Landesteilen, besonders dicht in den Bergen und im Süden. Im Hohen Atlas rund um Imlil sprechen die Menschen in vielen Dörfern Tamazight, Arabisch und oft Französisch. Das Ourika-Tal ist der einfachste Tagesausflug in solche Dörfer. Auf dem Jemaa el-Fna erzählen Geschichtenerzähler auf Marokkanisch-Arabisch oder Tamazight. Wer Schmuck, Textilien und Alltagsgegenstände aus ganz Marokko sehen will, geht in Marrakesch ins Berbermuseum im Jardin Majorelle.
Die Lehmbauten im Süden gehören zur selben Kultur. Ein befestigtes Dorf heißt Ksar, auf Tamazight Ighrem, die Wohnburg einer Familie Kasbah.
In Tunesien ist Arabisch heute vorherrschend, Tamazight sprechen nur noch kleine Gemeinschaften. Spuren findest du im Süden: Die Speicherburgen bei Tataouine bauten halbnomadische Amazigh-Familien, in Matmata leben Menschen in Häusern, die um tiefe Höfe in den Boden gegraben sind, und im nahen Tamezret zeigt ein kleines Museum Symbole und Bräuche. Mehr dazu auf der Seite Sahara in Tunesien. Auf Djerba wird laut sprachwissenschaftlichen Studien in einigen Dörfern im Süden der Insel noch ein Amazigh-Dialekt gesprochen, etwa rund um das Töpferdorf Guellala. In Ägypten spricht man in der Oase Siwa eine Amazigh-Sprache.
Abgrenzung
- Araber: Viele Familien in Marokko und Tunesien haben arabische und Amazigh-Wurzeln zugleich. Wer sich als Amazigh versteht, ist eine Frage von Sprache, Herkunft und Selbstverständnis, nicht von Aussehen.
- Beduinen: arabische Wüstenbewohner der Arabischen Halbinsel und der Levante, kein Teil der Amazigh.
- Tuareg: ein Volk der Amazigh in der zentralen Sahara, vor allem in Algerien, Libyen, Mali und Niger.
- Religion: Die meisten Amazigh sind heute Muslime. In Marokko gab es über Jahrhunderte auch jüdische Amazigh-Gemeinden.
Was Reisende davon haben
Wer die Begriffe kennt, versteht Marokko besser, vom dreisprachigen Wegweiser bis zum Couscous, das auf Tamazight Seksu heißt. Ein paar Dinge helfen unterwegs: Frag, bevor du fotografierst. Sei skeptisch, wenn dir jemand erzählt, heute sei der „Markt der Berber, nur heute“, das ist ein bekannter Trick in der Medina. Und Begriffe wie Berber-Pizza oder Berber-Omelette sind Namen für Touristen, gegessen wird beides trotzdem gern.
Viele Mitbringsel tragen Muster der Amazigh: Teppiche mit Rauten und Zickzacklinien, Silberschmuck mit Dreiecken, Kreuzen oder dem Zeichen Yaz, bemalte Keramik und Kissen. Welche Bedeutung ein Muster hat, unterscheidet sich von Region zu Region, und nicht jede Erklärung im Laden stimmt. Frag lieber, wo und von wem ein Stück gemacht wurde, als nach der Symbolik. Dann weißt du eher, ob du Handarbeit aus einem Dorf oder Ware aus der Fabrik kaufst.
Unser Rat: Lern das Wort „Azul“ und probier es im ersten Dorf aus. Kaum etwas öffnet ein Gespräch im Atlas schneller.
Häufige Fragen
Sind Berber und Amazigh dasselbe?
Gemeint sind dieselben Menschen, aber die Wörter sind nicht gleichwertig. Berber ist eine Bezeichnung von außen, die meist auf das griechische und lateinische Wort für Fremde zurückgeführt wird. Amazigh ist die Eigenbezeichnung, in der Mehrzahl Imazighen. Viele Menschen in Marokko und Tunesien empfinden Berber als veraltet. Wer respektvoll sprechen will, sagt Amazigh, in festen Wörtern wie Berberteppich hält sich der alte Name.
Was bedeutet das Amazigh-Zeichen auf Fahnen und Schmuck?
Das Zeichen ⵣ ist der Buchstabe Yaz aus der Tifinagh-Schrift und entspricht unserem Z. Es steht in der Mitte des Wortes Amazigh, das oft mit freier Mensch übersetzt wird, und ist deshalb zum Symbol der Amazigh geworden. Du siehst es rot auf der Fahne mit Streifen in Blau, Grün und Gelb, auf Halsketten, Teppichen, Hauswänden und als Aufkleber an Autos im Atlas.
Wie begrüßt du Menschen in einem Amazigh-Dorf im Atlas?
Mit „Azul“, dem Gruß auf Tamazight, bringst du fast jeden zum Lächeln. „Salam alaikum“ versteht ebenfalls jeder, für danke reicht „shukran“. Gib Männern die Hand, wenn sie dir ihre reichen, und warte bei Frauen ab, ob sie es tun. Frag, bevor du Menschen fotografierst, besonders Frauen und Kinder, und nimm eine Einladung zum Tee an, wenn du Zeit hast.



