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Alexandria fühlt sich anders an als der Rest Ägyptens. Statt Wüste und Nil hast du Meer, Wind und eine Uferpromenade, an der Fischerboote liegen und alte Wohnhäuser mit Balkonen auf die Bucht schauen. Gegründet wurde die Stadt laut Überlieferung 331 vor Christus von Alexander dem Großen. Unter den Ptolemäern war sie Hauptstadt, Hafen und Wissenszentrum mit der berühmten antiken Bibliothek und dem Leuchtturm Pharos, einem der sieben Weltwunder. Beides ist verschwunden. Was du heute siehst, sind Spuren aus römischer und islamischer Zeit, eine moderne Bibliothek und eine lebendige Großstadt am Mittelmeer.
Wie Alexandria in eine Reise durch das Land passt, zeigt die Übersicht zu Ägypten. Meist kommst du aus Kairo, entweder für einen Tag oder für eine Nacht.
Die Bibliothek: Bibliotheca Alexandrina
Die Bibliotheca Alexandrina wurde 2002 eröffnet und knüpft bewusst an die antike Bibliothek an. Das Gebäude ist eine riesige, schräg gestellte Scheibe am Meer, deren Außenwand mit Schriftzeichen aus vielen Sprachen bedeckt ist. Innen fällt der Lesesaal über mehrere Ebenen ab, Tageslicht kommt von oben. Dazu gehören Museen, ein Planetarium und Ausstellungen.
Für Besucher wichtig sind die Öffnungszeiten. Laut Bibliothek sind Führungen, Museen und Planetarium sonntags bis donnerstags von 9.30 bis 17 Uhr offen, samstags verkürzt von 10 bis 14 Uhr, freitags ist alles geschlossen (Stand November 2026). Eintrittspreise nennt die offizielle Besucherseite nicht, du zahlst am Ticketschalter vor Ort. Rechne mit ein bis zwei Stunden für Gebäude und eine Ausstellung.
Katakomben, Säule und Theater: das römische Alexandria
Die Katakomben von Kom el-Shoqafa sind der eindrucksvollste antike Ort der Stadt. Eine Wendeltreppe führt mehrere Stockwerke in den Fels hinab zu Grabkammern aus römischer Zeit. Spannend ist die Mischung der Stile: ägyptische Götter in römischer Kleidung, griechische Säulen neben altägyptischen Motiven. Es ist unten kühl, feucht und eng, für Menschen mit Platzangst eher nichts. Für die Anlage reicht eine knappe Stunde.
In der Nähe steht die sogenannte Pompeius-Säule auf dem Hügel des alten Serapeums, eine einzelne riesige Granitsäule aus römischer Zeit. Mitten in der Stadt liegt Kom el-Dikka mit einem kleinen römischen Theater und Resten von Bädern. Beides lässt sich zu Fuß oder mit kurzer Taxifahrt verbinden.
Unser Rat: Fang morgens mit den Katakomben und der Säule an, geh mittags in die Bibliotheca, wenn es draußen heiß ist, und heb dir die Zitadelle für den späten Nachmittag auf. Dann stehst du zum Sonnenuntergang am Meer.
Die Zitadelle Qaitbay und der alte Hafen
Am Ende einer Landzunge im Osthafen steht die Zitadelle Qaitbay, eine Festung aus dem 15. Jahrhundert. Sie wurde dort gebaut, wo vermutlich der antike Leuchtturm stand, und teils aus seinen Steinen. Von den Mauern siehst du über die Bucht auf die ganze Stadt. Der Weg dorthin führt durch das Viertel Anfushi mit Fischmärkten, Bootsbauern und der Moschee Abu al-Abbas al-Mursi, einer der wichtigsten der Stadt. Wenn du sie von innen sehen willst, achte auf bedeckte Kleidung und meide die Gebetszeiten, wie bei jeder Moschee.
In den Restaurants am Hafen wählst du Fisch und Meeresfrüchte roh aus, sie werden nach Gewicht berechnet und gegrillt oder frittiert. Frag vorher nach dem Preis pro Kilo. Was du sonst in Ägypten probieren solltest, steht bei Essen in Ägypten.
Die Corniche und das Leben am Meer
Die Corniche von Alexandria zieht sich viele Kilometer am Meer entlang, vom Osthafen bis weit nach Osten zu den Gärten des Montaza-Palasts. Sie ist zugleich Promenade und Hauptverkehrsader. Zu Fuß zu gehen ist schön, über die Straße zu kommen eine Mutprobe, nimm Unterführungen oder Ampeln, wo es sie gibt. Abends sitzen Familien auf der Mauer, Verkäufer bieten Mais und Tee an, und in den alten Kaffeehäusern der Innenstadt wird Zeitung gelesen.
Baden ist an der Stadtküste möglich, aber nicht das, was du vom Roten Meer kennst. Die Stadtstrände sind im Sommer voll, Einheimische baden oft in Kleidung. Freier bist du an Hotelstränden oder an der Nordküste westlich der Stadt. Für einen klassischen Badeurlaub mit Riffen ist das Rote Meer die bessere Wahl, etwa rund um Hurghada.
Montaza, Stanley und der Osten der Stadt
Je weiter du an der Corniche nach Osten fährst, desto ruhiger und grüner wird es. Rund um die Stanley-Brücke, die eine kleine Bucht überspannt, liegen Cafés und Badestellen, abends ist die beleuchtete Brücke ein beliebtes Fotomotiv. Ganz im Osten erreichst du die Gärten des Montaza-Palasts, einer früheren königlichen Sommerresidenz. Der Palast selbst ist meist nicht zu besichtigen, der Park mit Palmen, Wegen und Blick auf die Bucht gegen kleinen Eintritt aber schon. An Freitagen und in den Sommerferien ist er voll mit Familien, unter der Woche am Vormittag fast leer.
Für die Fahrt nimmst du ein Taxi oder eine App-Fahrt, eine Strecke vom Zentrum dauert je nach Verkehr 30 bis 60 Minuten. Die alte Straßenbahn fährt zwar auch durch die Stadt, ist für Besucher aber langsam und schwer zu durchschauen. Wohnen kannst du zentral nahe dem Osthafen, dann sind Bibliotheca, Zitadelle und Altstadt nah, oder ruhiger im Osten, dann fährst du für die Sehenswürdigkeiten länger. Für eine oder zwei Nächte ist das Zentrum die praktischere Wahl.
Tagesausflug ab Kairo oder eine Nacht?
Von Kairo nach Alexandria sind es rund 220 Kilometer. Mit dem Zug ab dem Hauptbahnhof Ramses fährst du etwa zweieinhalb bis drei Stunden, mit Auto oder Fahrer über die Wüstenautobahn ähnlich lange, je nach Verkehr am Stadtrand. Wie die Züge funktionieren und was Fahrer kosten, steht bei unterwegs in Ägypten.
Für einen Tagesausflug heißt das: früh um sieben los, gegen zehn in Alexandria, drei Ziele, um 17 Uhr zurück. Das klappt, ist aber anstrengend. Mit einer Nacht wird die Stadt erst angenehm, weil du den Abend und den frühen Morgen am Meer erlebst und nicht im Verkehr sitzt. In einer Ägypten Rundreise passt Alexandria am besten an den Anfang oder an das Ende des Kairo-Teils.
Beste Reisezeit und Klima
Alexandria hat Mittelmeerklima. Im Sommer ist es mit etwa 30 Grad weniger heiß als in Kairo, aber feucht, und die Stadt ist voll mit Urlaubern aus dem eigenen Land. Im Winter liegen die Tageswerte um 18 bis 20 Grad, dazu kommen Regen und Sturm, die das Meer aufwühlen. Am angenehmsten sind das Frühjahr und der Herbst. Mehr dazu steht bei der besten Reisezeit für Ägypten.
Zur Sicherheit: Für Alexandria selbst gibt es keine besondere Warnung des Auswärtigen Amts. Hinweise wie Vorsicht im Straßenverkehr und bei Demonstrationen gelten aber wie in anderen Städten des Landes.
Häufige Fragen
Sind Alexandria und Kairo das Gleiche?
Nein, es sind zwei verschiedene Städte. Kairo ist die Hauptstadt am Nil, Alexandria die zweitgrößte Stadt des Landes und liegt rund 220 Kilometer nordwestlich direkt am Mittelmeer. In der Antike war Alexandria lange die Hauptstadt Ägyptens. Heute fährst du mit dem Zug oder Auto etwa drei Stunden von einer Stadt zur anderen.
Kann man in Alexandria baden?
Ja, aber anders als in Hurghada. Die Stadtstrände sind im Sommer sehr voll, viele Einheimische baden bekleidet, und Bikini wirkt dort fehl am Platz. Wer entspannt schwimmen will, geht an Hotelstrände oder fährt westlich an die Nordküste Richtung El Alamein. Im Winter ist das Meer kühl und oft rau. Abseits erschlossener Küstenabschnitte westlich von El Alamein warnt das Auswärtige Amt vor Minen.
Lohnt sich ein Tagesausflug von Kairo nach Alexandria?
Wenn du nur die drei Hauptziele sehen willst, ja. Rechne aber mit sechs bis sieben Stunden Fahrt hin und zurück und plane den Freitag aus, weil die Bibliotheca dann geschlossen ist. Mit einer Übernachtung bekommst du den Abend an der Corniche, frischen Fisch und einen entspannten Vormittag dazu. Das ist das Mehr, das die Stadt ausmacht.
Wie ist Alexandria heute?
Eine Millionenstadt mit Verkehr, Hafen, Universität und alten Kaffeehäusern, deutlich weniger touristisch als Kairo oder Luxor. Von der antiken Stadt ist über der Erde wenig erhalten, vieles liegt unter modernen Häusern oder im Meer. Den Reiz machen die Lage am Wasser, die Bauten aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert und das Leben an der Corniche aus.




