Glossar · Religion und Feste

Muezzin: Bedeutung und Erklärung für Reisende

Der Muezzin ist der Mann, der fünfmal am Tag zum Gebet ruft, früher vom Minarett, heute meist über Lautsprecher. Der Ruf heißt Adhan und beginnt mit „Allahu akbar“, Gott ist größer. Für Reisende ist er auch eine Uhr: Er kündigt an, dass Moscheen für Besucher kurz schließen, und in Altstädten weckt er vor Sonnenaufgang.

Muezzin: Der Muezzin ruft in einer Moschee fünfmal am Tag zum Pflichtgebet. Sein Ruf heißt Adhan und wird traditionell vom Minarett aus vorgetragen, heute meist über Lautsprecher.

Kurz erklärt

BedeutungGebetsrufer einer Moschee
Der RufAdhan, fünfmal am Tag
Beginn„Allahu akbar“, Gott ist größer
Frühervom Umgang des Minaretts
Heutemeist über Lautsprecher
Für dichZeichen, dass Besuchermoscheen kurz schließen
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Wer zum ersten Mal in Istanbul, Kairo oder Marrakesch übernachtet, hört ihn spätestens vor Sonnenaufgang: einen langgezogenen Ruf, der von mehreren Moscheen gleichzeitig über die Dächer kommt. Das ist der Muezzin. Diese Erklärung für Reisende zeigt dir die Bedeutung des Wortes, den Inhalt des Gebetsrufs, den Unterschied zum Imam und was der Ruf für deinen Tag praktisch heißt. Weitere Begriffe rund um Moschee und Gebet stehen im Orient-Glossar.

Was Muezzin bedeutet

Der Muezzin ist der Gebetsrufer einer Moschee. Fünfmal am Tag kündigt er die Zeit des Pflichtgebets an, des Salat: vor Sonnenaufgang, mittags, nachmittags, bei Sonnenuntergang und am Abend. Sein Ruf heißt auf Arabisch Adhan, und vom selben Wort leitet sich auch die Bezeichnung des Rufers ab. Nach islamischer Überlieferung war Bilal, ein Gefährte des Propheten Muhammad, der erste Muezzin. Ein Geistlicher im Sinn eines Priesters ist der Muezzin nicht. In vielen Ländern sind Muezzine bei staatlichen Religionsbehörden angestellt, in kleinen Moscheen übernimmt die Aufgabe oft ein Mitglied der Gemeinde.

Früher stieg der Muezzin dafür auf das Minarett, den Turm der Moschee, und rief von einem Umgang aus in alle Richtungen. Heute übernehmen fast überall Lautsprecher diese Aufgabe, gesungen wird der Ruf aber weiterhin von Menschen. Ein Muezzin mit schöner, tragender Stimme ist in seinem Viertel oft bekannt, und viele Gläubige erkennen ihre Moschee am Klang.

Aussprache und Schreibweise

Auf Deutsch sagst du „Mu-EZ-zin“. Das arabische Original lautet mu'adhdhin, im Türkischen müezzin. Der Ruf selbst heißt Adhan, in der Türkei Ezan.

Was beim Gebetsruf gesagt wird

Der Adhan wird auf Arabisch vorgetragen, ist überall gleich aufgebaut und dauert ungefähr zwei bis drei Minuten. Der Text in Umschrift und sinngemäßer deutscher Übersetzung, so wie er in sunnitischen Moscheen üblich ist:

Arabisch in Umschrift Deutsch, sinngemäß Wie oft
Allahu akbar Gott ist größer viermal
Aschhadu an la ilaha illa llah Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Gott zweimal
Aschhadu anna Muhammadan rasulu llah Ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Gottes ist zweimal
Hayya ala s-salah Kommt zum Gebet zweimal
Hayya ala l-falah Kommt zum Heil zweimal
Allahu akbar Gott ist größer zweimal
La ilaha illa llah Es gibt keinen Gott außer Gott einmal

Vor dem Morgengebet kommt der Satz „As-salatu khairun min an-naum“ hinzu, das Gebet ist besser als der Schlaf. Schiitische Gemeinden, etwa in Teilen Bahrains, ergänzen einzelne Formeln. Kurz vor Beginn des gemeinsamen Gebets in der Moschee folgt ein zweiter, schnellerer Ruf, die Iqama. Daran erkennst du, dass das Gebet gleich beginnt.

Beispiele aus mehreren Ländern

  • Türkei: An der Blauen Moschee in Istanbul mit ihren sechs Minaretten schließt der Besucherbereich zu jedem Gebet. Wenn du den Ruf hörst, weißt du, dass der Einlass für eine Weile stoppt.
  • Tunesien: Die Große Moschee von Kairouan hat laut UNESCO ein dreistöckiges Minarett, das den Hof nach Norden abschließt.
  • Marokko: In den Riads der Medina von Marrakesch oder Fès gehört der Ruf vor Sonnenaufgang zu den Geräuschen der ersten Nacht, zusammen mit Motorrollern in den Gassen.
  • Jordanien: In Jerash hörst du den Gebetsruf aus der heutigen Stadt bis hinüber zu den römischen Säulen.
  • VAE und Oman: Auch in modernen Vierteln von Dubai, Abu Dhabi und Muscat stehen Moscheen in kurzen Abständen, der Ruf ist überall zu hören.

Abgrenzung: Muezzin, Imam und Adhan

Der Muezzin ruft, der Imam leitet das Gebet und steht dabei vor der Gebetsnische. Adhan ist der Ruf selbst, Salat das Gebet, zu dem gerufen wird. Der Gebetsruf ist kein Gesang im Sinn von Musik, sondern eine Ankündigung, auch wenn er melodisch vorgetragen wird. Und das Freitagsgebet ist kein eigener Ruf, sondern ersetzt am Freitag das Mittagsgebet.

Was du als Reisender davon hast

Der Gebetsruf hilft dir, den Tag zu planen. Moscheen mit Besucherbereich lassen kurz vor und während des Gebets niemanden hinein, plane in dieser Zeit lieber einen anderen Programmpunkt. Wer im Hotel nahe einer Moschee empfindlich schläft, packt Ohrstöpsel ein, denn der Ruf zum Morgengebet kommt je nach Jahreszeit schon zwischen etwa vier und sechs Uhr. Während des Rufs musst du nichts Besonderes tun. Viele senken kurz die Stimme oder drehen die Musik leiser, das wird als höflich wahrgenommen. Fotografieren und Filmen der Minarette ist in Ordnung, Betende in der Moschee fotografierst du dagegen nicht. Im Ramadan hat der Ruf bei Sonnenuntergang eine besondere Bedeutung: Mit ihm endet das Fasten des Tages, und überall greifen Menschen zu Datteln und Wasser. In der Stunde davor sind die Straßen voll, danach plötzlich leer. Was du beim Besuch sonst beachtest, erklärt der Ratgeber Moscheen besuchen.

Häufige Fragen

Muss ich als Tourist beim Ruf des Muezzins stehen bleiben oder still sein?

Nein, eine feste Regel für Besucher gibt es nicht. Du gehst einfach weiter, unterhältst dich und kaufst ein. Viele Einheimische unterbrechen ihr Gespräch kurz oder drehen Musik leiser, und das wirkt auch bei Gästen höflich. Wer gerade in einer Moschee ist, verlässt den Gebetsbereich oder bleibt still am Rand stehen, bis die Aufsicht wieder Besucher hineinlässt.

Was ist der Unterschied zwischen Imam und Muezzin?

Der Muezzin ruft zum Gebet, der Imam leitet es. Der Imam steht beim gemeinsamen Gebet vorn vor der Gebetsnische, die Gläubigen folgen seinen Bewegungen, und am Freitag hält oft er die Predigt. In kleinen Moscheen übernimmt manchmal ein und dieselbe Person beide Aufgaben. In großen Moscheen gibt es dagegen oft mehrere Muezzine, die sich abwechseln.

Wie spricht man Muezzin richtig aus?

Im Deutschen sagst du „Mu-EZ-zin“, mit Betonung auf der zweiten Silbe und einem stimmhaften s-Laut wie in „Sonne“. Das arabische Original lautet mu'adhdhin, mit einem kurzen Stopp nach dem u und einem weichen th wie im englischen „this“. In der Türkei heißt er müezzin. Alle Varianten werden verstanden.

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Quellen und offizielle Informationen

UNESCO World Heritage Centre: Kairouan; Sheikh Zayed Grand Mosque Centre: Mosque opening hours.

Veröffentlicht am , zuletzt geprüft am . Preise, Zeiten und Einreiseregeln entsprechen dem Stand November 2026 und können sich ändern. Maßgeblich sind die Angaben der genannten offiziellen Stellen.