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Kamelreiten gehört für viele zu einer Reise in den Orient wie der Tee im Souk. Die Spanne ist groß: An den Pyramiden drehst du eine Runde von zehn Minuten zwischen Bussen, in der Wüste reitest du eine Stunde in den Sonnenuntergang und kommst im Camp an. Die Tiere sind fast immer Dromedare, also Kamele mit einem Höcker. Ob ein Ritt gut wird, für dich wie für das Tier, hängt kaum vom Land ab, sondern vom einzelnen Betreiber. Diese Seite zeigt, woran du den Unterschied erkennst, wie der Ablauf im Sattel ist, welche Preise du einordnen kannst und wo sich ein Ritt lohnt, dazu praktische Tipps zu Kleidung und Gesundheit. Welche Wüste insgesamt zu dir passt, vergleicht der Ratgeber Wüstentouren im Orient.
Tierwohl: woran du einen guten Betreiber erkennst
Die wichtigsten Punkte siehst du, bevor du aufsteigst. Nimm dir dafür fünf Minuten, auch wenn die Gruppe schon drängelt.
| Worauf du schaust | Gutes Zeichen | Grund zum Verzichten |
|---|---|---|
| Körper | Höcker gefüllt, Rippen nicht sichtbar | abgemagertes Tier, eingefallener Höcker |
| Haut | glattes Fell unter Sattel und Gurt | offene oder kahle Scheuerstellen, Fliegen an Wunden |
| Sattel | dicke Decken, Polster, saubere Gurte | blankes Holz oder Metall direkt auf dem Rücken |
| Kopf | Nasenstrick locker geführt | blutender Nasenring, ständiges Reißen am Strick |
| Gang | gleichmäßig, ohne Hinken | lahmes Bein, Tier bleibt immer wieder stehen |
| Pause | Schatten, Wasser, Ruhe zwischen den Gruppen | stundenlang angebunden in der Sonne |
| Umgang | ruhige Stimme, Führer läuft nebenher | Schläge, Tritte, Hetzen für schnellere Runden |
Dazu kommt die Last. Ein Dromedar trägt einen Erwachsenen ohne Mühe, zwei Erwachsene mit Gepäck sind zu viel. Wer sehr groß oder schwer ist, fragt vorher nach. Seriöse Betreiber sagen offen, wann ein anderes Tier oder der Geländewagen die bessere Wahl ist.
Wenn dir etwas nicht gefällt, steig ab oder verzichte, und sag ruhig, warum. Für viele Familien in Merzouga, im Wadi Rum oder in Douz sind die Tiere die wichtigste Einnahme. Gerade deshalb wirkt es, wenn Gäste gute Haltung bemerken und schlechte nicht bezahlen. Wie du Tieren auf Reisen allgemein gerecht wirst, vom Esel in Petra bis zum Riff, erklärt der Ratgeber nachhaltig reisen im Orient.
Typischer Fehler: Erst im Sattel auf das Tier schauen. Dann ist der Preis bezahlt und die Runde läuft. Schau dir das Kamel an, während es noch liegt, da siehst du Sattel, Haut und Beine am besten.
So läuft ein Kamelritt ab
Das Kamel liegt zum Aufsteigen auf dem Boden, die Beine unter dem Körper gefaltet. Du steigst von der linken oder rechten Seite über den Sattel, setzt dich und greifst den Haltegriff vorne. Dann kommt der Moment, vor dem alle gewarnt werden: Das Tier steht zuerst mit den Hinterbeinen auf. Du kippst nach vorne, also lehnst du dich weit zurück und drückst die Füße nach vorn. Gleich danach richtet es sich vorne auf, und du sitzt wieder gerade. Beim Absteigen läuft es umgekehrt.
Unterwegs schaukelt das Kamel im Passgang, beide Beine einer Seite bewegen sich gleichzeitig. Das fühlt sich anfangs seltsam an, nach zehn Minuten hast du den Rhythmus. Bleib locker in der Hüfte, statt dich steif festzukrallen. Fast alle Touristenritte sind geführt, ein Kameltreiber läuft vorn und hält das erste Tier am Strick, die anderen sind hintereinander angebunden. Selbst lenken musst du nicht.
Bergab im Sand lehnst du dich leicht zurück, bergauf leicht nach vorn. Fotos machst du nur, wenn das Tier ruhig geht, und mit Trageband am Handgelenk. Ein Handy, das in den Sand fällt, holt dir niemand mehr zurück, ohne die ganze Karawane anzuhalten.
Dauer, Tageszeit und was du anziehst
| Art | Dauer | Typische Orte | Für wen |
|---|---|---|---|
| Fotorunde | 10 bis 20 Minuten | Gizeh, Strände, Camps bei Dubai | Kinder, kurzer Eindruck |
| Kurzritt | 30 bis 60 Minuten | Agafay, Wadi Rum, Wahiba Sands | Erstversuch |
| Ritt ins Camp | 1 bis 1,5 Stunden | Erg Chebbi bei Merzouga, Wadi Rum | Sonnenuntergang, Nacht im Camp |
| Tagesritt oder Trek | halber Tag bis mehrere Tage | Merzouga, Wadi Rum | wer schon im Sattel saß |
Für den ersten Ritt reicht eine Stunde. Danach spüren die meisten Oberschenkel und Gesäß, am nächsten Morgen noch mehr. Mehrtägige Treks klingen romantisch, sind aber anstrengend und eher etwas für Leute, die schon mehrere Stunden auf einem Kamel verbracht haben.
Die beste Tageszeit ist der frühe Morgen oder der späte Nachmittag, die beste Saison Oktober bis April. Im Sommer liegt der Sand mittags bei über 40 Grad, dann leiden Mensch und Tier. Gute Betreiber reiten dann nur in der ersten Stunde nach Sonnenaufgang und am Abend.
Zur Kleidung: lange, weiche Hosen, weil Sattel und Decken an den Innenseiten der Beine scheuern. Geschlossene Schuhe, Sand und Steigbügel sind barfuß unangenehm. Ein großes Tuch gegen Sonne und Sand, Sonnenbrille, Sonnencreme und Wasser in einer Umhängetasche, nicht in einer losen Tüte. Kleider und kurze Röcke sind auf dem Kamel unpraktisch. Im Winter kommt für den Abendritt eine warme Schicht dazu, in der Wüste wird es nach Sonnenuntergang schnell kalt.
Was ein Kamelritt kostet
Offizielle Tarife für Kamelritte haben wir bei den Tourismusbehörden der zehn Länder nicht gefunden, deshalb nennen wir keine festen Zahlen. Der Preis hängt von Ort, Dauer, Saison und Gruppengröße ab. Drei Muster helfen dir beim Einordnen:
- An großen Sehenswürdigkeiten wie den Pyramiden von Gizeh wird vor Ort verhandelt. Dort entstehen die meisten Ärgernisse, weil oben ein neuer Preis genannt wird oder das Absteigen plötzlich extra kostet.
- In Wüstencamps ist der Ritt oft Teil des Pakets, etwa der Ritt ins Camp am Erg Chebbi. Frag, ob Hin- und Rückweg enthalten sind und wie lange er dauert.
- Bei Abendsafaris ab Dubai oder Doha ist meist nur eine kurze Runde im Camp inklusive, ein längerer Ritt kostet extra.
Vereinbare immer einen Gesamtpreis für alle Personen und die ganze Strecke, bevor jemand aufsteigt, und zahl am Ende. Ein kleines Bakschisch für einen Kameltreiber, der gut mit Tier und Gästen umgeht, ist in Ägypten, Jordanien und Marokko üblich. Fotos mit Kamel und Treiber in Tracht kosten an Ausflugszielen fast immer etwas, frag vorher.
Wo sich Kamelreiten lohnt
Marokko ist für viele das stärkste Ziel. Am Erg Chebbi reitest du von Merzouga eine gute Stunde durch hohe Dünen bis ins Camp und am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang zurück. Wer wenig Zeit hat, macht bei Marrakesch einen kurzen Ritt in der Agafay-Wüste, dort allerdings über Steine statt Sand.
In Jordanien gehört der Ritt im Wadi Rum zu den ruhigsten Arten, das Tal zu sehen, zwischen Felswänden und rotem Sand, oft mit Beduinen aus dem Ort. In Petra dagegen raten wir von Tierritten auf den steilen Stufen ab, Tierschutzorganisationen kritisieren die Bedingungen dort seit Jahren.
Im Oman bieten Camps in den Wahiba Sands Ritte über die Dünenketten an. In den Emiraten ist die Runde im Camp Teil fast jeder Wüstensafari in Dubai. Im Dubai Desert Conservation Reserve tragen geprüfte Touren ein Siegel des Schutzgebiets, ein guter Anhaltspunkt bei der Auswahl.
In Ägypten sind Gizeh und die nubischen Dörfer bei Assuan die bekanntesten Orte. Beide sind stark auf schnelle Runden und Fotos zugeschnitten, dort lohnt der prüfende Blick besonders. Ruhiger ist ein Ritt in den Tälern hinter Dahab am Sinai, mit Guide.
In Tunesien starten in Douz die meisten Ritte am späten Nachmittag in die Dünen. Douz liegt an der Linie, südlich derer das Auswärtige Amt von Reisen abrät, und von individuellen Wüstentouren rät es ab (Stand 6. November 2026). Was dort möglich ist, beschreibt die Seite Sahara in Tunesien. Am Strand von Djerba werden kurze Runden angeboten, auch dort gilt der Blick auf Tier und Sattel.
Gesundheit, Rücken und wann du besser verzichtest
Laut Weltgesundheitsorganisation sind Dromedare das wichtigste Reservoir des MERS-Coronavirus. Für Urlauber auf einem kurzen Ritt ist das Risiko gering. Trotzdem wäschst du dir danach die Hände, trinkst keine rohe Kamelmilch und isst Kamelfleisch nur durchgegart. Ältere Menschen und alle mit chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Herz- und Lungenleiden halten besser Abstand. Auch das Auswärtige Amt nennt MERS in seinen Gesundheitshinweisen zum Oman.
Verzichten solltest du außerdem bei Rücken- oder Bandscheibenproblemen, in der Schwangerschaft und bei frischen Verletzungen an Knie oder Hüfte. Die Stöße beim Aufstehen des Tiers und das Schaukeln im Passgang sind stärker, als es aussieht. Eine gute Alternative ist, neben der Karawane zu laufen oder dich im Geländewagen ins Camp bringen zu lassen. Die Dünen am Abend erlebst du zu Fuß genauso.
Wer weitere Schritte seiner Reise ordnen will, findet Visum, Reisezeit und Budget in der Zentrale Reiseplanung für den Orient.
Häufige Fragen
Wie steigt man richtig auf ein Kamel und wieder ab?
Das Kamel liegt dabei auf dem Boden. Du steigst von der Seite auf, setzt dich fest in den Sattel und hältst dich am Griff vorne fest. Beim Aufstehen kommen zuerst die Hinterbeine hoch, deshalb lehnst du dich weit zurück. Danach richtet sich das Tier vorne auf, und du kommst wieder gerade. Beim Absteigen läuft es umgekehrt: erst nach vorne kippen, also zurücklehnen, dann sitzt du wieder waagerecht.
Ist Kamelreiten für Urlauber gefährlich?
Bei einem ruhigen, geführten Ritt ist das Risiko gering. Die heikelsten Momente sind Aufstehen und Abknien des Tiers, weil du dabei ruckartig nach vorne oder hinten geworfen wirst und rund zwei Meter über dem Boden sitzt. Halt dich immer mit beiden Händen fest und lass Kamera und Handy dann in der Tasche. Unruhige Tiere, steile Dünen ohne Führer und Ritte in der Mittagshitze solltest du meiden.
Ab welchem Alter können Kinder auf einem Kamel reiten?
Für Kinder ab etwa vier Jahren ist ein kurzer Ritt meist kein Problem, wenn ein Führer das Tier am Zügel hält und die Strecke eben ist. Kleine Kinder sitzen nicht allein, sondern vor einem Erwachsenen oder gar nicht. Wichtig ist, dass das Kind sich selbst gut festhalten kann. Für die erste Runde reichen 15 bis 20 Minuten, längere Ritte ins Camp ermüden Kinder schnell.
Kann man sich bei Kamelen mit MERS anstecken?
Das Risiko für Urlauber ist gering, aber nicht null. Laut Weltgesundheitsorganisation sind Dromedare das wichtigste Reservoir des MERS-Coronavirus, Menschen können sich durch engen Kontakt anstecken. Wasch dir nach dem Ritt die Hände, trink keine rohe Kamelmilch und iss Kamelfleisch nur gut durchgegart. Ältere Menschen und alle mit Diabetes, Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen meiden engen Kontakt mit den Tieren besser ganz.




