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Ankara hat bei Reisenden einen schlechten Ruf: Beamtenstadt, Verkehr, Wohnblocks bis zum Horizont. Ganz falsch ist das nicht. Die Hauptstadt der Türkei ist vor allem Regierungssitz und Universitätsstadt, Touristen siehst du hier wenige. Gerade deshalb lohnt ein kurzer Halt. Mit dem Anıtkabir steht hier der wichtigste Ort der Republik, mit dem Museum für Anatolische Zivilisationen eine der besten archäologischen Sammlungen des Landes. Rund um die Zitadelle findest du außerdem eine kleine Altstadt, die kaum jemand auf dem Plan hat. Ankara mit seinen Museen lässt sich gut in einen Tag packen, als Zwischenstopp auf dem Weg nach Kappadokien oder Konya.
Die Stadt liegt auf rund 900 Metern Höhe im Hochland Zentralanatoliens. Die Sommer sind heiß und trocken, die Winter kalt, oft mit Schnee und Smog an windstillen Tagen. Wie Ankara zu den anderen Regionen passt, zeigt der Überblick Urlaub in der Türkei.
Anıtkabir: das Mausoleum Atatürks
Mustafa Kemal Atatürk, der Gründer der Republik, starb am 10. November 1938 in Istanbul. Sein Mausoleum wurde auf einem Hügel im Westen der Innenstadt gebaut und 1953 eingeweiht. Der Bau verbindet strenge Formen mit Anklängen an antike Tempel und anatolische Traditionen.
So läuft der Besuch: Vom Eingang führt der Löwenweg, eine lange Allee mit steinernen Löwen auf beiden Seiten, auf einen weiten Ehrenhof zu. An dessen Stirnseite steht der Ehrensaal mit dem Kenotaph, einem tonnenschweren Marmorblock. Das eigentliche Grab liegt darunter und ist nicht zugänglich. In den Arkaden um den Hof zeigt das Museum zu Atatürk und dem Unabhängigkeitskrieg persönliche Gegenstände, Autos, Uniformen und große Panoramabilder der Schlachten. Für alles zusammen brauchst du zwei bis drei Stunden.
Das Anıtkabir ist täglich geöffnet und kostet keinen Eintritt. Die Zeiten ändern sich nach Jahreszeit und an Gedenktagen, an Feiertagen wie dem 29. Oktober ist es teils bis in den Abend geöffnet. Prüf die aktuellen Zeiten auf der offiziellen Seite des Anıtkabir-Kommandos. Am 10. November stehen um 9:05 Uhr landesweit die Menschen still, dann ziehen Zehntausende zum Mausoleum. Wer an diesem Tag kommt, erlebt einen eindrucksvollen Moment, aber auch lange Schlangen.
Gut zu wissen: Der Wachwechsel der Ehrengarde und die Stille im Ehrensaal sind ernst gemeint. Laute Gespräche, Posen für Selfies vor dem Kenotaph oder kurze Hosen fallen unangenehm auf. Kleide dich wie für einen Moscheebesuch, dann liegst du richtig.
Die nächste Station ist Tandoğan an der Bahnlinie Ankaray, von dort gehst du durch den Park bergauf zum Eingang.
Museum für Anatolische Zivilisationen
Das Museum liegt am Fuß der Zitadelle in zwei restaurierten osmanischen Bauten, einem überdachten Markthaus, dem Bedesten, und einem Han. Wie ein Bedesten im Bazar funktionierte, erklärt unser Glossar. Die Sammlung führt chronologisch durch Anatolien: von Wandmalereien und Figuren aus Çatalhöyük bei Konya über Gold aus der frühen Bronzezeit, assyrische Handelstafeln und hethitische Reliefs bis zu den Phrygern und Urartäern. 1997 wurde es als Europäisches Museum des Jahres ausgezeichnet.
Stand November 2026 sind zwei Säle des Museums bis zum 2. März 2027 geschlossen. Der übrige Rundgang ist geöffnet. Welche Bereiche genau betroffen sind, hängt vom Fortschritt der Arbeiten ab, frag an der Kasse nach, bevor du zahlst, und plane im Zweifel weniger Zeit ein. Normalerweise brauchst du für die ganze Sammlung zwei Stunden.
Das Museum gehört dem Kulturministerium. Ausländische Besucher zahlen den Eintritt in Euro, aktuelle Preise und Zeiten stehen auf muze.gov.tr. Wer mehrere staatliche Stätten in der Türkei besucht, rechnet den MuseumPass nach, den die Seite zu den Kosten in der Türkei vorstellt.
Zitadelle und Altstadt
Vom Museum gehst du in wenigen Minuten bergauf zur Zitadelle, Ankara Kalesi. Hinter den Mauern liegt ein kleines Viertel mit alten Holzhäusern, engen Gassen und Läden für Teppiche, Kupfer und getrocknete Früchte. Von den Türmen der inneren Burg hast du den besten Blick über die Stadt: unten die Altstadt, dahinter ein Meer aus Hochhäusern bis zu den Hügeln.
Unterhalb der Zitadelle lohnen zwei Viertel. Rund um die Straße Çıkrıkçılar Yokuşu verkaufen Händler Stoffe, Wolle und Haushaltswaren wie vor Jahrzehnten. Hamamönü, etwas weiter südlich, wurde mit restaurierten Holzhäusern neu belebt und hat viele Cafés und kleine Lokale. Am Abend ist das die angenehmste Ecke der Innenstadt.
Römisches Ankara und die großen Moscheen
Im Viertel Ulus steht neben der Hacı-Bayram-Moschee die Ruine des Augustustempels. An seinen Wänden ist der Tatenbericht des Kaisers Augustus eingemeißelt, auf Latein und Griechisch, eine der wichtigsten Inschriften der römischen Geschichte. Die Moschee daneben ist nach dem Gelehrten Hacı Bayram Veli benannt und für viele Ankaraner ein wichtiger Ort. Ein paar Gehminuten entfernt liegen die Reste eines römischen Bades.
Die größte Moschee der Stadt ist die Kocatepe-Moschee im Stadtteil Kızılay, ein Bau aus dem späten 20. Jahrhundert im Stil der klassischen osmanischen Moscheen Istanbuls, mit vier Minaretten. Außerhalb der Gebetszeiten kannst du hineingehen, die Regeln dafür stehen im Ratgeber Moscheen besuchen.
| Ort | Zeitbedarf | Kosten | Tipp |
|---|---|---|---|
| Anıtkabir mit Museum | 2 bis 3 Stunden | frei | früh am Morgen, nicht am 10. November |
| Museum für Anatolische Zivilisationen | 1,5 bis 2 Stunden | Eintritt in Euro | Teilschließung bis 2.3.2027 beachten |
| Zitadelle und Altstadt | 1 bis 2 Stunden | frei | zum späten Nachmittag für das Licht |
| Augustustempel und Hacı Bayram | 45 Minuten | frei | mit Ulus und dem Römischen Bad verbinden |
| Hamamönü | 1 Stunde | frei | abends zum Essen |
Anreise und Weiterfahrt
Ankara ist der Knoten des türkischen Schnellzugnetzes. Der YHT fährt von Istanbul in rund viereinhalb Stunden hierher und von Ankara weiter nach Konya in knapp zwei Stunden, außerdem nach Eskişehir und in andere Städte. Züge kommen am modernen Bahnhof im Zentrum an, von dort fährst du mit Metro, Bus oder Taxi weiter. Der Flughafen Esenboğa liegt gut 30 Kilometer nördlich, Busse fahren ins Zentrum.
Für Kappadokien brauchst du von Ankara mit dem Bus etwa vier Stunden, mit dem Auto ähnlich. Nach Safranbolu im Norden sind es rund drei Stunden. Damit ist Ankara ein guter Umsteigepunkt auf einer Türkei-Rundreise durch Inneranatolien.
Ausflüge: Hethiter und Phryger
Wer einen zweiten Tag hat, fährt zu den Ursprüngen der Funde im Museum. Hattuša, die Hauptstadt der Hethiter, liegt etwa zweieinhalb Autostunden östlich bei Boğazkale. Dort siehst du Stadtmauern, Tore mit Löwen und Sphingen und das Felsheiligtum Yazılıkaya. Die Stätte gehört seit 1986 zum UNESCO-Welterbe. Näher, laut UNESCO rund 90 Kilometer südwestlich, liegt Gordion, die Hauptstadt der Phryger. Der größte Grabhügel, der Midas zugeschrieben wird, ist gut 50 Meter hoch, seine hölzerne Grabkammer aus der Zeit um 740 vor Christus gilt als ältestes erhaltenes Holzgebäude der Welt. Seit 2023 steht Gordion auf der Welterbeliste.
Beide Ziele sind am besten mit Mietwagen oder einer organisierten Fahrt zu erreichen, öffentliche Busse fahren selten. Hinweise zu Straßen und Maut gibt der Ratgeber Mietwagen in der Türkei.
Ankara ist nicht schön im klassischen Sinn. Wer sich aber für die Geschichte Anatoliens und die moderne Türkei interessiert, findet hier in kurzer Zeit mehr Zusammenhang als in vielen bekannteren Orten.
Häufige Fragen
Wie hieß die türkische Hauptstadt Ankara früher?
In der Antike hieß die Stadt Ankyra, unter den Römern Ancyra. In Europa war lange der Name Angora üblich, davon kommen die Angorakatze, die Angoraziege und die Angorawolle, die ursprünglich aus der Gegend stammen. Erst 1930 setzte sich international der türkische Name Ankara durch. Hauptstadt ist sie seit dem 13. Oktober 1923, wenige Tage vor Ausrufung der Republik.
Warum ist Ankara die Hauptstadt der Türkei und nicht Istanbul?
Atatürk machte Ankara schon im Unabhängigkeitskrieg zu seinem Hauptquartier, weil die Stadt im Inneren Anatoliens lag, gut per Bahn erreichbar war und fern der besetzten Hauptstadt Istanbul. Nach dem Sieg sollte die neue Republik bewusst ein Zentrum ohne osmanischen Hof haben. Aus einer Kleinstadt wurde so eine geplante Hauptstadt mit Ministerien, Parlament und breiten Boulevards.
Was muss ich beim Besuch im Anıtkabir beachten?
Das Anıtkabir ist für viele Türken ein Ort tiefer Verehrung. Kleide dich ordentlich, sprich leise im Ehrensaal mit dem Sarkophag und halte dich an die Anweisungen der Wachen. Am Eingang gibt es eine Sicherheitskontrolle, große Taschen sind unpraktisch. Fotografieren ist in den meisten Bereichen erlaubt, die Ehrenwache solltest du nicht stören. Am 10. November, dem Todestag Atatürks, ist es extrem voll.
Wie lange fährt der Schnellzug von Istanbul nach Ankara?
Der Schnellzug YHT braucht je nach Verbindung rund viereinhalb Stunden, einige Züge mit wenigen Halten sind etwas schneller. In Istanbul fährt er auf der asiatischen Seite ab, unter anderem in Söğütlüçeşme bei Kadıköy und Pendik, manche Züge auch von der europäischen Seite. Tickets verkauft die Staatsbahn TCDD online und am Bahnhof, an Feiertagen sind sie schnell weg.




