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Auf der Fahrt durch die Wüste am Golf tauchen neben der Straße plötzlich weite, weiße Flächen auf. Sie sind so flach, dass man meint, man könne einfach hinüberfahren. Genau das ist der Fehler. Diese Flächen heißen Sabkha, und ihre Bedeutung zu kennen, schützt dich vor einer der häufigsten Pannen bei Wüstenfahrten. Die Erklärung gehört zum Orient-Glossar.
Was Sabkha bedeutet
Eine Sabkha ist eine Salzebene in der Wüste: eine flache, kaum bewachsene Fläche mit einer Kruste aus Salz und feinem Sediment. Sie entsteht dort, wo salziges Grundwasser dicht unter der Oberfläche liegt. Die Sonne verdunstet das Wasser, zurück bleibt das Salz, das sich Schicht um Schicht ablagert. So bildet sich eine harte, oft rissige Haut, unter der der Boden feucht und weich bleibt.
Man unterscheidet Küsten-Sabkhas, die direkt am Meer liegen und von Gezeiten und Meerwasser geprägt sind, und Inland-Sabkhas mitten in der Wüste. Gesprochen wird das Wort „SAB-cha“, mit einem rauen „ch“ wie in „Bach“. Im Maghreb liest du oft die Form Sebkha.
Wo du Sabkhas siehst
Die größte bekannte Küsten-Sabkha der Region liegt in den Emiraten. Die Abu Dhabi Sabkha steht seit 2018 auf der Vorschlagsliste der VAE für das UNESCO-Welterbe. Laut UNESCO ist sie an manchen Stellen bis zu 16 Kilometer breit, nimmt 62 Prozent des Küstenstreifens auf dem Festland ein und hat sich über rund 7.000 Jahre gebildet. Sie liegt westlich der Hauptstadt zwischen Al Dhabayah und der Insel Abu Al Abyadh.
Für Reisende zeigt sie sich am deutlichsten auf der Fahrt in die Liwa-Oase. Kurz vor den Dünen der Rub al-Khali fährst du an weiten Salzebenen vorbei, die im Licht fast blenden. In Katar wechseln sich rund um das Inland Sea Sand, Felsrücken und Sabkha ab. Wer dort eine Tour macht, merkt schnell, warum die Fahrer bestimmte Spuren nie verlassen, mehr dazu bei der Wüste in Katar.
In Tunesien heißen die großen Salzseen Chott. Der Chott el Djerid zwischen Tozeur und Douz ist das bekannteste Beispiel, eine Straße führt auf einem Damm hindurch. Im Winter steht dort manchmal flaches Wasser, im Sommer glitzert die Kruste. Mehr zur Region steht bei der Sahara in Tunesien.
Auch als Name begegnet dir das Wort. In Dubai heißt ein Viertel in Deira Al Sabkha, mit einer Station für die traditionellen Abras am Creek. Von der Salzebene ist dort nichts mehr übrig, der Name erinnert an die frühere Uferlandschaft.
Warum Sabkhas gefährlich sind
Die Tücken einer Salzebene liegen unter der Oberfläche, und genau deshalb unterschätzen sie selbst erfahrene Fahrer. Wer in den Emiraten oder in Katar mit Einheimischen spricht, hört oft Geschichten von Autos, die über Nacht in der Sabkha stecken blieben.
Typischer Fehler: Abkürzen über eine Salzfläche, weil sie fest und eben aussieht. Bricht die Kruste, sinkt das Auto bis zur Achse ein. Nach Regen kann das schon wenige Meter neben der Straße passieren.
Das Problem ist, dass man der Fläche ihren Zustand nicht ansieht. Eine trockene, harte Sabkha trägt manchmal ein Fahrzeug, eine feuchte nie. Und feucht kann sie auch dann sein, wenn es seit Tagen nicht geregnet hat, weil das Grundwasser von unten nachkommt. Mietwagenverträge schließen Fahrten abseits befestigter Straßen ohnehin meist aus, und Bergungen in der Wüste sind teuer. Hinweise zu Pisten, Salzflächen und Versicherung hat der Ratgeber Mietwagen im Oman, sie gelten sinngemäß auch in den Emiraten.
Auch zu Fuß ist Vorsicht angebracht. Die Kruste kann unter dir brechen, darunter ist der Schlamm salzig und scharfkantig. Für Fotos reicht der Rand neben der Straße.
Abgrenzung
Eine Sabkha ist kein Erg, also keine Sandwüste mit Dünen, auch wenn beide oft nebeneinander liegen. Sie ist auch keine Oase: Das Wasser einer Sabkha ist salzig und für Pflanzen kaum nutzbar. Und sie ist kein See, auch wenn sie nach Regen zeitweise unter Wasser steht. Am nächsten verwandt ist der Chott in Nordafrika, der im Grunde dasselbe in größerem Maßstab beschreibt.
Was Reisende davon haben
Mit dem Wort im Kopf erkennst du die Fläche sofort und triffst die richtige Entscheidung: auf der Straße bleiben. Du verstehst außerdem, warum manche Pisten Umwege fahren und warum Wüstenführer bei Regen Touren absagen.
Und du siehst die Landschaft mit anderen Augen, auch wenn sie auf den ersten Blick langweilig wirkt. Sabkhas sind keine leeren Flächen, sondern ein eigener Lebensraum mit Algenmatten, Krebsen und Vögeln an der Küste. Wer an der Küste westlich von Abu Dhabi unterwegs ist, fährt durch eine Landschaft, die Geologen weltweit untersuchen.
Häufige Fragen
Warum wird eine Sabkha nach Regen so gefährlich zum Befahren?
Die Salzkruste ist nur wenige Zentimeter dick und liegt auf salzigem Schlamm, der vom Grundwasser feucht gehalten wird. Regen löst einen Teil des Salzes und weicht die Oberfläche zusätzlich auf. Die Ebene sieht danach oft genauso aus wie vorher, trägt aber kein Auto mehr. Wer einsinkt, kommt ohne Bergung kaum heraus, und abseits der Straße hilft dir so schnell niemand.
Ist der Stadtteil Al Sabkha in Dubai nach einer Salzebene benannt?
Der Name verweist auf die Landschaft, die am Creek einmal typisch war: flache, salzige Uferflächen. Heute ist Al Sabkha ein dicht bebautes Viertel in Deira mit Abra-Station, Geschäften und Busbahnhof. Von einer Salzebene ist dort nichts mehr zu sehen. Mit der traditionellen Abra kommst du vom gegenüberliegenden Ufer günstig hinüber.
Ist der Chott el Djerid in Tunesien eine Sabkha?
Im Prinzip ja. Chott ist im Maghreb das Wort für einen großen Salzsee oder eine Salzpfanne, die zeitweise Wasser führt und sonst von einer Salzkruste bedeckt ist. Der Chott el Djerid liegt zwischen Tozeur und Douz, eine Straße führt auf einem Damm hindurch. Neben der Straße gilt dasselbe wie bei jeder Sabkha: nicht auf die Fläche fahren oder laufen.



